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  Startseite - Faszikel Ia - Band 01 (1778)
 
Jean Paul: Exzerpte. Digitale Edition.
Hrsg. von Christian Müller-Clausnitzer, Sabine Straub,
Monika Vince und Michael Will.

Universität Würzburg. Arbeitsstelle Jean-Paul-Edition
Leitung: Helmut Pfotenhauer
 
   
   
Titelblatt
 
    Exzerpten.  
    Erster Band.  
    1778.  
    Verschiedenes  
    aus den  
    neuesten Schriften.  
    Erster Band.  
    Schwarzenbach an der Saal, – – .  
    1778.  
 
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(c) Jean Paul Exzerpte. Digitale Edition. Jean-Paul-Arbeitsstelle. Universität Würzburg
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I.
 
(c) Universität Würzburg. Arbeitsstelle Jean-Paul-Edition
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Journual für Prediger. Erster Band. Halle, bei Karl Christian Kümmel. 1770.
 
 
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1.) Von der Ewigkeit der Höllenstrafen. negat:
 
 
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"Allerdings können für die ewige Dauer der Höllenstrafen so scheinbare Stellen der heiligen Schrift angeführet werden, daß man diejenigen wohl entschuldigen kan, welche dieser Meinung zugethan sind. Unterdessen ist doch zu bemerken, daß, obgleich Gottes Drohungen von ewigen Strafen, welche die Menschen von der Sünde abschrecken sollen, nicht anders lauten können, als wir sie in der heiligen Schrift finden, es dennoch bei Gott stehe, in welchem Masse er sie erfüllen wolle. Noch mehr aber sind drei Grundsäzze fest zusezzen, die in der Natur Gottes und der Dinge gegründet, und eben so wichtig, als nachdrückliche Stellen der heiligen Schrift sind. Der erste ist: Gott erschaffe kein vernünftiges Wesen, dessen unaufhörliche Unglückseligkeit er vorher gesehen. Da ein mitleidiger Mensch, wenn er Menschen hervorbringen könnte, deren unaufhörliches Verderben er vorher wüste, sich davon enthalten würde, warum sollten wir das nicht bei Gott, dem gütigsten Wesen, in höhern Grade denken und von ihm erwarten? – Der zweite Grundsatz ist: ein weiser Gesetzgeber überhaupt, und Gott insonderheit, hat bei seinen Strafen nicht nur die Warnung anderer, sondern x auch die Besserung des jenigen, den sie betreffen, zur Absicht. Menschliche Gesetzgeber können diesen Endzwek niemals völlig erreichen, weil {sie} die Todten nicht lebendig machen können: Gott aber ist es möglich. Der dritte Grundsatz ist: die Absicht Jesu Christi, {warum er auf die Welt kam} geht auf wirkliche Bekehrung aller und jeder Menschen, und man kan unmöglich denken, daß unserm Gott seine grosse gnädige Absicht bei denselben der Hauptsache nach mißlingen sollte: sie muß also an demjenigen, bei welchem sie auf Erden nicht erreicht werden kan, künftig erreicht werden." – Pag: 176. 177.
 
 
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2) Von den Wirkungen des Teufels.
 
 
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("Wenn der Teufel an besondern Sünden, unmittelbar schuld wäre, so müste er algegenwärtig sein, welches aber nicht gedacht werden kan. Es ist also wahrscheinlich, daß, weil der Teufel {Non credendum est diabolum existere, quod ego jam probabo} der erste Urheber der Sünde und der gröste Bösewicht in der Welt ist, von mancher so schweren Sünde so geredet werde, als ob er der Verführer zu derselben sei, um ihre Abscheulichkeit desto nachdrücklicher anzuzeigen: und daß in einigen Stellen an statt des Teufels solche Menschen, die ihm ähnlich, und eben so, wie er, Verführer und Verderber anderer sind, gemeinet werden." Pag. 177.
 
 
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II.
 
 
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Journual für Prediger. Zweiter Band. Halle, bei Karl Christian Kümmel. 1771.
 
 
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1) Was die Beredsamkeit sei.
 
 
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"Die Beredsamkeit ist die Gabe, die tiefe Empfindung, von welcher man selbst durchdrungen ist, in die Seele anderer mit Macht einzudrücken; diese kostbare Gabe keimet aus der besondern Empfindlichkeit gegen das Grosse, das Ehrbare, und Wahre. So giebt es demnach keine Kunst für die Beredsamkeit, weil es dergleichen keine für die Empfindung giebt. Die Natur bildet die Menschen von Genie so wie sie die kostbaren Metalle roh und mit fremder Materie vermischt in dem Schoosse der Erden bildet. Die Kunst thut in Ansehung des Genies weiter nichts mehr als was sie in Ansehung dieser Metalle thut; sie {füget} nichts zu ihrem Beständnisse hinzu, sondern sie reiniget sie nur von dem anklebenden Fremden; sie entwikkelt nur das Werk der Natur." Pag. 49. 50.
 
 
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2) Gesinnungen des Samariters bei dem Anblick des Elenden.
 
 
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"Wie? ein Mensch in seinem Blute! – ausgezogen, trostlos und ohne Hülfe! – Vielleicht schon todt, oder doch dem Augenblicke des Todes ganz nahe! – Ach, er kan noch wohl erquikt werden, wenn nur Jemand sich seiner annähme; Ich kenne ihn zwar nicht: aber er ist doch ein Mensch, und auf der ganzen Erde kan mir kein Geschopf fremd sein, das einerlei Natur mit mir hat. – Vielleicht ist er ein schlechter, unwürdiger Mensch? Vielleicht. – Aber seine Noth redet für ihn, und in diesem Augenblikke wenigstens hat er das Verdienst, Mitleiden zu fordern. Vielleicht ist er aber auch ein wirklich verdienstvoller Mann, dessen Leben vielen andern nüzlich ist: dessen Wiederkunft eben jezt eine ganz tugendhafte Familie mit Sehnsucht erwartet. – Genug, es sei wie es wolle. Ich will bei jeder ungewissen Muthmassung nach dem handeln, was ich sehe, was ich gewis weiß und empfinde, und was ich allemal mir selbst wünschen würde, wenn mich das Verhängniß an seine Stelle geworfen hätte. – Und wenn er mein Feind wäre, so könnte ich es nicht unterlassen, da, wo alle Feindschaft stirbt, sein Freund zu sein, und ihm denjenigen zu ersezzen, der ihm hier in seiner Verlassung fehlt. Ja ich will, ich muß ihm beistehen. –" Pag. 96.
 
 
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3) Verbindung der natürlichen Religion mit der christlichen Offenbarung.
 
 
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"Gehen wir zurück in die gränzenlose Reihe verfloßner Zeiten, ehe diese Welt gemacht war, können wir da je
 
 
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an einen Zeitpunkt kommen, wo keine Geschöpfe waren, sondern allein die selbstgenugsame Gottheit? Waren nicht allezeit Weltkörper und Weltgebäude ohne Zahl, bevölkert mit Myriaden verständiger Wesen, die ihres Schöpfers Herrlichkeit sahen und seiner Güte sich freueten?" –
 
 
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"Aus der Wirklichkeit der Auferstehung unsers Herrn folgt unläugbar, daß er alles war, wofür er sich ausgab, der Sohn Gottes, durch welchen Titel er nicht etwas andeutete, daß sein Wesen betraf, sondern seinen moralischen Karakter, seine Würde und die hohe Ehre und Gnade, die er bei Gott hatte."
 
 
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"Sollte es Jemanden eine unvernunftmäsige und unglaubliche Meinung zu sein scheinen, daß ein Wesen von höherer Ordnung und himmlischer Würde, und in Vergleichung gegen den Menschen, in der Gestalt eines Gottes im Fleische erscheinen und gleich einem andern Menschen erfunden werden sollte, so können wir dagegen antworten, daß wir kein Beispiel haben, daß unser Erlöser oder einer seiner Apostel von irgend einem ihrer Jünger oder Bekehrten verlangen, diese Lehre anzunehmen und zu glauben. – Diese Lehre muß demnach nicht unter die Artikel unsers christlichen Glaubens gerechnet werden." – –
 
 
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"(Die Verbesserung der Menschen in dieser Welt wird in den Schriften des N. T. nicht so vorgestellt, als wäre sie der vornehmste Endzwek und die Hauptabsicht der Unternehmung unsers Erlösers. Die Bekanntmachung des Evangeliums, und die Bemühung
 
 
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der Apostel, sein Ansehen und seinen Einfluß in der Welt zu befördern, waren zwar auf den Unterricht, die Bekehrung und die moralische Verbesserung aller derer gerichtet, welche darauf achten würden; aber die Aufnahme und die Wirkung des Evangeliums unter den Menschen ist gegen den Hauptzwek der ganzen Unternehmung des Erlösers verglichen, nur ein Umstand.")
 
 
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"(Die Hauptabsicht und der grosse Zweck des Erlösers war die Erlösung d. i. die Errettung von einer gänzlichen Zernichtung.")
 
 
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"(Wenn wir vorgefaßte Meinungen haben, daß die Seelen der Menschen physisch unsterblich und ewig sind, wo werden wir mehr Schwierigkeit finden, zu einem klaren Verständniß des Evangeliums zu gelangen." –)
 
 
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("Die ewige Verdammniß ist eine gänzliche und unwiderrufliche Zerstörung des menschlichen Daseins.")
 
 
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("Der geistliche und ewige Tod oder die Vernichtung wird eigentlich eine immer daurende Strafe genannt, weil sie unwiderruflich ist.")
 
 
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"Daß ein algegenwärtiges, almächtiges, höchst weises, gerechtes, gütiges und wohlthätiges Wesen ist; daß es über die vernünftige Welt auf die vollkommenste Art herrschet; daß ein künftiges Leben ist, worin die Menschen nach ihren Handlungen sollen belohnt werden: daß unser hochgelobter Erlöser zum Verwalter der göttlichen Gerechtigkeit und Güte und zum Richter der Welt bestimmt ist, das sind wichtige Wahrheiten, Grundlehren der Religion überhaupt und besonders des Christenthums."
 
 
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"Wie Engel, und selbst gute Menschen, wegen ihrer Frömmigkeit und Rechtschaffenheit und wegen der göttlichen Gunst gegen sie, häufig Söhne Gottes genannt werden, so wird der Erlöser am häufigsten und in der vorzüglichsten Bedeutung der Sohn Gottes benannt; durch welchen Namen nicht der Ursprung seines Wesens, sondern sein sittlicher Werth und seine Würde nach dem göttlichen Urtheil angezeigt wird."
 
 
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"Die Menschen fallen in zwo entgegengesezte Ausschweifungen; indem einige unsern Erlösern nur für etwas mehr als für einen Propheten Gottes angesehen haben. – Andre hingegen haben die Macht und Würde unsers Erlösers mit Gottes höchster Vollkommenheit und gränzenloser Herrschaft vermengt; und als wenn keine Mittelkräfte oder Naturen zwischen dem Menschen und dem einzigen höchsten und unendlichen Wesen sein könnten, haben sie angenommen, der Mittler müßte in allen Eigenschaften, und selbst im Wesen Gotte gleich sein, der ihn zum Mittler {bestellte} , und daher haben sie ihm ihm solche zusammengedrängte und in der That widersprechende Naturen gegeben, die nirgends in dem neuen Bunde zu finden sind." Pag. 102. 103. 104. 105.
 
 
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4) Der schwerste und leichteste Beweis für die Wahrheit des Christenthums. –
 
 
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"Versucht es, liebe Kinder, nun mit einem redlichen Herzen, nehmt euch Zeit, denket nach, lasset euch die Mühe nicht verdrüssen, diesem Wege eine Zeitlang treulich zu folgen.
 
 
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Nehmt Jesu Lehren, Erlösung und Verheissungen vorläuffig als wahr an, ihr könnt es ohne Gefahr thun, wenn ihr auch nicht diese leichten Beweise in ihrer Stärke hättet verstehen und behalten können. Versucht es aber einmal, prüft euch nach den Geboten Gottes und Jesu, und verläugnet nicht eure unleugbaren Fehler und Sünden. Erkennet Jesum, wie das N. T. ihn beschreibt, für euren Wohlthäter, (der für euch gestorben ist) der euch selig machen {wil} . Verachtet seine auss ausserordentlich grosse Liebe nicht, glaubet, daß er es sehr gut mit euch meint, und daß euer Herz bessern eben so viel heißt, als euch glücklich machen. – Lasset euch bessern. Folget der rufenden Stimme des Evangeliums – leset in der Schrift, sezzet euch sehr ernstlich vor, Gott und dem Herrn Jesu in allen Stükken zu gehorchen und gottselig zu leben. Leget alles Böse, was seinem Befehl zuwider ist ab, um ihm, ihm nur nicht zu mißfallen. Wachet über euer Herz. Lasset Gottes Gnade euch wichtiger sein als Menschengunst und Fleischeslust, betet, brauchet die Mittel, die euch Jesus zur Stärkung eures Glaubens, zur Überwindung des Bösen, zum Troste im Leiden und zur Erleichterung und Befestigung einer rechtschaffenen Frömmigkeit angewiesen hat. Ich sage, versuchet das eine Zeitlang. Dann stehe ich ich dann steht Gott euch davor, es wird euch gelingen, ihr werdet so ruhig, so regelmässig, so zufrieden, so glücklich, so voll getroster Hofnung leben, als diejenigen nicht sind, und nicht sein können, die das verachtet haben. Dann werdet ihr ohne weitern Beweis, gewis wissen, das Christenthum muß wahr, muß göttlich sein, das uns so gut und glüklich macht. Dieß ist der schwerste Beweis der Wahrheit der christlichen Religion für euer {schon} zum Bösen geneigtes Herz, aber der
 
 
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leichteste Beweis für euren Verstand: für beide der nüzlichste und dauerhafteste, ein Beweiß für das Sterbebette." – Pag. 108. 109.
 
 
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5) Von der Kürze des jugendlichen Lebens.
 
 
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"Habt ihr wohl an einem Sommermorgen eine Rose oder Nelke betrachtet? Wie reizend blühte sie, wie balsamisch war ihr Geruch, wie stolz ragte sie unter den geringern Blumen hervor, wie viele Blumenfreunde zog ihr Reiz herbei, sich an ihrer Gestalt zu vergnügen! Aber – ihre Schönheit dauerte nur kurze Zeit. Es kam ein Wind oder {eine} verzehrende Mittagshizze fiel auf sie, oder die Hand eines Liebhabers pflükkte sie ab: oder wenn sie auch dieser Gewaltthätigkeit entgieng, so verblühte sie an ihrem Stokke, verwelkte und vergieng. Diese Blumen seid ihr, meine theuresten Kinder. Euer Leben ist seiner Dauer nach nichts weiter, als das Leben einer Rxs Rose oder einer andern Blume, welche mit allen Reizen der Natur geschmükkt ist. Und so betrachte ich euch jezt in eurer jugendlichen Blüthe. Wie roth sind eure Wangen, wie lächelnd eure Miene, wie entzükkend euer Anblikk, wie ganz seid ihr zur Anmuth und zum Liebkosen geschaffen! Aber wenn ich euch anblikke, so mischt sich bisweilen Furcht in meine Freude. Ach, denke ich alsdenn, die liebreizenden Kinder, die jezt die Wonne ihrer Eltern, der Stolz ihrer Gespielen, und die Freude ihrer
 
 
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Freunde sind, wie bald werden sie dahin sein. Eine fürchterliche Krankheit wird ihre Reize zerstören, eine verzehrende Hizze wird ihre Kräfte vertrokknen, ein schleichendes Fieber wird ihren Wangen, ihre anmuthsvolle Röthe benehmen. Vielleicht in Kurzem werden sie blaß, verunstaltet, kalt und leblos daliegen, und von denjenigen lieben Personen beweint werden, die sie sonst nie anblikkten, ohne sich über sie zu freuen"
 
 
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"Heute, heute noch macht den Anfang in dieser so wichtigen Beschäftigung! Morgen – ach vielleicht seid ihr morgen schon todt. Vielleicht, ehe ich euch noch euch verlasse, ehe ihr zu euren Eltern zurükk kehrt, kann euch eine Krankheit überfallen, welche euch ins Grab stürzet. – Und was würde aus euch, meine theuren, theuren Kinder werden, wenn dieses vxx vielleicht einträfe? – Lebet wohl, meine Kinder. Ich verlasse euch jezt, doch wer weiß, welchen von euch ich vermissen werde, wenn ich wieder zu euch komme? Wer weiß ob ihr mich nicht selbst vermissen werdet? Denn auch mein Leben ist, wie das eurige, kurz und flüchtig. Ich bin eine Herbstblume, die vielleicht noch früher und plötzlicher als eine Frühlingsblume verwelken kann. Es mag sein. Wenn wir nur dort im Himmel zusammenkommen, so geht es euch, so geht es mir auf ewig wohl. Pag. 249. 250. 251.
 
 
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6) Eine Bemerkung.
 
 
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"Jederman, der in der Geschichte nur einigermassen bewandert ist, wird beobachtet haben, daß zur Ausbreitung einer Sekte nichts mehr beitrage, und ihren Fortgang befördere, als der Widerspruch und die Bemühung sie zu unterdrükken. Der Eigensinn der Menschen wird durch Widerstand geschärft, und jede Sache gewinnet Ansehen, wenn man viel aus {ihr} macht, oder als etwas ausruft, das gefährlich und alten Gewohnheiten nachtheilig ist. Das menschliche Herz ist zu sehr für das Neue und Besondere. Siehet man Dinge mit Gleichgültigkeit an, behandelt man sie als etwas Gemeines, so werden sie dem alten System wenig Eintrag thun." Pag. 306. 307.
 
 
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III.
 
 
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Journual für Prediger. Dritter Band. Halle, bei Karl Christian Kümmel. 1772.
 
 
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1) Das Glück des Gottwohlgefälligen.
 
 
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"Da alles, was wir in unsern künftigen Tagen erwarten, von den Fügungen einer göttlichen Vorsehung abhängt, so muß es auch in unser ganzes Glück einen hauptsächlichen Einfluß haben, ob wir der Gnade und des Wohlgefallens dessen, der alles regiert, gewürdiget sind. Denn Gott unterscheidet in der Austheilung seiner Glükseligkeiten seine Freunde. Wie nun selbst unter Menschen Wohlgefallen und Liebe sich allein zu dem wendet, der mit unserer Denkungsart überein=
 
 
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stimmet und unsern Grundsäzzen ähnlich ist: so können auch wir die nur Freunde Gottes sein, welche seinen Sinn angenommen haben. Eine solche Aehnlichkeit mit Gott ist schon ihr Heil, sie ist die Quelle aller wahren Glükseligkeit, selbst schon in diesem Leben, sie ist auch allein die Gemüthsfassung, die wahre Glükseligkeit empfinden kann. Sie ist uns der zuverlässigste Grund der Hofnung, daß wir in der Gnade des allerhöchsten Gottes stehen. Und was kann uns alsdann zu unsrer Wohlfahrt fehlen? Wir mögen in einer Verfassung leben, in welcher wir wollen; wir leben unter einem gnädigen Gott, wir leben nach unsern Pflichten, wir sind in unsern Gedanken und Betragen tugendhaft, sind großmüthig, menschenfreundlich und edelgesinnt. Kann dieß andre, als die besten Folgen haben? In der Vxs Versicherung der Gnade Gottes sehen wir getrost gen Himmel und ruhig in die Zukunft, wir hoffen nichts, als wahre Wohlfahrt in unsern künftigen Umständen; denn ein uns gnädiger Gott kann nichts zu unserm Verderben verfügen, würden auch nicht alle unsre Wünsche erfüllt. Es sind menschliche Wünsche, die nach der Unvolkommenheit unsrer Einsicht eingerichtet sind. Unser weiser Gott kennet unsre Wohlfahrt besser, als wir. Das bleibt uns ein algemeiner Trost, den keine Zufälle uns rauben, der uns allezeit die besten Aussichten in allen Umständen unsers Lebens giebt, daß wir in einer solchen Gesinnung stehen, in welcher wir dem Herrn unsrer Tage und Schiksale gefallen können. Pag. 53. 54.
 
 
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2) Schilderung des busfertigen Zöllners.
 
 
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"Ach! wie ist sein Herz von dem Schmerz über seine Sünden durchbohrt! Eine heilige Schaam ist über sein ganzes Gesicht ausgebreitet. Er erblikt das ungeheure Meer seiner Missethaten. Sein Gewissen wacht auf. Er hört die Seufzer des Armen,
 
 
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den er zu Boden gedrükt: er hört das Winseln der Wittwen und Waisen, deren Häuser er gefressen. Ein jeder unrechter Heller, den er an sich gebracht, richtet heute einen Aufruhr in seiner Seele und ein Zetergeschrei in seinem Gewissen an. Sein Herz schwimmet ganz im Blute. Seine Lenden zittern und seine Knie beben. Über sich erblikt er Gott, mit dunkeln und schwarzen Wolken umgeben, deren Blitz bereit ist, auf ihn herabzufahren. Unter sich sieht er schon den fürchterlichen Abgrund der Höllen für ihn aufgethan." – Pag. 84. 85.
 
 
  Ia-01-1778-0038
3) Von der Lehre Jesu Christi.
 
 
  Ia-01-1778-0039
"Wir finden gar kein Beispiel, daß Christus Irthümer verbessert oder Wahrheiten gelehrt hat, die blos den Staat, die Naturkunde, oder die Weltweisheit betreffen. Er scheint es gar nicht der Mühe werth, oder seiner Person anständig geachtet zu haben, die irrigen Begriffe seiner Jünger von Spukereien und leiblichen Besizzungen des Teufels zu verbessern; vermuthlich weil er die Sache blos zur Naturkunde und nicht zur Sittenlehre rechnete." pag. 316.
 
 
  Ia-01-1778-0040
4) Vom Namen unsers Erlösers.
 
 
  Ia-01-1778-0041
Die Namen, Christus, Gesalbter Gottes und Sohn Gottes betrachten die Jüden als gleichgeltend: und die Begriffe, die sie mit diesen Ausdrükken verbanden, schlossen blos eine vorzügliche Würde und eine Wichtigkeit des Amtes in sich. Und es ist eben so ungereimt, die Benennung des Sohnes Gottes in metaphysischem Verstande zu nehmen, und daraus einen Schluß auf sein geistiges Wesen
 
 
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zu machen, und ihn deswegen von dem höchsten Wesen unmittelbar gezeugt werden zu lassen: als es sein würde wenn wir den geringsten Schluß auf das Wesen Gottes daraus machen wolten, daß er in G der Gleichnisrede mit einem Landmanne verglichen wird, der einen Weinberg anlegte." Pag. 317.
 
 
  Ia-01-1778-0042
5) Von der Verdammnis.
 
 
  Ia-01-1778-0043
"Von den Strafen der Gottlosen heißt es: sie werden zu ihrer ewigen Strafe dahingehen; und nach einem vorhergehenden Verse: in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln zubereitet ist, das ist, sie werden in jenen unbestimmten Zeitraum ihres Leidens eintreten, das den Urhebern und Fortpflanzern der Unordnung der Bosheit und des Elendes in der Welt zugedacht ist. – Im neuen Bunde herrscht eine grosse Mannichfaltigkeit des buchstäblichen sowohl, als des figürlichen Ausdruks, wodurch die Belohnungen und Strafen der andern Welt bezeichnet werden. Aus der ganzen Verbindung derselben aber lernen wir, daß jeder Gottlose und Unbusfertige gewiß nach dem Maasse seiner Schuld leiden soll: (daß das lezte Ende der ärgsten Sünder ewige Vernichtung durch die Macht Gottes ist.") Pag. 318.
 
 
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IV.
 
 
  Ia-01-1778-0045
Predigten von protestantischen Gottesgelehrten. Erste Sammlung. Berlin, bei August Mylius, Buchhändler in der Brüderstrasse. 1771.
 
 
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1) Erster Predigt Eingang.
 
 
  Ia-01-1778-0047
"Wenn, nach dem ausdrüklichen Zeugnisse eines Apostels Christi, Sanftmuth und algemeine Wohlgewogenheit unter allen christlichen Tugenden die vortrefflichste und größte ist; so ist
 
 
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davon die Liebe gegen Feinde gewiß der schönste Zweig. Das Unrecht gelassen erdulden; seinen Beleidigern von ganzem Herzen vergeben; die segnen, die uns fluchen und reden allerlei Übels wider uns; das Böse mit Gutem vergelten; immer bereit sein, denen Wohlthaten zu erweisen, die uns hassen und verfolgen, und so gar für sie zu Gott beten – das ist doch wohl unstreitig der edelste und hochachtungswürdigste Karakter eines Menschen; x...x das Kennzeichen einer schönen und grossen Seele.
 
 
  Ia-01-1778-0048
Aber, zu diesem Gipfel der Tugend kann nur der christliche Glaube den Menschen erheben; so wie er ihn überall zur Tugend nicht allein am stärksten bewegt, sondern auch seiner Seele dazu die geradeste und leichteste Richtung giebt. Die Weisen unter den Heiden, die gar wohl einsahen, daß die Tugend überhaupt die größte Erhebung und Ehre der menschlichen Natur sei, haben Ix...x insbesondere von der Großmuth gegen Feinde und Beleidiger die rührendsten Beschreibungen gemacht, und sie durch die größten Lobeserhebungen anzupreisen gesucht. ( {falsum est} Allein alles Schöne, das sie davon sagten, war zwar hinreichend, die Bewunderung und Billigung des Verstandes zu erhalten, hatte aber nicht Kraft genug, das Herz zu gewinnen und den Menschen zu der eigentlichen Quelle zu führen, daraus die Liebe gegen Feinde geschöpft werden muß.) (Und, {Veritati adversum est} manche Beispiele von großmüthigem Betragen gegen Beleidiger, die man unter ihnen antrift, haben, immer, in der Nähe betrachtet, eine gewisse Mischung von Hochmuth und Stolz, daß man ihren ganzen so sehr gerühmten Edelmuth nicht so gar unrichtig, halb Tugend und halb Laster
 
 
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nennen könnte.) Nur der {wahre} Jünger Jesu vergiebt {(und das konte ein Heide auch sein)} , wie man vergeben muß. Seine Tugend ist ganz Tugend, und sein Betragen gegen Feinde und Verfolger, seine Verzeihung ist reine Sanftmuth und Liebe. Denn sein Glaube heiligt bei ihm alles, und seine eigentliche Religion ist Nachfolge Christi, der die Liebe nicht allein zu dem grossen Grund=Gebote seines Evangeliums gemacht, sondern auch selbst davon seinen Bekennern das größte und schönste Beispiel zur Nachfolge hinterlassen hat." pag. 1. 2. 3.
 
 
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2) "Sie wissen nicht, was sie thun!"
 
 
  Ia-01-1778-0050
"Wenn wir für unsere Beleidiger beten: Vater! vergieb ihnen, so können wir gemeiniglich mit Grunde hinzusezzen: Sie wissen nicht, was sie thun. Sie wissen nicht, sie bedenken nicht, was vor eine schwere Schuld sie durch Beleidigung ihres Nächsten auf ihr Gewissen lxd laden. Es ist xx wahr, sie schaden und betrüben uns. Aber, kennen sie uns auch recht? Haben sie keine Vorurtheile, die sie verblenden? Mengt sich in ihr Betragen gegen uns keine Unbedachtsamkeit und Übereilung? keine Verführung und Aufhezzung anderer? Laßt uns Nachsicht haben mit den Schwachheiten der menschlichen Natur. Wir selbst sind davon nicht frei. Und wahrlich, so oft wir uns beleidigt finden, steht uns nichts besser an, als Sanftmuth, Gedult und Vergebung. Dann sind wir Christen und Erlösete des Herrn. Dann haben wir selbst vollkommene Vergebung bei Gott, und Hofnung zu jenem ewigen Reiche des Friedens, der Liebe und der Seligkeit. (durch unsern Mittler und Versöhner Jesum Christum) –" Pag. 13. 14.
 
 
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  Ia-01-1778-0051
3) "So hoch der Himmel über der Erde erhaben ist, so hoch sind die Gedanken Gottes über den Gedanken der Menschen, und seine Wege über den unsern erhaben. Eine Wahrheit, von der uns die Natur Gottes und des Menschen, die Geschichte der Welt, und unsere eigene überzeuget."
 
 
  Ia-01-1778-0052
"Wenn gründliche, ernsthafte Untersuchung, wenn wahre Vernunft so sehr das Theil wären, das sich die Menschen erwählen, als sie es sein sollten; so würde die Natur Gottes und die Hoheit seiner Gedanken nicht so unbekannt sein, als sie es sind.
 
 
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Aber der Mensch, der mehr sinnlich als nachdenkend ist, vergist, daß Gott Herr sei, daß eine Allwissenheit nicht abgesonderte Stükke der Schöpfung, nicht einzelne Theile von ihrer Dauer, sondern das Ganze übersehe, und dieses unbegrenzte All nach einem Entwurf regiere, von Ewigkeit her gedacht, und von Ewigkeit her angelegt habe, was sich bis in Ewigkeit ereignen soll. Diese Wahrheit vergist der Mensch; und sezt Träu {seine} Träume an ihrer Stelle, und schaffet in seinen Einbildungen gleichsam eine andere Welt, die von diesem Gott, und von dem, was die allerhöchste Weisheit in der würklich vorhandenen Welt von Ewigkeit her angelegt hat, unabhängig sein, und sich blos nach seinem Gutbefinden richten soll. Hier besteigt er in Gedanken einen Thron, bestimmt sich weite Grenzen, wohin seine Absichten reichen sollen. Seine Wünsche sind seine Rathgeber; nach deren Antrieb entwirft er die Begebenheiten, die sich ereignen sollen, und zugleich den Einfluß, den er darinn haben will. Unterdessen gehen die wirklichen Begebenheiten, welche die Weißheit Gottes ordnet, und seine Allmacht ausführet, ungehindert den Weg fort, den Gott gezeichnet hat. Der Mensch wird endlich gewahr, daß der Erfolg, den
 
 
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er in seinem Traum entworfen hat, fehle. Er erwacht: aber nur, um von neuem in denselben Traum zu verfallen. Er schliesset wieder seine Augen, siehet die höhern Wege Gottes nicht, und fasset neue Absichten, entwirft neue Wege. Die göttlichen Gedanken gehen indessen, wie vorher ihren Weg, und führen diesen Träumenden mit, der von neuem an die Gegend gekommen zu sein glaubt, wo die Erfüllung seiner Entwürfe nicht fehlen könne; sich von neuem getäuscht siehet und erwacht. Glüklich genug, wenn er endlich erkennt, daß seine Entwürfe nur Träume sein, die in das, was nach den göttlichen Entwürfen geschehen soll, keinen Einfluß haben; und daß ein Gott sei, dessen Gedanken nicht die Gedanken der Menschen sind. Sie können es auch nicht sein. Die göttlichen Gedanken sind zu groß in den Absichten, und zu unfehlbar in den Mitteln. Die Menschen aber haben x einen sehr engen Gesichts Kreiß, der ihre Absichten begrenzet, und ist es nicht überflüssig? zu sagen, wie trüglich sie in der Wahl ihrer Mittel sind. Wie weniges können die Aussichten der Menschen entdekken! Was kann also grosses in ihre Gedanken kommen? Wir sehen weder vieles von dem, was schon um uns her gegenwärtig ist; noch sehen wir tief in die Folge künftiger Begebenheiten, die nach und nach entstehen sollen. Was kennen wir weiter? – als einen Punkt der Schöpfung, die Erde, auf die wir verwiesen sind; alles übrige ist unserm Gesicht entzogen. Und was ist uns auf diesem Punkte der Schöpfung bekannt? Daß einige Jahrhunderte vor uns, so wie jetzo, Menschen darauf gewohnet haben, die von Passionen Einbildungen geblendet, und, von Passionen geleitet werden sind; von denen jeder sich für dxx {eine} Hauptperson in der Schöpfung ansiehet, um deren Willen das übrige da sei; jeder sich ein Recht anmasset, die göttliche Weisheit
 
 
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vor den Richter=Stuhl seines Unverstandes zu fordern und ihn zu verurtheilen, so bald sie, auch ausser ihm, auf ihre andern Geschöpfe siehet, und seinen Wünschen etwas fehlen lässet läst; jeder sich für groß hält, wenn das Glük viele von seinen Wünschen befriediget, und die Ausführung vieler von seinen Wünschen Absichten begünstiget hat. Und wie tief sehen wir in die Folge künftiger Begebenheiten? mit Gewißheit nicht in den nächsten Augenblik; und auch mit ungewissen Muthmassungen nicht viel weiter. Ein so enger Gesichts=Kreiß, und eine so kurze Aussicht ist der Grund unserer Gedanken, unserer Entwürfe.
 
 
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Wenn uns nun eine x wahre Vernunft die Augen öfnete, wie bescheiden würde sie uns machen, wie würde sie uns demüthigen, wie würde sie uns aus der Natur Gottes und des Menschen überzeugen, daß, so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch müssen seine Gedanken über den unsrigen erhaben sein.
 
 
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Seht auf eurer Erde, auf diesem Punkt, um euch; gehet die Geschichte der Völker und der menschlichen Neigungen durch, und häuffet alles, was von ihrer Einbildung und Eitelkeit groß genannt wird, zusammen; denket euch triumphirende Sieger und überwundene Länder, glänzende Kronen und fußfällige Völker; und denn hebet, in einer stillen, heitern Nacht, eure Augen und Gedanken zum Firmament empor! Zehlet nur diejenigen Sonnen, die ihr noch sehen könnet. Denket, daß sie nicht für unsere Erde geschaffen sind, welche von ihrem Lichte und Wärme nichts geniesset. Stellet euch jene Welten vor, zu deren Beleuchtung und Erwärmung die Weißheit, die nichts ohne Absicht thun kan, sie geschaffen hat. Gehet in Gedanken bis an die äusserste von
 
 
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ihnen, und wisset, daß ihr von dem Ende der Schöpfung, dieses grenzenlosen Werkes des Unendlichen, dort noch eben so weit entfernet sein werdet, als ihr hie davon entfernet seid. Und nun versuchet, euch einen Begrif zu machen von der Grösse derer Gedanken, denen von diesen allen nichts unbekannt ist; die für alles, was diesen unermeßlichen Raum erfüllet, sorgen; für das Wohl eines jeglichen Geschöpfes, das darauf lebet, nach seiner Natur, nach seiner Bedürfniß, nach seiner Fähigkeit, Entwürfe überdacht, und von Ewigkeit her Anlagen zu demjenigen gemacht haben, was bis in die spätesten Ewigkeiten eines jeden Geschöpfes Schiksaal bestimmen soll. Und da ihr diese Vorstellungen, bei welchen Triumphe und Kronen verschwinden, nicht fassen könnet; so werfet euch in den Staub, und betet die Gedanken an, die so viel höher als eure Gedanken sind, wie der Himmel höher als die Erde ist. Eben so unendlich weit sind auch die Wege Gottes, die Mittel, durch welche seine Weißheit ihre Absichten ausführet, über den Wegen der Menschen erhöhet. Von allem, was geschiehet, ist nichts, das von einer geringeren Weißheit, als von einer unendlichen, veranstaltet werden könne; weil auch zu der geringsten Begebenheit ein Zusammenfluß von unzehlbaren Umständen erfordert wird, von denen kein einziger fehlen, kein einziger sich früher oder später ereignen darf, ohne Änderung oder völligen Verlust der ganzen Absicht. Aber so viel Umstände zu Erreichung derselben erfordert werden, so viel Hindernisse sind auch zu verhüten, davon eine jegliche sie verändern oder vernichten könnte.
 
 
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Der Mensch lebet. Was für genaue Einrichtung, was für Aufmerksamkeit auf die Erhaltung der kleinsten unbekannten Theile seines Körpers, der Nahrung, die er geniesset, der Luft, die er athmet; welch eine sorgfältige Verhütung alles dessen, was seinem Leben gefährlich sein könnte, gehört hiezu! Er fasset eine Entschliessung. Was wird hiezu für eine Zusammenfügung von Umständen erfordert, die ihn zu dieser Entschliessung bewegen x ! Uxx Alle haben einen Einfluß in sein Gemüth, und die Änderung eines einzigen würde seinen Vorsaz ändern. Diese alle kennet die Allwissenheit; Ihre Weißheit hat sie geordnet zu der Zeit, da sie auf das Gemüthe wirketen. Und so hat sie das Herz aller Menschen in ihrer Hand, wie Wasserbäche, und leitet es, wohin sie will. So ist sie untrüglich in der Wahl ihrer Mittel, erreichet ihre Absichten oft durch solche Wege, von denen die blöden Einsichten der Menschen glauben würden, die Unmöglichkeit beweisen zu können. Sie läßt die Brüder Josephs einen Verrath an ihm begehen, damit er ihnen das Leben erhalte, und ihnen Gosen zur Wohnung gebe. Sie läßt ihn einen Sclaven werden, damit er Egypten beherrsche. Sie läßt einen Befehl zur Tödtung der Kinder ergehen, damit Moses am Hofe in aller Weißheit erzogen werde. So wenig sind die Wege Gottes Wege der Menschen; und die Geschichte der Welt, so wie der eigene Lebenslauf eines jeden, ist voll von Beweisen dieser Wahrheit für den, der nachdenkend genug ist, sie zu bemerken. Wie oft ist der Mensch muthig, um Anlagen zu seinem Schaden zu machen, und zürnet gegen die göttliche Weißheit, die so güthig ist, sie mißrathen zu lassen; wie oft
 
 
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zittert er für einer Quelle seines künftigen Glükkes, und trauret, wenn die Wege Gottes ihn dahin führen; bis die Folge ihn von seinem Irthum und der Wahrheit überzeuget, daß die Gedanken Gottes höher als x...x die Gedanken der Menschen sein." Pag. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51.
 
 
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4) Achter und neunte Predigt {Eingang} von der Unsterblichkeit der Seele.
 
 
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"Die Verlassung dieses Lebens ist nichts anders, als eine Veränderung, aber eine sehr wichtige Veränderung uxs unsers Zustandes; dabei {wir} bloß die äussere Hülse, die uns umgiebt und uns den Augen der Menschen hat sichtbar gemacht, ablegen, aber unserer Seelen nach in eine andere Reihe der Dinge übergehen, in eine andere Verbindung kommen, und eine neue Art des Lebens anfangen. Der Tod, der uns allen gewiß ist, betrift nur in so ferne unser Ganzes, daß er den Geist vom Leibe, die Seele vom Körper trennt, und die Verbindung gänzlich aufhebt, in welcher sie mit einander gestanden haben: im übrigen aber betrift er nur ganz allein das Körperliche, was wir an uns tragen. Dies wird zerstöret; dies findet sein Ende; und weiter geht die Gewalt des Todes nicht über uns. Sehr schön wird dies in den Worten des Apostels Petri ausgedrukt, mit welchen er von seinem bevorstehenden Tode sagt: 2 Petr. I, 14. Ich weiß, daß ich meine Hütte bald ablegen muß, oder, daß die Ablegung meiner Hütte nahe sei. Gedankenreicher Ausdruk! – Ich und meine Hütte – So unterscheidet der heilige Apostel sich selbst von seinem Körper. Denn die Seele macht eigentlich den Menschen aus; der Körper ist nur wie sein Gezelt, sein Haus worinn er wohnet, oder seine
 
 
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Dekke, womit er überkleidet ist. – Meine Hütte ablegen – das ist die Vorstellung, welche er sich von seinem Tode macht. Er sieht ihn bloß als einen Ausgang der Seele aus ihrer bisherigen Wohnung an, oder als eine Ablegung der bisher getragenen Dekke. So wenig aber derjenige, der eine Hütte verläßt, oder eine Dekke abwirft, aufhört zu sein, was er ist; so wenig hören wir denn auch bei dem Tode auf zu bleiben und zu bestehen. Jener verändert nur den Ort und seinen vorigen Zustand; und wir verändern gleichfals nur im Tode den Ort, wir verlassen die Erde, und was uns auf derselben umgab, und verwechseln den Zustand, in welchem wir hier gewesen, mit einem andern, in welchen wir übergehen. Wir sehen leicht, daß diese Art, sich sein Ende auf dieser Erden=Welt vorzustellen, einen grossen Einfluß auf unsere ganze Denkungs= und Handlungsart haben müsse; indem dieselbe ganz andere, grössere, viel weiter gehende und edlere Besorgnisse bei uns erwekken muß, als diejenige haben, welche ihr ganzes Dasein in den engen Kreis der wenigen Jahre einschliessen, die sie hier auf Erden zubringen. Denn wenn jene Vorstellungsart richtig ist, so haben wir nicht bloß für diese Zeit, sondern auh auch für eine Zukunft zu leben, die weit über dieselbe hinausreicht, um unser Heil und unsere Glükseligkeit so zu befördern, wie es von uns geschehen kann. Wir wollen daher die Richtigkeit und Wahrheit jener Vorstellung zu bestätigen suchen, um die Überzeugung davon in uns zu befestigen. Gott lasse es einen guten Eindruk auf uns machen, damit wir alle weise werden mögen zu unserer Seligkeit! – " Pag. 132. 133. 134.
 
 
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"—— —— "
 
 
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V.
 
 
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Predigten von protestantischen Gottesgelehrten. Zweite Samlung. Berlin, bei August Mylius, Buchhändler in der Brüderstrasse 1772.
 
 
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1) Die Lehren Jesu.
 
 
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"Die Reden (Lehren) unsers göttlichen Meisters sind gründlich, vernünftig und nachdrüklich; ganz frei von allem thörigten Mischmasch und von allen abergläubischen Meinungen. Komt wohl irgend ein einziger Ausdruk darin vor, der in irgend einer Rüksicht, dem geringsten Grade des Lasters das Wort redet, oder es verstattet? Bestehen sie nicht ausdrüklich auf einem innern Grunde der Frömmigkeit und Tugend, und versichern sie uns nicht, daß nichts, als dieses, der Gottheit angenehm sein könne? Verwerfen sie nicht sehr scharf das Verhalten derer, die es bei blossen Betrachtungen, Gebräuchen und äußerlichen Andachtsübungen bewenden lassen; und fordern sie nicht von uns die heiligsten reinesten und himlischgesintesten Neigungen der Seele? –"
 
 
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"Seine Reden sind daher einfältig und edel. Sie sind deutlich und gründlich; haben eine reizzende Mischung des Vernünftigen und des Rührenden; und verbinden das Vertrauliche und Leichte mit dem Erhabenen und Nachdrüklichen. Seine Gleichnisse wird man, wenn man sie mit Aufmerksamkeit betrachtet, besonders schön finden; und seine Methode, seine Lehren, Metaphern und Ausdrükke von den um ihn befindlichen Gegenständen zu entlehnen, hat eine bewundernswürdige Schönheit und Schiklichkeit. Mit einem Wort, nichts konte dem Zwek, den er sich vorgesezt hatte, besser angemessen sein, als seine Predigten waren; und muß man nicht zugestehen, daß dieses die größte Volkommenheit eines Redners ausmachet?" Pag. 152–16x
 
 
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VI.
 
 
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Algemeine theologische Bibliothek. Erster Band. Mietau, bei Jakob Friedrich Hinz. 1774.
 
 
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1) Von Akkommodationen und Allegationen.
 
 
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"Und hier ist es, wo wir unserm Leser zum Beschlusse gestehen wolten, daß wir unsers Orts kein Kenzeichen wissen, an dem man ein prophetisches Allegat von einer blossen Akkommodation unterscheiden könne, als die Augenscheinlichkeit des prophetischen Textes selbst. Wenn aus dem ganzen Zusammenhange der Rede des Propheten ganz offenbar erhellet, daß von keiner andern Person, als der Person des Messias, die Rede sein könne, dann erst kan man Allegation von der Zahl der Akkommodation ausnehmen. Das blosse Allegiren giebt keinen Beweiß ab. Es müßte denn a priori erwiesen werden können, daß es unter den Allegationen des N. T. keine Akkommodationen gebe. Giebt es einmal wirklich dergleichen, gesezt auch man könnte nur zwei bis drei ausfündig machen, so hört die Allegation auf, ein Beweiß von dem Dasein einer wahren Weissagung zu sein. Daher es immer die äusserste Schwachheit bleibt, wenn einige aus den Worten: ??a p????d? und ähnlichen Formeln schliessen wollen, daß hier eine eigentliche Weissagung angeführt werde. –" pag. 26.
 
 
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2) Von den christlichen Tugenden ( e????? a?a???? )
 
 
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"I) Der Bibelleser, welcher in dieser streitigen Materie Licht bekommen wil, muß sich gewöhnen, die Ausdrükke e??a und e??a a?a?a sorgfältig zu unterscheiden. Die e??a sind
 
 
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das, wovon die Schrift, so oft sie sie als Handlungen der Menschen betrachtet, überal geringschäzzig spricht. Und sie versteht in dem Falle allemal und ohne Ausnahme, äusserliche gottesdienstliche Handlungen, die nach Vorschrift des mosaischen Gesezzes ausgeübt wurden. – Exempel wollen wir hier nicht geben. Aber wir provociren darauf, daß nirgend ein Bibelkenner uns eine einzige Stelle aufbringen kan, wo e??a, wo sie von den Mitteln, sich des göttlichen Wohlgefallens theilhaftig zu machen, ausgeschlossen werden, etwas anders bedeuten. – Noch eine einzige Bedeutung findet zwar bei diesem Worte statt, aber nur da, wo von den Ursachen geredet {wird} , die Gott bewogen haben, den Menschen das Evangelium zu offenbaren, und mit dem reichen Seegen zu überschütten, der sich mit der Ankunft Jesu sich über den Erdboden verbreitete. Und diese Bedeutung liesse sich durch vorhergegangene Verdienste ausdrükken. Dahin geht die allegirte Stelle Eph. 2, 8. 9. 10. Paullus redet im vorhergehenden von der Wohlthat, die uns Gott durch die Sendung seines Sohnes erzeigt hat, dadurch er uns dem auferstandenen Jesu ähnlich gemacht, und zu einem neuen Leben gleichsam übergeführt (s??e???p???se) und von dem algemeinen Verderben der herrschenden Sünde (es?se?) errettet hat. Von dieser Wohlthat versichert er, wie in unzähligen andern Stellen, daß uns Gott gleichsam durch dieselbe zuvorgekommen sei, ohne daß wir uns vorher um ihn desfals verdient gemacht hätten: ?? ?a? ?a??t? este ses?sµe??? (errettet) d?a t?? p?ste?? (durch die christliche Religion). –
 
 
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Dieß, sagt er V. 8. ist ein blosses Gnadengeschenk, ?e?? d????, welches wir an Gott durch keine vorhergegangenen Verdienste verdient hatten – ??? e? e????. Daraus er den Schluß herleitet, daß wir in unserm jezzigen Zustande, als erleuchtete und zur wahren Tugend fähige Menschen, bloß ein Geschöpf der göttlichen Güte wären, die dieses Glük lediglich seinen weisen Veranstaltungen zu danken hätten. a?t?? ?a? ese? p???µa – u. s. w. vergl. Tit. 3, 4. 5.
 
 
  Ia-01-1778-0072
II.) Von dieser Bedeutung nun, die wir bei dem Worte e??a angemerkt haben, ist diejenige, welche die Schrift mit dem Ausdruck e??a a?a?a verbindet, unendlich unter {{ver}} schieden verschieden. e??a a?a?a solte man, weil das Wort einmal verhaßt ist niemals gute Werke übersezzen. Das Neue Testament versteht allemal darunter die Ausbrüche der neuen Gesinnungen, die uns Gott durch das Evangelium eingeflößt hat, nähmlich das, was wir Tugend – christliche Tugend – wahre Frömmigkeit nennen. Daher sie bald schlechtweg e??a a?a?a, bald e??a a?ap??, bald p?ste?? heissen. Und der Theologe sol sich melden, der uns eine Stelle zeigen kan, wo diese e??a a?a?a von der Begnadigung bei Gott und der Erlangung der ewigen Seeligkeit ausgeschlossen werden. Die Bibel wirft auch die Frage nie auf, (wie der Katechismus) "ob der Mensch durch gute Werke (e??a a?a?a) seelig werden könne?" – und noch weniger gibt sie die Antwort, die der Katechismus giebt. Wenn sie sie x...x sie aufwirft, so ist allemal von e????? schlechtweg die Rede, das heißt von äusserlichen Handlungen, die nach Mosis Gesez geschehen mußten.
 
 
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III.) So wie nun viele Gottesgelehrten in dem richtigen Sinne des Nenworts fehlen, so fehlen sie auch in der wahren Bestimmung der Zeitworte. Das erste ist a) des göttlichen Wohlgefallens theilhaftig werden, d??a?????a? und das zweite b) von dem moralischen Verderben errettet werden, s????a?. Diese beiden Worte, und zwar allemal in der angezeigten Bedeutung, braucht die Schrift, wenn sie jene e??a ausschließt. Jene äusserlichen Handlungen, sagt sie, können weder den Menschen des göttlichen Wohlgefallens theilhaftig machen, noch einen solchen Einfluß auf seine Ausbesserung beweisen, daß er dadurch von dem moralischen Verderben der herrschenden Sünde gerettet und einer wahren Glükseligkeit empfänglich würde. Von dem eigentlichen "seelig werden", wie es der Katechismus nimmt, ist gar die Rede nicht. – Hingegen die e??a a?a?a werden von beiden obgedachten Zeitworten nirgends ausgeschlossen. Vielmehr behauptet die Schrift in hundert Stellen, daß die wahre Tugend (e??a a?a?a) uns allerdings Gottgefällig mache, und von dem Verderben der Sünde losreisse.
 
 
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IV.) Aber von obigen beiden Zeitworten sind diese c) sx...x seelig werden, oder vielmehr: Hofnung des ewigen Lebens haben und d) versöhnt werden, allemal wohl zu unterscheiden. Freilich sagt die Schrift nirgends, daß wir durch Tugend seelig und mit Gott versöhnt werden. Aber das konte sie auch nicht. Denn die Seeligkeit ist von der einen Seite wenigstens ein freies Geschenk, das wir unserm Erlöser zu danken haben, und welches an sich so unendlich groß ist, daß es, der gesunden Vernunft nach, schon unsinnig sein würde, zu sagen: die menschliche Tugend gebe an sich auf dieses Geschenk Ansprüche. Und bei der Versöhnung fält das noch mehr in die Augen. Denn wenn ich z. E. einen Landesherrn
 
 
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injurirt hätte, und ich hörte alsdann auf und würde desto ehrerbietiger gegen ihn, so würde das zwar fürs künftige hinreichen, mich seines Wohlgefallens empfänglich {zu} machen, aber die einmal verwirkte Strafe würde damit nicht aufgehoben sein werden können. Und so ist es auch ganz natürlich bei Gott. Die Tugend giebt uns zwar d??a??s???? – die Qualität, die uns Gott gefällig macht: weil dem lieben Gott das Gute nicht anders angenehm sein kan: aber sie giebt uns nicht ??asµ??. – p. 64. 65. 66. 67. 68.
 
 
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3) Von der Versöhnung. x...x
 
 
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"Die meisten Gottesgelehrten dehnen ihn den Begrif der Versöhnung zu weit aus, und verwikkeln sich eben dadurch in Schwierigkeiten die sie nicht auflösen können. Und diese Ausdehnung bezieht sich auf das Objekt der Versöhnung, dazu sie die Sünde überhaupt rechnen. Dieses ist nun grundfalsch. – Diese Sünde hat ein doppeltes Verhältniß, eines gegen Gott und eines gegen uns selbst. Das selbst heißt, sie hat erst natürlich schlimme Folgen, z. E. daß ein Zänkischer sich allerlei Verdrießlichkeiten aussezt, daß ein Unzüchtiger seine Gesundheit verwüstet u. s. w. In diesem Verhältnisse nun (quoad poenas naturales) kan die Sünde ohnmöglich ein Objekt der Versöhnung sein. Hier findet gar kein Begrif der Aussöhnung statt. Das heist, Gott mag, aus freier Gnade, oder, um eines Mitlers willen, begnadigen, so bleibt dieses Verhältniß doch. Sol dieses aufgehoben werden, so muß die Sünde selbst mit ihrer Herrschaft aufhören, und dann hören diese natürlichen bösen Folgen von selbst auf. So lange aber diese die
 
 
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herrschende Sünde fortdauert, so lange dauern auch in alle Ewigkeit diese Folgen fort. Daraus man beiläufig sieht, was wir zu anderer Zeit ausführlicher zeigen werden, daß die Erlösung Jesu schlechterdings auf die Aufhebung der Herrschaft der Sünde (welches eigentlich und vornehmlich die s?te??a ist) abgezwekt sein muste, wenn uns durch sie wahrhaftig geholfen sein solte. – Hingegen die Sünde im Verhältnisse gegen Gott ist allein das wahre Objekt des Begrifs: "Versöhnung." Nemlich ausserdem, daß die Sünde uns schadet, trit sie zugleich den göttlichen Gesezzen zu nahe: und entweihet die Begriffe, die wir von der Heiligkeit Gottes haben, das heißt, Gottes (relative) Ehre. Sie wird also dadurch positiver Strafen fähig. Nun kan zwar Gott diese Strafen freiwillig und ohne Genugthuung erlassen. Allein seine Weisheit fand dieß seiner Ehre nachtheilig. Die Menschen ohne alle Zeichen seines Misfallens an der Sünde, das heist, ohne alle Strafe, begnadigen wollen, würde eben so viel sein, als die Menschen sicher und leichtsinnig machen; eben so viel, als Gleichgültigkeit gegen Tugend und Laster beweisen; eben so viel, als x die Begriffe von der Heiligkeit Gottes, das heist, seine Ehre verlezzen. Und hieraus ergiebt sich nun der wahre Begrif der Versöhnung. Sie ist nehmlich: "eine Aufhebung des Nachtheils, der der Ehre Gottes durch die Sünde zugewachsen war, durch ein sichtbares Zeichen des Misfallens Gottes an derselben, das heist, durch Strafe." Diese Aufhebung aber kan auf eine doppelte Weise geschehen. Entweder durch Bestrafung des Sünders selbst – (und so wird oft, im A. T., das Unglük, das Gott den Sünder treffen
 
 
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ließ, eine Versöhnung genent) oder durch die freiwillige Aufopferung eines andern für den Schuldigen – dadurch Gott sein Misfallen an der Sünde zu erkennen giebt, und seine Ehre um desto herrlicher rettet, da diese Versöhnungsart zugleich das schönste Mittel zu unserer Besserung wurde. Und in dem Verstande sind wir folglich allein durch den Tod Jesu versöhnt worden. –" pag. 68. 69. 70.
 
 
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4) Vom thätigen Christenthum.
 
 
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"Sol uns das thätige Christenthum mehr Ernst werden (und darauf komt alles an) so müssen wir andere Begriffe von seiner Nothwendigkeit haben. Wir müssen unsern Zuhörern deutlich sagen, daß zwar der Tod Jesu unsre Sünde (pro præterito) versöhnet habe, und also die positiven Strafen von Gott ohne Nachtheil seiner Ehre erlassen werden können, daß aber damit 1) die natürlichen Folgen der Sünde in Zeit und Ewigkeit aufgehoben sind, wofern wir uns das Blut Jesu, wie Paullus im Briefe an die Hebräer redet, nicht auch heiligen lassen: und 2) daß wir ohne diese Heiligung jener ewigen Seeligkeit (deren Hofnung der Tod Jesu begründet hat), nicht empfänglich werden können. Ich sage empfänglich. Denn ich betrachte die Seeligkeit hier als natürliche Folge der moralischen Güte: nemlich als Ruhe und Freude der Seele, die natürlich entstehet, wenn ich geheiligt bin. Und dieses solten wir unsern Zuhörern oft einschärfen. "Beharret ihr in Lastern, so bleibt ihr, non obstante der geschehenen Versöhnung, in diesem und jenem Leben elende Menschen. Werdet ihr aber tugendhaft, so ist euer Glük und Ruhe in dxr Zeit und Ewigkeit eben so gewiß, als unvermeidlich. Denn eine tugendhafte Seele wil, und muß Gott lieben. Und kan sie
 
 
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kan nicht anders als seelig und glüklich werden. Ja sie muß es ewig sein, wenn sie ewig so bleibt." Man darf gar nicht fürchten, daß man damit der freien Gnade Gottes zu nahe trete. Denn die Seeligkeit bleibt immer von der andern Seite etwas positives. Gott ist es ja doch, der uns unser Dasein gab – der uns Anlage, Kraft und Beistand zu derjenigen Tugend gab, die wir als das Mittel der Empfänglichkeit beschrieben hab= haben – der uns in seinem Sohne eine Versöhnung unsrer Sünden schenkte – der uns dereinst aus dem Tode auferwekken – und, ausser den natürlichen Folgen unsrer moralischen Güte, noch unzählige wilkührliche Situationen hervorbringen wird, die unsre Freude und Wonne erhöhen werden u. s. w. Und bei dieser Betrachtung sehen wir unsers Orts nicht, warum man sich fürchtet, der Tugend, auch den Worten nach, einen unmittelbaren Einfluß auf unser Heil zuzuschreiben, und sie den Christen dadurch angelegentlicher und wichtiger zu machen; da man ja offenbar durch die Anhänglichkeit an jene kirchlichen Ausdrükke (die am Ende doch wenigstens alle unbiblisch sind) den Eifer im Guten erstikt, dem menschlichen Leichtsinne Nahrung giebt, und den Spötter gegen das Christenthum bewafnet." pag. 72. 73. 74.
 
 
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5) Von der Nx Existenz des Teufels.
 
 
  Ia-01-1778-0080
"Die vernünftige Welt dankt dem grossen Thomas für die Veb Verbannung des Teufels so aufrichtig als dem grössern Lutter für die Verbannung des Ablasses. Und wir unsers Orts kennen das System der christlichen Wahrheiten von einer ganz andern Seite, als daß wir uns mit dem Verfasser überreden solten, die Existenz des Teufels sei in der Kette derselben so eingeflochten, daß, wer diese leugnet, jene zerrisse. Ja wir wünschten vielmehr, daß kein Christlicher Lehrer in seinem Vortrage des Teufels je wieder gedächte; und wir wolten im Voraus dafür stehen, daß ihn seine Zuhörer in keiner
 
 
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theologischen Materie vermissen würden – am wenigsten aber in der Lehre vom Ursprunge des Bösen – wie der Verfasser fürchtet. Denn wir sind fest überzeugt, daß die Sünde in der Welt sein würde, wenn auch kein Teufel existirte. Wenigstens können wir den Ursprung des Bösen aus der Einschränkung der menschlichen Seelenkräfte, aus den natürlichen Trieben, die durch die Mischung seiner Säfte und durch die Vereinigung des Leibes mit der Seele modificirt werden, und endlich aus seinen mannichfaltigen Situationen, in denen er sich als Kind, Knabe, Jüngling – befindet, und welche Erziehung, Geselschaft, Lektüre, Beispiele Diät u. s. w. bestimmen, so natürlich erklären, daß wir keinen Teufel darzu nöthig haben – so wie wir denn auch oben gezeigt haben, daß die Heilung der Besessenen (als Wunder betrachtet) von der Existenz des Teufels unabhängig sei. (Denn die Heilung der Besessenen macht kaum den vierten Theil der Wunder des N. T. aus. So müssen wir auch versichern, daß Heilungen wahre göttliche Wunder bleiben, wenn auch keine wirkliche Besizzung des Teufels zugegeben würde. Denn alle so genante Besessene, bleiben doch immer wahre Kranke – die stumm rasend – mondsüchtig u. s. w. waren, und die unmöglich so augenbliklich, und durch ein einziges Wort geheilt werden konten, wenn keine göttliche Almacht dabei wirksam gewesen wäre.) Und die Hölle? – Hier würden wir den Verfasser gar keiner Antwort würdig halten, wenn wir nicht erst vor kurzem von einem berühmt sein wollenden Theologen die Behauptung gehört hätten: "wer keinen Teufel glaubt, glaubt auch keine Hölle!" – Und warum denn Hochwürdiger Herr? möchten wir fragen. Kan denn Gott die Gottlosen nicht strafen, wenn er keinen Teufel hat? Vielleicht hat er ihn zur Execution nöthig? Vieleicht braucht er ihn, das Feuer zu schieren? –
 
 
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Die Erfahru Geschichte kan uns auch keinen Beweiß von der Existenz des Teufels geben. Denn wir kennen in {der} ausserbiblichen Geschichte keinen Fal, der mit der nöthigen Glaubwürdigkeit versehen wäre. Und uns hat immer der besondere Umstand gegen alle Erzählungen mißtrauisch gemacht: daß noch kein Mensch, der die nöthigen Erfordernisse (Herzhaftigkeit, gesunde Philosophie, eine Seele ohne zu lebhafte Imagination, und ein paar mit dem Sonnenlichte unterstüzte gesunde Augen) zur Untersuchung gehabt, sich mit dem Augenscheine überzeugt hat. Alle, die etwas gesehen zu haben vorgeben, haben entweder des Nachts gesehen – oder w es waren Leute von starker Imagination, die die Furcht vergrösserte – oder es waren altweibische Leute. Warum hat denn, wenn Gott daran gelegen war, daß die Menschen einen unter ihnen so geschäftigen Teufel glauben möchten, nicht einmal eine Erscheinung am hellen Mittage zugelassen, die von klugen Leuten in Untersuchung gezogen werden konte? Und woher komt es, (man löse dieses Räthsel auf, wenn man Lust hat) daß gerade in den Ländern, wo die Barbarei ab= und der gesunde Menschenverstand zugenommen hat, auch das Spuken des Teufels abgenommen oder aufgehört hat?" – pag. 111. 112. 113.
 
 
  Ia-01-1778-0081
6) Vom Evangelio.
 
 
  Ia-01-1778-0082
"Es ist in dem Evangelio kein Gebot, keine Vorschrift, die nicht dem Wesen nach in aller Menschen Herzen geschrieben sei; ja das menschliche Herz ist immer noch viel grösser, weit um sich greiffender, erhabener, als der strengste Buchstabe des Evangeliums. Das Evangelium bringt nichts in unser Herz herein, als so wenig als ein treuer Ausleger in den Text. Es sol nur das aufwekken, was in dem Herzen ist. Das Evangelium fodert nur mit Tönen und Buchstaben und leuchtenden Beispielen – was unser Herz durch Triebe und Empfindungen fordert. Das Evangelium ist nur der
 
 
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Kommentar (die Auslegebibel) über unser Herz. Gott und der Mensch ist x immer der Text. Alle Buchstaben sind nur Auslegung; was sage ich ich, sind nur Bild, Kopie, Umriß, Schatten." – pag. 154.
 
 
  Ia-01-1778-0083
7) Eine Erklärung.
 
 
  Ia-01-1778-0084
"Repg. II, 3. Auf einmal schien es, als ob ein flammendes Feuer ihnen zum Munde heraus brente, anstatt es erschienen ihnen hin und wieder in dem Zimmer Feuerflammen, oder mit andern Worten: Blizze fuhren durchs Zimmer (es war nemlich ein Gewitter V. 2.) denn $$$ $$$$ Feuerzunge heist Bliz." Pag. 199.
 
 
  Ia-01-1778-0085
8) Von den Begeisterten (Rasenden.)
 
 
  Ia-01-1778-0086
"Matth. VIII, 28=32. Der Ausdruk Begeisterte für Besessene ist wohl gewählt, wenn in solchen Leuten wirklich das böse Wesen der Natur wirkte. Da aber der Herr Verfasser das leugnet, so hätte er, um seinem Systeme getreu zu bleiben, Rasende, Epileptische dafür sezzen sollen. In Ansehung dieser Stelle aber glaubt der Herr Verfasser, nicht der Teufel, sondern die Rasende selbst hätten jene Schweine in die den See wüthend gejagt: und, wenn sie sagen, wir heissen Legion, so hätten sie sich in den Kopf gesezt gehabt, sie wären Generals unter den Teufeln: denn jeder Rasende habe eine Hauptgrille." Pag. 199. 200.
 
 
  Ia-01-1778-0087
9) Von der Bedeutung des hebräischen Worts $$$$.
 
 
  Ia-01-1778-0088
""Hure – behält seine eigentliche Bedeutung (wie Hl. Teller sagt). So wird Rahab – genent. Es ist unerweislich, daß das hebräische Wort eine Gastwirthin bedeute." Dieses letztere ist auch unsre Meinung. Ob aber auch das erstere seine Richtigkeit habe, daran zweifeln wir. Herr
 
 
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Teller wird so gut wissen als wir, daß $$$$ bei den Hebräern eine Hure so wohl als eine Abgöttische bedeutet, und so wäre es immer natürlicher, diese Hure Rahab mit der Heidin Rahab zu vertauschen, die allem Ansehen nach deswegen (auch Hebr. II.) so genent wird, um ihre edle That desto auffallender zu machen." Pag. 283.
 
 
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10) Von der Sünde gegen den heiligen Geist und des Menschensohn.
 
 
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"Auch der Herr Verfasser hat so wenig als andere Ausleger und Theologen, denjenigen nicht ausgenommen, dem neulich eine ganze thx...xl theologische Fakultät ein Prämium zusprach, weil er den Sinn dieser Stelle verkannt hatte, nicht gesehen, daß Sünde gegen des Menschensohn nicht eine Sünde gegen Christum {sei} sondern sei, sondern gegen jeden Menschen überhaupt. Menschensohn ist schlechtweg nach dem syrischen Sprachgebrauche jeder Mensch. Sünde gegen den heiligen Geist, ist hingegen nichts als Gotteslästerung, und hier insonderheit eine solche Gotteslästerung, da man wahre Wunder dem Teufel {zxxsr} oder für Be zuschreibt oder für Betrügereien erklärt. Weder in dieser noch in jener Welt, heist nicht so viel, als {weder} in diesem noch jenem Leben, sondern weder vor noch unter der Regierung des Messias. Es ist also das $$$ $$$$, und $$$$ $$$$$: und Christus wil also sagen: Gotteslästerung kan so gar nic der Messias nicht vergeben, von welchem die Juden doch sonst alles Glük, die Tilgung aller ihrer Sünden erwarteten. Matth. 1, 2. 1." Pag. 197. 198.
 
 
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11) Erklärung des Schr Stelle an die {des} Spruchs I Kor. 2, 11.
 
 
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"I Kor. 2, 11, ist von weiter nichts die Rede, als von den Rathschlüssen Gottes in Absicht auf der Menschen Seeligkeit,
 
 
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die uns in dem Evangelio sind geoffenbaret worden. Diese erhabene und trostvolle Wahrheiten nent der Apostel v. 6. s?f?a? ?e?? – ap??e???µµe??? – und v. 7 beschreibt er sie als Dinge a ?f?a?µ?? ??? e?de – versichert dabei v. 8. daß sie uns Gott durch seinen Geist izt in den Zeiten des N. T. geoffenbaret habe: ?µ?? de ? ?e?? ape?a???e? d?a t?? p?e?µat?? a?t?? – und wil zugleich den Gedanken erwekken, daß kein Mensch dieselben erfinden und mit eigenem Nachdenken hätte herausbringen können: sondern Gottes Geist sei allein im Stande, sie zu offenbaren – ta t?? ?e?? ??de?? ??de?, e? µ? t? p?e?µa ?e??. Wie folgt nun das, was Herr Seiler beweisen wolte? Der heilige Geist weis die himmlischen himlischen Lehren der Religion und offenbaret sie uns: Ergo – ist er alwissend? – Aber eben so unrichtig lehrt Herr Seiler sein Kind weiter schliessen "wer alles weis, mus Gott sein?" Wird ihn hier nicht das Kind fragen: "Aber wenn der liebe Gott es ihm nun gesagt hätte, so könte ers ja wissen, wenn er auch nicht der liebe Gott selbst wäre?" Und was wolte dann Herr Seiler antworten? – Hierzu komt aber noch dieses, daß die Stelle gar nicht von der Person des heiligen Geistes handelt. Denn es steht ja gleich dabei; ?µe?? de – e?aß?µe? – t? p?e?µa t? e? t?? ?e??. Wil Herr Seiler nicht annehmen, daß die ersten Christen den heiligen Geist in Person empfangen haben, so muß er auch eingestehen, daß p?e?µa hier mehr nicht als was in andern Stellen ???? – s?f?a ?e?? ist. Und er wende uns ja nicht etwa ein, daß es doch von dem p?e?µa heisse: pa?ta e?e??a, ?a? ta ßa?? t?? ?e??. Denn eben der Geist, der den Aposteln mitgetheilt wurde, theilte ihnen alle nöthige Erkenntniß der göttlichen Rathschlüsse mit, und
 
 
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so konte ganz natürlich von dieser in ihnen wirksamen Gotteskraft gesagt werden, sie ergründe die Tiefen der Gottheit, das heist, sie lehre die Apostel Gott allein bekante Wahrheiten einsehen." Pag. 207. 208.
 
 
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12) Beweis, daß die Seeligkeit an kein Volk, an keine Religion gebunden, sondern ein algemeines Gut sei vor alle Menschen.
 
 
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"Gott verlangt von keinem Menschen mehr, als daß er gewissenhaft und redlich nach seinen Einsichten handle: er mag nun diese Einsichten der Natur oder der Offenbarung zu danken haben. Folglich sind nur Christen zum Glauben an die geoffenbarte Religion gebunden: dergestalt, daß von ihnen allein der Saz gelte: "Durch den Glauben an Christum werden wir seelig." Hingegen von heidnischen Völkern kan und wird ihn Gott nicht fordern. Unmöglich können sie also als Unglaubige verdamt werden, so lange sie noch gar keine Gelegenheit gehabt haben, den Glauben an Christum zu erlangen. Freilich ruhet schon mehr Verantwortung auf denen unter Juden und Heiden, die allenthalben unter den Christen gelebt, und also nähere Gelegenheit gehabt haben, die Lehren des Christenthums zu erfahren, oder denen wohl gar selbst das Evangelium Jesu verkündigt, oder der Weg zum Leben geoffenbaret worden ist. Wer weis aber, wie viel auch denen noch unüberwindliche Hindernisse und Schwierigkeiten im Wege gestanden haben, daß sie zu keiner rechten Erkentniß Christi, zu keiner völligen Überzeugung von den nöthigen Heilswahrheiten seines Evangeliums kommen können? Wer weis, wie dunkel, wie mangelhaft, wie unrichtig und anstössig ihnen solche sind vorgetragen worden? Oder was sonst noch für Zweifel, Anstoß und Aergerniß, so sie unter den Christen gefunden, sie
 
 
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davon zurückgehalten und noch abgeschrekt hat, sich in ihre Gemeinschaft zu begeben? – Auch unter Heiden giebt es noch Wahrheit, welche durch die Gnade des heiligen Geistes einige Frucht bringen kan. Diese Seelen, die Wahrheit erkennen, und nach der erkanten Wahrheit (so unvolständig sie auch sein mag) ehrlich handeln, sind Gott eben so lieb als andere, denen Gott ein höheres Maaß von Einsichten verliehen hat: und er wird gewis auch für ihre Rettung besorgt sein.
 
 
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Wer weis aber, wie viele unter allen heidnischen Völkern noch immer mit so redlichen Herzen nach der besten Einsicht ihrer Vernunft, nach den Trieben ihres Gewissens und der de vorkommenden Gnade des guten Geistes, Gott dienen und ihren Nächsten lieben? Ists möglich, daß Gott diese hassen und bloß darum verdammen solte, weil sie ohne ihre Schuld nichts von Christo wissen? –" Pag. 238. 239. 240.
 
 
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13) Etwas aus dem Geisterreiche.
 
 
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"Engel und Teufel mag es wohl geben – und es kan sein, daß Gott anfangs selbst davon offenbart, auch gesagt habe, Laster sei die Erstgeburt des Teufels. In der Folge hörten die Erscheinungen Gottes auf, und die Menschen fiengen an, alles Unsichtbare und Übernatürliche für Wirkungen des der Geister zu halten. Jedes ihnen unerklärbare Phänomen {in} der Natur, in der Seele, am menschlichen Körper – alles war ihnen Wirkung der Geister, deren Existenz sie aus der Tradition um so williger beibehielten, je natürlicher es einem unwissenden Menschen ist, in einem Geistersystem seine Phantasie zu beschäftigen, und aus ihrem geheimen Einflusse alles, was er nicht versteht, zu erklären. -
 
 
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Das war vielleicht die Ursache, warum Gott bei seinen folgenden Offenbarungen die Existenz der Geisterwelt zu supponiren scheint, und von gewissen Wirkungen so red redet, als wann es Wirkungen aus der Geisterwelt wären. – Es wäre denn, daß man inspirationem verborum et phrasium in der Bibel ganz leugnete, und darnach annähme, die scriptores sacri hätten die orientalische Grille mit der Muttermilch eingesogen, und selbst in die heilige Schrift introducirt: Gott aber hätte diese Art des Vortrags nicht gehindert, weil die Ausrottung des Vorurtheils zur Zeit unmöglich war. – Daher auch Christus die Existenz der Geisterwelt nicht bestreitet, sondern vielmehr sagt: er sei gekommen, das (vermeinte) Reich des Teufels zu zerstören: d. i. der Unwissenheit, der Superstition, dem Laster pp. seine Herrschaft zu rauben. Und das war der göttlichen Weisheit volkommen gemäß. Denn die Menschen hatten damals, da Christus seine Reforme anfieng, noch nicht genug beobachtet, so, daß sie die Wirkungen der Dämonen hätten für möglich falsch halten können. Also wars umsonst, ihnen sogleich die Existenz abzusprechen Vielmehr muste eine eine Zeit erwartet werden, wo durch eine successive Aufklärung des menschlichen Verstandes auch unter dem gemeinen Volke diese alte Quelle des Aberglaubens versiegen kan. – Am Ende ists ja doch nur philosophischer Irthum, wenn der Glaube an die Geisterwelt Irthum ist. Und wenn man mir auch einwenden wolte, daß doch dieser Irthum in der Welt erstaunenden Schaden angerichtet habe, und daß es daher schlechterdings von Gott zu erwarten gewesen wäre, sich gegen diesen Irthum zu erklären; so antworte xxh ich, daß Gott in der Religion mehrere Dunkelheiten zugelassen hat, welche in der Folge zu den blutigsten Kriegen Gelegenheit gegeben haben. – Einmal solte
 
 
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das Licht nicht zu allen Zeiten und in gleichem Grade allen Menschen scheinen. Sondern es beliebte dem großen Schöpfer, in der moralischen Welt eben so die Mannichfaltigkeit der Geschöpfe und der Talente hervorzubringen, durch welche er das Reich der Natur verschönert hat. Und er wird allen blinden Eiferern für ihre Schulweisheit einst zeigen, daß alle seine vernünftigen Geschöpfe von den Hottentotten bis zum Erzengel – zulezt auf einem Wege zur ewigen Seeligkeit zusammentreffen. – Ich meines Orts habe {mir} immer gegen die Existenz der Geisterwelt, so weit sie sich auf Erzählungen gründet, folgenden Einwurf gemacht. – Wenn ein Teufel ist, und Gott wolte ihn geglaubt und gefürchtet haben, warum hat er nicht die klugen Leute durch Erfahrung überzeugt? Warum haben nur immer furchtsame, abergläubische, oder Leute von sehr lebhafter Imagination ihn gxsxxh gesehen? Warum erfährt man seine Wirkungen nur immer im Finstern? – Von allen Erkentnissen in der Welt ist der transitus a prudentibus ad imperitos; hier allein sol es umgekehrt sein? Was ich mit dem ganzen Geschwäzze habe sagen wollen? Dieses, liebe Mitchristen! daß ihr immerhin einen Teufel glauben, aber ihn nur fernerhin nicht in die Religion mischen und einen Glaubensartikel aus ihm machen solt. Denn dahin gehört er gar nicht. Und ist wenigstens herzliche Einfalt, wann ihr euch überreden laßt, wer keinen Teufel glaube, glaube auch keine Hölle, und wer keine Hölle glaube, glaube auch keinen Gott. Denn ihr werdet doch so viel einsehen, daß der liebe Gott die Menschen in jener Welt strafen könne,
 
 
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wenn auch kein Teufel ist. Und das traue ich euch nicht zu, daß ihr euch vorstelt, Gott werde den Teufel zur Execution nöthig haben, die er einmal an den Verdamten volziehen wil. Nein! liebe Mitchristen! so einfältiges Zeug glaubt ihr gewis nicht. – Also was sol der Teufel in der Religion? – Man sol sich vor seinen Nachstellungen und Verführungen hüten, sagt ihr. Gut! aber erstlich wie macht ihr das? Gebt nur auf euch selbst Achtung, so werdet ihr sehen, daß ihr gegen den Teufel keine andern Mittel vorkehren könnet, als eben die, welche ihr zur Bestreitung eurer Leidenschaften und zur Besiegung aller äusserlichen Reize des Lasters und der Thorheit anwendet. Folglich thut ihr ja allemal eure Pflicht, ihr möget euch dabei nun in den Kopf sezzen, daß ihr wider den Teufel fechtet, oder daß ihr bloß mit der Sünde streitet, oder daß ihr beide zugleich vor euch habt. Zweitens muß ich euch sagen, daß die Apostel kein Wort davon sagen, und daß eure ganze gutgemeinte Anhänglichkeit an dieser Sache von übelverstandenen Sprüchen der heiligen Schrift herrühret. – Ich wolte euch das, wenn ich Zeit hätte, durch die ganze Bibel beweisen: so aber muß ich mich begnügen, euch eine einzige aber doch eine Hauptstelle, in ihrem richtigern Verstande vor Augen zu legen. – Paullus sagt Eph. 6, 12 f. nach eurer Meinung gar deutlich, daß ein Mensch nicht bloß mit Fleisch und Blut, das ist, mit seinen Leidenschaften, sondern auch mit dem Teufel zu kämp kämpfen habe, aber nach meiner ehrlichen Überzeugung hat Paullus in der ganzen Stelle nicht an den Teufel gedacht.
 
 
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Und wie köntet ihr euch überreden, daß a??a? – e???s?a? – welches der so gewöhnliche Name von den Grossen und Mächtigen dieser Erde ist (Luk. 12, 11. Tit. 3, 1.) die Barons, Grafen und Fxrstxn Fürsten unter den Teufeln bedeute? Oder welcher gesunde Menschenverstand wird sich xei weiß machen lassen, daß p?e?µat??a t?? p?????a?, böse Geister sind, da es offenbar so viel ist, als p?????a p?e?µat???, das ist Bosheit, die unter dem Scheine der Religion und des Eifers für die Wahrheit und Tugend ausgeübt {wird} . Das einzige e? e? ep???a????? könte zur Noth einen ungeübten Leser irre machen, weil er nicht gewohnt ist, daß sich die Juden immer $$$$$$ Himmelssöhne nanten, und den Namen ?? ep???a????? in mehrern Stellen des N. T. erhalten. S. Eph. 3, 10. auch 1, 10. 3, 15. wo ta e? t??? ???a???? Juden, und ta ep? t?? ??? die Heiden sind. Nach dieser Voraussezzung wäre die Meinung des Apostels diese: Ihr habt es jezt nicht blos mit euren innerlichen Feinden zu thun, und wider eure eigne Lüste und Begierden zu kämpfen, sondern es sind auch äusserliche Feinde vorhanden, die eu eure Vorsicht und Wachsamkeit erfodern: ich meine theils die Nachstellungen und Verfolgungen der grossen und mächtigen Weltbeherscher des Heidenthums, (er wil {den} Nero mit seinen Prokuratoren nicht nennen) theils die fromme Bosheit der Juden. Darum ergreift die geistliche Rüstung, damit ihr zur Zeit der Verfolgung standhaft bleiben, und über alle Gefahren siegen möget." Pag. 321. 322. 323. 324. 325. 326.
 
 
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VII.
 
 
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Algemeine theologische Bibliothek. Zweiter Band. Mietau, bei Jakob Friedrich Hinz. 1774.
 
 
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1) Begrif vom Glauben.
 
 
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"Der Glaube ist eine feste Überzeugung, daß Gott seine (der Tugend gegebene und durch Christi Tod besiegelte) Verheissung, ohnfehlbar erfüllen werde; ein kindliches Vertrauen auf die Güte und Vorsorge unsers Schöpfers, und ein eifriger und williger Gehorsam gegen alle seine klaren Gebote." Pag. 58.
 
 
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2) Von dem Ebenbilde Gottes.
 
 
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"Bei aufmerksamer Durchlesung des Artikels vom göttlichen Ebenbilde, wie ihn das theologische System oder Kompendium liefert, wird man mit Verwunderung und Verdrus bemerken, daß darin keine biblische Lehren, sondern seichtes Geschwäz und elende Distinktionen vorgetragen werden. Nach Beweisen sucht man vergeblich, denn was man aus apokryphischen Büchern, aus Kirchenvätern, aus jüdischer Lehrer ihren Schriften, oder aus ältern Systemen beweisen wil, wird wohl kein dex denkender Leser als Beweis gelten wil, lassen. Unsre Väter, welche alle Kräfte anstrengten, das theologische System auf alle mögliche Art zu bereichern, ergriffen mit Freuden etliche vom göttlichen Ebenbilde vorkommende oder dahin zie zu zielen scheinende Ausdrükke, und hieraus schmiedeten sie einen besondern Artikel, den sie mit Kleinigkeiten und Nebendingen anfüllen musten, wex weil sie aus der Bibel nichts Wichtiges oder Gegründetes davon aufbringen konten. Aus weiser Vorsicht versichern sie am Schlus wider ihr eignes und vermuthlich wider unser aller Gefühl, die Lehre sei wegen ihres grossen
 
 
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Einflusses in unsre Rechtschaffenheit und ewiges Heil, äusserst wichtig. Mit den wahrhaftig grossen dabei vorkommenden Schwierigkeiten sind sie bald fertig; eine seichte Distinktion, ein unbefriedigendes Geschwäz mus die Stelle einer gründlichen Auflösung vertreten. – – Wer diese Klage für übertrieben hält, der lese zu seiner Überzeugung den genanten Artikel im Hollaz, Buddeus, oder einem andern selbst beliebigen System. – – Die erste Schwierigkeit macht der Ausdruk göttliches Ebenbild sobald man die zween Sprüche Koloss. I, 15. und Kap. 3, 10. gegen einander hält; sie steigt noch st höher, wenn man Ebr. 1, 3. nebst andern Stellen hinzufügt. Die zweite und noch grössere Schwierigkeit erwächst aus dem Sündenfal. Die dritte aus der Ungewisheit, worin eigentlich das Ebenbild Gottes bestanden habe. Daß es Adam gehabt hat, sagt uns Moses deutlich; was es in sich begriffen habe, sagt weder er, noch irgend ein andrer biblischer Schriftsteller deutlich: denn die Herrschaft über die Thiere, welche man ohne Zwang nach 1 Mos. 1, 26 dafür annehmen könte, sol es durchaus nicht sein, sonderlich viel weil die Socinianer dasselbe darin sezzen. Die beiden Hauptsprüche Koloss. 3, 10. und Ephes. 4, 24. sollen alles entscheiden; aber bei genauer Prüfung entscheiden sie nichts, ausser für die, welche von Jugend an gewöhnt sind, darin eine Beschreibung des göttlichen Ebenbildes zu lesen. Dem I Irthum und den sündlichen Begierden Gehör geben, oder mit einem Wort den vorigen sträflichen Wandel, nent Paullus den alten Menschen Ephes. 4, 22; hingegen das Bestreben, heilig und gerecht zu leben, den neuen Menschen v. 24. Vom göttlichen Ebenbilde kein Wort; ein neuer Mensch ist doch wohl was ganz anders, als der
 
 
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erste Mensch. Die Worte: der nach Gott geschaffen ist, habe vermuthlich Anlas gegeben, hier eine Beweisstelle von dem göttlichen dem gö Ebenbild zu suchen. Das ?t?s?e?ta wird keinen Sprachkenner bewegen gleich seine Zuflucht zur ersten Schöpfung zu nehmen. Paullus redet ja deutlich genug: der neue Mensch sol seinen Wandel nach Gott bilden, sich dem göttlichen Willen gemäs verhalten, oder wie es in andern Stellen heist, in der Nachfolge Gottes stehen; heilig, barmherzig und volkommen sein, wie es Gott ist; 1 Pet. 1, 15. 16. Luk. 6, 36. Matth. 5, 48. Ein solcher verdient den Namen eines neuen, und eines nach Gott geschaffenen oder gebildeten Menschen; die Sinnesänderung ist als eine Umschaffung des Herzens anzusehen. Eben das gilt grossentheils von dem zweiten grossen Beweisspruch Koloss. 3, 10. welcher noch weniger beweist, indem hier nicht nach der lutherschen Übersezzung ein Anziehen des neuen Menschen, Menschen, oder wie man vorgiebt, des göttlichen Ebenbildes befohlen; sondern in dem damit genau zusammenhangenden V. 9. das Lügen verboten wird, weil die Kolosser durch Annahme des Christenthums den neuen Menschen bereits angezogen hatten e?d?saµe??? t?? ?e?? a????p?? folglich nun nicht mehr nach der alten Gewohnheit, sondern nach der erlangten bessern Erkentnis wandeln solten. Das ?at’?????a t?? ?t?sa?t?? ?t?? x würde etwas entscheiden, wenn man nicht zugleich eingestehen müste, daß der Mensch bei dem bereits erlangten göttlichen Ebenbilde noch boshaft wider seinen Nächsten lügen könne; und gesezt man nähme seine Zuflucht zu dem Sündenfal des Adams, so stehen s doch noch andre weit wichtigere Schwierigkeiten im Wege. Gewis ist, daß ????? hier nicht eben die Bedeutung haben könne, wie Kap. 1, 15. vielleicht ist es hier nicht viel von t?p?? unterschieden, und weist uns auf Gott, der uns zu w neuen Menschen macht, und dessen uns geoffenbarte Eigenschaften, die gleichsam sein Bild entwerfen, ein Muster unsers Wandels sein sollen?
 
 
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Doch das ist eine blosse Anfrage. – – Genug – weder in Moses Bericht, noch in den angeführten beiden, noch {in} irgend einem andern gültigen Spruch lesen wir, daß das göttliche Ebenbild durch den Fal verlohren gegangen sei: der gewöhnliche Beweisspruch Röm. 3, 23. redet mit keiner Sylbe von dem göttlichen Ebenbilde. Andre hingegen beweisen deutlich, daß alle Menschen, auch unbekehrte, dasselbe noch an sich haben, und daß es folglich nicht verlohren ist. Ohne an 1 Korinth. 11, 7. zu denken, welches man etwa nur von den Gläubigen erklären möchte, sind schon 1 Mos. 9, 6. und Jak. 3, 9. hinlänglich. Die gewöhnlichen Erklärungen von dem Stamvater der Menschen; von den noch vorhandenen Überbleixxln Überbleibseln des verlohrnen Ebenbildes; (wie viel ist denn verlohren, wie viel übrig geblieben? Sokrates hatte folglich weniger davon verlohren als Epikur; bei viehisch dummen Menschen findet man gar keine Überbleibsel,) von der Fähigkeit dasselbe zu erlangen; von der Unsterblichkeit, p u. s. w. thun keine Genüge. Ein sonderbares Verbot wäre es: tödtet den nicht den Menschen, denn er ist unsterblich; oder fluchet ihm nicht, denn der erste Mensch hatte vor vielen tausend Jahren hatte grosse Vorzüge, um welche er sich aus Stolz, Leichtsin und Unwissenheit bringen lies. Ja der Mensch kan x das verlohrne Ebenbild wieder erlangen, deswegen sol man ihn nicht fluchen! Gut, Gott kann dem Abraham aus Steinen Kinder erwekken, die werden gewis {alsdan} das {göttliche} Ebenbild an sich tragen: ehre daher die Steine! Die angeführten Sprüche geben wenigstens eine starke Vermuthung, daß es nicht verlohren, sondern noch vorhanden sei. Und was war denn eigentlich das verlohren gegangene Ebenbild? Die Herschaft über die Thiere sol es nicht sein, diese haben wir noch; nicht die Unsterblichkeit, auch die Fortdauer der Thierseelen ist sehr wahrscheinlich; Geistesfähigkeiten
 
 
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scheinen es auch nicht auszumachen, denn es giebt höchst dumme Menschen, die als Zwischengelenke die Menschen an die Thiere anketten, wer weis ob es nicht im Stande der Unschuld eben so gewesen wäre? Worin das göttliche Ebenbild eigentlich bestehe, weis ich daher nicht; aber das weis ich, daß es nicht in der grossen Weisheit und Heiligkeit kan bestanden haben, in der man dasselbe durchgängig sezzet, und die us unsre vorher angeführten Liederverbesserer so ausserordentlich rühmen. Hier ist mein Grund und zugleich die Rechtfertigung meiner Zweifel, nebst einer Unterstüzzung dessen, was vorher ohne strengen Beweis kurz bewx berührt wurde. Von dem Zustand des ersten Menschen wissen wir ausser den mosaischen Nachrichten nichts. Diese beschreiben ihn als ein gutes, aber schwaches Geschöpf, das war der Verführung ausgesezt, in steter Gefahr war, unter der Gewalt der erregten Reize zu erliegen; Gott führte ihn daher, wie wir unsre Kinder, an der Hand, zeigte ihm die schädlichen und unschädlichen Gegenstände. Der erste Versuch, ihn sich selbst zu überlassen, lief gleich unglüklich ab: der schwache, unwissende, leicht verführte, dem sinlichen Reiz Raum gebende Mensch stürzte sich der erhaltenen ernstlichen Warnung ungeachtet, ins Verderben. Das ist keine poetische Auszierung, sondern der kurze wesentliche Inhalt des mosaischen Berichts von dem Fal. Hingegen alle die schx...x schönen Sächelchen, welche man in den theologischen Systemen erzählt von des Adams Weisheit, nach welcher er als ein grosser Naturforscher den Thieren solche Namen beilegte, als ihre Natur erheischte; oder von seiner Heiligkeit, die er {er} d er durch das Bestreben, Gott wohlzugefallen, an den Tag legte, ist er .... wenigstens eine poetische Auszierung; oder Moses hätte greulich gelogen.
 
 
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Die Bibel sagt kein Wort von Adams Heiligkeit, oder hoher Weisheit. Wo bleibt der erhabene Verstand u. d. g.? Am lächerlichsten ist, was man von seinen heiligen Begierden plaudert. Die Blöse der nakkenden Gesellin reizete ihn nicht, folglich waren h seine Begierden heilig? Welcher Schluß! Noch wissen wir nicht eigentlich, was das heißt: sie wurden gewahr, daß sie nakket waren. Man nehme es aber auch für das Entstehen wollüstiger Begierden, so wissen wir nur, daß sie gleich anfangs nicht grobe Wollüstlinge gewesen sind; aber wen eine verbotene, für schädlich erklärte, Frucht reizet, wer unsinnig stolz ist, von dessen heiligen Begierden läst sich gewis nicht viel Gutes sagen. Warum rühmt man nicht die wild umherstreifenden Völker wegen ihrer heiligen Begierden, da sie bei ihrer gänzlichen Blöse weniger wollüstig sind, als die meisten gesitteten Europäer. Eine gänzliche Heiligkeit und Weisheit machte den Fal unmöglich; bei einem geringen Grad der Weisheit und Heiligkeit hatte kein Verlust des göttlichen Ebenbildes Statt; noch jezt sind die natürlichen Menschen weise, klüger als die Kinder des Lichts pp. Luk. 16, 8; die Heiligen auf Erden hingegen vol Mängel und Gebrechen. Hatte Adam das göttliche Ebenbild so lange er kein Verbrecher war, so sind doch auch seine Nachkommen nicht unaufhörliche Verbrecher: ihm und ihnen war ein Stand der Prüfung und Übung nothwendig." Pag. 194. 195. 196. 197. 198. 199.
 
 
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3) Eine Hypothese.
 
 
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"Bei diesem Gedanken fiel uns die Hypothese von der Seelenwanderung – so warm aufs Herz, daß wir uns nicht enthalten konten ihr einige Augenblikke nachzuhängen, und uns an ihr zu ergözzen. Wie, dachten wir, wenn der redliche Geist sich bei dem Anfange
 
 
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seines Daseins auf der untersten Stufen befinden müste? Wie wenn ich mix mir vorstelte, daß alle Menschenseelen schon einmal die untersten Stufen durchwandert hätten – einige schneller, einige langsamer? so daß die trägern und langsamern (man schliesse weder Freiheit noch Mechanismus von diesem Zaudern aus; es wirket beides zusammen;) einige Stufen mehr zu passiren – und zulezt noch die beschwerlichste Wanderung durch einen Höllenkörper zu thun hätten? – so daß am Ende alle Seelen – alle, von Hottentotten bis zum Seraph – einige später, exxig einige langsamer – auf diejenige Stufe der vollkommenen Geister gelangten, auf welcher unaufhörliche und tägliche steigende Seeligkeit ihr ewiges Erbtheil sein wird?" Pag. 205. 206.
 
 
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4) Von der Tugend.
 
 
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"Man übertreibt gemeiniglich die Sache, wenn man vxx von Verleugnungen des Christen und von ihrer schuldigen Entsagung des Genusses der Welt zu reden anfängt. Wer die Moral versteht, und Christenthum von Mönchsascetik zu unterscheiden weis, wird nie sagen, daß der Christ zu grössern Verleugnungen aufgefordert werde, mehr wahre unschuldige Freuden dieses Lebens entbehre, kurz – der Tugend grossere Opfer zu bringen habe, als der natürlich Tugendhafte. Die Tugend bleibt im Materiali überal dieselbe. Folglich ist die Tugend des Christen von jener nur darinnen unterschieden, daß sie die Ausübung ihrer Pflichten, die sie mit jener gemein hat, auf den Befehl, das Beispiel und die Verheissungen Jesu gründet – als welches ihr Formale ausmacht." Pag. 221.
 
 
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  Ia-01-1778-0108
5) Eine Erklärung.
 
 
  Ia-01-1778-0109
"V. 19 "wird der im Himmelreiche der kleinste sein." Dieß versteht niemand. Und wie es Hr. S. in der Note erklärt, wird es gar ein falscher Gedanke. Es sol nach seiner Meinung so viel sagen: er verliert alle Ansprüche auf den Karakter eines volkommenen Christen" Nicht zu gedenken, daß "Anspüche Ansprüche auf den Karakter" für "Ansprüche auf das Verdienst" undeutsch ist; so ist es offenbar, daß ein Mensch, wie ihn Christus hier schildert, als einen solchen Irlehrer, der sogar die Moral aufhebt, und die Gesezze der Tugend ausrotten wil, nicht nur nicht die Ansprüche auf das Verdienst eines volkommenen Christen verliert, sondern gar aufhört, ein Christ zu sein. Allein e?a??st?? e? t? ßas. t. ???. heist das gar nicht. Nach der jüdischen Theologie giebts in der Ewigkeit zwei Hxuffxn Haufen, die Seeligen und die Verdamten. "Die ersten heissen p????? und leztere e?a??st??. Und darnach muste die Übersezzung bestimt werden." Pag. 249.
 
 
  Ia-01-1778-0110
VIII.
 
 
  Ia-01-1778-0111
Algemeine theologische Bibliothek. Dritter Band. Mietau, bei Jakob Friedrich Hinz. 1775.
 
 
  Ia-01-1778-0112
1) Die Absicht der Erlösung.
 
 
  Ia-01-1778-0113
"Die Absicht der Erlösung ist nicht, wie man vorgiebt "Gott mit den Menschen zu versöhnen" – denn das ist aus dem Grunde verwerflich, weil Gott nie die Menschen gehast hat, und also auch keine Aussöhnung seines Herzens mit den Gegenständen seines Zorns nöthig gewesen – sondern umgekehrt: "Die Menschen
 
 
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mit Gott auszusöhnen", d. h. ihnen bessere Gesinnungen und Grundsäzze beizubringen, und sie zu einem vernünftigen Gottesdienste anzuführen." Pag. 30.
 
 
  Ia-01-1778-0114
2) Die Mittel die Heilung unsers Jahrhunderts zu bewerkstelligen.
 
 
  Ia-01-1778-0115
"Ex...x Es muß vor allen Dingen die natürliche Religion mehr in Aufnahme und Ansehen gebracht werden" –
 
 
  Ia-01-1778-0116
"Die Heilung unsers Jahrhunderts ist unmöglich durch neuen Aberglauben, unmöglich durch Zwangs=Mittel für väterliche Meinungen, welche die junge vornehme Welt abgelegt hat." –
 
 
  Ia-01-1778-0117
"Meine Brüder, wie sollen wir gegen diesen, alle menschliche Wohlfahrt umstürzenden Sturm bestehen? Wo sollen wir die Hofnung, daß es unsern Kindern erträglich ergehen werde, vor Axxxer {Anker} legen?" – -
 
 
  Ia-01-1778-0118
"Wir müssen machen, sagt die Geistlichkeit der Christen, daß der Glaube ans Christenthum wieder durchgängig eine häusliche und geselschaftliche Sitte der vornehmen Stände werde. Verzeiht mir, Ehrwürdige, daß ich euch einmal im Namen der Nichtchristen antworte:"
 
 
  Ia-01-1778-0119
"Wie denkt ihr das anzufangen, ihr lieben Geistlichen? Auf unsre Hülfe werdet ihr doch wohl keine Rechnung machen. Und wir, wir gelten nicht wenig an Höfen; wir denken M...n unter unsern Mitbrüdern zu haben; von uns ist immer die Hälfte der Rathsglieder; wir kommandiren fast alle Besazzungen. Träumet nicht länger von Inquisitionen, x...x verlast euch nicht mehr auf eidliche Versprechungen, auf das Evangelienbuch, wenn der Inhalt des Eides ist, daß wir Unmenschen sein, und die Dissidenten oder Nichtchristen verfolgen sollen. Kurz
 
 
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auf unsre Hülfe macht keine Rechnung. Denn wir glauben euer Römisches, Wittenbergisches, Heidelbergisches oder Athansianisches Christenthum nicht; und weil kein anders bekannt ist, so glauben wir gar keins. Und denkt nur nicht, daß ihr uns durch eure gelehrten und kritischen Vorfechter wieder zu euch versamlen wollet. Es müste keine Regel der Wahrscheinlichkeit in der Welt sein, wenn wir nicht Recht hätten, zu vermuthen, daß s die meisten Naturkenner, Geschichtkundigen, Aerzte, Rechtsgelehrten, Philosophen und Poeten (und selbst eine kleine Zahl eures Standes) nicht zu euch, sondern zu uns gehören. Wir werden nichts fürs Christenthum thun; sondern nur zusehen, was ihr selbst beginnen wollet. Entweder ihr last eure Sachen so sein, wie sie sind; alsdan wist ihr schon, wie es dem Glauben der Christen seit 50 Jahren gegangen sei, und ferner ergehen werde: oder ihr müst allesamt uns ein anders (bei uns hie bisher nicht geltendes) Christenthum vorstellen, das wir untersuchen und wahr finden können. Aber, ihr ehrwürdigen Männer von Rom, Wittenberg und Zürch, das werdet ihr (wenn keine neue Triebfeder wirkt) amtsmässig noch in 100 Jahren nicht thun; ja nicht einmal leiden."
 
 
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"Sol aber die natürliche Religion zu so grosser Absicht zureichend werden: so müssen sich die Vernünftigsten {der} Naturalisten und der Christen (und warum nicht auch der Juden?) vereinigen 1) den gründlichen Unterricht in der natürlichen Religion bei allen zum eignen Denken bestimten Menschen, und die gute Mei
 
 
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nung von der wahren Gründlichkeit desselben, bei dem grossen Haufen zu befördern; 2) einen auf die natürliche Religion gerichteten Gottesdienst in den Familien, und, wo es möglich ist, auch in einem Tempel der allerheiligsten Providenz, zu welchem sich ein Fenelon, ein Lavater, ein Sak, ein Spalding, ein Moses Mendelssohn, ein Reimarus und alle, die solchen Männern zu folgen pflegen (ohne Beleidigung ihrer, auch für andre Religionen eingenommenen, Gewissen), und endlich die tausende der Naturalisten, versamlen könten, und wohin auch die Zweifler kämen, welche daselbst die Vortreflichkeit und Wahrheit des Glaubens an die göttliche Vorsehung volkommene Vorsehung, und an die künftige Vergeltung wahrlich einsehen lernten." Pag. 49. 50. 51.
 
 
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3) Von der Ewigkeit der Höllenstrafen.
 
 
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"Mit dieser lezten Strophe werden Einige, sonderlich diejenigen unzufrieden sein, welche die Ewigkeit der Höllenstrafen schlechthin leugnen, oder wenigstens sie nicht für völlig erweislich halten. Freilich wird sie hier gar zu entscheident behauptet. ( Der Recensent ist der erkanten Wahrheit gewis aus Überzeugung und um des Gewissens willen getreu, und von aller Neuerungssucht entfernt; er versichert auch, daß ihm die meisten Erklärungen, wodurch man bisher die deutlichen Schriftstellen, welche von ewigen Strafen reden, zu mildern und anders zu deuten gesucht hat, nicht völlig Genüge thun. Man sage, was man wil, Matth. 25, 46. redet von dem Orte einer gänzlich endlosen Pein.) Gleichwohl gestehe ich, der Rec., daß mir die gar zu dreuste und zuversichtliche Behauptung einer völlig endlosen Verstossung und Strafe aller strafwürdigen Sünder, die nur alsdan aufhören könne, wenn
 
 
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Gott würde aufhören Gott zu sein, nicht blos unbli unbiblich, nein unerlaubt und verwegen scheint; da wir in die künftigen Haushaltungen Gottes nicht durch aus keinen entscheidenden Blik wagen dürfen. Wer fühlt nicht um der unzählbaren beklagenswerthen unglükseeligen Millionen Menschen willen, den mitleidigen Wunsch, daß die Höllenstrafen endlich einmal aufhören, daß Gott nicht ewig verstossen, daß die Verdamten sich nicht ewig wider ihn empören; sondern, nachdem sie die Schwere seiner Strafgerechtigkeit empfunden haben, ihren feindseeligen Sin ablegen, Vergebung bitten und wie Abbadona im Messias, Gnade erlangen mögen. Dieser Wunsch ist nicht ganz ohne Grund: ihn unterstüzzet der Gedanke, daß Gott die Liebe ist; Liebe gegen alle seine Geschöpfe, auch gegen verhärtete Sünder. Die göttliche Gerechtigkeit selbst stehet dem Wunsche zur Seite. Tugend und Laster gränzen nahe an einander; wer wil zwischen bxx beiden die Gränzlinie ziehen? Gott! gut: aber wir sollen empfangen, nachdem wir gehandelt haben bei Leibesleben. Vixlle Viele Menschen haben eben so viel Gutes als Böses gethan: von hieraus giebt es unzählbare Stufen zu einem volkommenen Tugendhaften, oder Lasterhaften. Selbst der Glaube ist mit mehr, oder wenigerm Unglauben vermischt. Daher die verschiednen Grade, der Seeligkeit, und der Verdamnis. Solten geringere Fehler eine eben so endlose Verstossung nach sich ziehen, als die schändlichen Verbrechen; wo bliebe die Gerechtigkeit? Nur die deutlichsten Sprüche, welche das höllische Feuer für ein ewiges, nicht blos äonisches, sondern im Gegensazze der Seeligkeit für ein völlig endloses erklären, scheinen weder un=
 
 
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sern Wunsch, noch dessen Grund zu begünstigen. Vielleicht kann kan man von der Erbarmung Gottes eine einmalige Loslassung der Gefangenen, eine völlige Begnadigung, erwarten und vermuthen, obgleich das höllische Feuer im eigentlichen Sinne ewig, endlos heist. Zu einer weitläuftigen Ausführung ist hier kein Raum: für prüfende Leser stehen vielleicht folgende kurze Gedanken nicht am unrechten Orte. Erstlich: vorausgesezt, daß Gott wirklich unaufhörliche Strafen drohet, so versichert er doch nirgends in der Bibel, wie schon andere angemerkt haben, auf ewig seinem Begnadigungsrechte entsagen zu wollen. Ninive sol untergehen; unbedingt wird dieses Urtheil ausgesprochen und angekündigt: auf erfolgte Sinnesänderung folgt dennoch Gnade. Solte man nicht berechtiget sein, für so viele Millionen gezüchtigter Menschen gleiche Erbarmung zu erwarten. Allenfals könte man einen obgleich schwachen Grund aus der dunkxxl dunkeln Stelle 1 Petr. 3, 19. u. f. nehmen. Daß während der Strafe durchaus keine Sinnesänderung Statt haben könne, ist aus der Bibel schwerlich erweislich. Aber die Weisheit straft um zu bessern. Zweitens: vor ihrem Falle genossen die verstossenen Engel das Anschauen Gottes, folglich die ewige Seeligkeit, welche nach jener ihrer Verstossung nicht aufhörte ewig zu sein. Das höllische Feuer hört eben so wenig auf eine ewige Pein zu sein, obgleich von Zeit zu Zeit Verdamte je nach ihrem Verhalten daraus erlöset, und begnadiget werden. Daß es ein ewiges Feuer heist, mag vielleicht mehr auf die Dauer des Kerkers selbst, als auf die Dauer des Kerke der Verstossung gehen. Von den künftigen Schiksalen unsers Planeten wissen wir sehr wenig, von den Schiksalen der übrigen bewohnten Welten gar nichts. Es ist möglich, daß es auch bis in die entfernteste Zukunft, und da
 
 
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das Reich Gottes ein ewiges ist, bis in Ewigkeit, Verbrecher gebe. Warum solte das bei einem ewigen Reiche für nöthig befundene Gefängnis nicht ewig heissen können, ohne daß dasselbe nothwendig eine ewige Verstossung zugleich in sich begreift; da sogar desselben Endzwek, nemlich rebellische Unterthanen zur Erkentnis und zum Gehorsam zu bringen, bis in die Ewigkeit dauern würde. Eine so unwandelbare Bestätigung im Guten, vermöge deren ein Geschöpf aller seiner Freiheit ungeachtet durchaus nicht mehr irren und fehlen kan, wird wohl in den theologischen Systemen, aber an keinem Orte in der Bibel, so viel ich auch darnach gesucht habe, deutlich gelehrt. Wer weis, ob nicht noch jezt und fernerhin, zuweilen ein guter Engel aus dem seeligen Reiche Gottes auf eine Zeitlang relegirt werde. Noch mehr, wenn nach Bonnets Palingenesie die unvernünftigen Geschöpfe in der künftigen Veränderung unsers und auch wohl andrer, Planeten zur Volkommenheit der vernünftigen erhoben werden; so können sie doch wohl auch irren, selbst Laster begehen, straffällig sein. So kan der Kerker fortdauern, bis in Ewigkeit nöthig sein, und grossen Nuzzen verschaffen; mit x...x Recht ein ewiges Feuer h heissen, ohne daß dadurch den Verdamten auf ewig alle Hofnung einer endlichen Begnadigung abgeschnitten wird. Sie gehen in das unauslöschliche, ewige Feuer; um durch ihre endliche Befreiung aus demselben an sich deutlich zu erfahren, daß der Herr nicht ewiglich Zorn hält, Ps. 103, 9. und nicht ewiglich verstöst. Ps. 77, 8. Auf solche Art wird selbst der Ort der Pein mit dem ganzen grossen göttlichen Plane harmonisch; er erhält eine Gott an=
 
 
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ständige Absicht; und selbst das ewige höllische Feuer bezeugt, daß Gott die Liebe sei. – Diese Gedanken, welche sich leicht volständiger auseinander sezzen liessen, wage ich nicht mit einer Art von Entscheidung vorzutragen; sie sind eine blosse Anfrage, zur Prüfung. – –" Pag. 83. 84. 85. 86. 87.
 
 
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4) Von der Herrschaft über die Kreaturen.
 
 
  Ia-01-1778-0124
"Zu dem Ebenbilde Gottes rechnet H. S. auch die Herrschaft über die Kreaturen. Hat denn das der Mensch nicht noch? Hat es nicht Gott dem Noah 1 Mos. 9, 1–3. fast mit eben den Worten, die 1, 25. stehn, bestätiget? Rechnet es nicht David Ps. 8. unter die Vorzüge des Menschen." Pag. 106.
 
 
  Ia-01-1778-0125
5) Vom heiligen Geist. (x...x)
 
 
  Ia-01-1778-0126
"Vielleicht leitet sie das auf {die} Untersuchung einer anderen theologischen Aufgabe, die ich nicht minder x...x wichtig halte: ob nemlich das p?e?µa a???? und der ????? nicht das nemliche Individuum sein solte? zumal da, selbst nach dem Geständnisse unser orthodoxesten Exeten, p?e?µa und p?e?µa ????, wenigstens in einigen Stellen der Schrift ganz offenbar die göttliche Natur Christi bedeutet." Pag. 210.
 
 
  Ia-01-1778-0127
"Wir bemerken beiläufig, daß uns ehemals bei Lesung dieser Programmen der Gedanke aufgestossen ist, der auch bei dieser Recension wieder rege wurde: daß es doch immer räthselhaft bleibe, wie die Lehre von einer dritten Person in der Gottheit noch so wenige deklarirte Widersprecher finden könne, da unsre Theologen selbst anfangen haben, zuzugeben, daß das höhere Wesen, welches in dem Menschen Christo wohnte, oder mit dem Kompendio zu reden, daß seine göttliche Natur (oder welches eben so viel ist, der Sohn Gottes, der Logus, die sogenante zweite Person der Gottheit) p?e?µa und p?e?µa a???? heisse, und folglich fast kein entscheidender Grund vorhanden ist, unter dem p?e?µa a???? in andern Stellen eine dritte Person zu denken. –" Pag. 239. 240.
 
 
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6) Von dem Vermögen des Menschen, sich selbst zu bekehren.
 
 
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"Wenn man die Stellen, wo die Apostel blos {von} ihrer Tüchtigkeit zum Amte reden, abrechnet; wenn man ferner unter der Bekehrung, die zuweilen ein Werk genant wird, das die Christen Gottes Veranstaltungen allein zu danken haben, nicht die moralische Besserung überhaupt, sondern die Verlassung des Irthums und den Übergang zur Christlichen Religion versteht; wenn man das, was vom damals verfinsterten Menschen gesagt werden kan – sorgfältig genug unterscheidet; wenn man endlich den Ausspruch "Gott thuts allein" nach der Analogie aller Sprachen (nach welcher man dem, der solche Veranstaltungen macht, ohne welche der beste Wille und Eifer eines thätigen Subjekts, den Effekt doch nicht hervorgebracht haben würde, den Effekt ganz zuschreibt, ohne die Mitwirkung jenes Subjekts und die zur Mitwirkung nöthige Kraft auszuschliessen) verstehn und erklären wil: so dürfte wohl für jenen an sich so schädlichen Lehrsaz die Bibel keinen beweisenden Ausspruch enthalten, auf den man sich nur mit einigem Scheine berufen könte." Pag. 237. 238.
 
 
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7) Von dem Worte "Ewig". (a??????, $$$$$)
 
 
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"Wir leugnen (und wer Lust hat, beweise das Gegentheil) daß äonisch jemals in der Bibel ewig heisse. Es ist gar das Wort nicht, womit der Morgenländer den metaphysischen Begrif "ewig" anfänglich angedeutet hat. Nur in neuern Zeiten haben R die Rabinen den Begrif erweitert. Ursprünglich heißt $$$$ eine Zeit von vielen Jahren. Hernach brauchte man es bestimt von einem halben Jahrhundert. Daher heist $$$$$ "lange" oder "Jahrhunderte hindurch" und $$$$$ "von langen Zeiten her." Dadurch ward es bei den Morgenländern das Wort, das man brauchte, wenn man von einer unbestimten Zeit reden wolte, dex deren Anfang oder Ende man nicht anzugeben wuste. Ich sage "wuste." Nie brauchte man es von einem Zeitraume, der keinen Anfang und Ende hatte hat – d. h. von der Ewigkeit;
 
 
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sondern nur von einer Zeit Zeit, deren Anfang oder Ende unbekant ist. Vornehmlich bediente man sich des Worts, wenn man stark und emphatisch reden, und die Dauer einer Sache exaggeriren wolte. So heißt es, zum Exempel, dort, daß Gott das Priesterthum bei der Familie (Ithamars, glaube ich, war es – ich mag nicht erst nachschlagen) lassen wolte ewiglich – nach Luthern – d. h. sehr lange Zeit, – durch eine unabsehliche Reihe von Jahren. Wer also diesen Sprachgebrauch der Hebräer gewohnt ist, wird äonisch nie, ewig, sondern "unabsehlich laxge lang" übersezzen. Und so sagt Christus Matth. 25. mehr nicht als: die Frommen werden zu zx einer unabsehlichen Freude eingehen, die Gottlosen aber zu unabsehlichem Elende verurtheilt werden. So mus auch äonisch nach dem gx...xt grammatischen Sinne von Gott genommen werden: Z. E. dort: "ehe die denn die Berge worden – bist du Gott von Jahrhunderten zu Jahrhunderten." Nun mus der Exeget erst aus andern Stellen beweisen, daß das "von Jahrhunderten zu Jahrhunderten" von Gott eine metaphysische Ewigkeit involvire, aber aus den Worten $$$$ $$ $$$$$ kan er nichts beweisen. So mus er also aus andern Stellen zeigen, daß das unabsehliche Glük der Frommen wirklich kein Ende haben werde; aber aus dieser kan er nur folgern, daß man kein Ende wisse. Und so fält das Argument aus dem Gegensazze – von selbst übern Haufen. – Pag. 242. 243. 244.
 
 
  Ia-01-1778-0132
IX.
 
 
  Ia-01-1778-0133
Algemeine theologische Bibliothek. Vierter Band. Mietau, bei Jakob Friedrich Hinz 1775.
 
 
  Ia-01-1778-0134
1) Von der Dreieinigkeit. (alias)
 
 
  Ia-01-1778-0135
"Man sol von Gott dem Vater, von Jesu Christo und von seinem Geiste dem gemeinen Manne das sagen, was die Schrift saget. Man sol sie aber diese drei nicht als Dreieinigkeit
 
 
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denken lehren, weil das die Bibel nicht thut. Man sol sie mit den unverständlichen Worten: Wesen, Person c. Dreifaltigkeit pp. verschonen, weil das alles in der Bibel nicht stehet und wegen seiner Unverständlichkeit keinen Nuzzen giebt. (Denn H. D. sagt selbst: "Es wird uns leicht keine Lehre so sauer als diese, wenn wir sie dem gemeinen Volke also vortragen sollen , daß sie das Nöthigste davon fassen.") Man sol die x...xute Leute dabei lassen, was die Bibel sagt, es ist nur ein Gott. Dieser einige Gott hat einen Gesanden auf die Erde geschikt, zum Besten der Menschen. Die Schrift nent ihn das Wort (weil er in dem Namen Gottes mit den Menschen reden solte:) auch den Sohn Gottes, weil er von Gott auf eine uns unbegreifliche Art sein Wesen hat, und folglich an Weisheit, Macht pp. seinem Vater gleich ist. Dieser erhabne Geist. dieser Abx...xh d Abkömling des Himmels (a?at??? e? ?s???) hat sich mit einem sterblichen Menschen vereinigt. –" Pag. 2.
 
 
  Ia-01-1778-0136
2) Die Mannichfaltigkeit der Religionen.
 
 
  Ia-01-1778-0137
"Man kan keines Menschen wirkliche Religion mit Zuverlässigkeit erkennen und beurtheilen. Die theoretische nicht, weil er dieselbe nicht anders als durch Worte zu erkennen geben kan, die entweder an sich sehr durh dunkel sind (wie H. Urlspergers Versuche über die Dreieinigkeitslehre und vieles aus der scholastischen Theologie unsrer Systematiker) oder die nie ganz so beschaffen sind, daß der Mensch, der sie hört, völlig eben das {dabei} denkt, als xer als der, der sie sagt. Die praktische nicht, weil wir keine Herzenskündiger sind. Man hat zwar versucht, durch geselschaftliche Verbindungen die wirkliche Religion der Menschen einstimmig zu machen, aber auch dies Mittel hat keine Wirkung gethan, und kan sie nicht thun. Diese Verbindung hat Identität
 
 
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in gewissen Formeln, Gebräuchen und Handlungen bewirkt, aber keine Identität der subjektiven Religion selbst. Auch die göttliche Offenbarung konte keine völlige Harmonie bewerkstelligen. Und Gott selbst kan diese Absicht nicht mir ihrer Bekantmachung verbunden haben, weil er sie nicht erreicht hat, und er gleichwohl vorhersehen muste, daß er sie nicht erreichen würde. (Wir würden hinzusezzen, daß weder Vernunft, noch menschliche noch göttliche Gesezze dies im Stande sind, weil doch immer theils ihre Erklärung, theils ihr Gebrauch, den man davon macht, der menschlichen Freiheit überlassen bleiben mus; wenn nicht alle Moralität aufgehoben werden sol.) Man kan also die wirkliche Religion keines Menschen zuverlässig beurtheilen, auch derer nicht, die sich freiwillig zu einerlei Religion bekennen, und den Inhalt der Bibel oder gewisser symbolischen Bücher zu glauben vorgeben. Denn es ist unmöglich, daß alle bei den Worten dieser Erkentnisquellen einerlei denken. Der Socinianer sieht z. E. die Gottheit Christi nirgends, und der Athanasianer findet sie auf allen Seiten der h. Schrift. (So gehts auch, würden wir hinzusezzen, mit den recipirten Lehrformeln. Manche sind gar Nichtsin, und die meisten sind so, daß unter hunderten nicht einer ganz dasselbe dabei denkt, was die andern dachten)."
 
 
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"Von der theoretischen Seite besteht die wirkliche Religion in der Summe der Begriffe, die ein Mensch von Gott und göttlichen Dingen hat. Aber niemand kan bei irgend einem Menschen diese Summe wissen. Wenn einer auch z. E. das Athx...xsische Athanasianische Glaubensbekentnis herbetete, so kan ich doch nicht genau und bestimt wissen, was er für wirkliche Begriffe von Gott habe. So viel ist unleugbar (man sieht nicht recht, wie das, was der V. nun sagt, mit dem unmittelbar vorhergehenden zusammenhängt. Um also den Faden der Demonstration
 
 
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nicht zu verlieren, so mus man ohngefehr aus dem Vorhergehenden dieses hinzudenken: "Da also nicht zwei Menschen in Absicht auf ihre subjektive oder wirkliche Religion einander ganz gleich sind, so ist unleugbar, daß kein Mensch lauter vollkommen richtige Begriffe von Gott habe, so wie es auch gewis ist, daß kein Mensch durchaus falsche Begriffe von Gott habe. Ja es kan ein Mensch, der im Ganzen falsche Religxxn Religion bekent, im Einzelnen bessere Begriffe von Gott haben, als ein anderer, der eine im Ganzen wahre Religion bekent. Wenn ein Heide z. E. eine falsche Gottheit anbetet, aber dieser Gottheit sehr rühmliche und anständige Eigenschaften beileget, hingegen ein Christ seinen Gott als einen Tyrannen glaubt, der in einen eben so grimmigen Zorn geraten könne, als ein Mensch, so hat der Heide im Einzelnen bessere Begriffe als der Christ. Oder wenn ein Türke die Einheit Gottes glaubt, hingegen ein Christ sich drei Personen der Gottheit als äussere und neben einander wirkliche Substanzen vorstellet, so hat der Türke im Einzelnen bessere Begriffe als der Christ. Daher kan man zwar in abstracto sagen, daß die christliche Religion die beste, de die einzige wahre sei, aber nicht in concreto. Die wirkliche Re Religion einzelner Christen kan schlechter sein als die wirkliche Religion der Nichtchristen. Man darf nur die wirkliche Religionserkentnis manches abergläubischen Katholiken xxehmen nehmen, so wird man bald finden, daß mancher Heide ohnmöglich einfältiger und unrichtiger von Gott gedacht haben kan. (So wäre z. E. uns die wirkliche Religion manches Muselmannes lieber, als die wirkliche Religion eines Lutheraners, der im x...x Stande ist, sich zu überreden, die Tugend sei dasjenige, wovon Paullus Phil. 3. sagt, daß er es für Koth achte gegen die Gerechtigkeit Christi.) Eben so
 
 
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mus man aber auch von der wirklichen Religion der Menschen in Absicht auf das praktische urtheilen. Es kan ein Christ schändlicher leben als ein Heide. Es kan ein Heide bei seiner falschen Erkentnis mehr Gutes thun, als ein Christ bei seiner wahren. Daher man zwar von der Christlichen Tugend und Frömmigkeit in abstracto sagen kan, sie sxx sei die beste, die einzige ächte, aber keinesweges in concreto. Vielmehr kan unter andern Religionen viel wahre und ächte Frömmigkeit gefunden werden. Kein Mensch aber hat eine theoretisch und praktisch volkommene – wirkliche Religion, hingegen kan ein Mensch eine moralischrichtige und unsündliche – wirkliche Religion haben; auch alsdenn, wenn sie sich auf Irthum und Verirrung grüxd gründete. Denn weder ein unvermeidlicher Irthum noch eine Handlung (wäre sie auch an sich fehlerhaft) die aus einem unvermeidlichen Irthum entsteht, ist Sünde. Gott verlangt von niemand, und kan als ein gerechter Gott nichts mehr verlangen, als was in der Freiheit des Menschen stund, und ihm durch seine Kräfte möglich war. Wenn also ein Mensch einen falschen Unterricht bekomt, oder bei dem wahren Unterrichte unverschuldet auf irrige Begriffe geräth (wie tausend unsrer gemeinen Leute bei den drei Persohnen Personen von Gott, bei dem h. Abendmahl) so kan ihm das nicht angerechnet werden. Seine wirkliche Religion ist falsch aber unsündlich. Aller dieser Menschen wirkliche Religion aber, so sehr sie theoretisch falsch ist, kan doch moralisch richtig und unsündlich sein." – Pag. 11. 12. 13. 14. 15.
 
 
  Ia-01-1778-0139
3) Von der Tugend.
 
 
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"Darin hat H. Krusius wohl recht, daß man die Tugend nicht ohne Beziehung auf Christum und ohne evangelische Motiven
 
 
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predigen solte. Aber er urtheilt auch sehr lieblos, wenn er den Tugendpredigern allen den Vorwurf macht, daß sie Christum aus den Augen sezten: und das um so viel mehr, da wir nicht einmal diejenigen verurtheilen können, welche die Tugend ganz ohne Christo predigen. Denn es ist {zwar} allemal zu beklagen, wenn es geschieht, aber man darf doch dergleichen Moralisten eben so wenig ganz verwerfen, als Christus jene Wunderthäter verwarf, die ihm nicht nachfolgeten. Luk. 9, 49. 50. Tugend ist immer etwas gottgefälliges: sie mag ohne xdur oder durch das Evangelium gewirkt werden. Wer sie ohne das Evangelium {prediget} , da er doch von der Göttlichkeit des Evangeliums überzeugt ist, der ist für seine Person strafbar. Aber dies macht weder seinen Vortrag selbst verwerflich, noch die Zuhörer Tugend verächtlich, die er in seinen Zuhörern bewirkte. Die Tugend des Heiden liebt Gott ohnstreitig so sehr, als die Tugend des Christen. Denn der Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an. Folglich wird wahre Rechtschaffenheit Gott überal belohnen. Denn aus allerlei Volk, wer Gott fürchtet und recht thut, ist ihm angenehm. Das sagt die Schrift. Aber es lehrt's auch schon die gesunde Vernunft. Denn nichts kan ein Verdienst geben, wozu {man} nicht mit seiner Freiheit wirksam war. Da also der Christ, dazu daß er ein Christ ist, nichts freiwillig beigetragen hat, da es vielmehr eine freie Wohlthat Gottes war, daß er von christlichen Eltern gebohren und erzogen ward, und eo ipso die Bekantschaft mit dem Evangelium erlangte, so kan ihm das kein Verdienst in Gottes Augen geben. Es kan also den Heiden dieses, daß er ohne seine Schuld kein Christ ist, in Gottes Augen nichts geringer machen. Sondern beide erhalten ihr Verdienst durch den Gebrauch, den sie {von} ihrer Erkentnis machen, die ix...x ihnen die Vorsehung prokurirte. Folglich ist beider Tugend in abstracto gleich schäzbar. Unter beiden wird der der Gottgefälligste und Belohnungswürdigste, der sich von seiner Erkentnis am willigsten leiten lies – um tugendhaft zu werden." – Pag. 26. 27. 28.
 
 
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  Ia-01-1778-0141
4) Von dem Ebenbilde Gottes.
 
 
  Ia-01-1778-0142
"Gottes Ebenbild ist die vernünftige und eines ewigen Glüks empfängliche Seele. Dies hat noch kein Theolog gründlich widerlegen können. Und exegetische Machtsprüche gelten nichts. – Der V. beweise erst die "überwiegende Neigung" (zum Guten) mit einem expressen Ausspruche der Schrift. Dann wollen wir ihn für einen Mann gelten lassen. Wo überwiegende Neigung zum Guten ist, da findet Sünde mit völliger Überzeugung nicht stat. Übereilungen wohl. Aber dafür hat noch kein Theolog Adams Fal erklärt. Aber vorsezliche Sünden nicht. Denn wer aus Gott gebohren ist, sündiget (aµa?t?a heist bei Johannes herschende und vorsezliche Sünde) nicht. - Doch weiter, "Weil sie aber demohngeachtet ihr Nachdenken nicht gut genug brauchten – (es müssen also gar schwache Menschen gewesen sein, an denen jene anerschafne Weisheit und Heiligkeit ziemlich unsichtbar wird) – so ist ihm Neigung zum Bösen überwiegend worden." Wo steht das? – Adam blieb das gute, treuherzige Geschöpf, das er war. Er xx erkante seinen Fehler, und trug mit Gedult die Folgen desselben. Und wir lesen nicht, daß er sich in der Folge je wieder so vergangen hätte. "Dieses Verderben ihrer geistigen Natur hat sich auf ihre Nachkommen fortgepflanzt." alles ohne Beweis. – "Gott hat dies geschehen lassen, weil er es für gut befunden, daß von diesen verderbten Stameltern alle übrige Menschen entstehen solten, und weil er ihnen ein Mittel verschaffen wolte – pp." Das ist nun gerade als wenn man sagte: "Titius, ein sehr gütiger und liebreicher Man, heirathete in der Absicht, um Kinder zu erzeugen, und diese Kinder an seinen glüklichen Umständen Antheil nehmen zu lassen. Er heirathete aber eine Person, die zwar anfangs nicht inficirt war, von der er aber vorhersahe, daß sie einen gewissen Antheil Umgang fortsezzen würde, der ihren Körper verunreinigen, und sie zur Hervorbringung kranker und ungesunder Kinder determiniren würde. Dies that er deswegen, weil er für gut befand, daß von dieser verderbten Mutter verdorbene Kinder gebohren werden solten, indem er schon beschlossen hatte, Mutter und Kinder hernach in den Schwizkasten zu stekken und wieder kuriren zu lassen, wobei ihm freilich nicht unbekant war, daß sieben Kinder von zehnen auf ewig Krüpel und Elende
 
 
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bleiben würden." Wir fragen alle gute und rechtschafne Menschenseelen, ob sie bei solcher Vorstellungsart unsers Systems sich beruhigen können. – Wir fragen sie, ob ihnen folgende gegenseitige Vorstellungsart der neuern Theologen der Vernunft und dem Karakter der Gottheit nicht viel anständiger ist. "Gott schuf eine Welt vol endlicher Geister, welche zur sx...x successiven Erlangung der zu ihrem Glükke nöthigen Erkentnis, und einer nach dieser Erkentnis eingerichteten freien Wahl des Guten und Heilsamen, in einer vernünftigen und freien Seele zureichende Anlage hatten. Diese Menschen, ihrer eignen Wahl überlassen, fingen sehr bald an, auszuarten. Gleich der erste lies sich von allerlei Neigungen zu strafbaren Handlungen verleiten, und so machten es auch seine Nachkommen. Je weiter es hinkam, je mehr nahm Blindheit und Lasterhaftigkeit überhand. Daher eilte Gott durch allerlei Mittel, wenigstens die meisten von dem Schiksale (durch harte Mittel einer aus Liebe strafenden Gerechtigkeit – ihren Inbegrif nent der Katechismus, Hölle – sich einer langwierigen Kur zur Besserung unterwerfen zu müssen) zu befreien. Bei vielen schlugen auch diese Mittel an. Tausende von rechtschaffenen Israëliten sind die Probe davon. Allein, bei unzähligen waren sie vergeblich. Daher suchte nunmehro der Vater der Menschen die grosse Reform durchzusezzen, die er auf einem von seiner Weisheit schiklich befundenen Zeitpunkt festgesezt hatte, und durch welche er vermittelst seines Sohnes zuerst das jüdische Land von seiner Unwissenheit, Aberglauben und Lastern zu reinigen und so dan, durch dessen Apostel, dem ganzen Erdboden Erkentnis Gottes des wahren Gottes, und mit ihr Tugend und Rechtschaffenheit wieder zu schenken beschlossen hatte pp. – Ohngeachtet nun auch dies gröste und beste Mittel, das Gott an die Ausbesserung der Menschen gewendet hat, nicht bei allen seine Wirkung thut, so daß immer noch ein ansehnlicher Theil durch seine Schuld dem obgedachten harten Schiksale in die Hände fallen wird, so hat Gott dennoch, da er das alles vorhersahe, beschlossen, es geschehen zu lassen, daß
 
 
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viele einer ewigen Seeligkeit nicht ohne grosse Schmerzen empfänglich würden, weil einmal eine successive Zubereitung bei endlichen Geschöpfen unvermeidlich war, und er dennoch sich das Vergnügen schaffen wolte, alle seine Geschöpfe an jener unaussprechlichen Seeligkeit Theil nehmen zu sehen; an Seeligkeiten, deren Grösse doch zulezt alles überwiegen wird, was auch der oder jene alzu hartnäkkige Mensch auf seiner Walfahrt, und in der Hölle selbst, ausgestanden haben möchte pp. –" Pag. 60. 61. 62.
 
 
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5) Von der Erbsünde. (alias)
 
 
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usserst elend behandelt der V. in dem folgenden die Sprüche der Schrift, die von der Erbsünde reden sollen. Er glaubt z. E., daß aus 1 Mos. 8, 21. jeder, der die Bibel zum erstenmal lieset, ganz natürlich die Erklärung herausbringen würde "Die Menschen sind {von} ihrer Geburt an – zum Bösen geneigt: {a) Heist denn von Jugend auf in Ps. 88, 16. Jes. 47, 12. Jer. 3, 24. von {der} Geburt an? -} a) Da sieht man recht, was das theologische Vergrösserungsglas thut, mit welchem die Herren Orthodoxen die Bibel lesen. Gott sagt mehr nicht als "Die Menschen sind einmal ausgeartet" oder den Worten {nach} : "die Menschen sind böse von Jugend auf." Heist das von Geburt? Steht hier ein Wort davon, daß alle Menschen ,der mit überwiegender Neigung zum Bösen auf die Welt kommen? Man denke sich einen Menschen, der wie Adam im sogenanten Stande der Unschuld gebohren würde, der aber schon im zweiten, dritten Jahre, so wie er nur anfienge, ein wenig nach eigner Wahl zu handeln, ausartete und auf Abwege geriethe: würde man von dem nicht sagen können: "der Mensch ist böse von Jugend auf und immerdar?" Und solche Handgreiflichkeiten mus man gleich wohl den alten Knaben noch alle Tage vorpredigen. – Eben so gehts mit dem Spruche aus Ps. 51. Da sol und mus sich der arme David für einen Menschen ausgeben, der schon im Mutterleibe Lust zur Bathseba hatte. Gleichwohl sagt er weiter nichts, als daß der
 
 
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Trieb, der ihn zu seinem groben Vergehen verleitet hatte, ein heftiger und angebohrner Trieb sei, und daß er deshalb von Gott einiges Mitleid verdiene. Denn der Saame, aus dem David gezeugt war, kan doch weiter nicht sündlich genent werden, als wiefern er beitrug, einen Körper zu bilden, in dem körperliche Veranlassungen zur Sünde entstunden. Und ich möchte den Systematiker sehen, der aus sichx...x sichern Sprachregeln beweisen könte, daß es mehr heisse. Da nun David im Psalme von einer Sünde redet, die durch körperliche Antriebe bei ihm entstanden war, so konte er nicht natürlicher und deutlicher reden, um durch diesen Gedanken Gott zum Mitleid zu bewegen." Pag. 63. 64.
 
 
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6) Von dem Verdienst.
 
 
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"Verdienst heist eigentlich der Werth, den ein Mensch durch gewisse Handlungen erlangt, in den Augen dessen, zu dessen Nuzzen oder Vergnügen jene Handlungen verrichtet wurden. Das ist der Sprachgebrauch. – Verdienst ist also so viel, als Werth, Würde – Anspruch auf Beifal und Zeichen desselben. – Dieser Werth ist aber allemal relativ. Nicht jede Handlung giebt ihn. Nicht jede Handlung giebt ihn in den Augen aller Menschen. Nur in den Augen derer giebt mir mein Verhalten einen Werth, ein Verdienst, deren Wünsche oder Forderungen es erfült. Verrichtet ein Mensch freie Handlungen, die den Nuzzen oder das Vergnügen der menschlichen Gesellschaft überhaupt befördern, so hat er ein Verdienst um die Welt. Ist der Nuzzen mannigfaltig, so sagt man: Verdienste u. s. w. – die Grösse des Werths oder des Verdienstes hängt theils von der Grösse des Nuzzens und Vergnügens, theils von dem Grade des Eifers und der Anstrengung ab, mit welcher ein Mensch jene Handlungen verrichtet. In jedem Falle aber wird dies dabei erfordert, daß jene Handlungen freie Handlungen sind. Denn das ich gut verdaue – gut schlaffe
 
 
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eine reiche Erbschaft thue pp. giebt xi mir kein Verdienst, wenn es auch zufälligerweise andern zum Nuzzen oder Vergnügen gereicht. Daß ich aber als Richter unpartheiisch und gewissenhaft, x...x als Kaufman ehrlich, als Taglöhner fleissig bin pp. das giebt mir Verdienst. Warum? Jene Dinge that ich mechanisch, diese frei. Jene Dinge wirkten Naturkräfte von selbst, bei diesen aber sezte ich mit eigener Überlegung und Vorsaz meine Kräfte in Thätigkeit. Dies bestimt also den Werth in meiner Handlungen in den Augen derer, für die sie geschehen. Daß einige derselben, daß viele, daß alle – Schuldigkeit waren, kan ihren Werth nicht vermindern. Sonst fiele der Begrif des Verdienstes weg. Wenn also eine Handlung, die ich frei verrichte, (das heist, wo ich, ich, ohne unwiderstehlich gezwungen zu sein, meine Kräfte mit eigner Überlegung in Thätigkeit sezze,) den Wunsch eines andern befriedigt, so verdient sie seinen Beifal, wenn sie auch in einem andern Betrachte Schuldigkeit war. Und sie verdient ihx ihn in desto höherem Grade, je eifriger, redlicher und angestrengter ich dabei zu Werke gieng. Und so kan auch der Leibeigne Verdienst um mich haben, ohngeachtet im Grunde, alles was er für mich thut Schuldigkeit ist. Denn ich kan ihn doch nicht unwiderstehlich zu seiner Schuldigkeit anhalten, daß er mit Eifer und Anstrengung für mich arbeitet. – Und hieraus nun lasset uns einige wichtige Folgerungen machen. Ein Mensch kan also {auch} vor Gott Verdienst haben. – Die Tugend giebt ihm dieses Verdienst. Das heißt, ist die Tugend ist das, was ihn in Gottes Augen werth und angenehm macht. Denn die Tugend ist freie Thätigkeit: und sie ist dabei eine Sache, die Gott zum Vergnügen gereicht: die Gottes Wunsche gemäs ist. Gott wünscht mein Glük. Das sicherste Mittel darzu ist Tugend. Ich mus also Gott gefallen, so bald ich tugendhaft bin. Ja diese Tugend ist in mehrerm Betrachte der höchste Werth, das gröste Ver Verdienst, d??a??s??? – in den Augen Gottes.
 
 
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Daß dieser Werth durch die Verhältnisse, in welche uns der Glaube mit dem Sohne Gottes sezzet, erhöhet wird, versteht sich von selbst. Es ist aber nicht huius loci. H. S. irret also, wenn er dem Menschen Verdienst abspricht. Und irret noch mehr, wenn er es ihm aus dem Grunde abspricht, weil seine Tugend Schuldigkeit ist. Die Systeme gehen also ganz vom Sprachgebrauche ab, und sezzen den absurdesten Gedanken an die Stelle der Wahrheit, wenn sie es für einen der gefährlichsten Irthümer erklären, dem Menschen Verdienst beizulegen. So wohl des der la lateinische Sprachgebrauch des Worts mereri ist dawider, wie H. Ernesti und andere Philologen schon oft gezeigt haben, als xx auch der deutsche. – Im System heist Verdienst, das Recht zum lieben Gott zu sagen "du must!" Kan man sich was abgeschmakters denken? Hat je ein Mensch auch sogar der Katholik so etwas krasses im Sinne gehabt, wenn er den Werken Verdienst zuschrieb? – Und wahrhaftig die Katholiken haben in unsern Augen oft klügere Grundsäzze, als manche unserer Gottesgelehrten, die mit ihrer albernen Orthodoxie die Tugend verächtlich machen. Würden die Katholiken nur unter guten Werken x anfangen wahre christliche Tugend zu verstehen, und mit ihren abgeschmakten operibus supererogationis zu Hause bleiben, und sich dabei einiger unüberlegten Ausdrükke bei Erklärung des Verdienstes, das sie der Tugend zuschreiben, enthalten; so solte ihr Saz vom Verdienste der Werke uns allemal ehrwürdig sein. Denn daß Tugend uns in Gottes Augen werth und angenehm macht (de?t?? Apostelg. 10,34.) ist nicht nur unleugbar richtig, sondern es ist auch ein schlechterdings unentbehrliches Motiv zu Tugend und Gottseeligkeit. Und unsere christliche Moral wird in Ewigkeit unfruchtbar bleiben, so lange wir den Menschen dieses Motiv
 
 
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nicht wörtlich wiedergeben. Man bringe tausend Befehle und Drohungen Gottes – und lasse den Leuten dabei den unseeligen Systemsgedanken: "Gott sieht bei unserer Begnadigung allein auf Christi Tod – gar nicht auf unsere Tugend und Sinnesänderung: nur Christus – nicht, gar nicht unsere Rechtschaffenheit, giebt uns Werth in Gottes Augen:" so lange wird die Algemeinmachung einer recht eifrigen Tugend unmöglich bleiben. Man sieht an den Katholiken, was ihre irrige Lehre vom Verdienste für Wirkung thut: wie sich Vornehme und Geringe überwinden lassen, die sauersten Übungen zu unternehmen – blos weil man ihnen sagt, das sei das einzige Mittel den Himmel zu verdienen. Was würde also nicht die wahre Lehre vom Verdienste für Wirkung thun, wenn sie mit rechtem Ernste und Eifer eingeschärft würde. – Und höchst kindisch ist es, wenn man hier gleich mit der ängstlichen Besorgnis, daß diese Lehre die Menschen werkheilig machen w würde, der Wahrheit in den Weg lauft. Wir wünschten von Herzensgrunde, daß alle Christen auf eine vernünftige Art werkheilig werden möchten. Freilich nicht, wie mancher dumme Katholik, der sich überredet, ein Vermächtnis ins Kloster, oder eine gut bezahlte Seelenmesse, schenke Ansprüche auf Himmel und Seeligkeit: aber doch in dem Verstande, daß man sich fest überredete: reines eifriges Bestreben, Gott zu gefallen, sei in Gottes Augen die höchste Zierde, der volkommenste Werth eines Menschen: Tugend allein gebe Antheil an der Erlösung Jesu, an seinem Versöhnungstode, an allen Seeligkeiten, die er uns erwarb und versicherte: nur durch Rechtschaffenheit könne man Gott gefallen, und seiner Gnade in Christo Jesu würdig und empfänglich wxxd werden. – Ist dies Werkheiligkeit, so lasse Gott zur Ehre seines Namens alle Lutheraner Werkheilige werden! – Unsere Systeme irren also ferner, wenn sie unter dem Verdienste Christi blos seinen Gehorsam bis in den Tod verstehen. Und dies in vielerlei Betrachte.
 
 
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Erstlich weil sein Tod nach dem Sprachgebrauche gar nicht sein Verdienst heissen kan. Der Tod Jesu gehört zu den Handlungen des Erlösers, durch welche er ein Verdienst erhielt: er ist also nicht selbst Verdienst. Zweitens weil sie den Begrif des Verdienstes nicht gehörig auseinander sezzen. Verdienst heist der Werth, den mir meine Handlungen in den Augen eines andern geben – und der Anspruch, den ich dadurch auf seinen Beifal und die Zeichen desselben machen kan. Ich mus also bei dem Erlöser ein doppeltes Verdienst denken, Jesus ward einmal durch die Erfüllung seiner Aufträge der höchste Gegenstand des göttlichen Wohlgefallens. Er erhielt also ein Verdienst vor Gott. Und dies Verdienst ist es eigentlich, welches wir uns durch den Glauben zueignen – an welchem wir vermittelst einer seinen Vorschriften gemässen Sinnesänderung persöhnl persönlichen Antheil nehmen: so daß alle Menschen, die sich aufrichtig bessern, und in die Fusstapfen ihres Erlösers treten, von Gott um Christi willen zu Gnaden angenommen werden: so daß sich das Wohlgefallen des Vaters an dem Sohne auf alle seine Brüder ableitet. – Aber Jesus erhielt eben dadurch auch die gerechtesten Ansprüche auf unsere Liebe und Dankbarkeit. Und eigentlich H. S. dies ist sein Verdienst um die Welt, von welcher eigentlich H. S. redet. Allein, H. S. irret mit dem System (das ist der dritte Punkt) darinnen, daß er die Erleuchtung und Heiligung, nur als Verdienst um die Welt ansieht. Nämlich die meisten Theologen denken sich bei jenem Verdienst vor Gott nur seinen blutigen Tod. Und gleichwohl machte dieser sein ganzes Verdienst vor Gott aus, daß vielmehr jene beiden Stükke seines Amtes in Gottes Augen den höchsten Werth hatten. Denn ward Jesus nicht unser Heiligmacher, so konte er gar nicht uns unser Versöhner sein. Die Heiligung der Menschen
 
 
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ist der lezte und höchste Zwek der ganzen göttlichen Haushaltung. Aber das sehen viele Systematiker so wenig, daß sie den Tod Christi nur deswegen als Verdienst betrachten, wie fern er uns versöhnet hat." Pag. 81. 82. 83. 84. 85. 86. 87
 
 
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7) Von den Akkomodationen und Allegationen.
 
 
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"In dem N. T. heist es oft: da ist erfüllet worden das gesagt ist pp. und wenn man nachschläget, so ist mehrmalen klar, daß der Prophet von ganz andern Personen und Dingen, und in ganz andern Absichten dergleichen Worte gebraucht hat. Man findet, daß nicht die Sache mit ihren historischen Umständen, sondern der prophetische Ausdruk gemeint, und auf einen mehr xx oder weniger ähnlichen Fal angewendet ist. Das ist Akkomodation. Bisweilen aber werden auch wahre Weissagungen der Propheten auf Christum u. d. als jezt erfült angeführt und gezeiget, und das insgemein mit ebendenselben oder doch ähnlichen Formeln. Das sind wahre Allegate. Soweit ist man ziemlich einig. Aber wie unterscheidet man diese von jenen auf eine sichere Weise? Recensent hat geglaubt und glaubt noch: Es sei kein anderes sicheres Kenzeichen als der Augenschein des prophetischen Textes, ob er würklich nach den Umständen davon rede? und auf die Allegationsformeln komme es nicht an." Pag. 91.
 
 
  Ia-01-1778-0150
8) Von der Moral (Tugend.)
 
 
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"Die Moral ist ganz auf den Zwek, die Menschen schon in der Welt glüklich und zufrieden zu machen, erbaut. Sie ist ganz frei von jener schwärmerischen Orthodoxie, welche die Tugend erniedrigt, und verächtlich macht. – Giebt es nun ein anderes Leben nach diesem, so mus nothwendig die Tugend dasjenige sein, was den Menschen glüklich macht, indem sie ihm die Gnade des Gottes, von welchem jenes Leben abhängt, zuwege bringt. Man kan seelig werden, ob man schon nicht von dieser oder jener Meinung in den minder nöthigen Lehrepunkten ist. Aber man kan schlechterdings nicht seelig werden, ohne Liebe und Gehorsam." – Pag. 117. 118.
 
 
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9) Die Schilderung der Morgenröthe.
 
 
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"Kom hinaus, Jüngling, aufs freie Feld und merke. Die urälteste herlichste Offenbarung Gottes, erscheint dir jeden Morgen als Thatsache, grosses Werk Gottes in der Natur Himmel und Erde! Siehe, wie sie noch zusammenvermischt um uns liegen: Himmel auf der Erde! Erde zum Himmel erhaben.
 
 
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Und die Erde war wüste und leer,
Finsternis auf der Tiefe.
Kanst du dir auch in Worten der Urkunde mehr sinliche Schilderung des grossen Nachtgrabes, des Mitternachtschauers wie in unendlicher schwarzer Wüste denken? – Und nun fühle den wehenden durchwehenden Nachtgeist, auch noch den Schauer der tiefsten Frühe vor Tagesanbruch, wie er Meer, Baum und alles durchnimt –
 
 
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webender Geist Gottes auf der Tiefe!
Wer ist's, der nicht unmittelbar vor Tages Anbruch von ihm ergriffen, wie Gott, wie eine kommende Regkraft der Natur athme!
 
 
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Und sieh, da Gott! da den ersten Lichtstrahl!
– Licht!
und's ist Licht!
Mit dem Einsilbigten Blizworte der Urkunde nicht einzuholen!
Und siehe diese Entzükkung, dies unnenbare Morgengefühl, wie's scheint alle Wesen zu ergreifen! zu liegen auf der ganzen Natur! Alles lag in Nacht und Dunkel: der webende Geist kam, und bereitete, was zu erharren – noch ruhn die Vögel, das Haupt unter die Flügel gesenkt: die Stadtwelt, die vielleicht niemals Morgen gesehen, liegt begraben: selbst die frühe Lerche steigt noch nicht – die Natur im harrenden dunklen Tempel Gottes – lebender Wind und –
 
 
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– Licht
's ward Licht!
Still wird er eingeweiht, der Tempel! Vielleicht die Blüte des Baums, die Blume, die Knospe fühlen!
 
 
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Lichtstrahl! ein tönender Goldklang auf die grosse Laute der Natur – die Lerche erwacht und schwingt sich – weh dem Fühllosen, der diese Scene gesehen, und Gott nicht gefühlt hat! Es ist das Bild jenes Naturweisen: wie sie aufblikt die Morgenröthe, und die Enden der Erde, und das grosse schwarze Nachttuch
 
 
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– am Saum erfast
und abschüttelt die Räuber der Nacht
– Licht!
und 's ward Licht!
Siehst du jene stille Glorie! jene sanfte Augenwimper der Morgenröthe, wie sie jeden Augenblik weiter hinaufschimmert, jeden Augenblik die Wolken weiter um sich her, anders wandelt – welche Farben! welch lachender Glanz! Wer den Pinsel dahin eintauchte? – und wie stille! Das Auge bleibt ruhen auf der zarten Stelle – – sanftes Angesicht der Gottheit! Offenbarung, Erscheinung! Denke dir, was ich vom Licht gesagt, und es ist nichts gesagt – wer, der hier nicht niederfält, anbetet – schweigend seufzt: o wär ewig meine Seele wie das Licht! wie dieser Gottesanbruch! –" Pag. 147. 148. 149.
 
 
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X.
 
 
  Ia-01-1778-0160
Algemeine theologische Bibliothek. Fünfter Band. Mietau, bei Jakob Friederich Hinz – 1775.
 
 
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1) Anfang der Welt.
 
 
  Ia-01-1778-0162
"Ax...x Anfänglich brachte Gott das ganze Universum, mit Erde und allen Gestirnen, hervor. Lange Zeit hernach wurde unser Erdboden $$$$$$ "verwüstet" verglichen Jes. 34, 11. Jer. 4, 22. (wo die Worte von geplünderten und verwüsteten Gegenden gebraucht werden) Er erlit eine totale Revolution durch eine völlige Wasserüberschwem=
 
 
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mung, (dies ist der $$$$) was auch jezt noch die sonderbare Beschaffenheit der verschiedenen Erdschichten, die nicht wohl von der sogenanten Sündflut herkommen kan, vermuthen läst – Gott brachte aus dieser ausgebranten Masse eines alten Weltkörpers einen neu neuen hervor (hierbei wird das, was v. 14. von der Hervorbringung der Gestirne erzält wird, sehr richtig optisch erklärt) "der Lauf der Gestirne sei nach der Hervorbringung der neuen Erde geordnet worden, und habe die Einrichtung bekommen, die er seit dieser Zeit habe, damit Jahreszeiten, erste Tage, Monate und Jahre könten berechnet werden (x...x ($$$ und $$$ mit $ konstruirt.)" – Moses redet nicht als Astronom, das war sein Beruf gar nicht. Wahrscheinlich wuste er auch nicht anders, als was er mit seinen blossen Augen zu sehen glaubte, daß nämlich die Sonne pp. sich um die Erde bewege. Aber so viel sieht man doch aus der ganzen mosaischen Schöpfungserzählung, daß es wahr ist, was der Verfasser der ältesten Erd= und Menschengeschichte blos als Physiker vermuthet hat, daß der alte Erdboden, so wie der Mond, eine von seinem jezzigen Gange verschiedne Richtung und Bewegung um die Sonne gehabt habe. Nach dieser Erklärung verschwinden auch alle ohnedem oft mit so vieler Gelehrsamkeit und Unsin geführte Streitigkeiten über das Lux primigenia. Über dem Erdboden lag eine durch die dikken Dünste und Nebel, die noch nicht aufsteigen konten, verursachte Dunkelheit, durch welche nur schwache gebrochne Strahlen des in der übrigen Natur verbreiteten Sonnenlichts brechen konten." Pag. 137. 138. 139.
 
 
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2) Ein kindliches Stük aus der reizenden Unschuldswelt von jenen patriarchalischen Zeiten? – "Das Kind in seiner Unschuld!" –
 
 
  Ia-01-1778-0164
"O welche Freude, welche Freude, kan
Des Menschen Herz empfinden, wenn es noch
Unschuldig ist! Ein Kind, das hingesezt
An einem schönen Frühlingsmorgen ist,
 
 
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Vor einem schönen Blumenkorb, und das
Zum erstenmale da sich sieht, und nun
Mit seiner zarten kleinen Kindeshand
In Blumen wühlt, wie lächelts! Wie so froh
Nimts eine Blume nach der andern! wie
So höchst vergnügt betrachtet's die und die!
Und wenn es dx...x schöne denn die Rose nimt, wie stuzt's!
Und wenn die schöne Blume süssen Duft
In seine kleine Nase duftet, und
Das Kindchen niest, und seine Mutter dann
Ihr, Gott helf! Gott helf! ruft, o welche Lust
Empfindet dann das Kind, empfindet dann
Die zärtlichste der Mütter, die das Kind
Auf ihren sanften Mutterschoos sich holt,
Und herzt und küst! Von solcher Unschuld sei
Des Jünglings und des Greisen Herz, das hier
Am hellen Bach, am blauen Hügel dort,
Im Meer der Freuden, das der Vater, Gott,
Für seine Menschen ausgegossen hat,
Schon schöpfen wil! O welche Wonne dann,
In seinem hohen Sterngewölbe, Nachts,
Wenn alles still ist, diesen Vater sehn,
Der unser aller Vater ist! – –"
Pag. 188. 189.
 
 
  Ia-01-1778-0165
XI.
 
 
  Ia-01-1778-0166
Algemeine theologische Bibliothek. Sechster Band, Mietau, bei Jakob Friederich Hinz 1776.
 
 
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1) Von der h. Schrift. (vex...x)
 
 
  Ia-01-1778-0168
"Rezensent kan aber nicht umhin, dem lieben Gott bei dieser Gelegenheit den innigsten Dank zu sagen, daß es doch jezt jezt immer mehr aufkommen wird, unsere Bibel als ein durch Jahrtausende fortgehendes Religionsgeschichtsbuch zu betrachten. Dieser Gesichtspunkt stelt wahre Würde unsrer Bibel dar – und wird ja auch hoffentlich dem jämmerlichen Geschwäz, das ein grosser Mann von al=
 
 
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gemeinen moralischen Begriffen, als dem Karakter eines biblischen Buchs, vorgebracht hat, wobei die Samlung wahrhaftig göttlicher Bücher im A. T. bis auf einige wenige eingeschrumpft wäre, bald ein Ende machen, so daß man dessen weiter mit einem Sylbchen zu gedenken sich schämen wird, die ganze Idee hat sonst noch so viel Schiefes an sich, worauf ich mich aber hier x nicht einlassen kan. Das hätten ja wohl rechte Abstraktionsbücher sein sollen – und die lassen sich auch aus der Urwelt her in bester Maase erwarten. – Und so würde die göttliche Offenbarung den Weg genommen haben, den die Offenbarungen giengen, die Menschen dichteten, sie würden schöne Moral, Liturgie und desgleichen geworden sein, wie dies die vorhandene Menschendichtungsoffenbarungen Mohammeds, Zoroasters und Konfuzius wirklich sind, und nicht was Offenbarung eigentlich sein sol, Aufschlus des Menschengeschlechts in seiner Bestimmung. Ein solches Offenbarungsbuch können Menschen gar nicht geben – und wenn es uns Gott gab – so wollen wirs anders – wies ein schwaches Menschengeschöpf selbst hätte machen können, haben. -" Pag. 19. 20.
 
 
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2) Die Unendlichkeit Gottes.
 
 
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"Glükliche Beschäftigung! Die Deine Werke, o Herr! unaufhörlich betrachtet! Die Seele schwimt in deiner Algegenwart – überal verliert sie sich in deiner Unendlichkeit – durchdrungen von den Strahlen deiner Weisheit und Güte wird sie selbst weise und gütig. Unbegreificher Gott! wie kan die Sprache der Engel ihr Erstaunen ausdrükken, wie die noch noch schwächere Sprache der Sterblichen, wenn ich in den unermeslichen Tiefen deiner Almacht, und Weisheit und Güte ihre Gedanken verloren gehen! Ach ein würdiger Lob, ewiger Schöpfer!
 
 
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ist das beredtere Schweigen und ein von Andacht und Liebe schlagendes Herz als der lauteste Lobgesang ist." Pag. 78.
 
 
  Ia-01-1778-0171
3) Ewigkeit!? –
 
 
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"Auf ewig gnadenreicher Gott, sol ich denn zu dem nie untergehenden Tage der Ewigkeit erwachen! – Gedanke voller Majestät! Dich denke oft das schmachtx...x x...x die nachtwachende Seele, dich empfinde oft das schmachtende Herz, dich zeige oft die gestirnte Nacht, mit der Spiegel der Herrlichkeit Gottes! Dich empfinde die träumende Nacht, mit dir erwache der fröliche Tag." – – Du belohnest denkenden Weisen mit heiligem Schauer einer süssen, erhabenen Empfindung, und mit dem Gefühl deiner Gegenwart, die wie Freuden der Engel die innersten Nerven seiner Seele durchströmt, indem er dich, Gott, in deinen Werken, mit unermüdeten Eifer entdekt." Pag. 79.
 
 
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4) Von der Gottheit Christi. alias
 
 
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"Über den Saz des Hrn. Basedow, daß Jesus anzubeten sei wegen einer ihm von Gott dem Vater verliehenen göttlichen Majestät, sagt Hr. A. "läst es sich denken, daß Gott einem Geschöpf göttliche Majestät gebe? Kan er machen, daß es aufhört, ein Geschöpf zu sein, daß es gegen die vernünftige Geschöpfe in eben das Verhältnis komt, in welchem Gott mit denselbigen steht?" Diese Schwierigkeit ist freilich nicht unrichtig, allein, trift sie nicht eben so wohl die gewöhnliche Lehre von der Vereinigung der menschlichen Natur Jesu mit der göttlichen Natur und von der Erhöhung derselbigen, deren Möglichkeit man aus jener Vereinigung erweisen wil? So weit man bei dieser Hypothese behauptet, daß die menschliche Natur erhöhet werden könne, so weit scheint es müsse man eingestehen, daß sie, ohne auf jene Hypothese
 
 
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Rüksicht zu nehmen, an sich erhöhet werden könne. Es wird dazu überhaupt ein gewisses Verhältnis gegen die Gottheit erfordert, aus der hernach ein bestimtes Verhältnis gegen andere Kreaturen entsteht. Durch die gewöhnliche Kunstwörter, z. E. subsistere in personalitate div. natura, oder possidere per unionem personalem, wird dieses Verhältnis gegen Gott so wenig erklärt, als wenn man sie unbestimt läst. Vielmehr scheinen dadurch neue Schwierigkeiten hinzu zu kommen. Die menschliche Natur bleibt dabei menschliche Natur, und also kan ich immer fragen: wie kan sie aufhören, ein Geschöpf zu sein? - p.p. Kann sie aber ohne aufzuhören, ein Geschöpf zu sein, in einen solchen Zustand kommen, der ihr in unserer gewöhnlichen Religionslehre zugeschrieben wird – und dessen Möglichkeit man aus der persönlichen Vereinigung herleiten wil: so kan man weder den Arianern noch den Socianern solche Einwürfe machen. Es scheint wenigstens, es seie eben so gut, zu sagen: quod Christus – homo – creatura – habet, habet per deum, als: quod Christus homo habet, habet per unionem personalem. Ob übrigens dieses Verhältnis eines und ebendasselbe mit dem Verhältnis Gottes gegen die Kreaturen seie, das ist eine andre Frage. Wenigstens kan man Hrn. Basedow und seines gleichen nicht viel vorwerfen, wann sie sagen, sie behaupten eben das Verhältnis der menschlichen Natur Jesu gegen die Kreatur, ohne die Hypothese der persönlichen Vereinigung, welches die Liebhaber dieser Hypothese vermittelst desselben annehmen. –" Pag. 162. 163. 164.
 
 
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5) Von dem Ausdruk "Jesus hat die Sünden der Menschen getragen."
 
 
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"Der Ausdruk, daß Jesus die Sünden der Menschen getragen habe, scheint kein hinlänglicher Beweisgrund für die Genuthuung Jesu zu sein. Wenn man den Ausdruk algemein macht, so heist Sünde tragen überhaupt: beschwerliche Folgen, die von der Sünde herrühren, ausstehen; diese Folgen mögen alsdenn nach Beschaffenheit des Subjekts die Natur einer Strafe an sich haben oder nicht. Wenn nämlich von einem gesagt wird, er trage seine eigne Sünde, so haben diejenigen üblen Folgen, die die begangene Sünde verursacht, die Beschaffenheit der Strafe; sie sind ein Strafübel und also heist in diesem Fal, seine Sünde tragen: um derselbigen willen Strafe xxgx...x leiden. In dieser Bedeutung komt diese Redensart oft vor. Z. E. 3 B. M. 20, 17. 19. Wenn aber das Subjekt, das sündiget, und das Subjekt, von dem gesagt wird, daß es diese Sünde trage, nicht einerlei ist; oder wenn es heist: einer trage des andern Sünde: so ist auch die Bedeutung anders zu bestimmen. Denn das Subjekt hat doch einen Einflus in die Bedeutung des Prädikats. Eben die Stelle, die H. E. für sich anführt: Ezech. 18. bestättiget unsern Saz, besonders wenn man auf den ganzen Vortrag des Propheten in diesem Kapitel, und nicht nur auf den 20ten Vers allein siehet. Gott verweist daselbst den Israëliten durch den Propheten, daß sie diese Redensart eines andern Sünde tragen, in einem falschen und irrigen Verstand brauchten. Denn wenn sie den Ausdruk so gebraucht hätten, wie es ihren Umständen gemäs gewesen wäre, und wie er überhaupt von Menschen gebraucht werden kan; so hätte Gott nicht Ursache gehabt, sie hierüber eines andern zu belehren. Sie hielten sich nämlich für unschuldig, und glaubten, ihr Unglük seie blos eine Strafe derjenigen {Sünden} , die ihre Väter begangen hätten; und also sahen sie Gottes Verhängnis über sich als ungerecht an. V. 2. Darüber
 
 
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weiset sie der Prophet zurecht, und sagt ihnen, in diesem Verstand dörfe der Sohn nie seines Vaters Missethat tragen; der Unschuldige werde nie statt des Schuldigen gestraft, sondern wenn ein Strafübel über den Sohn verhängt werde, so müsse er, wie der Vater, gesündiget haben. – Gott stelt also hier einen algemeinen Grundsatz seiner Gerechtigkeit auf. Und wenn nun in andern Stellen der h. Schrift dennoch gesagt wird, entweder mit eben so viel, oder mit ähnlichen Worten, daß einer des andern Sünde trage: so kan dieser Ausdruk nicht die Bedeutung haben, die ihm die Israëliten beilegten; denn diese erklärt Gott selbst hier irrig, er kan nicht ohne Einschränkung von den eigentlichen Strafen der Sünde eines andern verstanden werden. Vielmehr ist hier wieder ein Unterschied zu bemerken. Entweder hat der, der z. E. seiner Vorfahren Sünde trägt, eben so, wie dxx dieselbige gesündiget; oder nicht. In jenem Fal, der Klagl. 5, 7. und Matth. 23, 35. 36. vorkomt, ist das verhängte Übel, nach der authentischen Erklärung Gottes Ezech. 18. eigentlich die Strafe derjenigen Sünden, die der, der es leidet, selbst begangen hat. Es kan aber auch als die Strafe der Sünde der Voreltern angesehen werden, in so fern es ein Beweis ist, daß Gott bei den Voreltern nicht aus Gleichgültigkeit gegen die Sünde, sondern aus andern wichtigen Ursachen Nachsicht und Langmuth bewiesen habe. Im andern Fal, wann der, von dem gesagt wird, daß er die Sünde der Vorfahren trage, nicht so, wie sie gesündiget hat, kan auch der durch diesen Ausdruk bezeichnete Zustand keine eigentliche Strafe sein; sondern diese Redensart deutet hier nur eine Beschwerde an, die zwar aus der Sünde der Voreltern und aus der wesentlichen Einrichtung der menschlichen Geselschaft, aus dem natürlichen Verhältnis der Menschen gegeneinander entstehet – eben nicht die ??s?? oder Beschaffenheit einer von dem göttlichen
 
 
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Gericht zu erkannten Strafe hat. Z. E. 4 B. M. 33 sagt Gott, die Kinder der Israëliten, die aus Egypten ausgegangen seien, sollen vierzig Jahre herum wandern in der Wüsten, und ihre, der Väter, Hurerei tragen. Das heist doch wohl nicht, sie sollen im eigentlichsten Verstande um ihrer Väter Missethat willen gestraft werden? Nein! den Vätern wird die Strafe angekündigt, sie sollen das Land Kanaan nicht sehen; den Kindern aber wird verheissen, sie sollen hineingebracht werden. V. 33. Also wil Gott die Kinder nicht strafen; sondern weil die Väter in der Wüsten sterben, und dieses nach und nach innerhalb 40. Jahren geschehen solte, so müssen nothwendig die Kinder sichs gefallen lassen, diese Zeit über mit herumzuziehen. Die Sache ist deutlich, und wir gebrauchen ja diesen Ausdruk eben so. Wenn z. E. ein Vater sein Gut verschwendet, daß die Kinder darüber ohne {ihre} Schuld in Armuth gerathen: so sagen wir, die Kinder tragen die Missethat ihres Vaters; ihre Armuth nämlich seie eine Folge, nicht eine Strafe seiner Verschwendung. Es ist also nach dem bisherigen in Ansehung der Bedeutung nicht einerlei, ob das Prädikat des andern Sünde tragen, Verneinungs= oder Bejahungsweise bei seinem Subjekt stehet. In jenem Fal heist es gewöhnlich, die Strafe leiden, die ein anderer mit seiner Sünde verwürkt hat, wie Ezech. 18. in x...x ist diesem ist die Bedeutung nach der gegebenen Anweisung einzuschränken. Es scheint demnach nicht, daß diese Redensart einen unumstöslichen Beweisgrund für den gewöhnlichen Begrif von der Genugthuung Christi abgeben könne. – Die zweite Stelle von dieser Gattung, die Hr. E. anführet, Joh. 1, 29. ist noch weniger entscheident. Es wird da von dem Evangelisten das Wort a??e?? gebraucht. Hr. D. sucht zwar das Eigenthümliche
 
 
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der Bedeutung desselbigen bei zubehalten, indem er es übersezt: peccata mundi in se suscepta fx...xe facere. Allein es ist ja dem Hr. D. bekant genug, daß a??e?? eben so gut auch wegschaffen, wegnehmen heist. Wenigstens gebrauchen die LXX. unsers Wissens nicht das Wort a??e??, sondern ?aµßa?e??, fe?e??, a?afe?e??, ??µ??e?a?, wenn es mit dem Wort: Sünde, zusammengesezt wird; und wo sie in dieser Bedeutung Verbindung a??e?? gebrauchen, da heist es: Sünde vergeben, wegnehmen. Z. E. 1 Sam. 15, 25. 25, 28. In Ansehung der Stelle von der andern Gattung, 2 Kor. 5, 21. mus erst erwiesen werden, daß der Ausdruk: Gott hat Jesum zur Sünde, oder zum Sünder gemacht, nicht eben so gut heissen könne: Gott hat nach seinem Rathschlus zugegeben, daß Jesus als ein Sünder behandelt wurde. Und warum solte das wider den hebräischen Sprachgebrauch sein, da in demselbigen oft etwas Gott gleichsam als dem Urheber, zugeschrieben wird, was er zwar nicht selbst thut, aber in seinem Rathschlus zu gewissen wichtigen Endzwekken ordnet, und wobei er vorher und nachgehends zu Erzielung dieser Endzwekke geschäftig ist? wenigstens kan also diese Stelle kein Hauptsiz der Lehre von der Genugthuung Christi sein, sondern ihre Erklärung mus sich nach der anderwärtigen Erweislichkeit oder Unerweislichkeit derselbigen richten. – Überhaupt wird es darauf ankommen, ob es nicht andere mehr entscheidende Stellen für die Lehre von der Genugthuung Christi in dem N. T. giebt, und ob das vorbildliche Verhältnis der Opfer zu Christo nothwendig die bisherige Form dieser Lehre erfodere oder nicht. –" Pag. 223. 224. 225. 226. 227. 228. 229.
 
 
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6) Vom Himmel.
 
 
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"Himmel heist in der Bibel, alles, was ausser unserer Erde ist. Wo steht aber der Saz in der Bibel, daß alles, was ausser derselben ist, zugleich sei erschaffen worden. Vielleicht die tausendste, möcht' ich mit Hallern sagen, vielleicht die tausendste der Sonnen dreht izt sich, und tausend derselben bleiben noch zurükke!" Pag. 321.
 
 
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XII.
 
 
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Algemeine theologische Bibliothek. Siebender Band. Mietau, bei Jakob Friederich Hinz 1777.
 
 
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1) Von Teufelx Dämonischen Leuten.
 
 
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"Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß zu den Zeiten Christi die Juden Besizzungen geglaubt haben. Daraus aber folgt nicht, daß sie unter den besizzenden höhern Geistern die Wesen verstanden haben, die wir Teufel zu nennen gewohnt sind. Ihre eigentliche Vorstellung ist ein Gegenstand historischer Untersuchung. Hier sind aber Gründe zum Beweise, daß sie bei ihrem Glauben an Besizungen nicht an Teufel gedacht haben: 1) Es ist keine einzige stelle im N.T., aus der es erweislich sei, daß die Juden die Besizungen dem Teufel zugeschrieben; nirgends ist vom Teufel oder von Teufeln, sondern von einem Dämon oder Dämonen die Rede. 2) Dämonen sind keine gefallene Engel, sondern heidnische Gottheiten, und zwar solche, die vorher Menschen gewesen waren. Das ist der Begrif, den sich Griechen und Lateiner von den Dämonen machten, und die Sache ist nach den Zeugnissen die Farmer darüber gesamlet hat, historisch erwiesen. Über eben diesen Begrif haben die Juden; die nur gar zu geneigt waren ihrer Nachbaren Grundsäzze anzunehmen, in ihre Philosophie aufgenommen. Auch sie dachten sich unter Dämonen nichts anders, als jene vergötterte menschliche Geister. Das bewei=
 
 
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set selbst der Vorwurf, den die Juden Christo machten; Du treibest die Dämonen aus durch Beelzebub, den Obersten der Dämonen. Beelzebub, oder Beelzebul war den Juden keineswegs der König des Teufel=Reiches, den sie mit ganz andern Namen zu bezeichnen pflegten. Er war wie aus 2 Reg. 2 erhellet, ein Gözze der Philister (der Gott zu Ekron) Es ist auch Irthum, daß ihm dieser Name von den Juden aus Verachtung oder Spot beigelegt worden. Fliegen=Gott ward er genant, weil von ihm Schuz gegen dieses schädliche Insekt erwartet ward. Beispiele solcher Benennungen sind gar häufig. Invocant Elai myiagron deum, muscarum multitudine pestilentiam afferente; qua protinus intereunt, postquam litatum es ei deo. (Plin. Hist. nat.) So ward Jupiter und Herkules mit gleichen Zunamen beehrt. ?p??t????, ????pe??, ????d??, ?p?µ????. Das ist gerade der Beelzebub der Ekroniten. Bochart und Selden sind auch der Meinung, daß ihn die Ekroniten selbst so genant haben. Beelzebub war den Pharisäern also der Oberste der besizzenden Dämonen, nicht das Haupt der Teufel. - Aber Christus sagt doch bei dieser Gelegenheit: Wie kan ein Satan den andern austreiben? Ist also Satan (der Teufel) und Beelzebub einerlei? - Auf diesen Einwurf ist die Antwort nicht schwer zu finden. Satan ist ein algemeiner Ausdruk, und im Grunde nichts anders, als Widersacher, Gegner, Feind. Er wird von guten Engeln, 4 Mos. 22, 22. 23. von Menschen 1 Sam. 29, 4. 1 Reg. 3, 7. von Krankheiten 2 Kor. 12, 7. von jedem hinderden Widerstande gebraucht. So hat ihn der Heiland auch hier auf Kräfte, die sich einander entgegen arbeiten, angewandt. (Die Antwort Jesu ist übrigens blosse Appellation an den gesunden Menschenverstand, und Argumentum ad hominem, daraus sich weder die Existenz der Dämonen, noch der Satane erweisen läst, sondern die blos die Ungereimtheit des pharisäischen Vorwurfs fühlbar machen solte.) - Ein Zeugnis des Josephus sezt es
 
 
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ausser Streit, welche Vorstellung sich die Juden von den Dämonen machten. Diesem gelehrten Juden war es gewis nicht darum zu thun, das Ansehen und die Macht der Dämonen zu verkleinern. Er giebt aber von ihnen folgende Erklärung: Dämonen sind die Geister gottloser Menschen, die in die Lebendigen eingehen, und diejenigen tödten {,} die keine Hülfe erlangen, de bello jud. Lib. VII. c. 6. - Wenn nun zu den Zeiten Christi und seiner Apostel dies offenbar der herrschende Begrif von Dämonen war, können wir dann diesem Worte in den Schriften des N.T. einen andern Sin wilkührlich unterlegen? Die heiligen Schriftsteller wären nicht verstanden worden, wenn sie das Wort Dämon in einer andern als der gewöhnlichen Bedeutung genommen hätten. Denn was man auch damals von andern bösen Geistxx Geistern lehrte; so stimten doch Juden und Heiden darin überein, daß sie die Besizzungen den Geistern verstorbener Menschen zuschrieben, und es ist auch keine einzige Ausnahme aus irgend einem gleichzeitigen oder früheren Schriftsteller vorgebracht worden. Auch in den ersten Zeiten des Christenthums war dies noch die herschende Meinung, worüber eine Stelle des Justin entscheidend ist: ?? ???a?? ap??a???t?? ?aµßa??µe??? ?a? ??pt?µe??? a????p?? ??? da?µ?????pt??? ?a? µa???µe???? ?a???? ?????S. Später hinaus (hier wäre eine genaue historische Untersuchung; wann und wodurch eigentlich Vorstellung und Lehrart in diesem Stük geändert worden, zu wünschen.) ward es erst kirchliche Lehre, daß in dem Besessenen ein Geist übermenschlichen Ursprungs sein Werk habe. Übrigens hielten die Juden die besizzende Dämonen allerdings vor böse Geister, wie aus dem angeführten Zeugnisse des Josephus klar ist. Die Bx...xung Benennung böse und unreine Geister scheint dieses zwar auch zu beweisen; indessen hatten dergleichen Benennungen,
 
 
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mehr in den Wirkungen, als in den persönlichen Eigenschaften der besizzenden Dämonen ihren Grund. Taube, stumme Geister sind offenbar solche, deren Einwirkung man diese leibliche Gebrechen zuschrieb. So viel ist also von der Bedeutung der Worte da?µ?? und da?µ????? in den Schriften des N.T. historisch erweislich. Die Untersuchung vom Teufel und seinem Einflus ist dx...xh demnach von der Untersuchung: wie es mit den dämonischen Menschen beschaffen gewesen, ganz unabhängig. Alle dämonische Leute waren zugleich kranke Personen. Das leidet keinen Widerspruch; e?e?ape?se p????? ap? ??s?? – ?a? p?e?µat?? p??????; p?e?µata p????a müssen also auch Krankheiten gewesen sein, oder veranlasset haben. Welche Krankheiten waren es aber, die von Heiden so wol als Juden der Besizzung der Geister zugeschrieben wurden? Farmer beweist, daß obgleich die Alten alle besonders schwere Krankheiten als solche ansahen, die von den Göttern auferlegt waren, sie doch nur diejenigen, die den Verstand angriffen, und mit Wahnsin begleitet waren, für Folgen dämonischer Besizzungen hielten. Die Larvati und Cerriti der Lateiner waren insgesamt Wahnsinnige, so auch die da?µ?????µe???. Jedoch ward auch ausser der Raserei die fallende Sucht der Besizzung der Dämonen zugeschrieben; es sei wegen der sonderbaren Beschaffenheit dieses Übels oder weil dasselbe mit Verrükkung des Verstandes gar nahe verwandt ist. Saepe enim evenit ut per longum tempus dementia superveniat Epilepsia. Sunt enim affines hi morbi. MEAD. medica sacra p. 69. So waren denn auxh auch alle Dämonische, deren im N.T. gedacht wird, Kranke von der einen oder der andern Gattung. Der Vorwurf, den die Juden unserm Heilande Joh. 10, 20. 8, 48. pp. und dem Johannes Matth. 18, 11 pp. machten, beweiset hinlänglich, daß bei den Juden, nicht bei Sinnen sein, und dämonisch sein gleichbedeutend war. - Man hat die Theologie und das Christenthum mit einer sehr sonderbaren und
 
 
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zuversichtlichen Behauptung verunstaltet, nemlich: auf besondere Zulassung Gottes habe es zu den Zeiten Christi unter den Juden allein dämonische Menschen gegeben, oder derselben sei wenigstens unter einem andern Volke und zu einer andern Zeit nicht eine so grosse Anzahl gewesen. Damit hat man die Ehre Christi und den Werth seiner Erlösung recht gros vorzustellen gemeint. Die ganze Sache ist aber historisch falsch. Denn lange vor der Geburt Christi und ausser dem jüdischen Lande schrieb man Krankheiten überhaupt den Geistern zu, und dämonische Leute finden sich in Schriftstellern von hohem Alterthum, besonders in solchen aus denen sich der Volksglaube am besten erkennen läst, nemlich in den dramatischen Dichtern. Juden waren mit Besizzungen und mit einer antidämonischen Kunst schon lange vor Christi Zeiten bekant. Joseph berichtet: die von Salomo vorgeschriebene Art des Exorzismus habe beständig bis zu seinen Zeiten geherscht, und sei glüklich von statten gegangen. Gab es keine von Dämonen geplagte, was sollen denn Exorzisten? Und daß man nach den Zeiten Christi Besizzungen noch viel häufiger wahrzunehmen geglaubt habe, bedarf für den Geschichtskundigen keines Erweises. Der ganze locus von besonderer Macht des Teufels, der sich gleichsam zu guterletzt noch recht was hat sehen lassen wollen, oder zu seiner Schande, und zur Vergrösserung des Triumphs Christi zu seiner Zeit freier und toller hat wüten können, ist ohne allen historischen Grund. - Auch das ist wider die Geschichte, daß es mit den dämonischen Leuten, derer im N.T. gedacht wird, eine andere Bewandnis habe, als mit solchen, die in andern alten Schriftstellern für dämonisch ausgegeben wurden. Eben die Ausdrükke, eben die Krankheiten, was ist für ein Grund da, hier eine Verschiedenheit anzunehmen? Der gelehrte Bischof Warburton, ein eifriger Vertheidiger des Dämonismus, meint zwar dergleichen wahrzunehmen. Seiner Meinung nach versahen sich die Alten oft darin, daß sie natürliche Krankheiten für Besizzungen hielten; die
 
 
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im N.T. genanten, wären aber alle wirklich dämonische gewesen; man müsse auch wohl erwägen: welche Rolle der Teufel in der Haushaltung der Gnade gespielt habe, um von dieser Sache ein richtiges Urtheil zu fällen. Bei diesem Urtheil wird zweierlei vorausgesezt: einmal daß das System des Heidenthums in keiner Verbindung mit der Dämonologie stehe, und zum andern, daß die Lehre von der Erlösung und die von dem Einflus in dex {die} Macht des Teufels, in Rüksicht auf die Frage von den Besizzungen, sich so in einander fügeten, daß sie zusammen nur Ein ganzes ausmachen. Beides ist aber falsch. Im N.T. steht auch nicht ein Wort von diesem Unterschiede unter vermeintlich und x wirklich Besessenen, und alle Regeln, die man nachher zur Beurtheilung wirklicher Besizzungen festgesezt hat, können hier gar nichts entscheiden. - Last uns also von allen, die man von jeher dämonisch genennet hat, einerlei Urtheil fällen. Diese kranke elende Menschen waren entweder überal von Dämonen wirklich besessen, oder sie litten alle von natürlichen Übeln, die nach algemeiner abergläubischer Meinung dem Einflus böser Geister zugeschrieben wurden. Was sagt die Vernunft, was sagt die Schrift dazu? - Die Vernunft weis nichts von der Macht verstorbener Menschen und von ihrem Einflus auf das Wohl oder Wehe der Lebendigen. Sie entdekt uns eben so wenig das Dasein gefallener Engel, oder deren Kräfte und Verhältnisse. Auf welchen vernünftigen Grundsazze sol der Philosoph also die Lehre von den Dämonen und ihrer über die Menschen vermeintlich verübten Tyrannei gründen? Daß es mehr unerklärliche Wirkungen in dem System der Natur giebt, berechtiget ihn noch nicht die wirkenden Kräfte ausser den Grenzen der Natur zu suchen. Die Philosophie, die überal Götter und Dämonen=Einflus annahm, ist in den Zeiten
 
 
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der Unwissenheit und des dumsten Aberglaubens entstanden. Man kante die Natur nicht, und wolte doch von ihren Erscheinungen Rechenschaft geben; und von dem Volke ist die Lehre von der Influenz höherer Geister, wie alles, was das Gepräge des Wunderbaren und Übernatürlichen hat, von jeher gern angenommen worden. Männer im Gegentheil von genauer Bekanntschaft mit der Natur und von freierem Geiste haben das, was man für dämonische Besizzungen ansah, für blos natürliche Krankheit gehalten. Sadducäer, Epikuräer, Peripatethiker glaubten nicht an Dämonen. Aristoteles, Hippokrates, Celsus, Plotinus (obgleich Platoniker) sahen alle in der gemeinen Meinung nichts als die Frucht der Unwissenheit. Wetstein hat verschiedene berühmte Ärzte angeführt, die bei den Dämonischen nichts als Wirkungen der Natur wahrnahmen. Und wem an Zeugnissen dieser Art gelegen ist, dem wird des grossen Naturkenners Mead Urtheil Autorität genug sein - Insanorum haec sunt omnia - nihil profecto hic sacrum, nihil quod ex male affecta corporis sanitate oriri non posset, reperimus. Med. s. c. IX. Verständige Ärzte gebrauchen gegen diese natürliche Übel auch nichts als natürliche Mittel; sie treiben den bösen Geist bald durch Arzenei, bald durch Aderlassen, bald durch Bäder, bald durch Abführen, bald durch starke Bewegung aus. Was hat die Vernunft also für Gründe, Krankheiten, die aus natürlichen Ursachen entstehen, und durch natürliche Mittel geheilet oder gelindert werden, der Besizzung eines bösen Geistes zuzuschreiben? Dazu kömt; dergleichen angenommener Einflus höherer Geister erschaffener Geister zur Qual der Menschen ist ganz wider die Analogie der Regierungsart Gottes. Überal in der Welt wird eine bestimte Ordnung von Ursachen und Wirkungen wahrgenommen, die nicht von irgend einem unsicht=
 
 
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baren Wesen gestört wird. Und der Mensch solte allein in diesem allerweisesten Plane eine Ausnahme machen, und dem Eigensin oder der Schadenfreude böser Geister unterworfen sein? Wo bleibt vernünftige Anbetung Gottes, wo Ruhe und Trost des Herzens, sobald das unser Glaube ist? Abgötterei und dummer Aberglaube und Betrug müssen auf den Thron kommen, wenn die Meinung: Menschen können von bösen Geistern besessen und gequält werden, angenommen wird, und auch hier liefert die Geschichte die traurigsten Beweise. Juden selbst, so bald sie das heidnische System der Dämonologie angenommen, brachten dem Sammael Opfer, und wer kan ohne Schaudern an die Zauberei und Hexenprocesse unter den Christen denken? Grosse Ursache haben wir demnach Gott zu danken, daß nach dem Verhältnis der Erweiterung gründlicher Naturkentnis , die gefährliche Lehre von Besizzung böser Geister in Verachtung sinkt. Das Licht des Evangeliums stelte schon bei seiner ersten Erscheinung die Thorheit aller magischen Künste vor Augen (Aktor. 19, 18. 20.) und das geschahe auch, als es zum zweitenmale bei der Reformation hervorleuchtete. Um diese herliche Zeit erlangte die Vernunft, die durch den schändlichsten Aberglauben so lange war gefangen gehalten worden, wiederum einiger Mx massen die ihr gebührende Macht, und fieng an die thörichten Märchen von Hexereien, Besizzungen und Geisterbeschwerungen zu verwerfen, die durch listige und habsüchtige Betrüger ausgebreitet, und durch leichtgläubige Menschen waren angenommen worden. Daß die Offenbarung die Lehre von den Besizzungen eben so wenig begünstige, sondern derselben vielmehr grade entgegen sei, beweist Farmer im 10ten Abschnitte; und dieser Theil seiner Schrift verdient die meiste Aufmerksamkeit, weil man grade hier die stärksten Gründe für die Dämonologie zu finden glaubt. 1) Die Lehre von den Besizzungen
 
 
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war nicht auf die Offenbarung gegründet, ist auch nicht von ihr bestätiget worden, weder von den Propheten des A. noch von denen des N. T. Jene ignoriren so gänzlich diese ganze Lehre, daß sie derselben niemals weder gradezu, noch in Anspielungen erwehnen. (Sauls böser Geist ist Schwermuth; wer hebräisch versteht, wird hier nichts anders suchen) doch giebt es Gelegenheiten genug, bei denen sie davon natürlicher Weise hätten sprechen müssen, wofern sie davon gewust hätten; z. B. bei der Erzählung wunderthätiger Heilungen; Moses bei den Reinigungsgesezzen – von der Beflekkung durch teufelische oder dämonische Besizzung, und von der Art der Reinigung nach derselben nicht ein Wort – die Propheten überhaupt bei Verkündigung der Herlichkeit und Macht des Messias; wie kömts daß sie auch nicht ein einziges mal erwehnen: er werde Teufel oder Dämonen austreiben? – Im A. T. also ein tiefes Stillschweigen von dieser Sache. Im N. T. wird dieselbe eben so wenig eigentlich gelehret. Der Glaube an Dämonen war schon lange vor den Zeiten Christi in der Welt, und unter dem jüdischen Volke gewesen; er wird aber nie als ein Theil christlicher Offenbarung vorgestelt oder empfolen. – 2) Das ganze System jüdischer und christlicher Religion ist dieser Lehre geradezu entgegen. Jehova, der einzige wahre Gott, (der allein Wunder thut) Jesus Christus, der einzige Mitler zwischen Gott und Menschen; diese Grundsäzze können mit der Lehre von höheren Geistern, die über die Gesezze der Natur und über das Menschengeschlecht insbesondere Macht haben, nicht vereiniget werden. Auch der Beweis, der für die Warheit der Offenbarung von den Wunderwerken herzunehmen ist, verliert seine Evidenz, wenn es in den Wirkungen der Natur, noch eine andere als göttliche Dazwischenkunft geben kan. – Alle Propheten haben das gänzliche Unvermögen der Dämonen einstimmig behauptet, und damit die Lehre von den
 
 
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Besizzungen völlig umgestossen. Farmer bezieht sich hier auf seine Schrift von den Wunderwerken, wo er dieses umständlich erörtert hat, und erklärt weitläuftig die Stelle 1 Kor. x 8, 4. Wir wissen daß ein Gözze nichts in der Welt ist. Gözzen, deren Nichtigkeit die Apostel behaupteten, sind nicht Teufel, sondern heidnische Dämonen – und da diese nichts sind: so kan es auch nie einen wirklich dämonischen Menschen in der Welt gegeben haben. Mit vielem Scharfsin und exegetischen Genauigkeit werden hier auch alle Stellen in den Briefen der Apostel, darin von Dämonen die Rede ist, erläutert, besonders auch Jak. 2, 19. so der Verfasser aus Hiob 26, 5. genommen zu sein muthmasset. Im zweiten Hauptstükke begegnet Farmer den Einwürfen, die gegen diese Erklärung von dämonischen Menschen vorgebracht werden können. Erster Einwurf: Die Dämonischen reden und handeln oft so, daß sich daraus vermuthen läst: höhere Geister haben in ihnen gewürkt. Sie wusten und sagten: Jesus sei der Messias; Christus verbietet ihnen (den Dämonen) ihn ihn zu entdekken; sie reden vernünftiger als der grosse Haufe; sie besizzen eine ungemeine Leibesstärke. Antwort: Auch Wahnsinnige und Epileptische konten durch den algemeinen Ruf von Christo und seinen Wunderwerken gehört haben, und in guten Augenblikken den Heiland, ohne Inspiration, für den, der er war, erkennen und bekennen. (Der Eindruk blieb ihnen dann, daß sie auch in der Raserei davon spr sprachen . Diese Anmerkung erkläret auch die Rede des wahnsinnigen Mägdgen zu Philippi, dem ein p?e?µa p?????? zugeschrieben ward. – Wenn Christus den Dämonen befiehlt xh ihn nicht zu entdekken: so redet er mit denen Menschen, die man von Dämonen besessen glaubte, und daher mit denselbigen verwechselte. – Vernünftige Reden
 
 
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der Dämonischen wird man nicht viele aufweisen können. Das Verhalten des Gadareners so man hier insbesondere zum Beweise anführt, ist so in aller Absicht das Verhalten eines Menschen, der seiner Vernunft nicht mächtig ist, daß es unbegreiflich ist, wie man darin Spuren einer vorzüglichen Verstandeskraft hat bemerken wollen. - Ungemeine Leibesstärke endlich ist bei Kranken dieser Art gar nichts ungewöhnliches, und die erzählten Facta beweisen gar nichts, das der Erfahrung entgegen wäre. Zweiter Einwurf: Die Dämonen sind doch gleichwol auf Christi Erlaubnis in die Heerde Säue gefahren, und haben sie ins Meer herabgestürzt. – Das ist ja Beweises genug, daß hier wirklich Dämonen waren, und daß sie in Menschen und Thiere eingehen konten. Antwort: Das Wüthend=werden der Schweine war ein Strafwunder Jesu. Die Raserei, von der er die beiden Gadarener befreite, muste auf seinen Willen die Heerde befallen. Dämonen fuhren aus, und fuhren in die Schweine, heist nichts anders, als: die Krankheit verlies die die Menschen, und überfiel die Heerde. Der Verfasser vertheidigt auch gelegentlich die Absicht dieses Strafwunders Jesu, als einer gerechten Strafe der Eigenthümer, als Beweises der Wirklichkeit der an den Dämonischen verrichteten wunderthätigen Heilung, als eines Mittels zur Ausbreitung des Glaubens an Jesum, zur Berichtigung der Begriffe von der Macht der Dämonen, zur Abhaltung irdischgesinter irdischgesinter Israeliten von der Nachfolge Christi, endlich als einer Warnung durch Verachtung der liebreichen Anerbietungen Gottes, sich nicht gerechte Strafen zuzuziehen. Dritter Einwurf: Wenn die vermeinten Besizzungen nur natürliche Krankheiten waren, warum reden Jesus und die Evangelisten von denselben nicht, als von natürlichen Krankheiten? Warum ist in der evangelischen Geschichte so oft von Dämonen, von austreiben und ausfahren derselben die Rede? Zeigt diese Art zu reden
 
 
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nicht an: die Sache verhalte sich wirklich so, wie sie damals geglaubt ward? Antwort : Der Heiland und seine Apostel bedienten sich der gemeinen populären Sprache ihres Zeitalters, gaben aber dadurch M der Meinung, aus welcher sie entstanden war, keinesweges ihre Bestätigung. Es war bei Personen von allen Ständen, insbesondere bei den hohen Schr Schriftstellern, und bei unserm Heilande selbst gewöhnlich, in der Sprache des gemeinen Volks zu reden, so falsch auch die Philosophie sein mochte, auf die sie sich gründete. Ihre Gedanken von den dämonischen Leuten können folglich niemals aus den blossen Ausdrükken, deren sie sich bei Beschreibung derselben bedient haben, geschlossen werden. Es konte nicht unschiklich sein, wenn sie die gemeine Redensarten, weil sie durchgängig von aussen in die Sinne fallende Wirkungen gebraucht wurden , auf die Zufälle der dämonischen Leute, und auf ihre Heilung anwendeten, obgleich sie ursprünglich von der eingebildeten Ursache ihrer Krankheiten entlehnt waren. Es war ihnen von Gott auch nicht aufgetragen worden, die Menschen in der Natur solcher Krankheiten, die sie zu heilen die Macht hatten, zu unterrichten, oder einige physikalische Irthümer, die dieselben betrafen, zu verbessern, und sie konten also über diesen Punkt keine Belehrungen mittheilen, ohne ihren Auftrag zu überschreiten. Ja, die Frage von den Besizzungen konte durch das Ansehen Christi und seiner Apostel, nicht ohne grosse Unschiklichkeit geradezu und unmittelbar entschieden werden; da die an den Besessenen verrichtete Wunderwerke ein Theil von derjenigen Evidenz des Evangeliums waren, die allezeit durch die natürliche Vernunft beurtheilt werden mus. Indessen, obgleich die ersten Prediger des Evangeliums sich in keine philosophische Untersuchung über die Natur der Krankheiten einliessen, so stiessen sie doch in der That das ganze System des da=
 
 
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mals herschenden Aberglaubens um, wenn sie die Nichtigkeit der Dämonen behaupteten und deutlich bewiesen, daß, wenn man ihre Macht zugestehe, man den ersten Grundsäzzen des Evangeliums widerspreche. Dieses thaten sie bei der der schiklichsten Gelegenheit, nämlich wenn sie Menschen in den Lehren des Christenthums unterrichteten. Gleich wie man nun eines Mannes Lehrbegrif von der Sternkunde oder Arzneikunst aus der Vorstellung, die er mit Fleis davon macht, lernet , und nicht daraus, wenn er gewisse himlische Erscheinungen oder leibliche Krankheiten in der Sprache des gemeinen Volkes beschreibet; so mus man auch die wirklichen Gedanken der Apostel von den Dämonen aus ihrer ausdrüklichen Lehre von denselben lernen; nicht aber aus ihren Beschreibungen der dämonischen Leute, in welchen sie sich, wie es nöthig war, der damals herschenden Sprache bedienten. –" Pag. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22.
 
 
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2) Von den Mängeln der Jünger Jesu
 
 
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"Wir halten viele Dinge für sehr unchristlich, unedel, ungültig, für entehrend, für Bekenner Jesu, für mehr als blosse Irrungen, Übereilungen, Schwachheiten – und bedenken nicht, xxß daß die Apostel offenbar alles dies an sich hatten, d und gleichwol gewürdiget wurden, aus einer ganzen Welt auserwählt zu werden, um die nächsten Freunde des Erlösers zu sein. Jesus der billigste, heiligste Menschenfreund, trug ihre Schwachheiten und Irthümer, da edle feurige Liebe zur Redlichkeit, zur Tugend und Religion, da wahre reine brennende Liebe für ihn, ihren Herrn, ihr Herz erfüllten. Intolerante lieblose Menschen, lernet den Christus Sin, Güte des Herzens, bei Mängeln der Theorie – die meistens doch nur eurer Einbildung nach Mängel sind, zu schäzzen." Pag. 73.
 
 
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3) Wie man seelig werden kan.
 
 
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"Überhaupt solle nur ein jeder, wenn er auch ein Heide ist, der von Christo und seiner Lehre nichts gehört hat, die Kräfte und Mittel, die ihn Gott selbst zu seiner Erkentnis an die Hand gegeben, treulich und gewissenhaft gebrauchen; so lebt er dem Worte Gottes gemäs, und man kan ihm die Hofnung zur Seeligkeit nicht absprechen." Pag. 119. 120.
 
 
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"Diejenigen, die nach der Vernunft gelebt haben, sind Christen, wenn sie schon für Atheisten gehalten worden wären, wie unter den Heiden ein Sokrates und Heraklitus, und andre dergleichen." Pag. 236.
 
 
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4) Von der Gottheit Christi. –
 
 
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"Wir verehren den Schöpfer der Welt: wir verehren auch unsern Sch Lehrer, der dazu gebohren ist, Jesum Christum, den wir für den Sohn des wahren Gottes erkennen, und ihm die zwote Stelle in unsrer Anbetung einräumen, so wie wir dem prophetischen Geist die dritte Stelle anweisen, den wir neben dem Wort ehren. Man hält uns freilich für Rasende, daß wir einem gekreuzzigten Menschen die zweite und nächste Stelle an dem unveränderlichen und ewig wahrhaftigen Gott geben: aber man weis eben das Geheimnis nicht. (nämlich daß er nicht blosser Mensch gewesen, sondern der menschgewordene Logus)" –
 
 
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"Was wir von Christo sagen, das sagt ihr (Heiden) von Jupiters Söhnen.– Der Sohn Gottes, der Jesus heist, wenn er auch ein blosser gemeiner Mensch wäre, so verdient er, seiner Weisheit wegen, der Sohn Gottes zu heissen. Wenn wir aber sagen, daß er neben seiner gemeinen Geburt zu einem Menschen, im eigentlichen oder besondern Verstande, aus Gott, als Gottes Wort ge=
 
 
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bohren seie, so behaupten wir etwas ähnliches von dem, was ihr vom Merkur saget." 234. 235. 236.
 
 
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5) Von der Entstehung der Tugend und des Lasters.
 
 
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"Wenn man sich recht erklärt, so kann man alle Laster als verschiedene Modifikationen der unordentlichen Eigenliebe ansehen; gleichwie viele Tugenden in den x mannigfaltigen Modifikationen der wohlgeordneten Eigenliebe bestehen. Nun ist die Eigenliebe der algemeine erste Naturtrieb der menschlichen Seele, welcher eben sowohl zu einer vernünftigen Liebe seiner eignen wahren Glükseeligkeit, als auch seiner eigenen Scheinglükseeligkeit, mit der Zeit erhöhet werden oder ausarten kan. In dem ersten Fal ist dieser Naturtrieb die natürliche Anlage zur Tugend; in dem andern aber die natürliche Anlage zum Laster. – " Pag. 342.
 
 
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XIII.
 
 
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Algemeine theologische Bibliothek. Achter Band. Mietau, bei Jakob Friedrich Hinz, 1777.
 
 
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1) Von der Erlösung des Menschen durch Jesum Christum.
 
 
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"In dem zweiten Kapitel werden diejenigen Stellen des N. T., welche von den Gesinnungen Gottes gegen die Menschen vor dem Tode Christi handeln, angeführt und einige derselben erläutert. Es ist derselben eine grosse Menge, wovon wir nur folgende anzeigen: Matth. 6, 1. 4. 6. 8. 9. Gott wird unser Vater genent, nicht blos, weil er unser Schöpfer ist, sondern auch, weil er mit der grösten Liebe und Gütigkeit für unser Bestes sorget. Lucä 1, 68. Hier wird Gott die Erlösung oder Befreiung seines Volkes zugeschrieben, noch ehe Christus anfieng zu predigen.
 
 
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Lucä 2, 14; Victor Vitensis in seiner Leidensgeschichte der 7 Märtyrer lieset hier: pax hominibus bonæ voluntatis, also nach der Leseart ?? ?a????p??? xx ??d???a?. Behält man die gewöhnliche Leseart, so ist der Sin dieser Worte, Gott habe durch die Geburt Christi seine gütigen Gesinnungen gegen die Menschen gezeiget. Röm. 3, 24. Der Apostel lehret in dieser Stelle, daß Gott aus blosser Gnade und Güte alle Menschen, d. i. Juden und Heiden, gerecht spreche und zwar durch die Erlösung, so durch Jesum Christum geschehen ist, oder durch die Maasregeln, die er gxx genommen hat, die Menschen zu befreien, d. i. sie von den Folgen der Sünde zu erretten. Röm. 8, 29. 30: Die Vorherbestimmung bedeutet hier, wie in verschiedenen andern Örtern der Schrift, den Vorsaz Gottes die Heiden zu berufen. Ephes. 1, 7=9. 11: Die Herunterlassung Christi zum Tode war das Mittel, durch welches die Heiden alles Gute von Gott erhielten, welches er für sie bestimmet hatte. In den Anmerkungen über diese Stellen wird erinnert, daß Gott die Menschen geliebet habe, noch ehe er seinen Sohn sandte, und habe dx durch diese Sendung seine Liebe noch mehr offenbaret. Es sind zwar einige, welche behaupten, Christus habe unsere Busse kräftig gemacht; allein Gott wird als unser Vater beschrieben, der seinen Kindern gute Gaben giebt, wenn sie ihn darum bitten. Wolte man sagen, Christus sei das Lam, das von der Grundlegung der Welt an, geschlachtet worden, (nach einer unrichtigen Abtheilung der Worte Offenb. Joh. 13, 8.) so wird geantwortet, daß Johannes 1 Brief 4, 9. 10. da er die Liebe Gottes so sehr erhebt, dieser Ursache nicht gedenket. Es heist zwar, wir sind angenehm gemacht in dem Geliebten, aber nicht um seinetwillen, sondern durch ihn hat Gott seine Gnade auf eine besondere Weise bewiesen.
 
 
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Das dritte Kapitel enthält die Stellen des neuen Testaments, welche von der Offenbarung der Liebe Gottes gegen die Menschen durch Christum handeln. Unter denselben verdienen folgende wegen der beigefügten Erklärung vornehmlich unsere Aufmerksamkeit. Röm. 8, 3. 4. Gott sandte seinen Sohn – um der Sünde willen, nicht als ein Opfer für die Sünde, sondern der Sünde wegen, er verdamte die Sünde im Fleisch, er zeigte, daß die Sünde könte überwunden werden im Fleisch, und daß folglich die genauste moralische Rechtschaffenheit von uns könte beobachtet werden, wenn wir nach dem Geiste wandeln. 2 Kor. 5, 18. 19. 21: Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selbst. So grosse Sünder auch die Heiden waren, so lies ihnen doch Gott die Vergebung der Sünden und die Bedingungen des Evangeliums bekant machen, und nahm sie, da sie glaubten, zu seinem V Volk an. Er hat den, der von keiner Sünde wuste, für uns zur Sünde gemacht, er ist so mit ihm umgegangen, als wenn er ein Sünder wäre, daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit vor Gott, daß wir rechtschaffen würden vor Gott, wie es die Verordnung des Evangeliums, die Christus bekant gemacht hat, erfordert. ???e?? ?µa?t?a? heist nicht, zum Sündopfer machen, p??e?? wird zwar von den Opfern gebraucht, aber in einer andern Verbindung, als 2 Mos. 29, 36. 39. ???e?? µ?s??? x...x9 2 Mos. 32, 8. heist ein Kalb machen. Die Stellen welche Whitby anführet, als 3. Mos. 4, 20. Kap. 9, 7. 8. Kap. 14, 19. Kap. 15, 30. 4 Mos. 6, 11. 16. Kap. 8, 12. worin xx pe?? ?µa?t?a? vorkömt, sind von einer andern Art und dienen nicht zur Sache. Ephes. 1, 7. in welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nemlich die Vergebung der Sünden nach dem Reichthum seiner Gnade. Durch seinen Gehorsam bis zum Tode haben wir Heiden unsere Befreiung von dem, der uns gefangen hielt, erlanget, indem uns alle unsere vorigen Sünden vergeben worden sind. Ephes. 2, 8: Denn aus Gnaden seid ihr seelig worden, und das nicht von euch selbst,
 
 
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es ist Gottes Gabe. Paullus giebt den Heiden zu erkennen, daß sie es blos der Gnade Gottes und nicht ihnen selbst zu danken hätten, daß sie in den Stand, die Seeligkeit zu erlangen, gesezt wären. Kol. 1, 19. 20: Denn es ist das Wohlgefallen des Vaters gewesen, daß in ihm alle Fülle wohnen solte, und durch ihn versöhnet würde durch ihn selbst, es sei auf Erden, oder im Himmel, damit, daß er Frieden machet durch das Blut an seinem Kreuz, durch sich selbst. Die Wörter ?ata???ss?, ap??ata???ss?, ?ata??a??, versöhnen oder zum Freunde machen, kommen 12 mal im N. T. vor, und in allen diesen Stellen, zwei ausgenommen, beziehen {sie} sich auf die Zurükbringung, insonderheit der Heiden, zu Gott, als Ephes. 2, 16. 2 Kor. 5, 18. 19. 20. ?ata??a?? ist Röm. 5, 11. im Englischen durch Atonement, Versöhnung, aber nicht richtig übersezt. Einmal, nehmlich 1 Kor. 7, 11. wird dies Wort von der Wiedervereinigung einer Frau mit ihrem Man, den sie verlassen hatte, gebraucht. Das hebr. Wort $$$ wird von den LXX Dolmetschern niemals durch ????ss?, ?ata???ss?, d?a???ss?, d?a??a??, ?ata??a?? übersezt. – Jes. 43, 3, wird zwar $$$ durch ?????µa ausgedrükt, es hat aber keine Beziehung auf die Versöhnung, sondern bedeutet etwas, das man für eine andere Sache giebt. Amos 5, 12 wird es durch Beschenkung, um einen Richter zu bestechen, erkläret. Wenn von unserm Erlöser gesagt wird: er habe Friede gemacht durch das Blut an seinem Kxxxz Kreuz, so ist der Sin dieser: er habe durch seinen Gehorsam gegen den Willen seines Vaters, indem er sich in den Tod begab, die Welt mit Gott wieder vereiniget und diejenigen zu Freunden gemacht, die vorher in einem Zustande der Empörung sxxh und Feindschaft mit Gott sich befanden. 2 Petr. 2, 1: sie werden verleugnen den Hern, der sie erkauft hat. Das Wort desp?t?? wird niemals von Christo im N. T., sondern beständig von dem Vater gebraucht, nur allein die Handlung des Erkaufens wird Christo zugeschrieben. Petrus will hiermit sagen: es werden Menschen kommen, die den grossen Regierer der Welt verleugnen und vorgeben werden, er
 
 
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sei nicht der oberste Herr über alles, eben derjenige, dem wir erkauft sind und dem wir zugehören. In den Anmerkungen über diese Stellen wird unter andern erinnert, daß die Barmherzigkeit, Gnade und Liebe Gottes gegen die Menschen keine Wirkungen des Todes Christi, sondern in Gott gewesen sind, ehe Christus uns erlöset hatte. Es heist zwar: wir haben zwar die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden, Ephes. 1, 7. es wird aber gleich hinzugesezt: nach dem Reichthum seiner (Gottes) Gnade. Viele denken zwar, es hätten selbst die jüdischen Opfer ihre x ganze Wirkung von dem Opfer Christi gehabt, weil sie für sich selbst die Sünde nicht wegnehmen konten, Hebr. 10, 11. Es wird aber nirgends deutlich gesagt, daß die jüdischen Opfer ihre Kraft dem Opfer Christi hätten zu danken gehabt. Sie konten die Sünden wegnehmen, weil es Gott so gefiel, unter gewissen Bedingungen die Sünden zu vergeben. Gott ist in sich selbst und ursprünglich gut, er wolte durch Christum die Menschen zubereiten, daß sie würdige Gegenstände seiner Gnade würden. Wenn einige meinen, Gott habe darum seinen Sohn in die Welt gesandt, um das Ansehen seiner Gesezze zu retten, oder Gott mit der Welt zu versöhnen, so wird dagegen gesaget, daß in keiner Schriftstelle hiervon etwas gedacht würde. Auch die Vorstellung, daß Christus darum für uns gestraft sei, um die Menschen von der Sünde abzuschrekken, wird als ungegründet verworfen. Denn es stehet nirgends, daß Christus bestrafet sei, oder daß er die Strafe für andere getragen habe. Es heist nur: er habe für uns gelitten; Leiden ist aber nicht immer eine Strafe. Es würde auch eine sehr seltsame Art sein, einen von der Sünde abzuschrekken, wenn man einen Unschuldigen leiden liesse. Die Stelle Jes. 53, 6 mus eigentlich so verstanden werden: man ist mit ihm als einem Sünder umgegangen, als wenn er dazu bestimt wäre, das Leiden für uns alle über sich zu nehmen. Alles Gute, was Gott uns erweiset wird in den vorher angeführten Stellen ihm eigenthümlich zugeschrieben, ohne Absicht auf eine ausser ihm befindliche Ursache, die solches gewirket hätte.
 
 
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Salvian de gubernatione dei lib. IV. hat diese Anmerkung gemacht: quantum ad rationem humanam pertinet, injustam rem homo quilibet fecerat, si pro pessimis servis filium bonum fecisset occidi. Diese Anmerkung läst sich leicht auf Gott selbst und die Art, wie er {mit} seinem Sohn handelte, anwenden; wenn man nicht sagen wolte, dasjenige, was mit der menschlichen Vernunft übereinkömt, sei falsch, wenn es auf Gott angewendet werde. – Das vierte Kapitel begreift diejenigen Stellen der h. Schrift in sich, welche von dem Zustande der Menschen überhaupt, und insbesondere vor der Ankunft Christi in die Welt handeln. Es wird genug sein, wenn wir nur einige derselben, die etwas schwer zu verstehen sind, auswählen. Joh. 3, 5: Aus Wasser und Geist gebohren sein, ist eben so viel, als aus geistlichem Wasser gebohren sein. Christus lehret in dieser Stelle, er könne Niemand in das Reich Gottes eingehen, wenn er nicht erneuert und gereiniget sei, oder den Bund eines guten Gewissens mit Gott habe. Joh. 6, 44. Es ist hier nicht die Rede von der Erwählung zur Seeligkeit. Gott ziehet die Menschen, wenn er ihnen solche Bewegungsgründe verschaft, die sie antreiben, ihm zu folgen. Hosea 11, 4. Röm. 1, 29. 30. Diese und andere ähnliche Stellen gehen die Heiden überhaupt an; es folget also daraus nicht, daß alle und jede Heiden diese hier angezeigten böse Eigenschaften an sich gehabt haben, sondern nur, daß dies überhaupt der Zustand der heidnischen Welt gewesen sei. Röm. 3, 23. Es wird hier nur gesaget, daß die Juden, überhaupt betrachtet, grosse Sünder wären, obwol es einige unter ihnen gab, die ein unsträfliches Leben führten, Luk. 1, 6. Röm. 5, 12: weil sie alle gesündiget haben; sie sind als Sünder betrachtet worden, es ist ihnen so gegangen, als wenn sie Sünder wären, 1 B. Mos. 43, 9. 1 Korinth. 2, 14: der natürliche Mensch ist, der keine andere Hülfe hat, als das Licht der natürlichen Vernunft; und der geistliche Mensch in dem folgenden Vers ist derjenige, der in den prophetischen Schriften, oder in der Offenbarung wohl bewandert ist. Die Dinge des Geistes Gottes x...x sind solche Wahrheiten, die man nur aus der göttlichen Offenbarung wissen kan. 2 Kor. 3, 5. Es ist hier
 
 
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die Rede von den Aposteln, daß sie durch Christum sind belehret worden, dasjenige recht zu verstehen, was im A. T. vom Messias ist verkündiget worden. Unsere Tüchtigkeit ist von Gott, die Tüchtigkeit, das Evangelium zu predigen, ist von Gott, der uns dasjenige offenbaret hat, was zu dem neuen Bunde gehöret. Man kann also mit dieser Stelle nicht beweisen, daß der Mensch, ohne den Beistand einer besondern Gnade, nicht vermögend sei, etwas Gutes zu denken, oder eine Gott wohlgefällige Handlung auszuüben. 2 Kor. 4, 3. 4. Der Gott dieser Welt ist eben so viel, als Reichthum und Wollust, oder diejenigen Dinge, die man am meisten bewundert und denen die Welt am meisten dienet. So sagt Virgil Aeneid. IX, 185, an sua cuique deus fit dira cupido. M. s. auch Phil. 3, 19. 2 Kor. 5, 14. 15. Alle waren durch die Sünde dem Tode unterworfen und Christus kam, allen das ewige Leben anzubieten. Ephes. 2, 1. 2: ?µ?? ??ta? ?e????? t??? pa?apt?µas? ?a? ta?? ?µa?t?a??, und v. 5: ?e????? t??? pa?apt?µas? heist nicht, todt in Sünden, sondern todt den Übertretungen und Sünden, als Röm. 8, 2, nachdem ihr den Sünden abgestorben seid, hat euch Christus auferwekket. An die Kolosser Kap. 2, 13 steht in einigen Handschriften ?e????? ??ta? ?? t??? pa?apt?µas?, todt in Sünden, kan heissen, unempfindlich gegen das Gute, oder die wegen der Sünde den Tod verdienet haben. Ephes. 2, 3, F?se? heist hier nicht von Natur, indem von wirklichen Sünden die Rede ist, sondern in der That. Ephes. 2, 8. und dies nicht von euch selbst, es ist Gottes Gabe. Nicht der Glaube ist Gottes Gabe, sondern die Seeligmachung der Heiden rührte von der Gnade Gottes her. 2 Tim. 2, 26. Der Knecht Gottes solte die Widerspenstigen mit Sanftmuth unterrichten, ob sie etwan ihr Leben ändern und aus ihrem Sündenschlaf erwachen würden, als ??????µ???? Gefangene durch den Knecht Gottes, der sie zum Gehorsam gegen den Willen Gottes führen solte. Es ist hiermit zu vergleichen Lucä 5, 10. Nach seinem
 
 
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Willen heist hier also: nach Gottes Willen; denn das Wort sein beziehet sich auf Gott in dem vorhergehenden Vers. Der Inhalt der Anmerkungen über diese Stellen ist folgender: alle Menschen vor der Zukunft Christi waren der Sünde ergeben; es wird aber doch der Zustand der Heiden als weit schlechter vorgestelt als der Juden, welche die götliche Offenbarung und verschiedne andere damit verbundene Vorzüge hatten. Beiden aber wird derselbe Friede angeboten, weil sie beide in dem Stande der Empörung sich befanden. Man mus dasjenige, was von diesem Verderben gesaget wird, nicht auf solche ziehen, die das Licht des Evangeliums haben; ferner, was an den Juden und Heiden als Völkern überhaupt getadelt wird, kan nicht ohne Unterschied von allen einzeln Personen, die zu denselben gehören, gelten. Bald nach der Sündfluth fielen die Menschen in die Abgötterei, welche eine Art von Empörung gegen Gott ist. Gott x...x erwählte die Juden zu seinem Volk; dieselben waren zwar auf gewisse Weise auch grosse Sünder, aber doch in einer andern Absicht Unterthanen Gottes. Sie sowohl, als die Heiden, hatten der ihnen im Evangelium angebothenen Gnade Gottes nöthig. – In dem fünften Kapitel werden diejenigen Stellen der Schrift betrachtet, welche desjenigen, was Christus für uns gethan und gelitten hat, und der Wirkungen dieses seines Thuns und Leidens gedenken. Wir bleiben bei einigen von den merkwürdigsten derselben stehen. Matth. 1, 21: er wird sein Volk seelig machen von ihren Sünden, d. i. er wird alle diejenigen, die an ihn glauben, von den üblen Folgen ihrer Sünden und derselben Wirkungen befreien, indem Gott bereit ist, ihnen ihre Übertretungen nicht zuzurechnen. Die Heidenwelt hatte sich einer sehr groben Abgötterei schuldig gemacht, und befand sich deswegen in einem Zustande der Widersezzung und Empörung gegen Gott. Die Juden waren grosse Sünder, weil sie das Gesez des ewigen Rechts aus den Augen sezten, deshalb mangelten sie des Ruhms
 
 
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vor Gott, und hatten den zukünftigen Zorn zu fürchten. Da nun Gott der Welt Friede und eine Aufnahme in seine Gnade und Gunst unter den Bedingungen des Glaubens und des darauf in der künftigen Zeit folgenden Gehorsams anboth, so wurden diejenigen, welche diese Bedingungen annahmen, selig, d. i. sie wurden von der Gefahr, worin sie sich befanden, befreiet und in einen sichern und ruhigen Zustand gesezt; sie solten auch, wenn sie in der künftigen Zeit sich wohl verhielten, ewig glükseelig sein. Da nun Jesus die Person war, durch welche alles dieses solte zu Stande gebracht werden, so wird von ihm gesagt, daß er die Welt seelig mache: und Gott, welcher durch Christum Versöhnung, Gnade und Friede anboth, wird unser Seeligmacher genennet. Matth. 8, 17. Er hat uns unsere Schwachheit auf sich genommen und unsere Seuche, oder Krankheit, hat er getragen. Er nahm durch Mitleiden Antheil daran, und suchte sie wegzuschaffen. Kap. 9, 2. Deine Sünden sind dir vergeben. Gott wolte alle diejenigen als Gerechte ansehen, welche durch den Glauben an Christum in sein Rx...xh Reich kommen, und seinem Gesez gemäs leben würden, er both deswegen allen die Bedingungen der Versöhnung an, nämlich daß er ihnen ihre vorigen Sünden nicht zurechnen wolle, wenn sie ihre Sünden verlassen, und so handeln würden, wie es seinen Unterthanen geziemt. Röm. 3, 25. 26. Da nun unser Erlöser in die Welt kam, diese Lehre zu predigen, so sagte er oft zu denjenigen, die an ihn glaubten, oder die er gesund machte: Deine Sünden sind dir vergeben. Matth. 20, 28: Zu geben sein Leben zu einer Erlösung für viele. Die vornemsten Stellen, in welchen von unserer Erlösung geredet wird, sind folgende: Lucä 21, 27. 28. Röm. 3, 24. Kap. 8, 23. Ephes. 1, 7. 14. Kap. 4, 30. Kol. 1, 14. 1 Tim. 2, 6. Tit. 2, 14. 1 Petr. 1, 18. Offenb. Joh. 5, 9. Der Zwek der Zukunft Christi war, daß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit; daß wir haben möchten die Vergebung der Sünden; daß er uns von unsern Sünden oder den üblen Folgen derselben befreiete; daß uns unsere Sünden nicht möchten zugerechnet werden; und daß wir endlich, wenn er mit Macht und grosser Herlichkeit erscheinen wird, unser Erbtheil, das
 
 
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ewige Leben, empfangen könten. Das ??t??? oder Mittel der Erlösung, ist nicht ein der Person, die uns gefangen hielt, bezahltes Lösegeld: sondern es bedeutet dasjenige, was Christus that, um seine Absicht zu erreichen. Er gab deswegen sein Leben hin, er vergos sein Blut, um dasjenige, was er unternahm hatte, zu erfüllen. Er gab sein Leben zu einer Erlösung für viele, ??t? p?????, und dies war das Mittel, wodurch er das von ihm erworbene Eigenthum Gott erkaufte: Erlösen schliesset also nicht in sich die Bezahlung eines Lösegeldes an die Person, die uns gefangen hielt, sondern bedeutet nur unsere Befreiung von einem kx knechtischen und sklavischen Zustande. Wir waren alle Gefangene und Sklaven der Sünde, der Welt und des Todes; aber kein Lösegeld ist einem von diesen bezahlet, sondern wir sind von denselben befreiet, und Gott erkauft worden. In diesem Sin wird Moses ??t??t??, ein Erlöser, Apost. Gesch. 7, 35 genennet, und von Gott heist es, daß er sein sein Volk erlöse, 2 B. Mos. 15, 13. 5 B. Mos. 7, 8 pp. nicht durch ein Lösegeld, welches der Person, die die Kinder Israel gefangen hielt, ist bezahlet worden; (denn es wurde dem Pharao kein Lösegeld bezahlet,) sondern er befreiete sie von dem Stande der Knechtschaft, wodurch sie bedrükket wurden, und machte, daß sie nicht länger darin blieben. Auf eine gleiche Weise erlösete uns Christus, d. i. er machte uns von der Dienstbarkeit der Sünde frei, indem er uns von der Dienstbarkeit ihren Folgen und Wirkungen los machte. Fragt man, was war das Lösegeld, welches Christus bezahlte? so wird alles dasjenige, was unsere Erlösung Christo kostete, unser Lösegeld genennet. Er wurde nämlich seinem Vater gehorsam in seiner Erniedrigung, in seinem Leben, in, Leiden und zulezt in seinem Tode. Was er also für uns that und litte; kömt unter dem Nahmen eines Lösegeldes vor, indem es das Mittel war, wodurch wir Gott zum Eigenthum erkauft wurden. Wenn es in einigen Stellen heist: sein Blut
 
 
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sei für viele vergossen Matth. 26, 28, er sei geopfert, die Sünden vieler wegzunehmen, Hebr. 9, 28 und in andern, daß er sich selbst zu einer Erlösung für alle dahin gegeben habe, so kan dies so mit einander vereiniget werden, daß viele an dieser Erlösung Antheil haben, die nämlich die Bedingungen dieser götlichen Gnade annehmen; daß aber die Anerbiethung dieser Erlösung allen, so wohl Juden und {als} Heiden, geschehen solte, sie möchten sie annehmen oder nicht. Man legt bei der Erklärung der Lehre von der Erlösung gemeiniglich ein grosses Gewicht auf die Bedeutung des Vorworts ??t?. Nun ist nicht zu leugnen, daß dasselbe zuweilen so viel heisse, als anstat. Hebr. 12, 2. 1 Petr. 3, 9. Röm. 12, 17. Matth. 5, 38. In andern Stellen hat es eine Beziehung auf den Endzwek, um dessen willen etwas geschiehet, als Matth. 17, 27. I Kor. 11, 15. Diejenigen also, die da meinen, daß in den Redensarten Christus hat für uns gelitten, er hat sein Leben zu einer Erlösung für uns dahin gegeben, es anstat bedeute, können damit dieses nicht beweisen, daß es zuweilen diese Bedeutung habe. – Matth. 26, 28: Es wird hier gesehen auf das Blut des Alten Bundes, 2 B. Mos. 24, 8. So wie ein Theil des Blutes auf den Altar, ein Theil über das Volk gesprenget wurde, so solte damit angedeutet werden, daß ein Bund zwischen Gott und dem Volk wäre gemacht worden, und daß das Blut derjenigen, welche die Bedingungen dieses Bundes nicht erfüllen würden, eben so, wie das Blut der Opfer , solte, solte vergossen werden. Da nun der Messias einen neuen Bund, dessen die Propheten gedenken, Hebr. 10, 16. 17. Kap. 8, 10 = = 13. Jerem. 31, 31 – 34, einführen und denselben durch seinen Tod bestätigen wolte, so gab er den Befehl, daß das Andenken desselben solte erhalten werden. Wie nun beim Moses das Blut des Bundes dasjenige Blut ist, welches diesen Bund bekräftigte, so ist in dieser
 
 
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Stelle mein Blut des N. T. oder Bundes, das Blut Christi, welches diesen neuen Bund bestätigte. Der neue Bund bestehet an Gottes Seite in dieser Verheissung: ihrer Sünden und Übertretungen wil ich nicht mehr gedenken. Das Blut, das zur Bestätigung dieses Bundes vergosssen ist, ist also eigentlich für viele vergossen für viele zur Vergebung der Sünden, nämlich um denjenigen Bund zu bestätigen, durch welchen die Vergebung der Sünden allen denjenigen verheissen wird, welche die Bedingungen desselben annehmen. Joh. 1, 29. 36. In allen dergleichen bildlichen Ausdrükken, als diese, ist es zuweilen schwer, die eigentliche Meinung des Schriftstellers zu bestimmen. Der Verf. sucht zu s zeigen, welches der wahre Sin dieser Stelle und woher das hier gebrauchte Bild genommen sei. Johannes der Täufer war, wie er sagt, in den Geheimnissen des Himmelreichs nicht unterrichtet, noch scheinet es, daß er mehr gewust habe, als was ihm besonders von der Person unsers Heilandes offenbaret, und was ihm, als dem Vorläufer desselben, zu wissen nöthig war. Er hatte sorgfältig die Propheten gelesen und gefunden, daß Jesaias den Messias beschreibe als ein Lam, das zur Schlachtbank geführet wird, das verstummet vor seinem Scheerer und seinen Mund nicht aufthut. Deswegen nennet er unsern hochgelobten Herrn, das Lam Gottes, die geduldige, nothleidende und unterdrükte Person, die von den Propheten beschrieben wird. Und da unser Heiland den neuen Bund in die Welt einführen wolte, nach welchem Gott verheisset, daß er ihrer Übertretungen nicht mehr gedenken wolle, Jer. 31, 31–34, so saget Johannes blos in diesem Sin, daß derselbe die Sünde der Welx Welt wegnehme, Röm. 11, 27. 1 Joh. 3, 5. In dem A. T. wird diese Redensart beständig, so wie dem V. däucht, in dem Sin gebraucht, die Wegschaffung, Vergebung der Sünde und die Aufhebung ihrer Schädlichkeit anzudeuten; aber niemals zeigt dieselbe die Versöhnung der Sünde durch ein
 
 
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Opfer an, 1 B. Sam. 15, 25. Kap. 25, 28. Derowegen die Sünden der Welt wegnehmen, heist in dieser Stelle nicht, sie versöhnen, ein Opfer für sie darbringen, und auf diese Art dieselben tilgen, (denn in diesem Sin kommen die hier gebrauchten Worte weder in dem A. noch N. T. vor,) sondern es bedeutet überhaupt, dieselben wegschaffen und machen, daß sie uns nicht nachtheilig sind, auf was Weise dieses auch geschehen mag. Da nun Christus den neuen Bund bestätigte, nach welchem unserer Sünden nicht mehr solte gedacht werden, so nahm er, auf diese Art und allein in diesem Sin, unsere Sünden weg, m. s. auch Hiob 7, 21. Zach. 3, 4. Joh. 3, 36. Unser Erlöser legte den Menschen die gewissen Mittel vor, das ewige Leben zu erlangen, und gab ihnen die volkommenste Versicherung von einem solchen Zustande. Das glauben, was er bekant machte, und von der Wahrheit desselben volkommen versichert sein, und darauf sein Nachfolger oder Jünger werden, heist hier an ihn glauben, ??? ??t??; es ist eben so viel als an seinen Nahmen glauben, ??? t? ???µa ??t??, so daß man sein Jünger wird, Joh. 1, 12. Kap. 2, 23. Es ist ein merklicher Unterschied zwischen p?st??e?? ??? ??t?? und p?st??e?? ??t?, und die Schrift hat denselben so genau beobachtet, daß der Verf. sich nur eines einzigen Beispiels, wo davon abgewichen wäre, (wobei aber eine verschiedene Lesxxt Leseart sich findet) erinnert. Es ist dasselbe Apost. Gesch. 8, 8, wo die gemeine Leseart ist ?p?ste?se t? ?????; allein, die Kambridger Handschrift des Beza hat hier ??? t?? ??????, wie es in der That heissen mus. Joh. 14, 6. Diese Worte erklären einige also: ich bin der wahre Weg zum Leben; allein dieses drükt nicht den völligen Sin derselben aus. Christus wil eigentlich sagen: ich bin der Lehrer des Weges zu Gott, derjenige, welcher euch in der Wahrheit unterrichtet, die den Menschen Gott angenehm machen kan, ich bin derjenige, der ein ewiges Leben an das Licht bringet. Wenn hinzugesezt wird: niemand kömt zum Vater, als durch mich, so heist dieses
 
 
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niemand kan den Willen meines Vaters auf die Art thun, wie ich es lehre, wenn er sich nicht meiner Unterweisung bedienet. Diese Worte haben keine Beziehung auf das endliche Glük der Menschen, und zeigen nicht an, daß keiner eine Belohnung seiner Tugend und Rechtschaffenheit erlangen könne, wenn er nicht ein Jünger Christi ist. Alles, was hier behauptet wird, ist, Christus sei der wahre Lehrer der Menschen, in Ansehung des Willens Gottes, und keiner könne denselben wissen, als durch ihn. Röm. 10, 14. – Joh. 12, 16 er sol bei euch bleiben ewiglich, er sol immer bei euch bleiben, und euch niemals verlassen. 2. Mos. 21, 6. Kap. 32, 12. 2 B. d. Könige 5, 27. Ps. 61, 4. 119, 44. Philem. v. 15. – Joh. 15,16 die Redensart x in meinem Nahmen hat vielerlei Bedeutungen. Hier ist der Sin: als meine Jünger, die von mir bevolmächtiget sind, das Evangelium auszubreiten. – Joh. 17, 19. Vorher sagte Christus v. 14: ich habe ihnen dein Wort gegeben, und v. 26: ich habe ihnen deinen Nahmen, d. i. deinen Willen kund gemacht, also die Apostel heiligen in oder durch den Willen oder das Wort Gottes, heist nichts anders, als sie durch die Bekantmachung des Willens Gottes so zu ihrem künftigen Amte vorbereiten, daß sie dasselbe treulich verwalten können. Dies geschah, ehe eh unser Erlöser sich selbst als ein Opfer Gott darbrachte. Wenn also unser Heiland sagt, ich heilige mich selbst für sie, so ist der Sin der Worte für sie dieser, auf daß sie auch sie geheiliget sein in der Wahrheit ?? t? a???e?a. Ich habe mich ganz dem Lehramt gewidmet, und mich so volkommen nach dem Willen meines Vaters gerichtet, daß ich die Worte bekant gemacht habe, welche er mir gegeben hat, v. 6. 8. 14. Sondere die Apostel ab, deinen Willen und Wort zu predigen, so wie ich mich selbst abgesondert habe, ihnen deinen Willen bekant zu machen. – Apost. Gesch. 4, 12. Es haben diese Worte ihre Beziehung auf die
 
 
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Heilung des lahmen Mannes, die Petrus verrichtete, v. 9 ?? t??? ??t?? s?s?sta?. Keine andere Art von s?te??a stimt mit der Frag überein v. 7. aus welcher Macht, oder in welchem Nahmen habt ihr das gethan? Petrus sagt ihnen deswegen, daß dieser Man s?s?sta?, geheilet und gesund gemacht sei in dem Nahmen Jesu Christi v. 10, und er sezzet hinzu, es sei keine Heilung oder Wiederherstellung einer so unvermögenden Person möglich, als durch Jesum; denn es ist kein anderer Nahme unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den sie auf eine solche Art zur Gesundheit könten wieder hergestelt werden. Es ist also s?s?sta? einerlei mit ????? v. 10. Dieses Zeitwort wird öfters auf diese Art in den Evangelien gebx...x gebraucht. Matth. 9, 21. 22. Marci 5, 23. Kap. 6, 25. Luxä Lucä 8, 36. 50. Joh. 11. 12. – Apost. Gesch. 20, 28. Die besten und ältesten Handschriften, wie D. Klarke in seiner Schriftlehre von der Dreieinigkeit N. 538 bemerkt, lesen und die ältesten Kirchenväter führen diese Worte so an: die Gemeine des Hern, dieses ist also wahrscheinlicher Weise die richtige Leseart. Oder, wenn das Wort, Gott, vom Vater verstanden, (welches, wenn man diese Leseart annimt, die natürliche Erklärung ist,) denn bedeutet sein Blut, das Blut seines eigenen Sohnes. Oder endlich, wenn man, wie zuvor, sezt, daß das Wort, Gott, ächt ist, so kön können die folgenden Worte, welche Er durch sein eigen Blut erworben hat, nach derselben Art zu reden, die Lucä 1, 16 1. Joh. 3, 5. 16. vorkömt, von Christo verstanden werden. – Apost. Gesch. 26, 18. Man mus nicht lesen, die geheiliget werden durch den Glauben, sondern nach den Worten, geheiliget werden, mus ein Komma stehen. Röm. 1, 16. 17. Die Gerechtigkeit Gottes bedeutet in dieser Stelle theils seine Güte und Leutseeligkeit gegen die Menschen, theils seine Wahrhaftigkeit und Treue bei der Sendung seines Sohnes in die Welt nach seiner Verheissung, axs als Röm. 3, 5. – Röm 3, 24 f. die Erlösung ist die Befreiung von der Sünde und ihren Wirkungen, welche die Menschen zu Knechten Gottes macht. Wie dieses geschehe, lehrt der Apostel Kap. 5, 1. Unsere vorige Sünden werden uns nicht zugerechnet, wenn wir wirkliche Jünger
 
 
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Christi werden. Es mus aber hierbei erinnert werden, daß der Apostel nicht rede von Sünden, die von solchen, die bereits Christen sind, begangen werden; denn die werden alle vor dem Richterstuhl Christi angerechnet; von denselben haben wir keine Erlösung anders zu hoffen, als durch eine besondere und aufrichtige Busse. Es mus auch angemerket werden, daß der Apostel von Juden und Heiden überhaupt rede, worauf das Wort alle gehet, obwohl nicht alle und jede insbesondere an dieser Wohlthat Antheil haben. Wenn es heist: Gott habe Chrisx Christum gesezt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben an sein Blut, so ist damit zu vergleichen 2 B. Mos. 25, 17 usque ad 22. 4 B. Mos. 7, 89. Im Tempel zu Delph war auch tet?ap??? d?f???, welcher Tisch vom Jamblichus de myster. p. 13 ?d?a Te?? genennet wird, und mit dem Dreifus, worauf die Priesterin sas, nicht mus verwechselt werden. Es gedenken desselben auch Josephus Hist. L. III. c. 7. und Plinius. Man kan davon den Gale über den Jamblichus nachsehen. So wie der Gnadenstuhl der besondere Ort war, den Gott bestimmet hatte, um von demselben den Kindern Israel seine Befehle zu ertheilen, so wird auch Christus als ein Gnadenstuhl betrachtet, weil Gott durch ihn allen Menschen seinen Willen bekant gemacht hat. Durch ihn hat Gott den Menschen seinen Willen offenbaret, und ihn vorgestelt zu einem Gnadenstuhl, oder ihn dazu bestimt, daß er in die Welt kommen solte, seine Worte zu verkündigen. Joh. 17, 8. 14. Frägt man, was hat das Blut Christi für eine Verbindung mit dem Gnadenstuhl? so mus man nicht denken, als wenn ??ast????? ein Versöhnopfer wäre, dessen Blut Gott dargebracht worden, um ihn zu befriedigen; sondern, da v. 24 ausdrüklich gesaget wird, alle würden umsonst durch seine Gnade gerechtfertiget, so wird hier blos auf 3 B. Mos. 16, 14. 15. angezeigten Gebrauch gesehen, da der Gnadenstuhl mit dem Blut des Boks besprenget wurde. Christus wird also hier betrachtet, als mit seinem eigenen Blut besprenget. Die Worte durch den Glauben sind in der alexandrinischen Handschrift und vom Krysostomus in seinem Kommentarius
 
 
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ausgelassen; wil man sie aber behalten, so mus nach ihnen ein Komma stehen, und in seinem Blut mus mit Gnadenstuhl verbunden werden. – Röm. 5, 11. ?ata??a?? ist die Wiederbringung zu Gott. Wenn es von den Heiden heist, sie wären durch den Tod versöhnet, so ist zu merken, daß der Tod Christi das Mittel war, diese Versöhnung zu Stande zu bringen, sie wurden dadurch in solche Umstände, und in eine solche Verbindung mit Gott gesezt, daß sie sich seiner als ihres Gottes erfreuen konten. Weil die Juden den Messias verwarfen, so ist durch ihren Fal den Heiden Heil wiederfahren, und hierzu gab der Tod Christi Gelegenheit. – Röm. 6, 8: t? ?µa?t?? ap??a?e?, er ist gestorben, als wenn er unter der Herschaft der Sünde gewesen wäre, indem er den Sold der Sünde, den Tod, bekommen hat. Es kan diese Redensart nicht heissen, er ist für die Sünde gestorben, alsdan müste d?? ?µa?t?a? oder ?p?? ?µa?t?a? stehen. – Röm. 8, 23 des Leibes Erlösung ist nicht die Auferstehung des Leibes, sondern die Befreiung von dem Leibe, den wir in diesem Leben haben. 1 Kor. 5, 7. Christus wird unser Osterlam genennet, weil er das Mittel ist, durch welches wir von den Wirkungen der Sünde befreiet werden, er ist geopfert für uns, weil er zu unserm Besten gestorben ist. Das Osterlam war zwar ein Opfer, aber kein Sündopfer, und war auch von einem Dankopfer darin unterschieden, daß die Hände nicht auf das Haupt desselben gelegt wurden.
 
 
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2 Kor. 5, 20 ?p?? ???st??, heist nicht, an Christi stat, sondern seinetwegen. Polybius: p?esße?a ?p?? s?µµa??a?, ?p?? ß???e?a?. Gal. 3, 13 er ward ein Fluch für uns, er wurde so behandelt, als wenn er ein Übelthäter gewesen wäre, der mit Recht dem Fluch des Gesezzes unterworfen gewesen, indem er auf die schmählichste Art hingerichtet wurde, 2 Kor. 5, 21. Ephes. 1, 7. Wenn man fragt, wie die Heiden die Erlösung durch den Tod oder das Blut Christi erlanget haben, kan man sagen, daß, obwohl seine Herunter=
 
 
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lassung zum Tode, da er keiner Sünde schuldig war, der grosse Beweis seiner Liebe gegen die Menschen und seiner Ergebung an Gott gewesen ist; dennoch das Mittel, wodurch die Heiden die Erlösung erlangten, seine Kreuzzigung war, weil ihn die Juden durch diese Handlung verworfen hatten: denn bald hernach wurde das Heil den Heiden angebothen, und sie wurden angenehm in dem Geliebten. – Ephes. 2, 16. Die Juden wurden mit Gott versöhnet; obwohl sie das Volk Gottes waren, so hatten sie doch das Gesez der Gerchtigkeit, welches ihnen der Messias bekant machte, verworfen. Derselbe schafte das Gesez Mosis ab, und machte aus Juden und Heiden einen Leib, verband sie zusammen, daß sie beide durch das Kreuz mit Gott versöhnet werden konten. Aber warum heist es: durch sein Kreuz, oder durch seinen Tod, oder sein Blut, und nicht durch sein Leben? Der Grund davon ist, weil man nicht eher sagen konte, die Juden hätten ihn verworfen, als bis x...x er an das Kreuz genagelt worden, und dem Tod übergeben war, aber nachdem dieses geschehen, war es volbracht, und man konte die Juden nicht mehr als solche betrachten, die noch in denselben Umständen wären, als vorher. Es öfnete sich eine neue Scene: das Volk Gottes wurde zu der Bedingung des Glaubens und der Busse gebracht, und war nicht mehr an die Beobachtung der Mosaischen Anordnung gebunden. Und da das Kreuz Christi, oder sein Tod, oder sein Blut als eine von seinen lezten Handlungen, die für die Jüden endigend und für die Heiden anfangend war, angesehen werden kan: so wird daher auch von den Heiden gesagt, sie d seien durch das Kreuz Christi versöhnet worden, weil sie dadurch die Versöhnung expfx...xgen empfiengen. Ephes. 4, 32: Vergebet einer dem andern, wie Gott um Christi willen ?? ???st? in oder durch Christum) euch vergeben hat. Ephes. 5, 2. Da dies die einzige Stelle in einem Briefe an die Heiden ist, wo Christus eine Gabe und Opfer Gott zu einem süssen Geruch p???f??? ?a? T?s?a Te?, ??? ?sµ?? ???d?a? genennet wird, so wird es nicht undienlich sein, den Sin dieser Ausdrükke zu untersuchen. Ein
 
 
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süsser Geruch kan nichts anders bedeuten, als als Gott angenehm. 2 Kor. 2, 15. Phil. 4, 18. In dieser lezten Stelle wird auf die gewöhnlichen Opfer gesehen; und der Sin ist nicht, daß die Liebesgabe auf einem Altar sei gebracht worden, sondern daß ihre Liebesgabe eine solche sei, die Gott angenehm wäre, als ein Opfer, welches die gute Gesinnung des Opfernden zu erkennen gab. Auf gleiche Weise war der freiwillige Tod unsers Erlösers, eine Gott sehr angenehme Gabe und Opfer. Er gab sich selbst dahin in den Tod, und was er that, war Gott eben so angenehm, als nur irgend ein Opfer oder Gabe sein konte. pa??d??e wird sehr oft im N. T. von demjenigen gebraucht, was sich mit unserm Heil Heilande bei und kurz vor seinem Tod zutrug; zuweilen heist es von den Juden, daß sie ihn übergeben haben. Apost. Gesch. 3, 13. Vom Judas wird gesagt, daß er ihn überantwortet oder verrathen habe: öfters heist es von Gott, er habe ihn für uns alle dahin gegeben, Rx...x Röm. 8, 32. und zuweilen wird von Christo gesagt, er habe sich selbst für uns dahin gegeben. Das Wort pa?ad?d?µ? also, oder das einfache Zeitwort d?d?µ? schlieset nicht den Begrif eines Opfers, welches Gott dargebracht wird, in sich. Wenn man also aus dieser Stelle etwas folgern wil, so mus es aus den Worten p???f??? und T?s?a ??? ?sµ?? ???d?a? hergeleitet werden. Und da ist die Frage, ob diese Worte in dieser Stelle in einer andern Bedeutung müssen genommen werden, als Philip. 4, 18. So viel ist gewis, daß kein Theil von dem Leibe unsers Heilandes, auf einem wirklichen oder angenommenen Altare durch das Feuer verzehret wurde. Er starb freilich am Kreuz, es kan aber kein Beispiel von einer solchen Todesart angeführet werden, welches man als ein wirkliches Gott dargebrachtes Opfer betrachtet hätte. Hingegen ist nichts gemeiner als die gewöhnlichen Opfer Ausdrükke in einem etwas weix weitern Sin zu gebrauchen, wenn man blos eine algemeine Ähnlichkeit mit den Opfern in einer besondern Absicht andeuten wil. So wird vom Remus, da er war getödtet worden, gesaget: er sei prima victima munitionemque urbis novæ sanguine suo consecravit. Iornandes. Die Opfer, deren in der Schrift gedacht wird, waren ent=
 
 
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weder vierfüssige Thiere, oder Vögel, oder die Mincha: zu den beiden erstern Arten wurde nothwendig erfodert, daß man sie tödtete; bei der dritten, da sie kein Leben hatte, konte kein Tödten Stat finden. Aber darin kamen sie alle überein, daß sie Gott dargebracht wurden, und daß man ihm entweder sie ganz, oder einigen Theil davon zueignete, indem das Opfer auf dem Altar, welcher Gottes Tafel war, verzehret wurde, auf welchem er mit dem Opfernden zum Zeichen der Freundschaft gleichsam as und trank. Hieraus nun folget, daß dasjenige, was uns zu Freunden Gottes macht, und uns bei ihm in in Gunst sezzet, (insonderheit, wenn der Tod dazwischen kömt,) nicht uneigentlich ein Opfer genennet werde. Und in dieser Bedeutung finden wir hier dies Wort gebraucht, wenn es auf Christum angewandt wird. Er war nicht ein Opfer, die Sünde zu versöhnen, oder Gott zu besänftigen; denn Gott war bereits besänftiget, und war gnädig und vergab den Menschen die Sünde umsonst; sondern indem Christus die Welt mit Gott versöhnete, und indem er sich selbst bis zum Tode erniedrigte, indem er diejenigen, die entfremdet waren von den Bündnissen der Verheissung, zu Mitgenossen der Verheissung Gottes und zu Miterben und desselben Leibes theilhaftig machte. Ephes. 3, 6, so that er dasjenige, was Gott ungemein angenehm war, und machte diejenigen zu Freunden, die vorher in einer Feindschaft standen. Philip. 2, 5-11. Christus war vor seiner Menschwerdung in der Gestalt Gottes; und als Gott zu handeln und zu erscheinen, war eine Würde, die er sehr wohl zu schäzzen w wuste. Er bildete sich nicht ein, daß als Gott geehret zu werden, ein so geringer und leicht zu erhaltender Preis sei, daß man nur darnach greifen dürfe, um sich denselben zuzueignen. Nein: eine so hohe Ehre verdiente viele Mühe und Arbeit, und die Erwerbung derselben würde die dabei ausgestandene Unruhe reichlich belohnen. Derowegen entäusserte er sich selbst der Herlichkeit, welche er besas, und nahm die Gestalt eines Knechts an, indem er den Menschen gleich Wxr wurde; ja er erniedrigte sich noch tiefer und wurde gehorsam bis zum Tode; und nicht allein that er dies, sondern er gieng so weit, daß er an dem
 
 
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Kreuzze starb; um dieser Herablassung willen erhöhte ihn Gott so sehr, daß er sein solte ?sa Te?, geehret als Gott, indem sich alle Knie im Himmel und auf Erden vor ihm beugen solten. Die Worte: er hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, erklärt der V. also: er stelte sich nicht vor, daß, um als Gott verehret zu werden, es ein so geringer und leichter Preis sei, daß er sich denselben durch eine blosse Besiznehmung zueignen könte. Daß ??? ??pa?µ?? ???sat? so müsse verstanden werden, wird hier mit verschiedenen Beispielen dargethan. – Kap. 4, 7. Der Friede, welchen Gott der Heidenwelt dargebothen hat, welcher alle unsere Begriffe übersteigt: dies ist dasjenige, was Gott offenbaret hat, welches keiner von den Obersten dieser Welt wuste; das ist die Weisheit Gottes in einem Geheimnis. – Kol. 2, 9. Diese Fülle, wovon hier geredet wird, ist, wie der V. glaubt, nicht die Gabe Wunder zu thun, sondern der Seegen des Evangeliums, den wir durch Christum erhalten. Röm. 15, 29. Dieser Seegen bestand darin, daß die Kolossenser als Heiden solten die Vergebung aller Sünden haben, und zu dem Erbe der Kinder Gottes gelangen. Kol. 1, 19. Joh. 1, 16. Ephes. 1, 23. Kap. 3, 19. Der wahre Reichthum der Gnade Gottes ist nur allein bei Christo wirklich und volständig zu finden. – 1 Tim. 2, 5. Moses war Mitler zwischen Gott und den Kindern Israel. 3 B. Mos. 26, 46. 5 B. Mos. 5, 5 in so ferne er den Bund zwischen Gott, und diesem Volke zu Stande b brachte, in Ansehung des neuen Bundes wird Christus auch ein Mitler genennet. – Kap. 2, 6. Unser Heiland sagt selbst Matth. 20, 28 er sei gekommen, sein Leben zu geben ??t??? ??t? p????? zu einem Lösegeld für viele, so auch Marci 10, 45. Und hier heist es, er habe sich selbst gegeben ??t???t??? ?p?? p????? für alle zur Erlösung. Diese Stellen nun, welche die einzigen im N. T. sind, x in denen die Wörter ??t??? und ??t???t??? vorkommen, müssen aus dem öftern Gebrauch des Zeitworts ??t??? und der davon abgeleiteten Wörter, in so ferne sie auf Christum angewendet werden und anzeigen, was von ihm geschehen ist, erkläret werden. ap???t??s?? be
 
 
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deutet eigentlich die Befreiung von einer Sache; es schliest auch dieses Wort nicht nothwendig x ein Lösegeld in sich, das einem, der gewisse Sklaven in der Gefangenschaft hält, bezahlet würde, sondern es zeiget nur eine Befreiung von solchem Zustand, und eine Versezzung in einen Stand der Fx...xh Freiheit an. So wird ??t??? gebraucht 2 B. Mos. 6, 6. Kap. 15, 13. Ps. 69, 18. 72, 14. 74, 2. 77, 15. ??t??s?? Ps. 111, 8. 130, 7. ??t??t?? Ps. 18, 15. Apost. Gesch. 7, 35. ap???t??s?? Röm. 3, 4. 5. Kap. 8, 23. Ephes. 1, 7. 14. Kap 4, 30. Kol. 1, 14. 1 Kor. 1, 30. Wenn also gesaget wird, Christus habe sein Leben oder sich selbst dahin gegeben, daß er ??t??? oder ??t???t??? ein Lösegeld für alle wäre, so heist dies weiter nichts, als daß er gestorben {ist} , um die Menschen von den Wirkungen der Sünde zu befreien, nicht daß er sein Leben Gott oder der Sünde gezahlet habe, um die Menschen von der Sünde zu erlösen: sondern um die grosse Absicht Gottes zu Stande zu bringen, damit die Heiden so wohl als die Juden zu desselben Volke gemacht würden, lies sich Christus bereit finden, so gar sein Leben dahin zu geben, um dieselben von ihren Sünden, oder den Wirkungen derselben zu befreien. Sein Leben war dasjenige, was er darauf wandte, um diesen Zwek zu erreichen und derowegen war es das ??t??? oder ??t???t???, welches er gab. Man mus niemals vergessen, daß Gott jederzeit gut und gnädig ist und so viel Liebe zu den Menschen behalten habe, daß die Sendung seines Sohnes in die Welt beständig als ein starker Beweis seiner Gütigkeit zu uns, als vor dem Tode unsers Heilandes vorhergehend, betrachtet wird. Gott ist nicht durch ein Lösegeld zu uns erkauft, sondern wir sind ihm erkauft. Anstat, daß er hätte unversöhnlich sein sollen ausser einem Lösegelde, oder bis dasselbe bezahlet worden, so zeigte er vielmehr seine Liebe gegen uns vor demselben
 
 
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indem er seinen Sohn sandte. Er rechtfertigte uns gratis, umsonst; und seine Gnade und der {grosse} Reichthum derselben, wird von dem Apostel Paullus in seinen Briefen an die Römer und Epheser gepriesen und seine beständige Lehre ist, daß wir durch Gnade seelig werden. Wie kan dieses wahr sein, wenn ein Lösegeld, welches von gleicher Gültigkeit als die Knechtschaft ist, erfodert oder bezahlet worden wäre? oder worin bestehet diese Gnade oder der überaus grosse Reichthum der Gnade, wenn ein Preis von gleicher Gültigkeit für uns ist bezahlet worden? wie kan das eine freie Gabe genant werden, welches die Wirkung eines Kaufes ist? Hingegen nimt man das Wort Erlösung ?p???t??s?? in seiner gewöhnlichen Bedeutung, anstat Befreiung wovon, und ??t??? auf dieselbe Art, so ist kein Widerspruch oder sonst einige Schwierigkeit in der Lehre der Schrift von unserer Erlösung. Es ist Ein Gott, derselbe für alle, und Einer, der zwischen Gott und die Menschen getreten ist, Friede zwischen ihnen zu machen und die Welt mit Gott zu versöhnen, nämlich Jesus Christus, welcher sein Leben für sie alle dahin gab, damit solches zu der rechten Zeit bezeuget würde. Man könte vielleicht sagen, Gott sei durch die Vermittelung Christi angetrieben worden, sich in einen Vergleich mit den Menschen einzulassen, und er sei mit demjenigen, was unser Herr um unsert willen that und litte, so wohl zufrieden gewesen, daß er ihn bestimmet habe, der Welt bekant zu machen, wiewohl er dasjenige, was unser Mitler gethan hat, aufgenommen habe, und daß an seiner Seite keine Hindernis, die uns entgegen sei, liege, wenn wir nur bereitwillig sind, die uns vorgelegten Bedingungen anzunehmen. Allein man mus sich erinnern, daß Gott die Welt so liebte, daß er seinen Sohn in dieselbe sandte, damit die Welt durch ihn möchte seelig werden, Joh. 3, 17. 1 Joh. 4, 10. Daß diese Liebe aus einiger Vermittelung Christi entstanden sei, wird nirgends in der Schrift ausdrüklich gesaget, und vielleicht kan man solches nicht mit den moralischen Volkommenheiten Gottes
 
 
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vereinigen. Das einzige, was nöthig war, bestand darin, daß diejenigen, die Feinde Gottes und seines Reichs waren, mit ihm solten versöhnt werden; dieses Geschäfte übernahm Christus und brachte diejenigen in die Nähe, die ferne waren, indem er die Bedingungen bekant machte, unter welchen sie die Erbschaft bekommen und Gottes Erben werden könten. Dies that er auf eine so treuliche und dem Willen Gottes so angenehme Art, daß der Gehorsam unsers Hern von seinem und unserm Vater besonders wohl aufgenommen und reichlich belohnet wurde, Philip. 2, 9. – 1 Tim. 3, 16. Es scheinet nicht zweifelhaft zu sein, ob die wahre Leseart in dieser Stelle sei, Gott ist offenbaret, oder welches geoffenbaret ist ?? oder ?. So viel ist gewis, daß Te??, Gott, nicht die Leseart bis ins fünfte, oder bis zum Anfange des sechsten Jahrhunderts gewesen ist. In der syrischen Übersezzung steht auch nicht Gott. – Hebr. 2, 17. 18. ???s?esta? heist hier nicht Gott versöhnen, sondern die Sünde wegschaffen, oder machen, daß ihrer nicht gedacht werde, Jes. Sirach 3, 3. 30. Kap. 20, 28. K. 27, 5. – Hebr. 4, 14. 15. Unser Hoherpriester ist eingegangen in den Himmel, als das wahre Heilige, um daselbst vor Gott zu erscheinen, als einer, der seinen Willen gethan hat. Von diesem Eingehen in den Himmel, welcher das wahre Allerheiligste ist, wird er unser Hoherpriester genennet; so wie keiner als der Hohepriest Hoherpriester der Juden in das Allerheiligste gehen konte. Und wie der Hohepriester bei den Juden diejenige Person war, welche jährlich durch Tilgung ihrer Sünden sie wieder in den Besiz des ihnen in ihrem Gesez Gesez versprochenen Seegens sezte: so ist Christus, unser Hoherpriester, derjenige, welcher durch Wegnehmung und Bedekkung unserer Sünden uns zu dem im Evangelium versprochenen Seegen des ewigen Lebens bringet. – Hebr. 5, 7 – 9. Weil Christus ohne Sünde war und frei von dem Tode hätte sein müssen, so war es seine eine Handlung von ausserordentlichem Verdienst, da er starb, und er wurde deswegen mit der Macht, allen seinen wahren Jüngern das ewige Leben
 
 
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zu schenken, begabet, ?p? t?? ???aße?a?, vulgi pro reverentia sua, wegen der Ehrfurcht, die er als ein Sohn gegen seinen Vater bewies. Kap. 7, 25. Es scheinet nicht mit der Macht und Herschaft, die Christo gegeben ist, übereinzustimmen, daß er beständig bei dem Vater eine Fürbitte thun solte, um die Sünden derjenigen zu vergeben, die der Vater geliebet, die er ohne Verdienst gerechtfertiget, und denen er die Sünden vxr vergeben und denen er Gnade versprochen und über welche er seinen Sohn zum Könige gesezzet hat. Deswegen mus dieses so verstanden werden: Christus ist in den Himmel gegangen und lebet immerdar, indem er ein unveränderliches Priesterthum hat und beständig in der Gegenwart Gottes erscheinet; und deswegen hat er einen grossen Vorzug vor den jüdischen Priestern, die nur einmal des Jahres vor Gott gelassen wurden. Er kan beständig die Menschen bei Gott vertreten, indem er ein unaufhörliches Leben hat. Kap. 7, 25. ??t?????? bedeutet zu einem gehen, einen antreffen, mit einem umgehen. Der Sin dieser Worte ist also: Christus ist im Stande, alle, die an ihn glauben, seelig zu machen, weil er immer lebt und beständig in der Gegenwart Gottes ist, um gleichsam für ihr Bestes mit ihm zu reden. Der Hohepriester hatte nur einmal des Jahres einen Zutrit zu Gott, welches wohl nur einmal in seinem Leben geschehen konte. Einen so großen Vorzug hat das Priesterthum Christi vor dem jüdischen. – Kap. 7, 27. ?a?t?? a???e??a, da er sich selbst opferte. Es ist nicht zu leugnen, daß p??f??e?? und ??af??e?? von den Sündopfern gebraucht wird, und da es hier von Christo, als unserm Hohenpriester, vers vorkömt, so könte es scheinen, als wenn es diese Bedeutung hätte. Man mus aber sich erinnern, daß Gott bereit war, die Sünden der Menschen zu übersehen, und daß er die Welt so sehr liebte, daß er seinen Sohn in dieselbe sandte; er rechtfertiget alle Menschen d??e?? gratis, umsonst; und dero wegen spricht der Apostel überal von Gottes Gnade und dem Reichthum seiner Gnade, dem überaus grossen Reich
 
 
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thum seiner Gnade. Was also unser Heiland auch immer Gott darbrachte, hat solches doch nicht eine Art von Genugthuung, dxe die ihm geleistet wäre, sein können; weil sonst unsere Erlösung nicht aus Gnade sein könte, sondern aus Verdienst wäre. Es hat auch nicht etwas sein können, das Gott besänftigte, da er zornig gewesen war; denn Gott war schon vorher so gut gesinnet, daß er seinen Sohn in die Welt sandte, daß die Welt durch ihn möchte seelig werden. Es mus also etwas anders verstanden werden, wenn es heist: er habe sich Gott dargebracht für die Sünden des Volks. Man mus deswegen merken, daß Christus sich nicht habe Gott dargebracht, auch nicht habe darbringen können, ehe er zu unserm Hohenpriester x bestellet war; und dieses geschah nicht vor seiner Himmelfarth. Hebr. 8, 4. Er konte also Gott kein Opfer bringen, so lange er hier auf der Erde war: und folglich, welches hier beiläufig zu bemerken ist, brachte er Gott kein Opfer, da er sein leztes Abendmahl einsezte, noch kan solches eine Opfermalzeit sein: noch kan das Kreuz ein Altar genennet werden, auch nicht einmal in einem metaphorischen Sin, weil Christus sich nicht selbst opfern konte, da er nicht eher auf einige Weise ein Priester war, als erst nach seinem Tode, d. i. bis alles, was an dem Kreuz sich mit ihm zutrug, geendiget war. Joh. 20, 17. Hebr. 7, 24. Kap. 9, 12. 24. Die Redensart also, sich selbst darbringen für die Sünden des Volks, heist nicht; sich selbst als ein Söhnopfer für die Sünden der Menschen dahin geben, sondern sich selbst Gott darstellen, als der seinen Willen auf der Erde gethan, der die Vergebung der Sünden durch den Glauben geprediget, und die Menschen von einem ewigen Erbe versichert, der sie mit Gott versöhnet hatte. Es war beschlossen, daß Christus einen Leib annehmen oder Mensch werden, und in die Welt kommen, und den Willen Gottes thun und sterben sxx solte. Alles dieses war geschehen, und darauf kehrte sich
 
 
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Christus wieder in den Himmel und stelte sich Gott dar, als der seinen Willen gethan hatte. Er stelte sich dar als der dasjenige vollendet hatte, was für die Seeligkeit der Menschen geschehen solte. Da nun die Sünde die grosse Hindernis an unserer Seeligkeit war, und der grosse Grund, warum Christus in die Welt kam, und da er den Willen Gottes auf der Erde gethan hatte, so fuhr er gen Himmel zu seinem Vater und hier stelte er sich dar, und opferte sich selbst ein für alle mal, als derjenige der dasjenige vollendet, was er in Absicht auf die Sünden der Welt zu thun hatte. Er brachte Gott Ein Opfer von sich selbst; da hingegen die jüdischen Hohenpriester, indem sie Schwachheiten an sich hatten, öfters sowohl für sich selbst, als für die Sünden des Volks opfern musten. – Hebr. 9, 16. 17. Der Sin des Apostels in diesen beiden Versen ist nicht leicht einzusehen. Er kan nicht reden von einem Testament oder lezten Willen, oder einem, der ein Testament macht, denn dieses dient gar nicht zu seinem Zwek, da er von einem Bunde redet, wovon Christus der Mittler ist. Nach der Meinung des Verf. schliesset er so: wo ein Bund zwischen zweien Partheien gemacht wird, und man die Absicht hat, sie beide auf das stärkste zu verbinden, da mus der Tod der bundmachenden Parthei als ein Beweis können ax...x angeführet werden, daß dieselbe sich verbindlich mache zu sterben, wenn sie denselben brechen solte. Denn wenn der Tod auf diese Weise dazwischen kömt, so zeiget er an, daß ein Bund sehr fest ist. Wenn aber kein solches Zeichen der Befestigung sich findet, so ist der Bund von keiner Kraft, weil man nicht siehet, daß die bundmachende Parthei eingewilliget habe, sich zur Haltung desselben zu verbinden. – Kap. 10, 14. So wie die Opfer ein Mittel und Zeichen der Freundschaft waren, so ist Christus das Mittel, und ein gewisses Zeichen der Freundschaft mit Gott. Christus wird deswegen unser Opfer genennet, und alle Redensarten von den Opfern werden gebraucht, und auf ihn angewandt, weil er dasjenige Mittel ist, durch welches die Menschen in einen Stand der Freundschaft mit Gott gebracht werden, wie dazu die Opfer dienten. – 1 Joh. 2, 1. 2. ?a?
 
 
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??? t?? ?µ??t? nicht, so jemand sündiget, sondern, so jemand gesündiget hat, nemlich ehe er ein Christ geworden ist. In den Anmerkungen über diese Stellen wird unter andern gezeiget, was für eine Beschaffenheit die Söhnopfer im A. T. gehxxt ghab gehabt haben, und ob Christus ein eigentiches Versöhnopfer sei. 1) Wo die Absonderung der Vertilgung gedrohet war, da fand kein Söhnopfer Stat. 2) Das Leben des Opferthiers wurde nicht für das Leben des Opfernden gegeben. 3) Söhnopfer waren nur verordnet bei Vergehungen, die man aus Unwissenheit begangen hatte. Es finden sich nur einige wenige Fälle, wo bei muthwilligen Vergehungen ein Opfer veranstaltet verordnet war. 3. B. Mos. 6, 1–7. Kap. 19, 20–23. 4) Auch am Versöhnungstage wurde geopfert für ?????µata, für Sünden der Unwissenheit, wie im Briefe an die Hebräer gesaget wird. 5) Söhnopfer wurden auch gebracht für Sachen und Öx...xr Öx...xr Örter, da nun dieselben kein Leben haben, so kan man nicht sagen, daß bei den Söhnopfern Leben für Leben gegeben wurde. In Ansehung Christi ist zu merken: 1) Daß er nicht in dem Sin eine Versöhnung sein könne, als wenn er sein Leben für unser Leben gegeben hätte, denn das würden die Juden nicht verstanden haben. 2) Die Söhnopfer wurden nur dargebracht für Sünden der Unwissenheit; Christus aber wolte uns von allen Sünden erlösen. Die Stellen, welche man anführet um zu beweisen, daß Christus ein eigentliches Söhnopfer sei, sind Röm. 3, 25. Kap. 5, 2. 1 Kor. 5, 7. Ephes. 5, 2. 1 Joh. 2, 2. Kap. 4, 10. Woraus aber das nicht folget, was man daraus herleiten wil. ??ast????? wird in den Büchern Mosis 24 mal gebraucht, wo es immer den Gnadenstuhl bedeutet, und den zeiget es auch an Röm. 3, 25. Christo wurden nicht die Hände aufgelegt, wie bei einem Söhnopfer gebräuchlich war, sein Blut wurde nicht an einen Altar gesprenget, der Sünder opferte ihn nicht Gott, er hatte
 
 
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gar nicht die Absicht, ihn Gott für seine Sünde darzubringen pp. Daß der Tod Christi eine Strafe an der Menschen Stelle gewesen sei, wil man mit folgenden Stellen beweisen. Matth. 8, 17. K. 20, 28. Joh. 1, 29. 1 Petri 2, 24. Es heist zwar, Christus habe für uns gelitten, aber nicht, er sei für uns gestrafet wx...xen worden, welches ein grosser Unterschied ist. Man pflegt auch zu sagen: die jüdischen Opfer hätten alle ihre Kraft dem von dem Opfer Christi gehabt, Christus habe gemacht, daß Gott unsere Busse annehme, das Leiden Christi habe gedienet, das Ansehen der götlichen Gesezze zu befestigen; aber alles dieses stehet nirgends in der Schrift. Die Wohlthaten, welche wir Christo zu danken haben, sind: 1) er hat uns von der Knechtschaft der Sünde und des Todes befreiet. 2) Er hat uns zu dem ewigen Leben gebracht, und uns davon eine Versicherung gx...xben gegeben. Der Unterschied zwischen den Frommen und Gotlosen ist dieser, daß die erstern bei ihrem Tode nicht ihr Bewustsein verlieren, sondern gleich in einen glüklichen Zustand versezzet werden; die andern aber so lange im Tode bleiben, bis sie am jüngsten Gericht wieder auferwekket werden, welches der V. mit verschiedenen Gründen und folgenden Stellen der Schrift zu erweisen sucht. Offenb. 2, 7. 1 Joh. 3, 8. Hebr. 2, 14. 1 Joh. 3, 14. Joh. 5, 24. Kap. 8, 5. 3) Er bringt die Menschen in den Stand der Ruhe, daß sie sich die Gnade Gottes versprechen können. 4) Alle, die an Christum glauben, erlangen die Vergebung ihrer Sünden. Den Aposteln wurde aufgetragen, diese Vergebung der Sünden bekannt zu machen, Joh. 20, 22. 23. 5) Mit der Vergebung der Sünden ist die Rechtfertigung verbunden. 6) Wir werden durch den Gehorsam Christi gerecht. 7) Wir werden geheiliget durch den Nahmen des Hern Jesu, d. i. wir werden von der Welt abgesondert, und zu einem eignen Volk Gottes gemacht. Hierbei ist noch zu bemerken: 1) Obgleich einige Redensarten vorkommen, die anzuzeigen scheinen, als
 
 
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wenn Gott über die Menschen erzürnt gewesen, und von Christo versöhnet worden wäre, so haben sie doch, wenn man sie recht versteht, eine ganz andere Bedeutung. 2) In manchen Stellen der Schrift wird gesaget, Christus x mache uns seelig, er erlöse uns; in andern wird Gott unser Seeligmacher und Erlöser genennet. Dieses kömt daher, weil Christus hierbei, nach diesem ganzen Werke seinen volkomnen Gehorsam gegen den Vater bewies. 3) Christus war der Mittler zwischen Gott und den Menschen; ihm wird also alles das Gute zugeschrieben, was durch seine Vermittelung ist zu Stande gebracht worden. In dem sechsten Kapitel werden diejenigen Stellen des N. T., welche von dem Tode Christi, den Ursachen und Absichten desselben handeln, in Betrachtung gezogen. In den Anmerkungen darüber wird sonderlich behauptet, daß die Lehre von einer gewissen Genugthuung und einer Vertretung unserer Stelle bei dem Leiden Christi aus einem Misverstande einiger Schriftstellen aufgenommen sei. Man habe dabei 2 Säzze zum Grunde gelegt, die beide unrichtig sind: 1) daß Leiden und Strafe einerlei sei, 2) daß man nicht gewis wüßte, ob Gott einem busfertigen Sünder vergeben wolle. – – –" Pag. 124 usque ad. 171.
 
 
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2) Von dem Leiden Jesu.
 
 
  Ia-01-1778-0199
"In allen evangelischen Nachrichten vom Leben Jesu, auch in den Schriften seiner Apostel, steht nicht ein Jota davon, daß seine Seele für unsere Sünden gequält, oder von allen Werken der Finsternis bestürmt worden, daß Jesus auch in seinen Leidesstunden nicht als der Sohn, der Geliebte Gottes, von Gott wäre angesehen worden, daß Gott jezt dem Heiland schröklich geworden, daß Gott als der unwürdigste Sünder wäre empfangen worden. Nach unserer Bibel blieb der leidende Erlöser vor Gott, dem Richter aller Welt, sein Heiliger, sein Geliebter, und Jesus behielt auch in der Stunde seiner grösten Angst, alle Liebe, allen Gehorsam, alles kindliche Zu=
 
 
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trauen zu seinem himlischen Vater. Und jene Art der Vorstellung, welche dem Verf. beliebt, empört alle Vernunft, ist vol von Widersprüchen, von aller Wahrheit entfernt, und kan ein christliches Herz nicht blutend machen, wenn das anders heissen sol, es tief rühren und gründlich bessern und trösten. – –" Pag. 187. 188.
 
 
  Ia-01-1778-0200
3) Begrif vom Glauben.
 
 
  Ia-01-1778-0201
"Den Glauben nent Klemens auch einen Gehorsam gegen Christum, und die Ausrichtung der Gebote Gottes. Heutiges Tages würde er sich bei dadurch bei den unverständigen Eiferern den Namen eines Socinianers zuziehn: wiewol es keine andre Erklärung des Glaubens giebt, die auf alle Stellen der h. Schrift {passe,} worin das Wort Glaube gebraucht wird, als wenn man ihn von einem Gehorsam gegen alle Erklärungen des götlichen Willens erklärt. Diese Erklärungen des götlichen Willens aber sind theils Verheissungen, theils Verhaltungsbefehle. Gehorsam gegen Verheissungen ist, wenn man ihre Erfüllung mit Vertrauen und Zuversicht glaubt, gegen Verhaltungsbefehle, wenn man sie auszuüben sucht. Beides zusammen genommen macht den Glauben der Christen aus, und kan nicht getrennet werden. –" Pag. 195. 196.
 
 
  Ia-01-1778-0202
4) Von dem Sohne Gottes (Christo)
 
 
  Ia-01-1778-0203
"Man kan nicht annehmen, daß Gott jemalen ausser der Zeugung dieser Weisheit gewesen sei; und es wäre seiner wenig anständig, wenn man sagen wolte, er habe es entweder nicht immer thun können oder nicht thun wollen. Man stelt sich also vor, daß die Weisheit ausser allem Anfang gezeugt gewesen sei. Sie war der Anfang der Wege, d. i. sie begrif den Anfang, Form und Gestalt aller Kreaturen in sich. Dem Wort und Weisheit des Vaters einen Anfang zuschreiben, ist gotlos. Das heist eben soviel, als Gott sei
 
 
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nicht immer Vater gewesen, habe nicht immer den Logos gehabt, die Weisheit gezeuget. Man mus sich insonderheit die Zeugung des eingebohrnen Sohnes als nichts menschliches oder leibliches denken. Kein menschlicher Verstand kan es erreichen. Wie der ungebohrne Gott, der Vater des eingebohrnen Sohnes werde. Diese Zeugung ist so ewig als der Glanz aus dem Licht. Er ist kein angenommener, sondern ein natürlicher Sohn. Ebr. 1 heist er der Abglanz seiner Herlichkeit, das Ebenbild seines Wesens. Man denke nach, ob nicht des wegen, weil er macht, daß wir Gott wissen und Er erkennen. Man kan es auch so verstehn, er sei, so zu reden, der Vater im kleinen: wie {wenn} man Einem in einem kleineren Modell etwas vorstelt, das man an sich, weil es zu gros ist, nicht so übersehen kan. Wer mich sieht, sagt daher Christus, der sieht den Vater. Er ist das Hauchen der götlichen Kraft. Dies Hauchen der götlichen Kraft war allezeit und hat keinen andern Anfang, als Gott selbst. Wenn man irgend einen Anfang annimt, so kan man immer fragen, warum nicht früher? und kann nie antworten. Er heist ferner ein Strahl der Herlichkeit des Almächtigen. Gott ist immer almächtig: es mus also nur etwas da gewesen sein, woran Gott seine Macht übte, oder zeigen konte. – " Pag. 203. 204. 205.
 
 
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XIV.
 
 
  Ia-01-1778-0205
Algemeine deutsche Bibliothek. Des zwei und dreissigsten Bandes erstes Stük. Berlin und Stettin, verlegts Friedrich Nikolai. 1777.
 
 
  Ia-01-1778-0206
1) Über die Änderungen des Barometers.
 
 
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"Wärme dehnt die Queksilbersäule ein wenig aus: da die Gesezze, nach denen das geschieht, bekant sind, so sezt Hr. B. solches beiseite. In der Luft verstärkt die Wärme die Feder=
 
 
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kraft, und verursacht also, daß das Barometer wenigstens ax...x anfangs steigt. Nachdem aber x wird es sinken bei vermehrter Wärme sinken, weil aus der warmen Luftsäule Luft weggeht, wodurch sie leichter wird, zugleich nimt ihre Federkraft ab, wie sie sich mehr ausbreitet. Trokne verstärkt die Federkraft der Luft, und so steigt das Barometer bei ihr. Kälte und Feuchte thun das Entgegensezte von jenen beiden. Hr. B. liefert hieraus Regeln für die Änderungen des Barometers her, wenigstens in dortigen Gegenden. Z. E. es steigt bei N. Winden, und sinkt ser bei S. Winden. Begreiflich wirken hier viel Ursachen zusammen, die oft einander hindern, und so ist was Algemeines und Sicheres zu sagen schwer. –" Pag. 25.
 
 
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2) "Ob ein Blinder, der sehend geworden, durch Gesicht erkennen kann, was er durch Gefühl erkant hat?"
 
 
  Ia-01-1778-0209
"Eine Figur fühlen und sie sehen, sind zwo ganz unterschiedene Sachen, die nichts mit einander gemein haben, als für uns die symbolische Verbindung, da eins uns ein Zeichen des andern ist. Also, vom Sehendgewordenen verlangen, er sol Kugel und Würfel durchs Gesicht erkennen, die er blind befühlt hatte, heist von ihm fodern: Er sol sie in einer ihm fremden Sprache nennen. (Volkommen richtig! aber wie kan man über so was so lange streiten?) –" Pag. 31.
 
 
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XV.
 
 
  Ia-01-1778-0211
Die christliche Lehre vom Gebet und der Bekehrung, nebst einem Anhange. Von Gottfried Less, D. und Pr. der Theol. Gottingen, bei Johann Christian Dieterich. 1776.
 
 
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1) Von der Ruhe des Gemüths.
 
 
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"Eine längere Erfahrung zeigt uns die Welt ganz anders, als wir sie in der Jugend zu finden glaubten, und noch mehr dereinst zu finden hoften. In der Jugend sind wir hauptsächlich durch Hofnungen und eitle Einbil
 
 
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dungen froh. Wir glauben, die Welt habe nur eine gute Seite: denn wir sind noch nicht erfahren genug, zu wissen, daß sie auch noch eine viel schlimmere habe. Wir betrachten jenen emsigen Vogel mit dem innigsten Vergnügen, welcher seine Bruth mit so vieler Sorgfalt pfleget; aber wir kennen den Raubvogel nicht, der wenig Tage darauf nach seinem Neste schiest, und die geliebte Bruth plözlich verschlinget. Die zärtliche Mutter sizt dort schmachtend! girret vol Schmerz über den Verlust ihrer Geliebten; und indem sie betrübt die Augen nach dem leeren Neste richtet, wird auch sie ein Opfer des Räubers ihrer Jungen. Personen, die gröstentheils vergnügte Tage zählen, und noch in der Blüthe ihres Lebens stehn; diese wissen die Kostbarkeit der Ruhe des Gemüths nur halb zu schäzzen. Aber diejenigen, welche zu reiferer Erfahrung gekommen, die fröhliche Jugend zurük gelegt, von mancherlei Anliegen gedrukt werden, und in einem Leibe wohnen, den sie täglich als eine Last fühlen; diese schäzzen erst recht die Gemuthsruhe, und die unaussprechliche Wohlthat Gottes, welcher uns in dem Gebet das kräftigste Mittel geschenkt, sie auch bei allem Leiden dennoch zu erhalten. –" Pag. 6.
 
 
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2) Vom Strafen der Prediger.
 
 
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"Ich weis gar wohl, und führe es hier um derer willen öffentlich an, welche sich dazu (zux Predigx...x) widmen, dereinst mit mir einerlei Amt zu verwalten: Prediger sind keine solche Bothen Gottes, durch welche er selbst in seinem eigenen Namen redet. – Sie haben also gar kein Recht, so wie ehedem die Propheten und Apostel, dieser oder jener einzelnen Person in ihrer Gemeine nachdrükliche Verweise zu geben, und wegen ihrer Vergehungen eifrige Straf=Predigten zu halten. Sie sind nur Diener Gottes, denen das Amt aufgetragen worden, ihre Brüder aus Gottes Wort zu unxx unterrichten, und die Pflicht der brüderlichen Besserung und Bestrafung vorzüglich vor andern auszuüben. Niemals müssen sie mit Gleich=
 
 
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gültigkeit oder einer geheimen Freude zu solcher Bestrafung schreiten; sondern sie vielmehr für das traurigste Geschäfte ihres Amtes ansehen. Nie müssen sie, bei Erinnerung ihrer Brüder, heftige Affekten unter dem Schein des Eifers für Gott in ihrer Seele ernähren. Mitleiden, Wehmuth und herzliche Liebe müssen ihnen den Inhalt und die Worte eingeben; und eine jede Bestrafung, wobei sie nicht dieses fühlen, müssen sie für einen verwegenen Eingrif in die Rechte ihrer Brüder, und für eine strafbare Beleidigung Gottes halten. – –" Pag. 12. 13.
 
 
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3) Ein Heide mit vol Menschenliebe.
 
 
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"Ein Heide führete auf seinem Sterbe=Bette dieses als dasjenige Stük seines Lebens an, welches ihm das reinste Vergnügen geschaft, und wovon er bei der Nachwelt den grösten Ruhm hofte: = = daß er keinem einzigen seiner Mitbürger Ursache zu Thränen gegeben. = = Seine Freunde rühmten bei seinem Sterbe=Bette, da er schon halb fühllos mit dem Tode rang, seine weisen Rathschläge, seine vortrefliche Anordnung, und grosse Heldenthaten; denn er war ein grosser General, und ein noch grösserer Minister. Der halb Todte ermannete sich noch und starb mit diesen Worten an seine Freunde: "Ich wundere mich, daß ihr die edelsten aller meiner Thaten auslast: denn Niemand meiner Mitbürger ist durch mich in Trauer gesezt worden. – " O! was würde dieser Man gethan haben, wenn er die neuen und unaussprechlich grossen Bewegungs=Gründe der Menschenliebe gekant, welche uns die christliche Religion lehret! Menschen, die Freunde, Kinder, Erlösete Gottes, Brüder Jesu Christi; diese betrüben, oder wohl gar in verzehrenden Kummer stürzen, und um ihr ganzes Glük bringen; wie erschreklich ist das einer Seele, die den edlen Affekt der Menschenliebe fühlt? Menschen, die Freunde, Kinder, Erlösete Gottes, und Brüder Jesu Christi; diese erfreuen, ihre x...x Ruhe befördern, ihr Glük befördern gründen und erweitern; ihr Wohlthäter werden; wie reizend ist das für eine Seele, welche von Menschenliebe erwärmet wird?" – Pag. 21. 22.
 
 
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4) "Das Gebet giebt Ruhe in der Todes=Stunde."
 
 
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"Das Gebet bildet den Menschen immer mehr nach dem Muster Gottes, und seiner Geselschaft immer würdiger; machet ihn immer begieriger nach dem vertraulichen Umgange mit Gott, immer begieriger nach dem Grade der Tugend, welcher rein von allen Flekken, Mängeln und Fehltritten ist. Einem so gesinten Menschen, was kan diesem beim Sterben noch schreklich bleiben? Oder vielmehr, was kan dem erfreulicher sein als der Tod? – – Solte ihn etwa der Abschied von der Welt erschrekken? Diejenigen kan dieser Abschied freilich in Schrekken sezzen, welche der Welt als Knechte anhängen; nicht aber den Christen, welcher durch das Gebet sie als Herr brauchen gelernt! Solte ihn etwa die Sterbe=Glokke, die finstre Gruft, die Würmer erschrekken, welche an seinem Körper nagen werden? Diejenigen mus dieses freilich in Schrekken jagen, welche hier so begehren und handeln, als wären sie nichts denn Körper! Aber der edlere Theil, für den der Christ durchs Gebet sorget, wird in keine finstere Gruft gesperret; ist keiner Verwesung und Fäulnis unterworfen! Oder solte ihn jenes strenge Gericht erschrekken? Aber das Gebet hat ihn schon lange, in die Verfassung gesezzet, daß er nach dem Tode , an Gott nicht einen strengen Richter, sondern einen wohl bekanten und schon lange gewohnten Freund antrift! Oder sollte ihn die nahe Gegenwart des Almächtigen erschrekken? Aber diese ist es eben, nach welcher ihn das Gebet so begierig gemacht, und welche er dort allererst, ohne alle Sünde und ohne alle Furcht der Trennung geniessen sol! Gleich einem erhabenen Berge, welcher noch im Glanze der Sonne steht, wenn die niedri {niedrige} Erde schon mit Finsternis bedekt ist, erhebt er also in der schx schwarzen Stunde des Todes seinen Geist über alle Furcht, Schrekken und Verzweiflung niedriger Seelen empor. Mit sicherer Ruhe und himlischer Wonne stirbt er: das heist, er gesellet sich zu der frohen Schaar volkommener Geister, welche nicht mehr wehmüthige Klagen, nicht mehr bange mit Thränen begleitete Seufzer, sondern lauter Gebete des reinsten Lobes und fröhlichsten Dankes vor dem götlichen Thron in Ewigkeit anstimmen!" – Pag. 131. 132.
 
 
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XVI.
 
 
  Ia-01-1778-0221
Neue Mannigfaltigkeiten. Eine gemeinnüzzige Wochenschrift mit Kupfern. Ersten Jahrganges 1tes und 2tes Quartal. Berlin, verlegt und zu finden bei D. L. verehl. Bossen, in der Wilhelmstrasse. 1774.
 
 
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1) "Lied eines armen Jünglings."
"Arm bin ich, ja! – und in der Welt
Hab ich nicht viel Vergnügen:
Doch schenkt mir Gott Zufriedenheit,
Die Armuth zu besiegen.
Ich bin gesund, was brauch ich noch
Zum kummerlosen Leben?
Dem Reichen ist das Ungemach
Der Krankheit nur gegeben.
Zwat thut der Hunger oft sehr weh,
Ich kann ja nichts erwerben:
Doch klag' ich nicht, ich werde nie,
Das hoff ich, Hungers sterben.
Wie stärkte Gott, oft denk ich dran,
Nicht neulich meinen Glauben?
Der Hunger wollte mir beinah
Mein junges Leben rauben;
Mein junges Leben rauben;
In einer Ohnmacht lag ich schon,
Und konte nicht mehr beten,
Da gab mir wer ein Stükchen Brod,
Mein Leben zu erretten.
Das Stükchen Brod, wie schmekt es nicht! -
Das Stükchen Brod, wie schmekt es nicht! -
Nie schmekt dem reichen Prasser
Sein süsser Wein, sein Kuchen so,
Als mir mein Brod und Wasser. x
 
 
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Ich danke Gott, und rühm' ihn stets
Für seine grosse Liebe;
Nur ihm weih' ich mein ganzes Herz
Und alle fromme Triebe.
Werd' ich einst gros, und kann ich dann
Mein Brod durch Arbeit haben:
So sollens halb, – wie freu ich mich!
Ja halb – die Armen haben."
Pag. 11. 12.
 
 
  Ia-01-1778-0223
2)
 
 
  Ia-01-1778-0224
"Morgenvorfälle"
"Das Land, das erst erstorben lag,
Erwacht und lebt nun wieder;
Es strömt an jedem neuen Tag
Sein Seegen neu hernieder.
Der Wurm, der in dem Staube lebt,
Der Vogel der in den Lüften schwebt;
Erfreut sich seines xex Lebens.
Der Erden Antliz ist verjüngt;
Erheitert glänzt der Himmel,
Gebirg' und Thal und Wald erklingt,
Von freudigem Getümmel:
Und vol Erbarmen schaut herab,
Der allen Seg Seeg'n und Leben gab,
Auf seiner Schöpfung Werke.
Schön und anmuthig war der Morgen, der den 19. Mai der Welt brachte. Ich erwachte mit dem Glokkenschlag Viere. Entzükkung und Freude stralte mit der Morgensonne in mein Herz. So prächtig, so heiter warest du vielleicht: erster junger Morgen der Schöpfung, da dich noch unschuldige Menschenseelen empfanden, und dir un=
 
 
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entweihete Geschöpfe entgegen jauchzeten. Kaum war ich erwacht; so war die ganze Schöpfung wieder mein. Ich hatte sie gleichsam im Schlafe verlohren. Mein Auge sahe. Mein Ohr hörte. Mein Herz wurde entzündet. Ich fühlte Dasein. Noch mehr! ich empfand das erhabene, das götliche meines Vorzuges. Ich dachte meinen Schöpfer. Gott dachte ich in seiner ganzen Grösse, in dem ganzen Umfange seiner Wohlthaten dachte ich ihn, womit er mich auch in der Nacht auf meinem Lager gesegnet hatte. Ich fühlte seine Algegenwart, und schauerte. Ich fühlte seine Güte, und freuete mich. Wie nahe war er mir, der Unendliche! Ich hatte ja in seinen Armen geschlafen. Mein Herr und mein Gott! – Vol von diesem frommen Gedanken vxlies verlies ich mein Lager, und eilte mit schnellen Schritten aus den Thoren der Stadt, wo noch so viele Unthätige und Unempfindliche die edlen Stunden verträumten, in welchen uns die schöne Natur umsonst die herlichsten Anblikke giebt, vor welchen alle Kunst der Malerei verschwindet. Mit offenen Armen empfieng mich das freie Feld, der lebendige Wald; eine Stimme, und die ganze Schöpfung, ohne Neid erböthig, ihre Schönheiten mir sehen zu lassen. – Meine Gedanken wurden immer frömmer, meine Empfindungen immer heiliger. Ich kam durch stille Anbetung dem Almächtigen immer näher. Ich sah ihn, ich fand ihn, ich fühlte ihn in jeder Blume unter meinen Füssen, in jedem Thautropfen, der auf einem Blatte glänzte, in jedem berauschenden Dufte der süssen Blüten, in jedem Vogel, der sein Futter suchte, und dankbar zum Himmel aufstieg. Schmekket und sehet, wie freundlich der Herr ist, rief mir eine, nur eine laute algemeine Stimme der gütigen Natur x entgegen. Mein Herz antwortete: Mein Herr und mein Gott! – Hier fiel mir der kosmotheologische Gedanke, das grosse Thema des algemeinen Naturkonzertes xx ein. Gott ist die
 
 
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Liebe, und erfüllete meine ganze Seele. Gott ist die Liebe – Liebe – war das beständige Echo. Liebe, beständige, so wohlthätige Liebe, giesset der Vater der Menschen über uns aus. Mit solcher Liebe denkt er an mich, und ich sollte nicht an meine Freunde, an meine Brüder denken? Liebe ist also das Band der Volkommenheit, das Gott und Menschen verknüpfet. Mit einer so warmen, und durch götliche Züge geheiligten Liebe dachte ich zuerst an einen kranken Freund in B = = n, der mir kürzlich seine Schmerzen geklagt, und gleichsam in meinen Schoos geschüttet hatte. Ich gestehe es, daß ich fast nie mit solcher Inbrunst für einen Freund gebetet habe, als unter den gegenwärtigen Empfindungen. Gott erquikke ihn auf seinem Siechbette! Mein zärtlicher Freund! wenn sie dieses lesen; so stärken sie sich durch den Trost, daß oft Freunde für uns im Leiden beten, die weit entfernt sind, und durch fromme Seufzer süsse Tröstungen des algegenwärtigen zu uns herab beten. – Nun will ich meine Morgenvorfälle erzählen, die mir bei diesem Spazziergange begegneten. Da ich über eine Brükke gieng, so kam ich hinter ein Paar ehrliche Bauersleute, die schon in der Stadt gewesen, und ihr Dörfchen, ihre Hütte, diese Wohnung der Stille, und Zufriedenheit wieder suchten. Sie schienen in einem ernsthaften Gespräche begriffen zu sein. Ich folgte ihnen langsam nach, und vernahm folgendes:
 
 
  Ia-01-1778-0225
"Ich komme nicht aus der der Noth, sagte der eine. Vor Weinachten habe ich meinen alten Vater begraben lassen, und bin den Sarg noch schuldig. Vor vierzehn Tagen ist mir die Frau gestorben, und hat mir fünf kleine Kinder zurükgelassen – eine gute Frau, dich die ich recht lieb hatte: sie war from, liebte mich, zog ihre Kinder zur Gottesfurcht, und nahm ihre Wirthschaft in Acht."
 
 
  Ia-01-1778-0226
Diese Lobrede x...xten hörten gewis die Engel nicht ohne Freude.
 
 
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  Ia-01-1778-0227
"Nun, fuhr er fort, bin ich ein armer verlassener Mann. Ich stekke in Schulden. Gift und Gaben gehen fort. Ich bin in der Stadt gewesen, bei einem Freunde, und bat ihn, mir nur in mit etwas zu helfen. Aber Freunde in der Noth – Lieber Nachbar! was sol ich nun anfangen? Ich weis, daß ihr mir gerne hülfet; aber ihr habt selber nichts." – Hier zerflos meine Seele in Freude und Mitleiden.
 
 
  Ia-01-1778-0228
"Komme ich nun nach Hause; so schreien meine armen Kinder nach Brod. Ich habe etwa noch achtzehn Pfennige von gestern. Es reicht nirgends hin. Du lieber Gott! wie wirds doch noch in der Welt werden? Wenn xxh ich nur nicht von vielem Gram krank werde. Wenn ich gesund bleibe; so wil ich gern arbeiten, und mich halb sat essen, wenn meine Kinder nur etwas haben." –
 
 
  Ia-01-1778-0229
O! dachte ich, du ehrlicher Man, bist du so gesinnet, so wird dich Gott nicht verlassen. Ich gieng ihm näher, und lies mich mit beiden in ein Gespräch ein, ohne daß ich mirs merken lies seine Klagen gehört zu haben. Da ich ihn ansahe, glänze mir noch die Thräne aus seinem Auge entgegen. Mein Freund! sagte ich zu ihm, seid ihr schon so früh auf der Strasse? Ist das ist nicht ein schöner Morgen? Ihr freuet euch wohl recht, wenn ihr des Morgends an eure Arbeit gehen könnet! Ja! antwortete er, das thun wir wohl; wenn wir nur nicht so viel Noth und Leiden hätten. Wa drükt euch denn? erwiederte ich. Er erzählte mir seine Umstände noch einmal, die ich, ihm unwissend, schon gehöret hatte, und es gereuete mich nicht, sie aus seinem Munde noch einmal zu hören. Da ich sehr weichherzig bin; – so kommen mir einigemal die Thränen in die Augen. Dies befremdete meinen Pilgrim. Er wunderte sich, und fragte mich, ob denn das wohl x...x Ernst wäre, daß mir seine Noth zu Herzen gieng? Die Stadtleute hätten sonst eben nicht viel Mitleiden mit dem geplagten Landvolke. Dies rührte mich noch mehr. Ich
 
 
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fragte ihn, ob er das bete und arbeite recht verstünde? Ich forschte weiter, ob er das erste Gebot gelernet hätte, und auch ausüben solte wolte? Ich wies ihn auf den Himmel, auf die Wolken, auf die Erde, auf ein Würmchen, das Gott erhalten wolle. Er solte nicht mistrauisch sorgen; sondern Gott fürchten, fleissig arbeiten, und gedultig sein; so würde ihm Gott Mittel zeigen, aus seiner Noth zu kommen, und mit seinen Kindern zu essen und sat zu werden. Der Mensch wurde {ganz} stark. Er war noch in den Mitteljahren. Er ermante sich, rief sein gesunkenes Vetrauen zurük, und sagte: "Nun wil so wil ich denn dem guten Rathe folgen. Ich bin recht getröstet. Es sind doch lauter Narren, die uns vorsprechen wollen: es sei kein Gott, oder s es sei umsonst, daß man viel bete, und from sei. Der liebe Herr, Gott des Daniels und des Elias nicht vergas. Er wird mich mit meinen armen Kindern auch nicht vergessen." Ich merkte, daß ich zu weit mit ihm gegangen war, erinnerte mich, daß er den Sarg noch für seinen alten Vater schuldig war, auch kein Brod für seine Kinder hatte – und bat Gott in meinem Herzen, diesen redlichen Vater zu einem Gegenstande zu machen, an welchen sich Beispiele der Wohlthätigkeit auszeichnen xx mögten. Der andere Vorfal, der mir diesen Morgen begegnete, ist von jenem ganz unterschieden. Er hat mir das menschliche Herz von einer andern Seite sehen lassen. Da ich ein grosser Freund der Naturkentnis bin, und mich oft bemühe, den grossen Gott im kleinen zu suchen, so gehe ich nie aus, ohne etwas für mein Favoritstudium zu erforschen. Diesmal suchte ich in einem kleinen Graben Wasserinsekten. Ich fülte einige Gläser, nahm meine Handlupe, und hielt sie gegen die Gläser. Hinter mir lagen auf einem Akker ein halb Duzzend Leute, die
 
 
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das Unkraut ausgäteten. Ich merkte, daß sie mir schon eine Weile zugesehen, und sich in die Höhe gerichtet hatten. Doch lies ich mich solches nicht irren. Als ich meine Gläser verwahret, und eingestekt hatte; stand ich auf, und wolte fortgehen. Die Leute standen auch auf. Dies bewog mich, auf sie loszugehen, weil ich mich gerne mit allerlei Arten von Menschen unterhalte. Sie flohen mich aber, und ich konte aus ihren Gesichtern lesen, daß sie eine Furcht vor mir hatten. Es waren unten auf dem Lande noch mehrere. Zu denen geselten sxxt sie sich, traten in einen Kreis, und unterredeten sich, so viel ich vermuthen konnte, von meinen Handlungen. Sie hatten ihr Gesicht beständig nach mir hingerichtet, und wxx weil ich ihre Gedanken leicht errathen konte; so verlies ich sie, um sie nicht weiter zu beunruhigen. Hier sahe ich den alten Aberglauben in seiner thörigten Furcht, der noch in so vielen Seelen der Einfältigen herschet. Nachgehends habe ich erfahren, daß sie wunderliche Gedanken von mir gehabt. Ist es nicht zu beklagen, daß noch so viel Menschen das eiserne Joch des Aberglaubens schleppen, der sie tyrannisirt? Wenn man zu einer ungewöhnlichen Zeit, etwa des Morgens sehr früh, auf dem Felde gehet, welches dergleichen Leute von Personen unsers Standes nicht gewohnt sind, oder wenn man auf dem Feld etwas anders, als Korn, Flachs, Rüben und Wurzeln betrachtet, oder wenn man gar einen Schmetterling, einen Stein, eine Raupe, oder dergleichen aufnimt; so haben sie gleich andere {arge} Gedanken, und halten solche Beschäftigungen für Zaubereien und verbotene Künste. Die blinden Leute! Sie dauren mich, da sie täglich die Natur bearbeiten, und so unwissend in ihren Werken sind; auch oft über der Vernachlässigung des Geschöpfes ihren grossen und gütigen
 
 
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Schöpfer vergessen. Bei meinem Rükwege nach Hause hatte ich Gelegenheit, noch eine Unterredung von politischen Angelegenheiten mit anzuhören. Fünf oder sechs Personen standen auf einer Brükke; aus jedem Munde dampfte der narkotische Qualm, der ihre Zunge zu lösen schien. Sie wogen Krieg und Frieden ab. Das Schiksal von Polen wurde durch ihr Urtheil entschieden. Sie liessen Franzosen, Spanier und Engelländer marschieren. Kurz! es waren politische Kannengiesser, Faullenzer, die hier halbe Tage mit faulen Gesprächen verschwendeten, und mitlerweile zu Hause Frau und Kinder darben liessen. Leute, die ihren Beruf vernachlässigen, und sich einen Beruf anmassen, dazu sie weder Einsicht, noch Kräfte haben, sind in der Republik weit schädlicher, als offenbare Räuber, denen man mit Gewalt Einhalt thun kan. Diese aber sind wie die Pest, die im Finstern schleicht. – Ich hatte bisher verschiedene Auftritte gesehen, die mir zu mancherlei Betrachtungen Anlas gaben. Nun aber hörte ich ganz andere Stimmen; Stimmen, die alles erschütterten, und mich anmahnten, nach Hause zu eilen. Es war die majestätische Sprache des Donners, der sich x schon von ferne hören lies. Ich hörte ihn reden, den Gott der Ehre, und er fuhr schon auf den Fittigen des Windes daher. Dunkel war sein Gezelt, und die zükkenden Blizze warf sein Bxx Bogen umher. Eine bange Stille verbreitete sich um mich her. Der vor wenig Augenblikken so laut ertönende Wald verstumte. Jedes Geschöpf fühlte die Fusstapfen des Hern, der der den Tag in Nacht verwandelte, und seine schrökliche Strahlen leuchten lies. Ich zitterte vor seiner Majestät; aber kindlich liebte ich, und xx betete ihn an, den Gott der Götter, der in Wettern dennoch Erbarmung und Segen austheilet. Ich sang das Klop=
 
 
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stokkische Lied vom Gewitter, und gieng frölich nach Hause. Vielleicht ist es weniger bekant. Vielleicht erwekt es in manchen, zur Zeit des eines Gewitters, ganz andere Gedanken, als er bisher gehabt hat. Es verdient gemeinnüzziger gemacht zu werden. Hier ist es das Gedicht, welches allein seinen Meister unsterblich machen konte.
 
 
  Ia-01-1778-0230
Nicht in den Ocean
Der Welten alle
Wil ich mich stürzen!
Nicht schweben, wo die Erschaffenen,
Wo die Jubelchöre der Söhne des Lichts
Anbeten, tief anbeten,
Und in Entzükkung vergehn.
Nur um den Tropfen am Eimer,
Um die Erde nur will ich schweben,
Und anbeten!
Hallelujah! Hallelujah!
Auch der Tropfen am Eimer
Ran aus der Hand des Almächtigen.
Da aus der Hand des Almächtigen
Die grössern Erden quollen;
Da die Ströme des Lichts
Rauschten, und Orionen wurden;
Da ran der Tropfen
Aus der Hand des Almächtigen.
Wer sind die tausendmal Tausend
Die Myriadenmal hundert tausend,
Die den Tropfen bewohnen,
Und bewohnten?
Wer bin ich?
 
 
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Hallelujah! dem Schaffenden!
Mehr, als die Erden, die quollen,
Mehr, als die Orionen,
Die aus den Strahlen zusammenströmten.
Aber du Frühlingswürmchen,
Das grünlich golden,
Neben mir spielt!
Du lebst;
Und bist vielleicht –
Nicht unsterblich!
Ich bin herausgegangen
Anzubeten
Und ich weine!
Vergieb! Vergieb dem Endlichen
Auch diese Thränen!
O! du, der sein wird!
Du wirst sie alle mir enthüllen,
Diese Zweifel alle –
O! du, der mich durchs dunkle Thal
Des Todes führen wird!
Dann werd' ich es wissen,
Ob das goldne Würmchen
Eine Seele hatte.
Warest du nur gebildeter Staub
Würmchen! so werde denn
Wieder verfliegender Staub!
Oder, was sonst der Ewige wil –
Ergeus von neuem, du mein Auge
Freudenthränen!
Du meine Harfe
Preise den Hern!
 
 
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Umwunden, wieder von Palmen umwunden
Ist meine Harfe!
Ich singe dem Hern.
Hier steh ich!
Rund um mich ist alles Almacht;
Ist alles Wunder!
Mit tiefster Ehrfurcht
Schau ich die Schöpfung an
Denn du
Namenlosenster! Du
Erschufest sie.
Lüfte, die um mich wehen,
Und süsse Kühlungen
Auf mein glüendes Angesicht giessen
Euch, wunderbare Lüfte
Sendet der Herr, der Unendliche.
Aber jezt werden sie stil –
Kaum athmen sie –
Die Morgensonne wird schwül,
Wolken strömen herauf,
Das ist sichtbar, der Ewige!
Der komt
Nun fliegen, und wirbeln, und rauschen die Winde!
Wie beugt sich der bebende Wald!
Wie hebt sich der Strom!
Sichtbar, wie du es Sterblichen sein kanst,
Ja! das bist du, sichtbar, Unendlicher!
Der Wald neigt sich -
Der Strom flieht!
Und ich falle nicht auf mein Angesicht?
Herr, Herr, Gott! barmherzig und gnädig,
Du Naher!
Erbarm dich meiner!
 
 
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Zürnest du, Herr, weil Nacht dein Gewand ist?
Diese Nacht ist der Segen der Erde,
Du zürnest nicht, Vater!
Sie komt, Erfrischung auszuschütten
Über den stärkenden Halm,
Über die Herzerfreuende Traube,
Vater, du zürnest nicht!
Alles ist stille vor dir, du Naher!
Ringsum ist alles stille –
Auch das goldne Würmchen merkt auf,
Ist es vielleicht nicht Seelenlos?
Ist es unsterblich?
Ach! vermögt' ich dich, Herr, wie ich wünschte zu preisen!
Immer herlicher offenbarst du dich:
Immer dunkler, Herr! wird die Nacht um dich.
Und voller Segen.
Seht ihr den Zeugen des Nahen, den zükkenden Bliz!
Hört ihr den Donner Jehovah!
Hört ihr ihn –
Hört ihr ihn
Den erschütternden Donner des Hern?
Herr, Herr Gott, barmherzig und gnädig,
Angebetet, gepriesen
Sei dein herlicher Name!
Und die Gewitterwinde? Sie tragen den Donner,
Wie sie rauschen, wie sie die Wälder durchrauschen!
Und nun schweigen sie – majestätischer
Wandeln die Wolken herauf.
Seht ihr den neuen Zeugen des Nahen,
Seht ihr den fliehenden Bliz?
 
 
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Hört ihr, hoch in den Wolken den Donner des Hern?
Er ruft: Jehovah!
Jehovah! Jehovah!
Und der gesplitterte Wald dampft. –
Aber nicht unsere Hütte!
Unser Vater gebot
Seinem Verderber
Vor unsrer Hütte vorüber zu gehen.
Ach! schon rauschet, schon rauschet
Himmel und Erde von gnädigem Regen.
Nun ist, wie dürstete sie? die Erd erquikt,
Und der Himmel der Fülle des Segens entladen.
Siehe, nun komt Jehovah nicht mehr im Wetter
In stillem sanften Säuseln
Komt Jehovah,
Und unter ihm neigt sich der Bogen des Friedens."
– – Pag. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29.
 
 
  Ia-01-1778-0231
3)
 
 
  Ia-01-1778-0232
"Auf eine Hyacinthenflor im Sch. Garten zu Q."
"Ich sah im Mai des Frühlings Pracht;
Aurorens güldenes Gewand umflos die grünen Hügel;
Ich sah der Göttin majestätisch Bild im Spiegel
Von jeder Quell', und sprach: Wie schön, Natur, bist du!
Ich sah den Segen, der auf Fluren lacht;
Der Wiesen erstes Grün,
Narcissen, Tausendschön, Jasmin,
Mit buntem Klee vermischt, mit Rosen, Violetten,
Auf den Zephyre sich mit jungen Amors betten,
Und sprach: wie reich, Natur, bis du!
Da führte mich zum Sch–schen Garten
Die Hand der Blumengöttin hin.
Hier sah' ich tausendfache Arten
Prachtvoller Hyacinthen blühn.
 
 
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Welch Meisterstük, rief ich, läst sich von dir nicht hoffen,
Erhabene Natur, du hast dich übertroffen! –"
Pag. 31.
 
 
  Ia-01-1778-0233
4)
 
 
  Ia-01-1778-0234
"Herausforderungslied eines russischen Grenadirs an seinen Feind."
"Heraus, verwegner Muselman,
Heraus ins ofne Feld!
Kum! Dreimal hundert tausend Man
Sind lange keine Welt.
Und eine Welt zu schlagen, steht
Der Rux Rus auf seiner Huth.
Kalt ist die Gegend wo er geht,
Warm ist sein Heldenbluth.
Zwar unser Schöpfer lebt nicht mehr:
Er ruhet grosse Ruh;
Im Sternenglanze wandelt er,
Und winket Muth uns zu.
Doch Mutter Katharina lebt,
Die ohne Schwerdt und Huth
Nach grossen Männerthaten strebt,
Und mehr, als Peter, x thut."
Pag. 78.
 
 
  Ia-01-1778-0235
5)
 
 
  Ia-01-1778-0236
"Der Unterschied."
"Du weigerst, Mädchen, mir den Tanz.
Herodias, denkst du, verlohr den Ehrenkranz.
Gut! Hast du aber nicht gelesen,
Daß sie ausnehmend schön gewesen?"
Pag. 78.
 
 
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  Ia-01-1778-0237
6)
 
 
  Ia-01-1778-0238
"Hannibal und Antiochus."
Antiochus.
"Sieh', Hannibal, mein Heer! kaum ists zu übersehen.
Wie glänzt nicht überal der Reichthum und die Pracht!
Kein König hat wol je solch Heer ins Feld gebracht.
Sag an, ist es genug, dem Feind zu widerstehen?
Hannibal.
Genug, Monarch, als König dich zu zeigen:
Doch wisse dieses auch: der Geiz ist Römern eigen."
Pag. 149.
 
 
  Ia-01-1778-0239
7)
 
 
  Ia-01-1778-0240
"Marull."
"Marull weis Ökonom zu sein;
Er hasset alle Prasser.
Als Gast verlang er immer Wein; –
Zu Hause trinkt er Wasser. -"
Pag. 150.
 
 
  Ia-01-1778-0241
8)
 
 
  Ia-01-1778-0242
"Der Bescheid."
"Wilst du der deutsche Bako werden?
Ein Cherbury, ein Milton? Nein! –
Auch Yorik nicht, und Diderot? auf Erden
Gepriesen, so wie sie, zu sein? –
Nein! Nein!
Nichts will ich werden;
Nur was ich bin, ganz sein. – – "
Pag. 174.
 
 
  Ia-01-1778-0243
9)
 
 
  Ia-01-1778-0244
"Der Schulze in der Schenke."
"Wie eitel ist doch Fleis und Müh;
Mir stirbt jetzt alles Vieh.
Die besten Rinder, Schaaf und Küh
Sind todt.
Auch uns starb manch Stük Vieh –
So sprach ein Greis, doch sieh!
Nur unser Stier –
die Schenke schrie:
 
 
Manuskriptseite 150.
 
   
Nur unser Schulze – nie."
Pag. 190.
 
 
  Ia-01-1778-0245
10)
 
 
  Ia-01-1778-0246
"Posthumus."
"Wenn Posthumus, nach altem Brauch,
Am Abend brav getrunken:
Alsdann verspricht auf Morgen früh,
Er alles; hält es aber nie.
O, tränk' er doch des Morgends auch! – "
Pag. 222.
 
 
  Ia-01-1778-0247
11)
 
 
  Ia-01-1778-0248
"Auf den neugierigen Purzel."
"Herr Purzel eilt, um auszugehn,
Ein Bär und Affe sind zu sehn.
Der Thor! Er hat ja schon zu Hause ganz genau
Von beiden die Kopie, vom Affen in dem Spiegel, –
Vom Bär in – seiner Frau. – "
Pag. 223.
 
 
  Ia-01-1778-0249
12)
 
 
  Ia-01-1778-0250
"Grabschrift des Porkus."
"Wanderer! unter diesem Steine
Liegt der Leib, und die Gebeine
Des feisten Porkus begraben.
Frägst du nach seiner Seele:
So wiß' er glaubte keine,
Und schien auch keine zu haben."
Pag. 269.
 
 
  Ia-01-1778-0251
13)
 
 
  Ia-01-1778-0252
"An einen Schmetterling".
"Kleiner bunter
Schmetterling!
Scherzhaft, munter
Flatterst du
Auf ein kleines Blümchen zu.
Flattern, Närchen,
Flattern, Närchen,
Kanst du wohl;
Aber denken? – Nein
Solten unre süssen Herchen
Wohl vielleicht nur Schmetterlinge,
Und verwünscht durch Feen sein?" –
Pag. 286.
 
 
Manuskriptseite 151.
 
  Ia-01-1778-0253
XVII.
 
 
  Ia-01-1778-0254
Die Stimme des Hirten. Vertraute Reden eines Pfarhern an seine Pfarkinder. Auf alle Sontage im Jahre. Vom Hern Reguis, d. Z. Pfarhern des Kirchsprengels zu Gap. Non ut confundam vos haec scribo, sed ut filios carissimos moneo. 1. Cor. 4, 14. Aus dem Französischen übersezt. Zweite Sontagspredigten. Erster Theil. Leipzig und Wien, verlegts Johan Paul Kraus, Buchhändler in Wien, 1774.
 
 
  Ia-01-1778-0255
1) Vom Menschen.
 
 
  Ia-01-1778-0256
"Ob ihr reich, oder arm, von vornehmen oder geringen Herkommen, über x...x andere erhaben, oder unter alle herunter gesezt seid; ob ihr das Ansehen, Ehre und Ehrenstellen, oder nichts von dem allen habet, und in der Dunkelheit, Vergessenheit und Verachtung der Menschen lebet; ob ihr Herr oder Knecht seid, in einem Pallaste, oder in einer schlechten Hütte wohnet; kostbare Kleider traget, oder mit Lumpen bedekket seid; ob ihr einen Überflus an Gütern habet, oder vor Hunger sterbet; ob ihr gesund oder krank seid, von Ergözlichkeiten berauschet, oder vom Schmerze und Betrübnisse zu Boden geschlagen werdet; mit einem Worte, euer Zustand, euer Schiksal, euer Theil {mag} auf der Welt mag auf der Welt beschaffen sein, wie er wil, alles dieses ändert an eurer Natur nichts; ihr seid deswegen weder mehr, noch weniger ein Mensch, das heist, ein mit Vernunft und Verstand begabtes Geschöpf; das übrige ist etwas fremdes, und gehöret euch nicht zu. Eure Seele mag sich immerhin an die Güter dieser Welt hängen; diese Güter sind nicht was ihr seid. Eure Herschaften, eure Heerden, eure euer Amt,
 
 
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euer Ansehen sind nicht, das was ihr seid. Die Kostbarkeit, oder die Armseeligkeit eures Hauses, eurer Kleider, eures Hausgeräthes, eures Tisches, ist nicht, was ihr seid. Die Lobsprüche, die man euch xx ertheilet; die Ehrenbezeigungen, die man euch erweiset; Die Ergözlichkeiten, die euch umgeben, sind nicht, was ihr seid. Das Elend, welches euch zu Boden schlägt; der Verdrus, der euch das Herz abnagt; die Verachtung, die man gegen euch an den Tag legt; die Schimpfworte, die man gegen euch ausstösset; die Schmerzen, die euch quälen und martern; alles dieses, alles dieses ist nicht, was ihr seid; und so lange ihr die Augen nur auf diese Dinge richtet, werdet ihr euch selbst niemals kennen lernen. Als ihr auf die Welt kamet, waret ihr ein vernünftiges Geschöpf, und weiter nichts. Wenn ihr wieder aus der Welt gehet, werdet ihr ein vernünftiges Geschöpf, und weiter nichts sein. Ihr seid nakkend aus dem Schoosse der Erde, unserer algemeinen Mutter, gekommen, und ihr werdet auch wiederum nakkend und von allem ent entblösset in dieselbe zurük kehren. Wenn ihr euch also recht wollet kennen lernen; so müsset ihr zuvörderst die Augen vor allem denjenigen verschliessen, was euch umgiebt, ihr möget davon gerühret werden, auf was für eine Art ihr immer wollet. Alsdenn müsset ihr eure Blikke auf die vernünftige Seele richten, die euch von den ver unvernünftigen Thieren unterscheidet, und auf alles übrige weiter nicht nicht Acht haben, alls daß ihr untersuchet, ob ihr es gebrauchet, wie es ein vernünftiges Geschöpf gebrauchen sol. – Wenn wir nun nur einigermassen über die Kräfte unserer Seele nachdenken wollen, so werden wir gar bald gewahr werden, daß der Mensch wirklich das Bild Gottes ist. Wir werden in unserer Vernunft das Bild und gleichsam einen Strahl von seinem Lichte antreffen. Der Mensch ist mit einer Weisheit, einer Vorsichtigkeit, einer Gerechtigkeit, einer Gütigkeit und einer Macht begabet, die von niemand anders, als von Gott, herkommen können, und welche augenscheinlich x...x eine Mittheilung
 
 
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seiner Weisheit, seiner Vorsehung, seiner Gerechtigkeit, seiner Güte und seiner ewigen Macht sind. Stehet hier einen Augenblik stille, meine Brüder, und sehet also, was der Mensch ist. Er denket; dieses ist nicht genug; er denket über seine Gedanken nach, er betrachtet sie, erwäget sie, verbindet sie, ordnet sie, und siehet die Verhältnisse ein, die sie s mit einander haben. Sein Gedanke fleugt, so zu sagen, in einem Augenblikke, von einem Ende des Erdbodens bis an das andere. Er durchwandert die Himmel, und mist ihren Umfang. Er begiebt sich in die Tiefen Abgründe, des Meeres, und erforschet seine Tiefe. Er gehet zurük, und siehet das Vergangene, als ob es gegenwärtig wäre. Er betrachtet, vermöge seiner Vorhersehung und seiner richtigen Muthmassungen, das Zukünftige. Das, was in den Wahrheiten der Natur am verborgensten ist, aufsuchen, herausbringen und entdekken; das, was in den Wahrheiten der Sittenlehre am volkommensten und erhabensten ist, einsehen und begreifen; unzählige Bücher von allerlei Materien herausgeben, vermehren und häuffen; was ist denn also dieser Verstand, der alles kennen und einsehen wil? diese Flamme, welche ausbricht, sich x erhebt, sich ausbreitet, und durch alles hindurchdringen wil? Kan man wohl das Bild des allerhöchsten Wesens daran verkennen, dessen ewiger Blik auf einmal siehet, was gewesen, was ist, was sein und nicht sein wird, was werden und nicht werden kan? Verbindet mit der Einsicht und Scharfsichtigkeit des menschlichen Verstandes seine weisen Betrachtungen, die Klugheit, die er so wohl in seinem eigenen Verhalten, als in dem Verhalten anderer, an den Tag legt. Leset, ich wil nicht sagen, was der der heilige Geist dem Salomo von den Grundsäzzen der wahren Weisheit eingegeben hat; sondern was die Heiden vermittelst des blossen Lichtes der x Vernunft davon entdekt, was sie gedacht, und was sie ihre Schüler gelehret haben. Stellet euch hierauf x einen von den Männern vor, die sich durch eine volkommene
 
 
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Klugheit bekant gemacht haben, oder noch bekannt machen, eine Klugheit, die aus ihren Handlungen, aus ihren Worten, aus ihrem {Verhalten, und aus ihrem} ganzen äusserlichen Betragen hervorleuchtet. Eine Klugheit, welche ihre Art mit ihren Freunden, ihren Feinden, den Fremden, ihren Anverwandten, ihren Vorgesezten, ihren Untergebenen, in der Freude, in der Traurigkeit, bei den verschiedenen Umständen und mannigfaltigen Begebenheiten des Lebens zu reden und zu handeln einrichtet. Eine Klugheit, eine Weisheit, die aus ihren Augen herausleuchtet, die auf ihren Lippen ruhet, die man ihnen an der Stirne ansiehet, und welche, wie der heil. Geist sagt, auf ihrem Gesichte zu leuchten und sich über dasselbe ausbreiten scheinet: Sapientia hominis lucet in vultu eius. Ist dieses nicht ein Strahl von der tiefen Weisheit, die in Gott ist, und von welcher wir in allen seinen Werken so liebenswürdige so rührende Spuren x und Merkmaale antreffen? – Aus was für einer Quelle hat der Mensch geschöpfet? Wer hat ihm die Grundsäzze der Gerechtigkeit bekant gemacht, auf welchen alles beruhet, was wahr, gut, nüzlich, heilig und ehrwürdig in den Gesezzen ist, welche die Menschen gemacht haben, die Pflichten des bürger bürgerlichen Lebens einzurichten, einen jeden bei seinen Rechten, und die Ordnung in der algemeinen und in einer jeden besondern Geselschaft zu erhalten; um einem jeden zu geben, was ihm gehört, die einen zu belohnen, die andern zu bestrafen; alle Stände in Bewegung zu sezzen, und den Gang aller Glieder, aus welchen sie bestehen, einzurichten? Woher hat der Mensch die innere Empfindung, x vermöge welcher er das, was gut ist, von dem, was böse ist; das, was recht und billig ist, von dem, was es nicht ist, unterscheidet? Woher hat er das Gewissen, welches bei gewissen Gelegenheiten schreiet und sich empöret, bei andern hingegen sich freuet, und ein geheimes Vergnügen empfindet, wenn es auch gleich keinen andern Zeugen seiner Tugend, als sich selbst hat? Ist die Gerechtigkeit der W Menschen nicht augenscheinlich das Bild der Gerechtigkeit
 
 
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Gottes? Und machen uns die innere Zufriedenheit, die Ruhe und die Freude eines reinen Gewissens nicht wenigstens einen schwachen Begrif von der Ruhe und höchsten Glükseligkeit, die du, o unendlich volkommenes Wesen, in Betrachtung deiner selbst findest? – Aber die Güte des Herzens, die einen rechtschaffenen Man so liebenswürdig, und allen denen, die sich ihm nähern, die von ihm abhängen, von welcher er abhängt, oder die mit ihm zu thun haben, so schäzbar macht; die Güte welche macht, daß er es einmal wie das andere fühlet und empfindet, es mag seinem Nächsten wol oder übel gehen; die sich mit den einen freuet, mit den andern betrübet, und an eines jeden seinem Gükke oder Unglükke Theil nimt. Die Güte, die alles leidet, alles vergiebet, und von keiner Rache weis; welche die Feinde, wie die Freunde umarmet, das Andenken einer Beleidigung nur deswegen beibehält, damit das innere Vergnügen desto länger dauern möge, welches sie empfand, als sie dieselbe vergab. Die Güte, welche, indem sie allen alles wird, die Grossen gegen die Kleinen so gespräch macht, sich erniedriget, sich zu ihnen neiget, und sich, so zu sagen, von ihnen x anbeten läst? Was ist diese Güte? Wie ist sie in das menschliche Herz gekommen, wenn das menschliche Herz nicht das Gepräge der gutthätigen Hand an sich hat, die es bildete, die es, wenn ich mich so ausdrükken darf, mit einigen Tropfen aus der unendlichen Quelle von Güte einmachte, die sich über alle Wesen ausbreitet, die alle Menschen in ihr Herz einschliesset, die die Sonne über den Bösen, wie über Guten aufgehen läst, und welche eine jede lebendige Seele mit ihrem Seegen erfüllet? Hierzu sezzet nun noch, meine Brüder, die Macht und Gewalt, die Herschaft, die der Mensch nicht nur über seinen eigenen Leib ausübet, welcher gleichsam eine Art von einer kleinen Welt ist, deren Geschöpfe er verschiedene Theile er nach seinem Gefallen ausübet beweget und regieret; sondern auch über alle Geschöpfe, die zu seinen Diensten stehen. Er vereiniget sie, trennet sie, erhebet sie, erniedriget sie, vermehret und ver=
 
 
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mindert sie; er sorget für ihre Erhaltung, er befördert ihre Vermehrung; er bringet zusammen, er theilet, er löset auf, er v versteinert, er verhärtet, er erweichet. Wie viel vxxs verschiedene Gestalten giebt er ihnen nicht? Mit was für einer wunderbaren Veränderung verbindet er nicht die einen xxx d mit den andern, damit sie zu seinen Bedürfnissen, oder zu seinem Vergnügen dienen können? Wir haben Nahrung und Speise, wir haben Wohnungen und Kleider, wir machen die finstere Nacht helle. Wo kömt alles dieses her? Aus der Erde, die alles hx...xor hervor bringet. Aber wie viele Gestalten bekommen nicht diese Früchte und Gewächse unter unsern Händen Sind sie kentlich? Und giebt es deren nicht eine unzählige Menge, deren sich die mehresten Menschen bedienen, ohne zu wissen, wie sie die Gestalt bekommen haben, in welcher sie ihnen so nüzlich oder so angenehm zu sein scheinen? Wir wollen uns nicht in eine Weitläuftigkeit einlassen, bei der wir kein Ende finden würden. Lasset uns bei demjenigen stehen bleiben, was am gemeinsten ist. Betrachtet das Zimmerholz, die Fusböden, und das Geräthe eures Hauses. Erkennet ihr wohl die die Bäume daran, unter deren Schatten ihr ehemals sasset? Sehet diesen schönen Stof, der einem bunten Blumenbeete gleichet. Erkennet ihr wohl den unmerklichen Faden, den ihr eine ekkelhafte Raupe habet von sich geben, in dem weissen und feinen Chorhemde, welches ihr mich tragen sehet? Erkennet ihr wohl an den Blättern dieses Buchs, welches ihr xx in euren Händen habet, die grobe leinene oder hänfene Pflanze, die ihr jährlich auf euren Feldern bauet und einsamlet? Erkennet ihr wohl an den Kleidern, mit welchen ihr vom Kopfe an bis auf die Füsse bedekt seid, die Wolle oder das Fel der Thiere, die ihr habet sehen sehen gebohren werden, die ihr gefüttert und aufgezogen habet, und welche nur um eurentwillen leben und sterben? Ja, o mein Gott! die Geschiklichkeit, die Stärke und der Fleis, die du den Menschen verliehen hast, sind wirklich das Bild von der Macht, die alles aus nichts gemacht hat, und es scheinet, als ob du, um dieses Bild noch in die Augen fallender
 
 
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zu machen, uns erlaubt hättest, dxx dir es zuvor zu thun, und dich in der Schönheit deiner eigenen Werke zu übertreffen. Wir wollen uns izzo einmal vorstellen, meine Brüder, und einen Augenblik sezzen, es befände sich alles, was in der mensch menschlichen Natur und Vernunft recht, gut, gros, schön, liebenswürdig oder vortreflich ist, in einem Menschen beisammen, welcher alles, was die Weisheit tiefes und verborgenes, die Wissenschaften klares und deutliches, die Künste seltenes, die Gerechtigkeit heiliges, und die Gütigkeit rührendes hat, in sich versxh vereiniget; kurz einen Menschen, der alle Tugenden, alle Wissenschaften und Talente besizt: Wxx Wer wird nicht mit dem heiligen Augustinus (über den 8 Psalm) ausrufen: O Mensch! du bist ein vortrefliches Werk! das Meisterstük des Schöpfers und sein vorzügliches Werk! – Leset in der alten und neuen Geschichte das Leben der berühmten Personen, welche die Bewunderung ihrer Zeiten gewesen sind, und deren Leben der Menschheit so viel Ehre gemacht hat. Was für edle und erhabene Gedanken! welche Grösse der Seele! welche Grosmuth! welche Gütigkeit! welches Herz! Sind dieses nicht gleichsam lauter Strahlen von dem Lichte, welches der Hauch des Schöpfers über den Verstand und in dem Herzen des Menschen ausgebreitet hat? Kostbares Licht von dessen Glanze, wie ein gewisser Prophet sagt, man den Wiederschein so gar auf unserem Gesichte wahrnimt: Signatum est super nos lumen vultus tui. Giebt dieses Gesicht, auf welchem sich die Bewegungen unserer Seele abmalen, und gleichsam als in einem Spiegel erscheinen; geben diese Augen, welche sich, zur Zeit der Freude oder des Betrübnisses von Natur zum H Himmel erheben; giebt dieser Mund, der sich bei gewissen Gelegenheiten von sich selbst aufthut, um unsern gemeinschaftlichen Vater anzurufen; giebt alles dieses nicht ein Geschöpf zu erkennen, das vom Himmel herab gekommen ist, und dessen lezter Zwek du allein, o mein Gott! bist, gleichwie du allein sein Anfang bist? Beweiset
 
 
Manuskriptseite 158.
 
   
aber die Geschäftigkeit des Geistes, dessen ausgebreiteste Kentnisse nur die Neugierigkeit vermehren; der das, was er weis, in Vergleichung mit dem, was er gern noch wissen möchte, für nichts hält; und der weite Umfang des Herzens, welches sich erweitert und ausbreitet, nach dem es sich genug zu thun glaubt; beweisen sie, sage ich, nicht, daß unser Geist eben so wohl, als unser Herz, etwas unendliches nöthig hat, um so wohl den einen, als das andere, volkommen zu vergnügen? Ist die Mühe, die wir uns geben, die Wahrheit zu suchen, oder das Glük zu finden, nicht der unaufhörlichen Bewegung einer starken Flamme gleich, die sich erhebt, und ihren Mittelpunkt zu erreichen sucht? Der Mittelpunkt des menschlichen Verstandes ist also eine ewige Wahrheit? und der Mittelpunkt des menschlichen Herzens ein unendliches Gut? Es haben also der Verstand und das Herz des Menschen, das heist seine Seele, die Gotheit zum Mittelpunkte? Sie ist also von ihr losgerissen? Sie ist also von ihr ausgegangen? Sie ist also gleichsam ihr Hauch? und wenn ich mich hier des Ausdruks eines heidnischen Schriftstellers bedienen darf, unsere Seele ist also gewissermassen ein Theil von der Gotheit selbst? – –" Pag. 69. 70. 71. 72. 73. 74. 75. 76. 77. 78. 79.
 
 
  Ia-01-1778-0257
2) Ein rührendes Gebet!
 
 
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"O mein Gott! was ist das nicht für eine schändliche und abscheuliche Undankbarkeit! Mein Verstand, mein Herz, meine Gesundheit, meine Stärke, meine Talente, mein Fleis, meine Güter, alles, was ich besizze, ich selbst, alles, was ich bin; alles dieses kömt von dir; und ich gebrauche alles dieses wider dich. Ich mag mich wenden und sehen, wohin ich nur wx...x wil , über und unter mir, zur Rechten und zur Linken, in und ausser mir, allenthalben treffe ich dein Werk und deine Wohlthaten an; und in deinem Werke, und d in deinen Wohlthaten finde ich allent=
 
 
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halben die Werkzeuge meiner Übelthaten, meines Stolzes, und meiner Eitelkeit, meines Geizes und meiner Raubereien, meiner Ehrsucht, meiner Rache, meines liederlichen und ruchlosen Lebens, meiner Irthümer und meines Unglaubens. Ich beleidige dich täglich, und indem ich dich beleidige, bescheinet mich die Sonne, die Finsternisse der Nacht verbergen mich; die Erde trägt und hält mich; die Luft umgiebt mich, ich schlukke sie ein, du lässest es zu, und alles dieses geschiehet auf deinen Befehl. Mein Verstand siehet das Böse, und findet ein Vergnügen daran; mein Wille erwählet es, und mein Herz hängt sich daran. Sie rufen die Gliedmassen meines Leibes zu Hülfe, und diese Augen, diese Ohren, dieser Mund, diese Zunge, diese Füsse, diese Hände, alle diese Glieder, die du mit so vieler Weisheit und Gütigkeit gebildet hast, kommen auf Befehl meiner Seele, und helfen ihr dich schmähen und lästern; ist wohl jemals eine solche Undankbarkeit und Bosheit gefunden worden? Ach! Herr, wenn ich noch nicht in den Abgrund der Blindheit und Bosheit gerathen bin, in welchem der Sünder weiter nichts thut, als daß er deine strengen Gerichte verachtet, und über deine Drohungen spottet; so siehe meine Seele, welche dein Bild ist, mit barmherzigen Augen an, und reiche ihr die gutthätige und väterliche Hand, deren Werk sie ist, und las an ihr die Züge der Gerechtigkeit, der Wahrheit und Güte wieder aufleben, welche du ihr eindrüktest, als du sie bildetest, und welche ich fast ganz ausgelöschet, indem ich Unglükseeliger mich in dem Kothe und Unflathe dieser elenden Welt herumgewälzet habe. Las mich endlich den Adel dieser Seele einsehen, las mich ihre Würde in Ehren halten, und gieb, daß ich das götliche und ewige Orginal, nach welchem sie ist gebildet worden, niemals aus den Augen lasse. Du, grosser Gott, bist der unveränderliche Mittelpunkt, von welchem sie ausgegangen ist, nach welchem sie trachten, und zu welchem sie sich aus allen ihren Kräften erheben sol. Möchte sie doch diesen elenden Leib nur verlassen, um hinweg zu eilen, und sich glüklicher Weise in dem Schoose deiner unendlichen Barmherzigkeit zu verliehren. – – –" Pag. 95. 96. 97.
 
 
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3) Strafen! –
 
 
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"Geizhals, Geizhals, samle, häufe über einander, mache deine Kästen vol; kaufe aber auch Jahre, und stirb niemals. Ehrsüchtiger, erhebe dich; erhebe dich aber, und sezze dich über den Tod. Las ihn zu deinen Befehlen stehen; las ihn deiner Tage schonen, und sich nicht daran vergreifen. Unzüchtiger, werde ux...xixhx trunken in Ergözlichkeiten: mache aber auch dein Fleisch unverweslich; mache, daß es nicht abzehret, und nicht alt wird. Behalte die ganze Munterkeit deiner Jugend beisammen, und das Blut, welches heute in deinen Adern schlägt, müsse niemals stil stehen. Wenn aber alles dieses unmöglich ist; wenn wir mit aller Gewalt zu dem Hause der Ewigkeit hingerissen werden; wenn es nicht in unserer Macht und Gewalt stehet, immer zu leben, auch nicht einmal lange zu leben; wenn wir nur über die Erde hingehen, als Wandersleute, welche fortgehen, um nicht wiederzukommen; ach! meine Brüder, meine geliebten Brüder, so sind wir nicht wol bxi bei Sinnen, und Thoren, daß wir auf derselben leben, und unser Herz an sie hängen, wie wir es zu thun pflegen." – Pag. 171.
 
 
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XVIII.
 
 
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Algemeine deutsche Bibliothek. Des drei und dreissigsten Bandes erstes Stük. Berlin und Stettin, verlegts Friedrich Nikolai. 1778.
 
 
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1) Vom Teufel.
 
 
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"Wir werden je länger, je mehr überzeugt, daß man Kindern entweder nichts von dxx den besondern Umständen des Fals Adams sagen, oder wenn das geschehen sol, sie dieselben lieber mit Mosis eigenen Worten, der nichts vom Teufel weis, lesen lassen müsse. Wie lange wil man denn noch zur Schande unserer Vernunft
 
 
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und, wir wollens {nur} gerade heraussagen, wies uns vorkömt, zur Beschimpfung der Macht, Weisheit und Güte Gottes, den Teufel seine bisherige Rolle in der Theologie fortspielen lassen? In der Theologie, sagen wir, denn ausser derselben hat er längst sein Ansehen verlohren." – Pag. 70.
 
 
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2) Eine Erklärung und Erinnerung.
 
 
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Überaus richtig erinnert der V. bei den Worten unsers Hern, Joh. 14, 14. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, (d. h. für mich, zur Ausbreitung meiner Religion, K. 15, 21.) das wil Ich thun: "Diese Zusage der Wunderkraft ist blos den Aposteln gegeben. Mit diesen redet ihr {hier} Jesus. Und die Wundergaben sollen nur so lange dauern, bis die christliche Religion gegründet worden. Eph. 4, 11 – 13." Ganz natürlich müssen in einem an Apostel ergehenden Unterrichte manche, ja wohl meistens, Lehren vorkommen, die ihre eigenthümliche Bestimmung, Beruf, Amt ausschliessungsweise betreffen, nicht die Algemeinheit der Menschen zugleich bezielen, und so in diesem Gespräche, der lezten, von dem, seinem Tode entgegen gehenden, Lehrer seinen zurükbleibenden zwölf Schülern ertheilten Instruktion. –" Pag. 75.
 
 
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3) Von der Genugthuung Jesu. (Deutlicher: wider die Genugthuung.)
 
 
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"Welcher Antagonist jener Lehre (der Genugthuung) hat diesen lezten Saz (daß die Güte die Sünden nicht ungestraft läst) geläugnet? Wo ist aber die Ungestraftheit? Werden die Sünder nicht gestrafet? Wem sollte nicht bei genauer Beobachtung das mannichfache Unangenehme und Schmerzhafte, welches der Sünder in Absicht auf seinen äusserlichen, besonders aber innerlichen Zustand, hier auf Erden empfinden mus, zu allen Zeiten merkbar sein, der Strafen nach dem Tod nicht zu gedenken? Zu was sol also die Genugthuung, da der Sünder ohnedem x...x schon für seine Sünden gestraft wird? –" Pag. 76.
 
 
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4) Vom Zustande des Judas Ischarioth in der Ewigkeit.
 
 
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"Es läst sich freilich sagen, Judas hätte des in ihm aufsteigenden Gedankens, des Selbstmordes, sich entschlagen, vom Geize sich losmachen, den Tugendeifer verdoppeln, durch Lehre und Beispiel Viele zu Jesu Religion bekehren, zur Glükseeligkeit führen sollen, pp. so würden ihm "Vergebung und Gnade bei Gott u. dgl. m. gewis, unbetrüglich gewis" gewesen sein. Es dürfte aber auch, von der andern Seite, etwan folgendes zu erinnern sein: sein Kummer über jenen Schrit gegen Jesum, der sich, unter andern, durch die Zurükgabe der 30 Silberlinge, und die dabei g ausgesprochenen Worte äusserte, wuchs almählig so an, daß er den Eingang, oder Eindruk, jener Überlegungen gehindert; Judas schämte sich vor Andern, besonders vor seinen Mitaposteln, so sehr, ihre Blikke waren für ihn eben so viele, und so schmerzhafte Vorwürfe, daß er diesen zu entgehen selbst sich das Leben verkürzet; wo sich aber solche Reue offenbart: da ist an keine Verwerfung, keine Verdammung von Seiten Gottes zu gedenken, wiewohl jener allemal durch solchen Selbstmord seine Glükseeligkeit nach dem Tode etwas beschränkt hat. pp. Diesem sei nun so, oder anders: dem Judas die Seeligkeit abzusprechen, – eine dem Menschen in Ansehung seines Mitknechts überhaupt nicht zustehende Sache: – dazu liefert unsere einzige Quelle, die h. Geschichte, da sie z. B. sein Verhalten nach jenem Verrathe nicht ausführlich vorlegt, uns keine hinlänglichen Data; dazu berechtigen selbst die Worte Jesu: es wäre ihm besser pp. (Matth. 26, 24.) gar nicht. Lasset uns nicht vor der Zeit richten, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rath der Herzen offenbaren, – vielmehr das endliche Schiksal jenes Gesandten Jesu, demjenigen überlassen, vor dem der ganze Mensch offen liegt, welcher kent, was für ein Gemächte wir sind, nicht ungötlich, nicht ungerecht handelt, der Nahe
 
 
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ist bei denen, die zerbrochenes Herzens sind; der nicht ewiglich verstösset, nicht immer hadert, noch ewiglich Zorn hält, – der die Liebe ist, und bleibt. – –" Pag. 78. 79.
 
 
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5) Abermal vom Teufel.
 
 
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"In der Einleitung zeigt der ungenante V., daß 2 Petr. 2, 4 und Br. Jud. v. 6 unter ???e???? ?µa?t. nicht Engel zu verstehen seien, sondern Gesandte, oder Boten, – die Männer nämlich, die aus der Wüste Pharan gesandt wurden, um das Land Kanaan zu besehen, welches Gott den Kindern Israel versprochen hatte. Diese sündigten; denn bei ihrer Rükkunft statteten sie dem Volke einen bösen und übertriebenen Bericht ab, wodurch das Herz desselben verzagt, und sie abgeschrekt wurden, dem Hern zu folgen, der ihnen die Verheissung gegeben hatte. 4 B. Mos. Kap. 13. 14. Häupter und Vorsteher in ihren Stämmen, zu denen sie gehörten, wachten sie nicht gehörig über ihr Fürstenthum, über diejenigen, die sich unter ihrer Botmässigkeit befanden, waren sie nicht geschäftig und besorgt genug, sie auf dem rechten Wege – standhaft bei dem Hern – zu erhalten. Sie ermunterten sie auch nicht, und führten sie nicht weiter zu dem versprochenen Besizze; xx sie ja sie verliessen im Gegentheile sogar ihre angewiesene Stelle; denn sie weigerten sich schlechterdings, an der Spizze ihres Volks hinauszuziehen, so wie es doch ihre Pflicht gewesen wäre. se??a?? ??f?? ta?t. – desµ??? ??d???? ?p? ??f?? txt??. – ??? ???s?? pp. bezeichnet die Finsternis des Unglaubens und Mistrauens, in welcher ihre Herzen gehalten wurden, bis zu dem Gerichte des grossen Tages, wo der Herr das Urtheil über sie aussprach, und sie durch die Plage vor ihm starben. 4 B. Mos. 14, 36 f.; an das künftige Weltgerichte zu denken, erlaubt der Zusammenhang nicht. – Was der V. in der Untersuchung über die Stellen A. T. 1 Chron. 21, 1. Hiob Kap. 1. 2. Ps. 109, 6 und Zach. 3, 1. 2. – denn auf diese schränkt er sich gegenwärtig
 
 
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ein, vorträgt: komt auf folgendes hinaus. Der Sin der Worte 1 Chron. 21, 1. vergl. 2 Sam. 24, 1. ist dieser. Ein Gegner, ein Feind, vielleicht mehrere, aus der Nachbarschaft, erhub sich, bedrohete den David, und sein Volk, mit Krieg. Natürlich muste hierdurch der Gedanke bei ihm entstehen, sein Volk zu zählen, damit er seine Stärke wissen, und versichert sein möchte, was er bei dieser Gelegenheit für eine Macht ins Feld bringen könte. Es geschieht zwar des Feindes, oder Gegners David's keine besondere Erwähnung. Aber dies beweiset Nichts; die Geschichte von David's Feinden, Kriegen, Gefechten pp. würde ein Buch ausgemacht haben, das weit grösser, als die Bibel ganze Bibel geworden wäre. – Die ganze Vorstellung Hiob 1. 2. ist eine Fiktion des V. dieses Buchs. Die Söhne Gottes, oder seine Engel oder Gesandten, stellen die Verehrer des einigen wahren Gottes vor, und Satan ist der Repräsentant ihrer Widersacher. Beide Partheien werden vor das Angesicht Gottes gebracht, um uns zu belehren, daß seine Vorsehung anordne, und warum und was sie anordne. Durch das kurze Gespräch werden wir untterrichtet, daß Gott seinen Knecht den Trübsalen übergab, um die Widersacher oder den Satan zu überzeugen und zu bekehren. Die Widersacher in diesem Falle waren die Sabäer und Chaldäer, um derentwillen die Blizze und die Winde Hiobs Widersacher, und er selbst mit bösen Schwären geschlagen wurde. Dem Repräsentanten der Widersacher werden also alle diese Mächte anvertraut – theils, weil sie die Veranlassung waren, daß diese Mächte gegen Hiob etwas vermochten, und theils, weil diese Mächte in der That gegen Hiob Satan, d. i. Widersacher wurden, und, wenn auch keine andre Widersacher Einflus gehabt hätten, so wäre es zierlich und gar nicht unschiklich gewesen, ihnen einen handelnden Repräsentanten zu geben. Es ist weiter Nichts, als eine – bei den besten alten und neuern Schriftstellern gewöhnliche – Personifikation lebloser und verborgener Kräfte. – Ps. 109, 6 ist Satan der Widersacher entweder ein Verfolger, oder welches wahrscheinlicher ist, ein Ankläger; denn die rechte Hand Hand des Beklagten war die Stelle des Klägers.
 
 
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Zachar. 3, 1. 2 ist unter dem Satan Thatnai, der der Stathalter disseits des Stromes heist, Schetharbosnai und ihre Räthe, (vermuthlich die untergeordneten Landpfleger, die in Gemeinschaft mit handelten ihnen handelten) zu verstehen; diese widerstunden dem Josua im Tempelbau, und sandten eine Klage gegen ihn und sein Volk an den König Darius (Efr. 5, 3 f.) – waren also in der That Satan gegen Josua und sein Volk Israel." – Pag. 89. 90. 91.
 
 
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6) Von den Empfindungen.
 
 
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"Wir empfinden durch die Sinne. Dieses geschieht vermöge einer Berührung und gewissen Stimmung der Nerven. Die Erschütterung der sinlichen Nerven erregt in Zasern des Gehirns eine harmonische Stimmung oder Erschütterung. Hieraus entsteht die Vorstellung. Gesezt nun, die Stimmung der Hirnzasern harmonirte nicht verhältnismässig mit jener der Nervenzasern: so giebt es falsche Vorstellung, Irresein: so wie es unordentliche Empfindungen giebt, wenn die Erschütterung der Nervenzasern mit nicht mit der erschütternden Ursache im Verhältnisse ist, wenn sie geringer, heftiger oder anders ward, als sie vermöge der Berührung hätte geschehen sollen. Bei unordentlichen Empfindungen werden wir sagen: die Nervenzasern waren mehr oder weniger beweglich; sie waren gehindert, gedrükt, in einer falschen Lage, oder alzu reizbar; kurz, es lag ein Fehler in den Zasern der Nerven. Bei unordentlichen Vorstellungen werden wir sagen müssen: es hat ein Fehler in den Zasern des Gehirns gelegen. Was also die Hirnzasern unbeweglich, alzu beweglich, nur nach einer Seite biegsam, oder in einer anhaltenden gewissen unordentlichen Bewegung erhalten könte, das würde Gelegenheit zum Wahnsinne geben. Denn so, wie die erste Vorstellung, welche auf Empfindung folgte, in einer gewissen Stimmung der Hirnzasern lag, eben so wird auch die Erinnerung, das Nachdenken, u. dgl. (welches nichts als erneuerte Vorstellungen sind,) in einer wieder erneuerten schiklichen Stellung der Zasern gegründet sein." – Pag. 145.
 
 
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7) Das Grab!
 
 
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"Als du gesäet wurdest, du heiliger Eichbaum! als du noch nicht dich aus dem Schoosse des Laubes keimend hervordrängtest und befruchtende Säfte noch ungesehen für Menschen deine herliche Entwikkelung bearbeiteten; als in finstrer Stille unten in der Erde alle deine x...x Kräfte j izt zum Rauschen und zur Verbreitung edler Schauer geschaffen sich im Kleinen von einander sonderten, da warst du ganz ein Bild meines Aufenthaltes im Grabe. – Einst, wenn die Sommernächte ihren Thau über meinen Hügel strömen, und die Winternächte Reif über ihn hinstreuen, wenn man die leise Stimme in hxhxx hohen durchweheten Rasen höret, oder ein einförmiges Schweigen von der Schneewolke niedersinkt; wenn die Biene Dank an meinem Grabe für die gefundene Blume singt, oder die Lerche, eine Priesterin Gottes, über meinem Hügel, wenn er am Frühlingsmorgen dampfet, Hymnen unter die Wolken versendet; dann nimt in ihren dunklen Schoos die sterbliche Erde alle ihre Uxx Unvolkommenheiten, die sie meinem ersten Körper liehe, zurük, und indes alles, was an ihm Staub ist ist, wieder zum Staube zurükkehret, und der Verwesung sein unerlasbares, aber nur einmal gefordertes Opfer bringt; indes alles Vergängliche meines ersten Wesens wieder zu der Mutter übergehet, zur neuen Schöpfung sich verwandeln sol; da eilen indessen über mir hin die mannigfaltigen Perioden von Zeiten und Leben. –" Pag. 157.
 
 
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8) Von der Nonexistenz des Teufels.
 
 
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"Jesus trieb den Teufel aus, heist also nach der original Bibelsprache, er gab den Rasenden die gesunde Vernunft, er heilte epileptische Zufälle, u. s. f. Luk. 10, 8. sagt Jesus: Ich sah wohl den Satan wie einen Bliz vom Himmel fallen, d. i. Ich sah im Geiste, wie durch er mich und
 
 
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meine Lehre die bisherige vermeinte Macht des Teufels, die im Aberglauben, Unglauben, und herschenden Lastern besteht, auf einmal aufhören, und in sehr kurzer Zeit von ihrer Höhe herunter gestürzet werde. Luc. 22. Simon, Simon sieh, der Satan hat euer begehret, u. s. f. heist so viel als: Simon! es steht dir eine schwere Versuchung bevor. Wegen des Satans Engels 2 Kor. 12, 7. wird das Tellerische Wörterbuch angepriesen: Fleisch und Blut im Gegensazze gegen die Fürsten Fürsten und Gewaltigen pp. Eph. 6, 12 sind nach dem Sprachgebrauch des Apostels, geringe Menschen gegen die Fürsten und Gewaltigen der Heiden, von denen die ersten Christen so sehr gedrükt wurden. Der Fürst, der in der Luft herschet, ist Eph. 2, 2. nach dem Kontexte eine mächtig herschende oder dichte Finsternis, oder, wenn der Tropus weg ist, Unglauben, Unwissenheit, herschende Laster." Pag. 196. 197.
 
 
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"Was Moses 1 B. 3. von der Schlange als einer Verführerin zur Sünde saget, das wäre uneigentlich und bildlich, nach Masgebung der angegebenen Umstände zu verstehen. Der Sündenfal ist auch ohne Teufel begreiflich. Moses saget nirgends, daß ein böser Geist unter der Schlange verstanden werden müsse: es sagt dies auch kein anderer Prophet, nur die Juden verbanden einen bösen Geist mit der Schlange in den spätern Zeiten, wo sie x...x von dem heidnischen System schon angestekt waren. Im Buch Hiob ward des Satans als eines neidischen und boshaften Feindes, als eines Verläumders und Anklägers der Frommen, gedacht, ohne daß ein Wort von seiner Natur gesagt wird. Wie nun das Buch Hiob mehr ein Gedicht als eine Geschichte ist, so wäre der Hiobische Teufel, höchstens ein poetischer Teufel. Im 1 Buche der Könige Kap. 22, 21. 22. ist der Geist ein Gesicht, das Micha hatte, und beweiset nur, daß die Propheten, denen Achab traute, nicht aus götlicher Eingebung redeten. Ein
 
 
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Gesicht wäre aber nur eine bildliche Vorstellung. Eben so ists im Zacharia Kap. 3, 2. Die Egyptischen Zauberer und die Hern zu Endor würden nirgends für Wirkung eines bösen Geistes erklärt; Sauls Unruhe und Schwermüthigkeit noch weniger. 1. Sam. 29, 4. und das 1 Buch der Chron. 21, 1. beweise klar, daß Satan jeden Widersacher, und nicht einen von den Menschen verschiedenen bösen Geist bedeute. Psalm 109, 6. bedeute Satan eben dies; und Psalm 106, 37. wäre es dem von dem Gözzen zu verstehen; S. 39 wird umständlich gezeigt, wie die heidnische Teufelshierarchie unter dem obersten Pluto zu den Juden übergieng, und eine jüdische Teufelshierarchie unter dem Beelzebub wurde. Was Christus unter dem Worte Satan verstund, zeigt sich Matth. 16, 23. Mark. 13, 33. wo er zu Petro sagte: Satan! (d. i. Verführer,) hebe dich von mir, du meinst nicht, was götlich, sondern was menschlich ist. Zum Judas sagte er Joh. 6, 70. Einer unter euch ist ein Teufel, (d. i. ein Verräther, ein böser Mensch,) u. s. f.. Die Versuchung Christi Matth. 4, Mark. 1, und Luk. 4, war nach des Verf. Meinung vielmehr ein Gesicht, als eine wirkliche Begebenheit, und wirklich fallen da die meisten Schwierigkeiten und Widersprüche weg, wenn man diese Auslegung annimt, die, wenn alle drei Evangelisten zusammen genommen werden, auch vielen Grund hat, und der Würde Christi angemesner ist; denn ganz unsinnig ist es, wenn buchstäblich angenommen würde, daß der Teufel Jesum mit sich durch die Luft wegführt, auf die Zinne des Tempels, oder auf einen hohen Berg geführt hätte. Und wo ist denn der hohe Berg, auf welchem man alle Reiche der Welt mit einem Blikke übersehen kan? Alle Schwierigkeiten fallen bei keiner Auslegung ganz weg. Wenn man also einmal nicht buchstäblich auslegen kan, so wähle man lieber diejenige Erklärung, die minder Schwierigkeiten hat. Nimt man das jüdische
 
 
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Teufelssystem zum Grunde der Erklärung: so sind die Schwierigkeiten weit grösser, der Bibelsprache, und selbst der Vernunft widersprechender, der Würde und der Lehre Jesu unwürdiger, u. s. f. Überhaupt sind die Worte Satan und Teufel in allen Stellen des N. T. ein Bild und der Name alles Bösen, böser Menschen, der Verfolger, der Feinde und Lästerer der Wahrheit und ihrer Bekenner, und bezeichnen das alles, was Wahrheit und Gutes hindert; Zerrüttung aber und Böses veranlast oder befördert. – – Pag. 300. 301.
 
 
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XIX.
 
 
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Algemeine theologische Bibliothek. Neunter Band. Mietau, bei Jakob Friedrich Hinz, 1778.
 
 
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1) Die Stimme der Weisheit.
 
 
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"Fange frühe an, für Gott und für die Ewigkeit zu leben, damit, wenn du von der Welt abgerufen wirst, du zu deinem Sterben desto geschikter sein mögest: – Thue nichts, als was du sterbend wünschen wirst gethan zu haben. – Vollende deinen Beruf mit so beständiger als gewissenhafter Treue. Wisse, daß ein früher Tod, wenn man darzu bereitet ist, ein um so grösserer Gewin sei. – Tadle also nicht deinen Schöpfer, wenn er dein Leben bald wid wieder zurük fodert. – Berichtige die Angelegenheiten dieses Lebens in Zeiten, damit du in den lezten Augenblikken desselben deinen Geist desto mehr zu einem seeligen Sterben samlen könnest. – Stirb mit einem liebreichen und versöhnlichen Herzen gegen alle Menschen, vornehmlich aber gegen deine Feinde. – Gewöhn dich beständig daran, Gott und die künftige Welt in einem erfreulichen Lichte zu betrachten, daß du auf jenen deine
 
 
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Zuversicht sezzen darfst, und diese dein bester Trost sein könne, wenn nun alles Irdische dich verläst, und alles um dich her finster wird. – Und wenn endlich der Tod für dich da ist, so demüthige dich unter die Hand Gottes, und verlas mit der tröstlichen Zuversicht die Welt, daß der Herr an dich denkt, daß du mit deinem Jesu verherlicht sein werdest. –" Pag. 198. 199.
 
 
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2) Von den physischen Übeln {in} dieser Welt.
 
 
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"Der erste Saz ist der: Viele Dinge, die wir Übel nennen, sind blosse, nothwendige Einschränkungen unsrer Natur und unsrer Kräfte. – Hieher UnwissenheitIrthum, – Mangel und Abnahmx Abnahme der Kräfte und natürliche Schwachheit. – – –"
 
 
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"Bei dem Irthum, worüber wir Menschen manchmal als über eine Einschränkung unserer Natur klagen, sollten wir überdem noch allemal bedenken, daß nur sehr selten unsre Irthümer Total= sondern fast allemal Partial=Irthümer sind. – Daß ein jeder Irthum, als Irthum (auf unsre einmalige Lage Rüksicht genommen) eine gewisse Beruhigung gebe, und daß er also in dieser Absicht allemal etwas Gutes habe, und also nicht ganz Übel seie, daß wir Menschen öfters mit gutem Willen gewissen einzelnen Irthümern, oft auch einer ganzen Art derselben nachhängen, weil wir sie für das System unsrer Wünsche, Neigungen, Projekte, Hofnungen u. dgl. bequem finden. –"
 
 
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"Der zweite: Viele Dinge, die wir Übel nennen, und die auch in gewisser Absicht diesen Namen verdienen, sind nichts anders, als heilsame Warnungen vor weit grössern Übeln. – Auch im Schmerze selbst liegt etwas
 
 
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angenehmes. Dies haben vielleicht die Alten auch nur gemeint. Besonders wenn der, der den Schmerz fühlt oder ausstehet, auf die Folge sieht, die ihn von demselben befreien wird. So hatte Sokrates eine innige Wollust, sich an dem Ort jukken zu können, wo vorhero die Ketten gesessen hatten. Besonders wird dies sichtbar, sobald der Schmerz vorüber ist, und man also in den Stand gesezt wird, über den vorigen und den gegenwärtigen Zustand reiflich nachdenken, und sie beide gegen einander halten zu können.
 
 
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Vortreflich beantwortet Hr. Z. den Einwurf, daß es manchen Schmerz gebe, der den Körper zerstöhre, oder doch zerstöhren helfe – hier ist die Antwort:
 
 
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Freilich giebt es auch Schmerzen, unter welchen der Mensch erliegt, die seinen Körper zerstöhren helfen, und die also nicht mehr blxse blose Warnungen sein können. Aber gemeiniglich ist unser Ungehorsam gegen vorhergegangene gelindere, sanftere Warnungen, und also unser eigenes fehlerhaftes Verhalten, Schuld daran; und über Übel, die wir uns selbst zuziehen, dürfen wir uns doch nicht als über erlittenes Unrecht beklagen! Giebt es aber seltene Fälle, wo den Menschen solche zerstöhrende Schmerzen ohne alle seine Schuld treffen, so gehören sie zu denjenigen Übeln, ohne deren Möglichkeit wir tausend schäzbare Vortheile entbehren müsten, oder die uns in der Tugend üben, und der geistigen Volkommenheit näher bringen sollen: ein doppelter wichtiger Gesichtspunkt, aus welchem wir die natürlichen Übel bei einer andern Gelegenheit betrachten werden." –
 
 
  Ia-01-1778-0290
Der dritte: Viele Dinge, die wir Übel nennen, sind Mittel zu überwiegenden Vortheilen, oder Bedingungen und Gründe, ohne welche wir dieser Vortheile entbehren müsten. –
 
 
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  Ia-01-1778-0291
Der vierte: Viele andere Dinge sind blos nothwendige Veranlassungen und Antriebe zur Entwiklung und Äusrung unsrer Kräfte.
 
 
  Ia-01-1778-0292
Der fünfte: Noch andere sollen unsre moralische Besserung befördern, und uns in der Tugend üben. –
 
 
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Der sechste: Viele Übel sind nothwendige und unvermeidliche Folgen der Verhältnisse, in welchen die äusseren Dinge gegen uns, und wir gegen sie stehen. –
 
 
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Der siebende: Der Mensch ist selbst der Urheber der meisten und peinlichen Übel, die ihn hier treffen, und die übrigen würden ihm auch weit leichter und erträglicher sein, wenn sein Verhalten weiser und besser wäre. –
 
 
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Der achte: Selbst der Tod, ist das grosse Übel nicht, wofür er so oft gehalten wird. – – " Pag. 241. 243. 244. 245.
 
 
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3) Von der Endlichkeit der Höllenstrafen.
 
 
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"Übrigens scheint der Hr. Z. (Zollikofer) auch für die Endlichkeit der Höllenstrafen zu sein, wie es denn wohl auch nicht anders sein kan. "Früher oder später, sagt er S. 81, wird sich Gott seiner ganzen Schöpfung als die Liebe offenbaren –" Dergleichen Meinungen stellen Gott so vor, wie er wirklich ist, als einen gnädigen und nachsichtsvollen Vater aller Menschen und der ganzen Schöpfung, der aus keiner andern Absicht straft, als um uns Menschen zu bessern, und auf den rechten Weg der Tugend und Gottesfurcht zurükzuführen. –" Pag. 247.
 
 
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4) Moral und Dogmatik. –
 
 
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"Die Trennung der Moral von Dogmatik – wovon man lange nach Luthers Zeiten noch nichts wuste, bedauerte er (G. T. Zacharias) auch sehr und hatte noch immer im Sin, diese beiden Glieder einer unzertrenlichen Einheit – (denn Glauben und Thun heist Christenreligion, das Jesus und seine Apostel nie getrent lehrten,) zu Einem Ganzen in Einem aneinanderhängenden Vorlesungslaufe wieder zu vereinigen. Daher sagte er auch, die ewig misverstandenen, und mehrentheils übel beantworteten Fragen izziger Zeit, ob man Dogmatik oder Moral, oder, jene ebenfals auch predigen solle? eben solche windschiefe Fragen, ob man für den Kopf, oder für das Herz predigen solle? Daher – durchs menschliche Scheiden des, was Gott zusammenfügte durch Urbild und Natur der Sache – hat man doch noch x...x andere Stükke des ganzen Menschen abgespaltet – Einbildungskraft – Gewissen – die einige ausschliessend bearbeiten wollen. Die da nun anderseits väterlicher gesinnet sind, glauben auf der Kanzel in der Sphäre wohlerlernter Kompendiendogmatik gewissenhaftiglich bleiben zu müssen. – Predige künftig lauter Bibel, Gottes anschauliche Natur und Menschenherz, Jüngling: so weist du, was du predigen solst, hast unversiegende Quelle, und wirst treffende Pfeile auf den ganzen Sin des Menschen, zu seiner Besserung, abschiessen. –" Pag. 253. 254.
 
 
  Ia-01-1778-0300
5) Von der Auferstehung der Toden.
 
 
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"Die aufmerksame Betrachtung der Natur lehrt uns schon: 1) daß sterben, aufgelöset werden, verwesen, ein Mittel eines zweiten Lebens, einer zweiten Zusammensezzung der Köper Körper sein könne. 2) Daß der der auf diese Art wieder hergestelte Körper von einer ganz andern Art sein,
 
 
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eine ganz andre innere und äussere Beschaffenheit haben könne. Denn, wie verschieden ist die Weizenstaude mit ihren Wurzeln, ihrem Halme, ihren Blättern, ihrer fruchtvollen Ähre, wie verschieden von dem vermoderten Korne, aus dem sie erwachsen ist? Sie ist ja aber doch nichts anders, als das neubelebte, aufx...xte auferwekte, in die Höhe gewachsene Korn. Erst mus ein solches Korn verwesen und sterben, ehe diese Staude entstehen kan. – Und von solchen Beweisen der Macht und des höchsten Verstandes Gottes ist die ganze Natur vol. Sterben und wieder auferstehen – zu diesen beiden Zwekken arbeiten unaufhörlich die regen Kräfte, die Gott in die Natur gelegt hat. Den Frühling insbesondere mag man mit Recht einen angenehmen Prediger der Auferstehung nennen. Da wird wieder lebendig, was todt war; da geschehen tausend und abermal tausend Verwandlungen, die uns Menschen laut genug zuruffen: Betet Gott, den almächtigen Schöpfer, an, und fürchtet Tod und Grab nicht, ihr solt leben, ob ihr gleich sterbet. Wir bemerken dergleichen Verwandlungen insbesondere an einigen Thieren, die durch das Sterben, durch das Verwesen einen weit schönern, feinern Sin, und kraftvolleren Leib wid wieder erhalten, als sie in ihrem ersten Zustande hatten. Sehet zum Beispiele den schönen vielfarbigen, in der Luft flatternden Schmetterling; wie durchaus verschieden ist er von dem kriechenden Wurm, der er zuvor war. Er ist aber doch nichts anders, als eine wieder lebendig gewordne, eine auferstandene Raupe. – Auf dergleichen Erfahrungen, wil der Apostel, sollen wir aufmerksam sein. Er wil auch: wir sollen Acht geben auf die Mannigfaltigkeit der Werke Gottes in der sichtbaren
 
 
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Schöpfung, wie da immer ein Körper vor dem andern an Grösse, Gestalt, inrer und äusrer Bildung verschieden ist, alle aber doch mit der höchsten Weisheit eingerichtet sind. Nicht ist alles Fleisch einerlei Fleisch, schreibt er 1 Kor. XV, 39. sondern andres Fleisch ist der Menschen, ein andres des Viehes, ein andres der Fische, ein andres der Vögel. Und es sind Himlische Körper und irdische Körper. Aber eine andre Herlichkeit haben die Himlischen, und eine andre die irdischen. Aus allem diesen sollen wir nun den Schlus machen, einmal: Natur und Offenbarung, Vernunft und Schrift, nie im Streit, wenn sie recht verstanden werden, führen uns zu einer und derselben Hofnung einer zweiten höhern Art des Lebens; jene, die Natur, durch Winke, die freilich nur der weisere Kenner ihrer Absichten und Ordnungen verstehen kan; diese, die Offenbarung, durch Thaten und Verheissungen Gottes, die dem, der ein Herz hat, ihx ihre Wahrheit und Tröstlichkeit zu empfinden, über seine Bestimmung keinen Zweifel mehr übrig lassen. Dann solten wir aber auch es Gottes Weisheit und Macht zu trauen: Der Leib, den er uns durch die Auferstehung wieder geben wird, werde gewis der Herlichkeit jener Welt auf das volkommenste angemessen sein, werde gerade eine solche Gestalt, solche sinliche Werkzeuge, solche Kräfte und Fähigkeiten haben, als sich für den Himmel, für jenen volkommneren seeligen beständigen Zustand schikken. Fleisch und Blut werde nicht in dieser gegenwärtigen Mischung und Bildung wieder dargestelt werden. Gar verschieden also werde also, seinem Leibe nach, der auferwekte Mensch von dem gestorbenen sein. Übergehen werde er durch den Tod und Auferstehung von einem Zustande der Schwachheit in einen Zustand der Kraft, von einem Zustande enger Einschränkung in einen Zustand herlicher Freiheit, von einem Erdenleben in ein Engelsleben." – Pag. 266. 267. 268. 269.
 
 
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6) Die Erbsünde.
 
 
  Ia-01-1778-0303
"Der Mensch empfängt alle seine erste Kentnis durch die Sinne; die Sinne stellen die Sachen nicht immer richtig vor. Hier entsteht Irthum, Imagination komt dazu; der Irthum bekomt Anstrich der Wahrheit – die Vernunft erwacht nach und nach, sie fängt an zu lallen, die Sinlichkeit schreit, die Vernunft wird stärker. – Hier entsteht der Krieg – der Sieg ist, wenn er gros ist, abwechselnd – der Körper wird in nichtsinlichen Bewegungen immer mehr und mehr geübt – das Blut kälter, langsam gehender – die Nerven stärker, die durch Erfahrung angelehrte Wachsamkeit grösser. Die Vernunft besteigt den Thron. – –" Pag. 280.
 
 
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7) Erklärung des {Worts, Geistes, im} 8ten Kap. an die Römer.
 
 
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"V.1. So ist nun nichts verdamliches an denen, die in Christo Jesu sind. Diejenigen also, welche aufrichtig an Christum glauben, sind von der Herschaft der Sünde frei. Die Herschaft der Sünde wird ?at????µa genent, weil sie die Ursache der Verdammung ist. Daß die Worte, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist, hier am unrechten Orte stehen und aus dem 4ten V. dahin gebracht worden sind, wird aus kritischen Gründen gezeiget.
 
 
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V. 2. Denn das Gesez des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesez der Sünde und des Todes. Denn das geistliche Gesez des Lebens, d. i. die volkommene Lehre der Religion, welche das Evangelium enthält, hat mich von der Herschaft der Sünde, worauf der Tod folget, befreiet.
 
 
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V. 3. Denn das dem Gesez unmöglich war (sinte mal es durch das Fleisch geschwächet ward); das thät Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des
 
 
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sündlichen Fleisches. Denn da es das Gesez, wegen der grösten Verdorbenheit der menschlichen Natur, nicht thun konte, nämlich die Menschen recht zu bessern und glükseelig zu machen; so sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches, der zwar den Menschen in allen Stükken gleich, aber doch ohne alle Sünde war. Und verdamte die Sünde im Fleisch durch Sünde. Und um der Sünde willen, d. i. um uns von der Sünde zu befreien, und verdamte oder zerstörte die in dem Fleisch wohnende Sünde, d. i. Gott nahm der Sünde durch Christum die Macht, ferner über die Menschen zu herschen.
 
 
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V. 4. Auf Auf daß die Gerechtigkeit, vom Gesez erfodert, in uns erfüllet würde, daß wir dasjenige, was das Gesez von uns fodert, leisten möchten, (weil wir nicht mehr durch die Beherschung der Sünde daran gehindert würden werden) die wir nun nicht nach dem Fleisch wandeln, nicht mehr nach den verkehrten Neigungen unser Leben einrichten, sondern nach dem Geist, nach der erleuchteten Einsicht und gebesserten Gesinnung.
 
 
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V. 5. Denn die da fleischlich sind, dx die ihren verkehrten Neigungen folgen, die sind fleischlich gesinnet, sind nur auf nur die Dinge dieser Welt und dasjenige, was die Sinne vergnüget, bedacht: die aber geistlich sind, diejenigen, bei welchen sich diese gebesserte Gemüthsart findet, die sind geistlich gesinnet, richten ihre Gedanken auf G geistliche Dinge, auf die Ausübung der Tugend und Gotseeligkeit.
 
 
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V. 6. Aber fleischlich gesinnet sein, ist der Tod, ist mit lauter Elend verbunden: und geistlich gesinnet sein, ist Leben und Friede, ist die Ursache einer wahren und beständigen Glükseeligkeit.
 
 
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Dasjenige, was Paullus im Anfange dieses Kapitels überhaupt von diesen beiden verschiedenen Arten von Men=
 
 
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schen saget, wendet er vom 9 bis 17 V. auf die Römer an, es behält also das Wort Geist auch hier dieselbe Bedeutung.
 
 
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V. 9. Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich: so anders Gottes Geist in euch wohnet, wofern ihr geistlich gesinnet und so beschaffen seid, wie ich es vorher beschrieben habe. Gottes Geist heist hier so viel als eine Gott wohlgefällige Gesinnung. Wer aber Christus Geist nicht hat, der ist nicht sein, wer nicht eine solche Gesinnung hat, als Christus von den Seinigen verlanget, der ist nicht sein wahrer Jünger und hat an ihm keinen Antheil.
 
 
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V. 10. So aber Christus in euch ist, wenn ihr so gesinnet seid, wie es wahren Christen geziemt: so ist der Leib zwar todt um der Sünde willen, so seid ihr zwar, in Ansehung des Leibes, wegen der Sünde, wie alle Menschen, dem Tode unterworfen, der Geist aber ist das Leben um der Gerechtigkeit Willen, in Ansehung eurer Seele aber, die unsterblich ist, habet ihr {eine} immerwährende Glükseeligkeit als die Frucht eurer Rechtfertigung und als die Belohnung eurer unverfälschten Tugend zu hoffen.
 
 
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V. 11. So nun der Geist des, der Jesum von den Todten auferwekket hat, in euch wohnet, denn wenn ihr in eurer Gesinnung Gott, der Jesum von den Todten auferwekket hat, ähnlich zu werden sucht: so wird auch derselbe, der Christum von den Todten auferwekket hat, eure sterbliche Leibe lebendig machen, um des willen, daß sein Geist in euch wohnet. Euer Leib wird nicht im Tode bleiben, sondern Gott wird ihn auferwekken, weil die Gott wohlgefällige Gesinnung, die sich in euch findet, sich auch durch euren Leib wirksam bewiesen hat. Es findet sich hier eine verschiedene Leseart; denn anstat d?? t?? ????????t?? ??t?? p???µat?? stehet in einigen verschiedenen
 
 
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Handschriften und bei einigen von den ältesten Kirchenvätern, womit auch einige alte Übersezzungen übereinstimmen; d?? t? ????????. ??t?? p???µa. Daß aber die leztere Leseart der andern vorzuziehen sei, wird sehr hier sehr bündig erwiesen. Auch in den folgenden Versen, selbst im 14ten, bedeutet Geist die veränderte und gebesserte Gemüthsart eines Christen. Der knechtliche Geist im 15ten Vers ist eben so viel als eine knechtische Gesinnung und der kindliche Geist e eine kindliche Gesinnung.
 
 
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Wenn es im 16ten Vers heist: derselbige Geist giebt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind, so heist dieses so viel: eben diese gute Gesinnung lehret oder überzeuget uns, daß wir Gottes Kinder sind. S?µµa?t??e?? ist hier gesezt anstat µa?t??e??.
 
 
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Dasjenige, was im 26 und 27sten V. von dem Geist gesaget wird, mus ebenfals von der guten Gemüthsart eines Wiedergebohrnen verstanden werden. Es beziehen sich diese beiden Verse auf den 16ten. Der Geist hilft unserer Schwachheit auf, diese gute Gesinnung Gemüthsart unterstüzzet uns bei unserm Leiden. Denn wir wissen nicht, was wir beten solten, wie sichs gebühret. In diesen Bedrängnissen wissen wir uns nicht zu rathen, und wir getrauen uns nicht, Gott zu bitten, daß er uns daraus errette. Sondern der Geist selbst vertrit uns aufs beste, mit unaussprechlichen Seufzen. Die in uns herschende gute Gesinnung ist gleichsam unser Fürsprecher bei Gott und beweget ihn, daß er sich unser annimt, wenn wir gleich unser Anliegen nicht mit Worten ausdrükken, sondern es bei geheimen Seufzern bewenden lassen. Der aber die Herzen forschet, der weis, was des Geistes Sin sei. Gott sind diese geheime Seufzer nicht verborgen, sondern er erhöret sie: denn er vertrit die Heiligen nach dem, das Gott gefält, diese kindliche Gesinnung ist dem Willen Gottes gemäs und was solche recht=
 
 
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schaffene Christen für sich selbst begehren, bleibt nicht unerhört. Wolte man diese Worte von dem heil. Geist oder von seinen Wirkungen verstehen, so würde im ersten Fal es sehr unschiklich sein, wenn von Gott gesaget würde, er wisse, was des heil. Geistes Sin sei; und im andern Fal würden die Worte: er vertrit die Heiligen nach dem Willen Gottes, anzeigen, daß ein vom heil. Geist in den Gläubigen gewirktes Gebet auch wohl etwas, das dem Willen Gottes nicht gemäs wäre, enthalten könne könte. – Pag. 310. 1 311. 312. 313. 314. 315.
 
 
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8) "Über Wahrheit, Denken und Lehren."
 
 
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"Er bemerket sehr wohl, daß es bei Untersuchung der Wahrheit höchst nöthig sei, immer weiter zu gehen und daß durch nichts unsere zunehmende Erkentnis mehr gehindert werde, als wenn man sich einbildet, die Wahrheit bereits völlig gefunden zu haben, und wenn man unserm Wissen eine gewisse Gränze sezzen wil. Gott hat einem jeden Menschen Verstandeskraft zu denken und Herzensgefühl zu folgen gegeben. Ein jeder kan einsehen, was für Folgen seine Handlungen haben und kan nach und nach seine Fehler verbessern. Wil er in der Erkentnis der Wahrheit und in der Übung des Guten es zu einer grössern Volkommenheit bringen, so mus er vor allen Dingen die Leidenschaften zu beherschen suchen, die das ruhige stille Wandeln zum Tempel der Weisheit unterbrechen. Hier zeiget sich aber ein grosser Unterschied unter den Menschen, in Ansehung der Gemüthsfähigkeiten und der äussern Umstände, welche machen, daß einige eher zum Tempel der Weisheit gelangen, als andere. Es giebt Männer von zwanzig Jahren und Kinder von siebenzig, am Verstande und Herzen. Man kan nicht von allen Menschen einerlei Kentnis erwarten.
 
 
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Die Wahrheit pflegt man einzutheilen in die subjektivische, das ist: die Meinung, die jemand hat, daß eine Sache wahr sei, und in die Objektivische, das ist, wenn unser Urtheil mit der wahren Natur der Sache übereinkömt. Eigentlich ist nur das lezte Wahrheit. Weil aber die Menschen nicht vermögend sind, in allen Fällen ganz richtig zu urtheilen, so ist für sie dasjenige Wahrheit, was sie auf eine dauerhafte Art ruhig und zufrieden macht. Der V. fasset dasjenige, was er von der Wahrheit saget, in folgenden 4 Säzzen zusammen: 1) Eine mit der innern Natur der Dinge völlig übereinstimmende Erkentnis, objektivische Wahrheit, ist bei dem Menschen unmöglich. 2) Selbst die subjektivische Wahrheit, die Urtheile der Menschen über (viele) Dinge, sind verschieden. 3) Alle Kentnisse des Menschen haben auf ihn einen, obwohl nicht gleichen Einflus. 4) Es giebt gewisse algemeine unleugbare praktische Säzze. Dergleichen sind, wie hier behauptet wird: 1) der Saz des Widerspruchs, daß etwas nicht zugleich sein und nicht sein könne. 2) Der Saz von Grund und Folge, daß nichts ohne Grund sein könne, daß nicht ein und derselbe Grund andere Folgen haben könne. 3) Der Saz, daß ein erstes gütiges, weises und höchst mächtiges Wesen sei, und daß dieses Wesen alles glüklich machen könne, wolle und werde. 4) Der Saz, daß mit einer gewissen Art sich zu betragen Gutes, und mit einer andern Böses zusammenhänge, noch ganz unbestimt, mit welcher. Daß diese Säzze algemein unleugbar und praktisch sind, wird sehr gut erwiesen und dasjenige, was zur Erläuterung derselben dienet, hinzugefügt. Frägt man, wie diese Säzze für alle und jede Menschen recht brauchbar zu machen sind? so antwortet der V. man müsse es mit diesen Wahrheiten eben so, wie mit einer Arzenei, wobei man auf die besondere Beschaffenheit des Kranken zu sehen hat, machen. So lange nicht alle Menschen einerlei Verstandeskräfte, einerlei Herzensgefühle, einerlei Körper, durchgängig einerlei Situationen
 
 
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haben, so lange ist es unmöglich, alle auf gleiche Weise mit glüklichem Erfolg zu behandeln. Jesus, der volkommenste Lehrer der Wahrheit hat auch hierin uns das beste Beispiel gegeben, wie man bei dem Unterricht der Menschen in der Religion sich nach ihrer Einsicht und Schwachheit bequemen müsse. Er gab algemeine Regeln des Thuns und Lassens, und überlies die Anwendung derselben eines jeden Gewissen. Er lies ihre unschädliche Irthümer, ihre Kinderspiele stehen; er sagte nicht allen alles. Ehrfurcht vor Gott, Zutrauen und Hofnung zu ihm, Liebe gegen alle Menschen, Einschränkung der Sinlichkeit, ein stilles gelassenes Wesen in allen seinem Thun, und Aufmerksamkeit auf seine jedesmalige Pflicht sind Gegenstände des Unterrichts für alle Menschen in ihrem weitesten Umfange . Das sind die Grade von Kentnis, welchen der gewöhnliche Menschenverstand am nächsten kömt, deren auch Niemand, wenn er glükseelig sein wil, entbehren kan; ein jeder, dem dies gesagt wird, sieht ein, daß es gut ist, er fühlt es, die Erfahrung bestätigt es ihm. Man mus sich hierbei sorgfältig hüten, daß man bei dem Menschen keine widersprechende Vorstellungen von Gott, seinen Pflichten und Erwartungen errege, und daß man ihm nicht, um Irthümer willen, Gottes Strafen androhe. Da fast nie jeder Staat, vermöge der verschiedenen Erziehung und Beschaffenheit seiner Bürger, ein im Ganzen zwar den übrigen ähnliches, aber doch in besondern Stükken eigenes Religionssystem hat, und es offenbar gefährlich sein würde, hierin plözliche algemeine Änderungen zu machen, insbesondere wenn die Meinungen und Gedanken, woran jemand gewöhnt ist, nicht schädlich xx sind, so giebt der V. die Regel: "Man mus schlechterdings alles Unschädliche stehen lassen und nicht jemanden seine Beruhigungsgründe wegnehmen, solten sie auch unrer Meinung nach wirklich falsch
 
 
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sein. Denn haben wir ihm die genommen und können nichts ihm Genugthuendes an die Stelle sezzen, so haben wir ihm alles genommen." Ob es gleich keine algemeine Religion giebt und geben kan, indem zwar gewisse Grundsäzze algemein aber nicht alle zu gleicher Anwendung für alle sind; so ist doch die christliche Religion von der Art, daß sie, der Erkentnis und den Wünschen aller Menschen entsprechen kan. Man mus sie aber in der Simplicität und Klarheit behalten, in der sie Jesus gelehret hat, nicht mit dem ganzen Wuste menschlicher Erklärungen, Spizfindigkeiten und subtiler Beweise, worüber natürlicher Weise keine Vereinigung möglich ist, weil sie sich zulezt in unendliche Hypothesen und Grillenfängereien auflösen. Wenn der Unterricht zur Besserung, moralischen Ausbildung und zu der dadurch entstehenden Beruhigung der Menschen dx...x {dienen} sol, so hat man dabei nicht nur auf die {Deutlichkeit, sondern auch auf die} Lebhaftigkeit der Begriffe zu sehen. Daher ist es nicht gut, ganz die Gefühle aus dem Unterricht verbannen zu wollen; diejenigen, wovor man warnet, sind falsche Einbildungen, Schwärmereien und selbst eine zu hochgespante richtige Empfindung. Denn sie gebähren Aberglauben, Muthlosigkeit, eingebildete Hofnungen, Krankheiten und nicht selten Verrükkung und einen fürchterlichen Tod. Hieraus folget, daß die Lehrer der Weisheit und Tugend in ihren Vorträgen alles sinlose Geschwäz, welches die Unwissenheit erdacht, die Leidenschaften ernährt und feierliche Koncilien privilegirt haben, und alle unnüzze {Untersuchungen} Untersux...x über Säzze, die von Menschen entweder selbst erfunden, oder doch durch falsche Erklärung entstanden sind, und die nicht vertheidiget werden können, vermeiden müssen. Die theologischen Streitigkeiten sind vornehmlich aus der natürlichen Verschiedenheit der Fähigkeiten, Denkungsarten u.s.w. herzuleiten. Man lies es
 
 
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nicht bei den einfachen Religionssäzzen, welche Jesus vorgetragen hatte, bewenden, sondern verband sie mit verschiedenen Zusäzzen, wovon man meinte, daß sie dazu gehörten. Um die Religionswahrheiten zu erklären, nahm man nicht die eigentliche Philosophie, sondern sein ganzes Unsystem von Grillen, von Einbildungen, Meinungen und Fabeln, welche der Sekte, zu der man sich bekante, eigen waren, zu Hülfe. Man erdachte allerlei Hypothesen, merkte man gar einen Widerspruch, so hies die Sache ein Geheimnis, wolte man dieses angebliche Geheimnis nicht gelten lassen, so wurden Wunder gebraucht, die Sache zu bestätigen; als wenn wxx irgend etwas x eine unglaubliche Sache glaubwürdig machen könte. Das ärgste hierbei ist, daß man oft diejenigen, welche nach unserer Meinung nicht den wahren Glauben haben, verleumdet, ihnen allerlei boshafte Absichten andichtet, sie als gotlose, schädliche Leute, und ihre Meinungen als grundstürzende verderbliche Lehren abmahlen, ihrer Ehre, ihrem zeitlichen Glük zu schaden sucht, kurz, nicht eher ruhet, als bis man sie auf die eine oder andere Art unglüklich gemacht hat. Der V. thut gewisse Vorschläge zur Beilegung dieser unnüzzen Streitigkeiten. Weil es nicht möglich ist, daß wir alle jemals ganz gleichdenkend werden solten, so ist es am rathsamsten, sich einander liebreich und brüderlich zu ertragen und alle Uneinigkeit und Zanksucht zu vermeiden. Er vergleicht die Irthümer mit den Krankheiten des Körpers, bei deren Heilung man die gröste Vorsicht anwenden mus. "Aber in der That, (dies ist die Erinnerung, welche er dabei macht,) meine orthodoxen und heterodoxen Brüder! nicht alles, was wir dafür ansehen, sind
 
 
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bei unserm Nächsten Krankheiten in der Seele, es sind gröstentheils noch nicht völlig aufgewachsene Blumen in ihrx...x in ihrer Erkentnis, Mängel der Ausbildung, oft unschädliche Irthümer auf beiden Seiten, auf der orthodoxen und heterodoxen, unschädliche Wahrheiten, oft aber auch bei den Orthodoxen schädliche Irthümer, und bei den Heterodoxen schädliche Wahrheiten, nicht an sich, aber für x...x manchen in der Anwendung, die er nicht recht zu machen weis." – Pag. 329. 330. 331. 332. 333. 334. 335. 336.
 
 
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9) Denken! – Lehren! –
 
 
  Ia-01-1778-0320
"Wir sind wahrlich dem denkenden Publiko, dem Zweifler auch, Achtung schuldig. Der gemeine Man hört in unsern Tagen eine freiere Sprache. Er horcht. Wir müssen keinen Bruder – auch den schwächsten an Einsicht, nicht gering achten. Ja! wodurch ist er so schwach an Einsichten? Väter und Brüder, denket! –"Pag. 337.
 
 
  Ia-01-1778-0321
"Was hat nun die Welt gewonnen – wie viel ist sie besser geworden, seit dem man so ängstlich Dreieinigkeit – Erbsünde – Teufels Allenthalbenheit – unbiblischen Ausdruk Genugthuung – des heil. Geistes Gottheit – und Jesu höchste Gotheit – allen Menschen beizubringen gesucht? Wie, wenn man unter sich eins würde, in 50 Jahren etwan alle dies wegzulassen? Wie wenn man blos Jesu Lehre nach der Bibel in der künftigen Zeit predigte – und jeder Lehrer so lebte; solte die Jugend nicht besser einschlagen – der Sünder nicht leicht zu gewinnen sein – der Denker länger Zweifler bleiben? Gehe ich zu weit? –" 342.
 
 
  Ia-01-1778-0322
"Ist es christlich – menschenfreundlich, sogleich mit Heterodoxie zu betrüben, zu plagen – wenn man nicht mit dem
 
 
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Katechismo – mit den symbolischen Büchern denket? Kleider haben ihre Moden, verändern sich also. Sind Katechismus und symbolische Bücher unveränderlich? Ist es christlich, von allen, die anders denken, zu behaupten, daß sie das wahre Christenthum ganz verdrängen – ganz umstürzen wollen? Sind Dreieinigkeit – Erbsünde – Genugthuung – zwote – dritte Person in dem einigen götlichen Wesen – pp. das wahre wesentliche Christenthum? Lavater sagt: Die Liebe sieht Böses – glaubt aber doch gute Absichten: der Argwohn sieht Gutes – glaubt doch böse Absichten. Ist es nicht viel gewagt, so gerade zu in die Seele seines anders denkenden Bruders einzusehn – lauter Böses zu sehen – zu richten – zu verdammen? Ist es nicht hart, aus einigen oder allen verdächtig gemachten Kirchen–Meinungen, Absichten, das ganze Christenthum umzustürzen, vermuthen {zu} wollen? Er weis, daß Bahrdt unbeständig – auch wiederruft. Jesus ist menschlich – dies macht seinem Karakter Ehre. Änderte Luther nie etwas von seinen Vorstellungen? Wie, wenn der gx...x grosse Luther in dem Lichte gelebet x...x das dies Jahrhundert der Welt zugeführet? Wie, wenn er erwachte und merkte, daß wir nicht weiter gekommen – daß wir die abhalten, die weiter wollen! würde er nicht ausrufen: O Faule, Furchtsame! – –" Pag. 342. 343. 344.
 
 
  Ia-01-1778-0323
10) Von der Verdorbenheit der Menschen.
 
 
  Ia-01-1778-0324
"Wenn ich x...x nach der Ursache (der Verdorbenheit der Menschen) forsche, so sehe ich wohl ein, weil mein Verstand in den ersten Jahren der Kindheit noch seine Kräfte
 
 
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nicht recht brauchen kan, und noch keine Erfahrung erlangt hat, daß er gar leicht in Irthum gerathen kan. Die Sinne – führen die ersten Begriffe dem Verstande zu, und da er sie noch nicht zu unterscheiden weis, so hält er alles dasjenige für gut, was angenehme Empfindungen in ihm erwekket, und der Wille hat ein Verlangen darnach, – dieses Verlangen wird immer stärker; je mehr die sinlichen Vorstellungen wiederholt und vermehret werden u. s. w. –" Pag. 354. 355.
 
 
  Ia-01-1778-0325
XX.
 
 
  Ia-01-1778-0326
Algemeine theologische Bibliothek. Zehnter Band. Mietau, bei Jakob Friedrich Hinz, 1778.
 
 
  Ia-01-1778-0327
1) Von der Inspiration des N. T.
 
 
  Ia-01-1778-0328
"Wenn jemand Jesum für einen untrüglichen Boten Gottes – und die Lehren, die wir in den Schriften des N. T. antreffen, für Säzze derjenigen Religion hält, die Christus auf götlichen Befehl predigte und den Aposteln zu predigen befahl, so begreifen wir nicht, was die geglaubte oder nicht geglaubte Inspiration für einen Einflus haben könne. Die entstehenden Schwierigkeiten wegen anscheinender Widersprüche müssen alsdann durch eine richtige Schrifterklärung gehoben werden; die blosse Lehre von der Inspiration kan dabei nichts thun. –" Pag. 50.
 
 
  Ia-01-1778-0329
2) x Toleranz! –
 
 
  Ia-01-1778-0330
"Du spöttelst, wenn wir Herdern sanft und prüfend widerlegen: allein, wenn Schönschwäzzer und Gefühlelektrisirer und Belletristengenies Semlern und Tellern zu Religionsleugnern machen, und aus einseitiger x Individuelempfindung das Anathem zu ihrem Glauben sprechen, oder sie der
 
 
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Heuchelei beschuldigen, und dann doch von Freiheit und Toleranz schwazzen, – ach, Brüder! da fliessen Thränen aus der Seele des Redlichen, und er schüttelt den Staub von seinem Kleide, und steht erstaunt über die freche eiserne Stirn der Schaamlosen und – Gott wolle sie bessern! –" Pag. 152. 153.
 
 
  Ia-01-1778-0331
3) Von Opfern.
 
 
  Ia-01-1778-0332
"Hierauf zeigt der V., daß Opfer, welche ohne moralische Gesinnungen gebracht würden, in Gottes Augen keinen Werth haben könten, daß die Opfer immer mit solchen Gebräuchen und Ceremonien begleitet wx...x waren, welche die moralischen Gesinnungen des Herzens deutlich genug bezeichneten. Das Waschen des Opfernden; – das Verbot des Opfertiers mit natürlichen Mängeln, das Auflegen der Hände auf den Kopf des Opferthiers, welches nach dem Philo ein Zeichen der Unschuld, und des reinen Sinnes des Opfernden, nach andern ein Zeichen der Übertragung der Sünde und der Schuld des Menschen auf das Thier sein solte, war nach des Verf. Meinung die Weihung auf dem Altar. Die Bedeutung dieses Symbols sucht er aus den verschiedenen Gelegenheiten, da man sich desselben bediente, z. B. wenn man Gott etwas empfehlen wolte, in Fürbitten für andere, wenn man jemanden geistliche Güter mittheilte u. s. w. zu beweisen; bestätigt sie durch die Fälle, wo diese Ceremonie bei den Opfern nicht gebräuchlich war, z. B. bei den Zehnten der Erstg Erstgeburt (weil diese nicht erst Gott geweihet werden durften, sondern schon durch
 
 
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ein götliches Gesez ein Eigenthum der Priester des Tempels, und daher Gottes waren,) bei dem Pascha, weil es ein Opfer der Geselschaft war, die durch keine Repräsentanten vorgestelt werden durfte. So durfte kein Tauber, kein Wahnwizziger und Minderjähriger, kein Substitut, kein Knecht, kein Eheweib die Hände auflegen, weil derjenige, der das thun wolte, über sein Eigenthum muste disponiren können. Die besondre Absicht des Opfers muste daher noch besonders entweder durch Bekentnis der Sünde, durch Dank, oder Wunschgebeter angezeiget werden.
 
 
  Ia-01-1778-0333
Unter den bedeutenden Gebräuchen der Heiden bei den Opfern, erklärt der Verf. besonders die dreimalige Umwindung des Altars mit weisser Wolle für ein Symbol der Friedfertigkeit und Freundschaft.
 
 
  Ia-01-1778-0334
Die Opfer, fährt er fort, waren überhaupt Bundsgebräuche, Zeichen, daß die Menschen mit Gott in Freundschaft getreten sind; oder, wenn sie durch Übertretung der Bedingungen des Bundes die Freundschaft mit Gott verlezt hatten, so waren sie Zeichen der erneuerten Freundschaft, oder Versöhnung mit Gott. Die Beispiele Isaaks, Abimelechs, Jakobs, Labans, u. s. w. lehren, daß die Alten bei einem jeden Bündnis, das sie aufrichteten, zusammen zu essen und zu trinken pflegten. Eben das ist aus andern Stellen der heil. Schrift, aus dem Homer, und andern Profanskribenten erweislich. Wenn sie also mit Freundschaft stiften oder erneuern wolten, so beobachteten sie dergleichen Ceremonien. Assen die Götter von den Opfern, so war das ein Beweis ihrer Freund=
 
 
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schaft, assen sie nicht davon, so gaben sie ihr Misfallen und ihren Has dadurch zu erkennen. Daher heist in der heil. Schrift Opfer auch Brod oder eine Speise Gottes, 3 B. Mose 21, 6. 8. 17. 21. 22, und das ist nicht blos von dem Speiseopfern zu verstehen. Daher ward bei allen Opfern Salz gebraucht, 3 B. Mos. 2, 13, ein bekantes Sinbild errichteter Freundschaft, und eines geschlossenen Bundes. Daher ward auch fein Mehl und Öhl (die x...x Ingredienzien eines guten Brods, und Brod muste doch bei einer gutbesezten Tafel sein,) geopfert. Weihrauch gehörte nicht zum Opfer selbst, sondern war nur da, um den üblen Geruch, der aus dem Schlachten und Verbrennen so vieler Thiere entstehen muste, zu vertreiben. An Getränken durfte es auch nicht fehlen. Honig ward bei den Juden nicht geopfert, weil weil die Heiden ein so nothwendiges Stük des Opfers daraus machten, und er zur eigentlichen Absicht der Opfer nicht nöthig war. x...x
 
 
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Aus diesem allen scheint dem Verf. zu erhellen, daß die Opfer ihrer eigentlichen Absicht nach nicht die Stelle des Sünders haben vertreten sollen, daß das Leben des Opferthiers nicht anstat des Lebens des Sünders sei hingegeben worden, ohnerachtet man es sich oft so vorgestelt hat. Im A. Test. ward nichts ausdrükliches davon gesagt. Gott forderte nicht in allen Fällen, wo eine Versöhnung geschehen solte, Leben für Leben. Das Speisopfer aus Semmelmehl z. B. war auch eine Versöhnung für Arme, 3 B. Mos. 5, 13. – Wäre bx...x
 
 
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den Opfern die Absicht gewesen, zu wünschen, daß Gott das Leben der Opferthiere stat des Lebens der Sünder annehmen möchte, so wäre lediglich die Abschlachtung derselben nöthig gewesen. Wozu denn alle übrige so sehr häufige Ceremonien? Ferner, schien es beinahe unbegreiflich, daß in den Büchern, die ganz eigenthümlich von der Stiftung und Anordnung der Opfer handeln, und in der Übersezzung dieser Bücher niemals ??t???, a?t???t?a, a?t????a, – x...x äquivalenter Ersaz, Auswechslung, und Stelvertretung genant werden, sondern daß dieser Begrif eines Hingebens des Lebens für Leben nur aus Worten gefolgert werden mus, die ihn nicht nothwendig in sich schliessen. Es werden auch Söhnopfer in Fällen gefordert, wo kein Verbrechen begangen, und also auch kein Tod verwürkt war. Z. B. ein Weib muste nach ihrem Wochenbette, ein Nasiräer, wenn er sich irgend einer unreinen Sache genähert hatte, ein Aussäzziger muste ein Lam zum Opfer bringen, und so muste ihn, wie es dann heisset, der Priester versöhnen. –" Pag. 219. 220. 221. 222. 223.
 
 
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"Die Opfer waren nicht im Stande, Gott zu versöhnen, weil Gott immer derselbe bleibt, und unmöglich die Opfer als für den Opfernden geschlachtet ansehe, oder durch sie zu andern Gesinnungen gebracht werden kan. So kan man sie auch nicht als Strafen oder Bussen ansehen, weil die heilige Schrift davon kein Wort erwähnt erwähnet. – –" Pag. 226.
 
 
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4) Das Schulsystem! –
 
 
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"Dies grosse Verbrechen, daß das Schulsystem ganz von der Bibel abweicht, ist aus einem unrichtigen Verstande der Geschichte des Paradieses und der Stellen Ephes. 4, 22–24. Kol. 3, 8–10 und Röm. 5, entstanden; die apokryphischen Stellen, B. der Weisheit 1, 13.2, 14. und Sir. 25, 32, haben uns dazu verleitet, und das matte Licht der scholastischen Weltweisheit hat es so geschehen lassen. Hauptsächlich aber scheinen dem richtigen Verstande obiger Stellen die Schwierigkeiten im Wege gewesen zu sein, die man sich in der Ursache von der Sünde gemacht hat. Es fiel uns leichter zu sagen: die Sünde hat der Teufel in die Welt gebracht, als: sie ist, da sie doch schon einmal da ist, nach dem ewigen Plane Gottes entstanden. Die Stelle Röm. 5, 12. 13 enthält weiter nichts, als daß der Tod auf die Sünde folge, und Adam in der ewigen und unwandelbaren Ordnung Gottes, der erste Sünder und Sterbliche gewesen sei. –" Pag. 230. 231.
 
 
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5) Von der Heiligkeit Adams und andern Sachen. –
 
 
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"Gott kann den Menschen mit keiner sittlichen Volkommenheit geschaffen haben, weil das Anerschafne etwas natürliches ist, das Sitliche aber aus einer freien Wahl entstehen mus; die Schrift kent den Teufel nicht in der Schlange, wie Moses überhaupt desselben nicht gedenket; sie weis nichts von einem Fal, nichts x...x von Erbsünde als Erbsündenschuld; sie sagt nichts von einem ewigen Leben im Paradiese: also weis sie auch von dessen unglüklichem
 
 
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Verluste nichts, man findet auch nichts darin von einem verlohrnen Ebenbilde Gottes, von einem Kriminalproces, der den beiden ersten Menschen wäre gemacht worden, noch von einem verunglükten Plane Gottes mit der Menschheit und der ganzen Welt; Christus kan nicht dxssx deswegen von Gott gesandt worden sein, um das vom Teufel zerstörte Schöpfungswerk des alweisen und almächtigen Sxhxpfuxgs Schöpfers wieder herzustellen, weil dasselbe nicht verdorben war und Gott selber sagt: siehe, es ist alles sehr gut; wenn es nur darauf ankäme, um seelig zu werden, daß man Christum als den Bürgen für die Sünden der Menschen annehme, so ist die herliche Tugendlehre der Schrift unnüz. – Dieses System macht den Menschen in dem Baue der Rechtschaffenheit fast gänzlich unthätig. Er kan täglich Böses thun, und täglich nur wieder, wie die gewöhnliche Sprache lautet, um Vergebung bitten, um dennoch seelig zu wxxdxx werden. Alles, was man sich hierzu zu wünschen pflegt, ist ein ruhiges und vernünftiges Ende, und, wenn man es stellen kan, unter Singen, Beten und dem Genusse des heiligen Abendmahls. Die Seeligkeit selbst stelt man sich, eben weil der Bau der innern Rechtschaffenheit so sehr verkant wird, als einen Zusta nd, nicht, der uns als tüchtig beschäftigen, sondern uns nur wohlthun werde, und damit als einen ganz unthätigen Zustand vor. –" Pag. 234. 235.
 
 
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6) Von den sinlichen Vergnügungen.
 
 
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"So wenig wir die Auschweifungen unserer thierischen Triebe damit entschuldigen können, daß uns Gott so und nicht anders geschaffen habe, indem wir, als vernünftige
 
 
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Geschöpfe, über das Thierische in uns zu herschen haben; so wenig ziehen wir damit, daß wir sie in ihre gehörigen Schranken sezzen, die Natur so weit aus, daß wir auf der Welt gar kein irdisches Gut besizzen, allem Reize der Sinnen gänzlich entsagen, und gar keine Ehre empfinden wollen: sonst würden wir auch zu leben aufhören müssen. Nein! wir sezzen unsern Trieben nur Maas und Ziel, gx...xs geniessen aus der Hand des Schöpfers die Ergözlichkeiten und Freuden dieses Lebens, um unsern Geist und x...x Körper in Munterkeit zu erhalten; befördern unsern zeitlichen Wohlstand, so viel es rechtmässig und rühmlich geschehen kan, um selbst zu leben, die Unsrigen versorgen und andern Gutes thun zu können; und achten die wahre Ehre hoch, um unsre Würde in Gott heilig zu halten, und um selbiger werth zu sein.–" Pag. 240. 241.
 
 
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7) Wir müssen bei unserer Tugend auch das künftige Leben sehen! –
 
 
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"Wir können aus diesem Leben allein schon genug Bewegungsgründe für die Tugend hernehmen; aber in der Ausübung zeigt uns diese Aussicht gar zu viele Nebenwege, es bleibt immer nur beim Äussern, und die innere Rechtschaffenheit kan zur Noth entbehrt werden. Die algemeinen Begriffe aber, die wir von unserer ewigen Bestimmung haben, sie sagen uns
 
 
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nicht nur, wozu und warum wir hier rechtschaffen werden sollen, sondern sie gestatten uns auch keine andere, als eine innere und auch im Tode unauslöschliche Tugendverfassung unsrer Seele." – Pag. 241.
 
 
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8) x...x Von den götlichen Gnadenwirkungen
 
 
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"Wenn unmittelbare Handlungen von Gott verrichtet würden, so müste sich ein Zeitpunkt denken lassen, da Gott diese Handlung noch nicht hervorgebracht hätte; ein anderer, da er sie hervorbrachte; und wieder ein andrer, da er hervorgebracht hatte. In jedem dieser Zeitpunkte würde in dem Begrif von Gott eine Bestimmung sein, die in dem andern Zeitpunkte nicht stat fände. Dinge, welche verschiedne Bestimmungen haben, sind unter sich selbst verschieden. Folglich müste Gott bei der angenommenen Voraussezzung etwas verschiedenes von dem sein, was er in dem andern wäre. Folglich müste er, wie alle endliche Substanzen, der Veränderung unterworfen sein. –" Pag. 355.
 
 
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XXI.
 
 
  Ia-01-1778-0348
C. F. Gellerts Moralische Vorlesungen. Erster Band. Nach des Verfassers Tode herausgegeben von Johann Adolf Schlegeln und Gottlieb Leberecht Heyern. Neue Ausgabe, mit dem Ehrengedächtnis des Verfassers, von Hern Ernesti vermehrt. Biel, in der Heilmannischen Buchhandlung, 1771.
 
 
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1) Von der Moral, wie sie das Herz bessert.
 
 
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"Die Moral ist, gleich der Sonne, ein Licht, das unsern Geist erleuchtet; sie breitet ihren Glanz über die sitlichen Gegenstände aus, und kläret dem Auge des Menschen die mannichfaltigen Schuldigkeiten und Absichten seines Daseins aus seinen Fähigkeiten und verschiedenen Bestimmungen auf. Allein, sie ist nicht blos ein Licht, das erleuchtet, sie sol auch das Herz beleben. Sie sol den Samen der natürlich guten Neigungen erwärmen, daß er seine Früchte, die Früchte der Tugend und Glükseeligkeit für uns und andre trage. Unser Geschmak am Guten nimt zu, je mehr wir die Schönheit und Götlichkeit der Tugend und ihren wohlthätigen Einflus in alle Vxx Verhältnisse des Lebens kennen lernen. Wir fangen an, das Löbliche, das Rechtschafne und Gesezmässige der Gedanken, Neigungen und Handlungen lebhaft, geschwind und in seinen verschiedenen Graden zu empfinden. Und diese Empfindung, wenn wir sie warten und pflegen, begleitet uns durch alle Umstände des Lebens, ermuntert uns zu unsrer Schuldigkeit, und macht uns sinreich und eifrig, sie auf die beste Art zu beobachten. Diese fortgesezte Beobachtung fliest wieder in unsre Neigung ein, und stärkt sie dankbar mit neuen Kräften. Es wird uns leichter, gut zu sein, xx weil wirs schon oft gewesen sind. Ein geheimes Vergnügen, recht gethan zu haben, breitet sich in unserm Herzen aus, und macht uns muthig, froh für uns, froh für Andre, freudig gegen Gott;
 
 
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denn der Tugendhafte, wie der weiseste König es ausgedrükt hat, ist getrost, wie ein junger Löwe. Dieses stille Vergnügen, der erste Segen der Tugend, durchströmt, gleich einem sanften Bache, das Herz und tränket seine edlen Neigungen; sie schlagen Wurzel und wachsen. So wächst auch der Abscheu gegen das Laster. Wir erkennen seine Häslichkeit, seinen schändlichen Einflus, seinen Streit mit der Vernunft und dem Gesezze Gottes; wir fühlen an unsern eignen Thorheiten und Vergehungen die bestrafende Last des Bösen, und lernen es hassen. Dieser Has begleitet uns in die Versuchungen, und hilft uns siegen. Wir finden an den Beispielen und dem Umgange der Rechtschafnen einen Gefallen; unser Herz eifert ihnen nach, und wird {durch sie} edler. Wir bemerken die Beispiele der Lasterhaften mit Misfallen, unser Herz verschliest sich ihrem Umgange, und schäzt das Gute desto höher. So macht ein glükliches Gemählde der Kunst, das neben einem häslichen aufgestelt ist, unsern Geschmak an dem Schönen nur lebhafter; und das Misfallen an dem Schlechten erhöht die Liebe zu dem Schönen. – Auf diese Weise bildet und bessert die Moral das Herz. –" Pag. 16. 17. 18.
 
 
  Ia-01-1778-0351
2) Das Hauptgesez der Moral.
 
 
  Ia-01-1778-0352
"Thue aus Gehorsam und mit Aufrichtigkeit des Herzens gegen deinen almächtigen Schöpfer und Hern, alles, was den Volkommenheiten Gottes, was deinem eigenen wahren Glükke und der Wohlfahrt deiner Nebenmenschen gemäs ist; und unterlas das Gegentheil. – –" Pag. 20.
 
 
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3) Die höchste Pflicht und das höchste Glük der Seele.
 
 
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"Wir fühlen Neigungen zum Guten, die das Gewissen
 
 
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eingiebt, und die Vernunft rechtfertiget; wir fühlen Neigungen des Herzens zum Bösen, deren Schändlichkeit das Gewissen aussagt, x und die Vernunft durch Gründe erweist. In dem Mangel dieser unerlaubten Neigungen, und in der grössern Anwesenheit der guten, in der Regierung der natürlichen Triebe und Begierden des Willens nach den erkanten götlichen Gesezzen und Absichten, in der Beherrschung unsrer Sinne und Unterdrükkung der Leidenschaften, in dem Bewustsein, daß wir das sind, was wir nach dem Plane und der Anordnung Gottes sein sollen, oder vielmehr, daß wir uns aufrichtig und eifrig bestreben, so gut zu sein, als wir sein sollen; – darinnen mus unsre höchste Pflicht und das höchste Glük der Seele bestehen. –" Pag. 22.
 
 
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4) Ein Beweisgrund für die Tugend.
 
 
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"Der Bösewicht, der diese Güter (die Tugenden) nicht besizt, erklärt sie durch seine Unruhen und schrekkensvollen Empfindungen für die höchsten. Warum zittert er, wenn ihm sein Glük nicht mangelt? Der Gute erklärt sie durch seine Zufriedenheit und ein geheimes Bewustsein für die höchsten. Warum wäre er in ihrem Besizze ruhig, wenn noch grössere Güter für sein Herz vorhanden wären? Unser Gewissen kündiget mit einer unwiderstehlichen Beredsamkeit uns diese Eigenschaften als edel und liebenswürdig, und die entgegen gesezten als schreklich und strafwürdig an. –" Pag. 23.
 
 
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5)
 
 
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Die Tugend! –
"O Jüngling, fas doch diese Lehren,
Jezt ist dein Herz geschikt dazu.
Dem kleinsten Laster vorzuwehren,
Die Tugend ewig zu verehren,
Sei Niemand eifriger, als du.
Durch sie steigst du zum götlichen Geschlechte,
Und ohne sie sind Könige nur Knechte.
Sie macht dir erst des Lebens Anmuth schön.
Sie wird in widrigem Geschikke,
Dich über dein Geschik erhöhn;
Sie wird im lezten Augenblikke,
Wenn alle traurig von dir gehn
In himlischer Gestalt zu deiner Seiten stehn
Und in die Welt der Herlichkeiten
Den Geist, den sie geliebt, begleiten.
Sie wird dein Schmuk vor jenen Geistern sein
Die sich schon auf dein Glük und deinen Umgang freuen
O Mensch, ist dir dies Glük zu klein,
Um strenge gegen dich, um tugendhaft zu sein? – –
Pag. 57. 58.
 
 
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6) Die Freude! –
 
 
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"Einen Gott erkennen, ist der Freude Anfang; einen Gott anbeten, ist der Freude Wachsthum; einen Gott lieben, ist der Freude völlige Reife. –" Pag. 128.
 
 
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  Ia-01-1778-0361
7)
 
 
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Das Schöne der Welt! –
"O wenn nur aller Menschen Ehre
Die Neigung Andre zu erfreun,
Die Zärtlichkeit und x...x Liebe wäre,
Welch Glük wär es, ein Mensch zu sein!
Wenn sie einander froh umfiengen,
Und nie durch Tükke hintergiengen,
Durch Neid und Rachgier nie entstelt;
Wenn niemals andre Thränen flössen,
Als welche Lieb und Dank vergössen,
Wie götlich wäre dann die Welt! –"
Pag. 158.
 
 
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8) Von der Erbsünde. –
 
 
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"Wir sind in den ersten Jahren unsers Lebens beinahe, nichts, als Sin. So lange unsre Vernunft noch nicht erwacht, vertrit die Empfindung die Stelle der Vernunft; und wenn sich diese regt, hat jene schon bei den Meisten ihre Herschaft aufgerichtet. In der Minderjährigkeit des Verstandes, da diejenigen, die für unsre Erziehung zu sorgen haben, unsre Begierden bilden und uns gewöhnen solten, von dx...x mässig und richtig zu empfinden, uns vornehmlich solche Gegenstände zeigen solten, von denen wir einen edlen Eindruk annehmen könten, werden wir vielmehr den Sinnen und ihrer Gewalt überliefert. Die Beispiele unterrichten uns stilschweigend, werden
 
 
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die Philosophie unserer Begierden, und stekken uns mit vielen falschen Begriffen des Vergnügens und Misvergnügens an. Also verstreichen unsere ersten Jahre. Nunmehr wird es uns schwer, Sachen des Verstandes zu denken, da wir so lange nichts als die Gegenstände der Sinne gedacht und empfunden haben. Wir können unsrer Vernunft schwerlich gebieten, wenn wir ihr gebieten solten. Wir wissen die Güte unsrer Empfindungen nicht anders zu bestimmen, als nach dem angenehmen oder widrigen Eindrukke, den die Sinne erreget haben; und angenehme Empfindungen scheinen uns allein gute zu sein. Alle Begierden wachsen dadurch, daß sie oft befriediget worden; und so wächst die Gewalt der Sinlichkeit; das Nachdenken wird uns beschwerlich; und wir urtheilen von dem Werthe oder Unwerthe einer Sache nach dem Auge, dem Ohre, dem Gefühle. –" Pag. 233. 234.
 
 
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XXII.
 
 
  Ia-01-1778-0366
C. F. Gellerts Moralische Vorlesungen. Zweiter Band. Nach des Verfassers Tode herausgegeben von Johann Adolf Schlegeln und Gottlieb Leberecht Heyern. Neue Ausgabe, mit dem Ehrengedächtnis des Verfassers, von Hern Ernesti vermehrt. Biel, in der Heilmannischen Buchhandlung, 1771.
 
 
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1) Betrachtung über die Natur.
 
 
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"Man fange von den leblosen Gegenständen an und sehe, wie immer zwo nächst auf einander folgende Arten von sehr geringem Abstande sind. Endlich steigen sie auf so vielen Staffeln immer höher, daß die obersten leblosen Werke den geringsten unter den organischen Körpern fast gleich kommen. Das Pflanzenreich grenzt an das Steinreich. Man hat die x...x Korallen, als Seegeschöpfe, für wahre Pflanzen gehalten; und die neuern Entdekkungen lehren daß ihre so genante Blume ein wirkliches Thier sei. Von den Thieren steigt die Volkommenheit auf unzähligen Stufen bis zum Menschen, und von ihm, nach den Lehren der Offenbarungen bis zu den höchsten Ordnungen der Geister, der Engel und Erzengel. –" Pag. 435. 436.
 
 
  Ia-01-1778-0369
2) Vom Menschen.
 
 
  Ia-01-1778-0370
"Wie der Mensch das Meisterstük der Schöpfung ist; so ist er auch für den Menschen das wichtigste und lehrreichste Studium. Schon die Wohnung seines Geistes, sein Körper ist eine ganze Welt im Kleinen, eine Welt vol Weisheit und Harmonie. Alle seine Theile sind von der richtigsten und manche von der zartesten und feisnten Zusammenfügung; jedes ist zu seiner Bestimmung, die oft so vielfach ist, besonders eingerichtet; und alle Werkzeuge aller Sinnen, die unter einander so verschieden sind, kommen doch in dem grosen Endzwekke der Erhaltung des Lebens, der Brauchbar=
 
 
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keit zu Geschäften, und des Dienstes, den sie den höhern Kräften x der Seele leisten, zusammen. – Eben der Mund, durch welchen wir die nöthige Nahrung empfangen, eben die Zunge, welche uns hierzu behülfich ist, dienen uns auch die Gedanken unsers Herzens zu offenbaren. Das einzige Werkzeug der Zunge, welcher Inbegrif von Wundern ist es für uns!
 
 
  Ia-01-1778-0371
O Zunge, was nur Geister fassen
Kanst du den Sin doch fühlen lassen,
Durch dich wird der Gedank ein Schal;
Durch süsse Töne kanst du siegen;
in einem Geist herscht das Vergnügen,
Du sprichst: so herscht es überal.
Geheimnis, das kein Wiz ergründet,
Wer hat auf deine Wunder Acht,
Der dich nicht bald, vom Dank entzündet,
Zum Herold deines Schöpfers macht?
Der Mensch hat an seinem Gesichte, diesem zartesten Sinne, den wachsamsten Hüter wider die Gefahren des Lebens; und in der aufgerichteten Bildung seines Leibes hat er Würde und Vorzug vor den Thieren. – Was von seinen Sinnen oder Gliedmassen am nothwendigsten ist, hat ihm die Vorsehung doppelt geschenkt, damit der Verlust des einen ihn nicht so gleich ganz hülflos und zu den Geschäften x und Vergnügungen des geselschaftlichen Lebens unfähig mache. Die Schärfe, Stärke und Fertigkeit dxx
 
 
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seiner Sinne ist genau abgemessen. Wäre sein Gesicht stumpfer und sein Gehör schwächer: so würden die äusserlichen Theile der Natur mit ihren Schönheiten grösten Theils für ihn verhült sein, und der geselschaftliche Umgang würde dadurch viel verlieren. Ein mikroskopisches Auge würde einige Theile der Natur ekelhaft und andre fürchterlich machen. Ein teleskopisches Auge würde die kleinen sanften Erhöhungen in Berge, die Berge in ungeheure Höhen, und die anmuthigsten Thäler in scheusliche Abgründe verwandeln. Solte der Sin des Gehörs in gleichem Grade stärker werden, so würde der Schal des Donners uns betäuben, die menschliche Stimme unserm Ohre das werden, was ihm izt der Donner ist, und ein beständiges Geräusch und Getöse würde die Stille des Schlafs unterbrechen und alle Ruhe des menschlichen Lebens stören. Wäre das Gefühl feiner und zarter, so würde uns das, was uns jezt sanft dünkt, die empfindlichsten Schmerzen verursachen. –" Pag. 441. 442. 443. 444.
 
 
  Ia-01-1778-0372
3) Was Verleumdung?
 
 
  Ia-01-1778-0373
"Du stehest auf der Höhe der Pflicht. Siehe die matten Pfeile, aus dem Thale der Verleumdung auf dich abgeschossen, fallen zu deinen Füssen nieder. Trit herzhaft darauf und steige auf ihnen noch höher empor. –" Pag. 490.
 
 
  Ia-01-1778-0374
4) Es ist ein Gott! –
 
 
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  Ia-01-1778-0375
Ist es möglich, daß man den Himmel un die Erde, die Wunder der Weisheit, Macht und Güte, die sie unsern Augen darstellen, daß man ihre Ordnung und Schönheit, ihre Anmuth und ihren Nuzzen betrachten und doch keinen Gott erkennen kan? Ist es möglich, daß man sein eigenes Dasein glauben, einen denkenden Geist, ein nach Glük entbrantes Herz, ein redendes Gewissen in sich fühlen, einen wundervollen Körper mit sich herum tragen, und Millionen Gegenstände für seine Bedürfnisse eingerichtet sehen, und doch keinen weisen und almächtigen und heiligen Urheber der Welt glauben und dafür ein Ohngefähr, eine blinde Nothwendigkeit, an seine Stelle sezzen kan? – Pag. 640.
 
 
  Ia-01-1778-0376
XXIII.
 
 
  Ia-01-1778-0377
Von der Sicherheit wider die Donner–Stralen. Eine Abhandlung, welcher die Kur=Baierische Akademie der Wissenschaften eine goldne Medaille zuerkant hat, von Philipp Peter Guden. Summa petunt dextra fulmina missa dei OVIDIUS. Göttingen und Gotha, gedrukt und verlegt bei Johann Christian Dieterich. 1774.
 
 
  Ia-01-1778-0378
1) Von der Atmosphäre der Wolken.
 
 
  Ia-01-1778-0379
"Eine jede Wolke hat wiederum ihre Atmosphäre.
 
 
Manuskriptseite 206.
 
   
D. i. die gleichartigen Theile begeben sich nicht insgesamt auf eine Stelle dicht beisammen, sondern ob sie wol sich an einen Ort am dichtesten zusammen fügen; so fliegen dennoch viele zerstreuete Theilchen um sie herum, welche desto weiter von einander getrennet sind, je weiter sie vom Mittelpunkte der Wolke entfernt schweben." Pag. 4.
 
 
  Ia-01-1778-0380
2) Von der Höhe der Wolken.
 
 
  Ia-01-1778-0381
"Die höchsten Wolken schweben nicht über eine Viertel=Meile in der Höhe, die Gewitte=–Wolken aber nicht über 1000 Fus insgemein nur 600 Fus, und die Hagel=Wolken stehen viel niedriger." Pag. 8.
 
 
  Ia-01-1778-0382
3) Schnee und Hagel entstehn in dem Augenblikke, wenn sie niederfallen.
 
 
  Ia-01-1778-0383
"Mir gefält die Meinung des Hern P. Monestier nebst andern am besten, welche dafür halten, daß sie {der Schnee und Hagel} durch Veränderung der Dünste in Betracht ihrer Elementarischen Theile entstehen, wenn salzigte mit sauren oder schwefelichten vermischt worden. Hierzu mag vieles freilich vieles beitragen, wenn die obere Luft einen Wind in der untern verursacht, und die kalte Luft von Norden herüber treibt, welche die wässerichten Dünste, so xx über der Erde stehn, gefrierend macht." – Pag. 11.
 
 
  Ia-01-1778-0384
4) Von der Länge der Gewitter.
 
 
  Ia-01-1778-0385
"Die Gewitter sind wenigstens 200 Ruthen lang, gemeiniglich noch länger, und haben unten eine mehrentheils gerade und ebene Fläche, und sind an den Seiten gewölbt." Pag. 12.
 
 
Manuskriptseite 207.
 
  Ia-01-1778-0386
5) Wie die Wolken elektrisch werden.
 
 
  Ia-01-1778-0387
"Indem die Wolken und die Materie woraus sie bestehen wirbelnd gegen einander herum getrieben werden, so reiben sie sich, und dadurch werden sie elektrisch. –" Pag. 20.
 
 
  Ia-01-1778-0388
6) Was ein Gewitter ist.
 
 
  Ia-01-1778-0389
"Ein Gewitter ist dahero nichts anders als ein grosses elektrisirtes Gewölke." Pag. 22.
 
 
  Ia-01-1778-0390
7) Wie das Wetterleuchten entsteht.
 
 
  Ia-01-1778-0391
"Das Wetterleuchten entsteht, wenn eine elektrische Wolke oder ein anderer Körper von verschiedener Elektricität der Atmosphäre einer elektrischen Wolken begegnet. –" Pag. 26. 27.
 
 
  Ia-01-1778-0392
8) Wie Bliz oder Donnerstral entstehen.
 
 
  Ia-01-1778-0393
"Der Bliz oder Donnerstral entsteht, wenn eine Gewitter=Wolke einem andern Körper oder einer andern Wolken von entgegengesezter Elektricität zu nahe komt. –" Pag. 33.
 
 
  Ia-01-1778-0394
XXIV.
 
 
  Ia-01-1778-0395
Betrachtungen über die vornehmsten Wahrheiten der Religion an Se. Durchlaucht den Erbprinz von Braunschweig und Lünneburg. Mit gnädigster Freiheit. (Von Jerusalem, 1 Theil) Braunschweig , im Verlag der Fürstl Waisenhaus=Buchhandlung, 1768.
 
 
Manuskriptseite 208.
 
  Ia-01-1778-0396
1) Verschiedenheit der Thiere.
 
 
  Ia-01-1778-0397
"Die niedrigste Pflanze war noch halb Stein; das niedrigste Thier ist sichtbarlich mit der Pflanze noch verwandt; Halbthiere, die noch in Ästen fortwachsen, Thiere von Einer Art von Empfindungen, Thiere, die Fünfe haben; einige, die noch auf der Stelle sterben, worauf sie gebohren werden, denen ihre Schaale ihre ganze Welt noch ist; andere, die durch den Geruch, das Gehör, das Gesicht die entfernsten Dinge empfinden; Thiere, ungeheuer wie Berge; Thiere, denen der Raum von einem Sandkorne, ein Tropfen Wasser, ein Blat eine Welt ist." Pag. 5.
 
 
  Ia-01-1778-0398
2) Alles ist nur Eine Kette, nur ein volkommenes Ganzes x...x
 
 
  Ia-01-1778-0399
"Und alle diese Mannigfaltigkeit ist nur eine Kette; vom Stein zur Pflanze, von der Pflanze bis zum Affen; es sind alles Glieder die sich berühren. Es ist alles vol, nirgend ein Raum, nichts sich volkommen gleich, alles stuffenweise. Wo ich mit meinen Augen am Ende bin, da entdekken mir die Vergrösserungs= und Ferngläser neue Welten; und vielleicht bin ich auch mit diesen in der Hand noch immer auf den Mittelstuffen dieser unendlichen Leiter. Die Verbindung bleibt indessen immer dieselbe. Pflanzen, Thiere, Wasser, die Planeten, die Sonne selbst, alles ist um des anderen Willen da; es x...x macht alles nur ein Ganzes, ein volkommenes Ganzes aus. –" Pag. 6. 7.
 
 
Manuskriptseite 209.
 
  Ia-01-1778-0400
3) Was ist der Mensch, wenn kein Gott ist? –
 
 
  Ia-01-1778-0401
"Und was bin ich, wenn kein Gott ist? ein noch dunkeler Räthsel. Von lauter sterblichen Vätern von Ewigkeit her; – das widersprechendste Geschöpfe, von allen Seiten eingeschränkt, und in allen meinen Aussichten und Begierden unendlich; mit einer Anlage zu unendlichen Fähigkeiten, um als ein Embryo zu sterben; ein Herr der Thiere, ein Herr der ganzen Natur, mit allen Schiksalen eines Insekts; ein todter Staub vol götlicher Kraft; ein denkendes Wesen, das sich über alle Himmel erhebt; und in dem Augenblik ein Fras der Würmer; mit dem strengsten Gesez gebohren, ohne Gesezgeber. Wie räthselhaft! wie finster! –" Pag. 9.
 
 
  Ia-01-1778-0402
4) Die Mannigfaltigkeit und Ordnung im Thierreiche.
 
 
  Ia-01-1778-0403
"Im Thierreiche finde ich eben die Mannigfaltigkeit, dieselbige Ordnung. Ein jedes vermehret sich nach dem Maasse der Nahrungsmittel und seiner Brauchbarkeit; die Fische und Insekten vermehren sich unendlich, der Walfisch wirft nur zwei Junge, und die Insekten, damit sie von ihrem Geburtsorte sich so viel mehr verbreiten können, bekommen vor ihrer Vermehrung Flügel. Unter den Landthieren ist eben dieses Verhältnis. Die nüzlichern Heerden leben vom Grase, der gröste Theil der übrigen lebt, um den Reichthum der Natur zu verfältigen, eines von dem andern; aber vom Löwen in der afrikanischen Wüsten bis zum Ameisenlöwen, sind die Stärke, der Instinkt und die Vermehrungskraft in dem raubenden und leidenden Geschlechte, so genau gegen einander abgemessen
 
 
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daß eine jede Art unveränderlich dieselbe bleibt. Sie haben alle einerlei Nahrungs= und Erhaltungsglieder, aber in einem jeden sind sie nach der Nahrung die es braucht, nach dem Elemente worin es lebt, und nach seiner besondern Natur aufs genaueste abgeändert; alles ist gegen einander abgemessen, der Bau und das Gewicht des Vogels gegen das Gewicht der Luft; der Bau und das Gewicht des Fisches gegen das Gewicht des Wassers; ein jedes Glied hat in einem jeden seine abgemessene Stelle, und das genaueste Verhältnis, mit dem ganzen übrigen Leibe; ich verändre in Gedanken ein einziges, ich verrükke es um eine Linie, so ist das ganze Thier ein fühllose Misgeburt. Wo der Mechanismus aufhört, da fängt der Instinkt an; ein jedes kennet seine Nahrung, seinen Gatten, seinen Feind, dessen Waffen und Angriffe; es kennet das Maas seiner eignen Kräfte, es weis, ob es fliehen, ob es sich zur Wehre sezzen, ob es List zur List seine Zuflucht nehmen sol. Einige sterben mit einem Sommer, andre sind nur auf den Winter todt; einige samlen sich mit der ökonomischsten Vorsicht ihren Wintervorrath, andre reisen mit der {einer} geographischen Kentnis der Erdgegenden, die den erfahrensten Steuerman beschämt; und dieser Instinkt ist xx in dem kleinsten Thiere, weil er zu eines jeden Erhaltung gleich unentbehrlich ist, eben so stark als in dem grösten. Nur die höhere denkende Kraft, wenn ich sie so nennen kan, steigt wiederum, von unendlicher Weisheit und Güte gemessen, von x...x dem einfachsten Gefühle, durch unzählige Stuffen immer feinerer Empfindungen, bis an die Grenzen der Vernunft, in einem jeden Thiere in dem Maasse seiner übrigen Volkommenheit. Wie unbrauchbar wären der Hund
 
 
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und das Pferd bei allen ihren übrigen Volkommenheiten, wenn sie nicht eben dies Maas von Gelehrigkeit und Gedächtnis hätten; aber wie unglüklich, wenn sie noch um den geringsten Grad höhere oder wahre Vernunft hätten. – Pag. 25. 26. 27.
 
 
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5) Ich stehe mit der Welt in einer harmonischen Verbindung.
 
 
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"In eben einer solchen harmonischen Verbindung mit der Welt stehe ich auch. Meine Figur, meine Sinne, meine Kräfte – ich bin ganz nach dieser Welt abgemessen. Mein Gesicht, mein Gehör, alle meine Sinne, könten in eben so unendlichen Graden schärfer sein; aber ich nehme einen von diesen, so ist die Welt nicht mehr für mich; ich würde leben können, aber es würde für mich keine Schönheit, keine Harmonie mehr sein. – –" Pag. 27. 28.
 
 
  Ia-01-1778-0406
6) Unendlich ist Gott! –
 
 
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"Gott ist nothwendig durch sich selbst; unmöglich, daß er nicht sein könte, unmöglich, daß er je nicht gewesen, unmöglich, daß er irgendwo nicht sein könte; unendlich in der Dauer und im Dasein, von Ewigkeit zu Ewigkeit da, von Unendlichkeit zu Unendlichkeit gegenwärtig. Er ist nicht selbst Dauer oder Raum; Dauer und Raum sind nur durch ihn, Ewigkeit und Unendlichkeit wären beide ohne Ihn Nichts. Überal Gott; in jener Ewigkeit, da noch ausser ihm Nichts war, wo eine ewige Nacht noch die Tiefen dekte, worin nachher durch sein Wort die Welten wurden, da war Er schon der er ist. In jenen Tiefen, dort an dem äussersten Ufer der Schöpfung, in einem jeden Punkte, des grenzenlosen Raums, da ist Er, und ohne Ausdehnung, ohne Theile,
 
 
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wo Er ist, unendlich; alles auf einmal; alles Auge, alles Ohr, alles Vernunft, alles Wirkung; aber nicht wie die Seele der Welt, sonst wäre er leidend und wirkend zugleich, so wären ihre Theile, Theile von Ihm, und so würde er alle Veränderungen der Welt zugleich leiden. Er ist nicht mehr die Seele der Welt, als unsre Seele die Seele von den Dingen ist die sie ausser sich empfindet. Überal gegenwärtig mit aller Unendlichkeit; nicht durch die Wirksamkeit allein, denn Wirksamkeit läst sich ohne Gegenx...xt {Gegenwart} nicht begreifen, sondern dem Wesen nach, ohne Figur, sonst wäre er eingeschränkt, und wenn er irgendwo nicht sein könte, so wäre er nirgend nothwendig. Das einfachste Wesen; sich immer volkommen ähnlich, in Ewigkeit unveränderlich dassebe; auf einmal Alles, ohne Wachsthum, ohne Abnahme, denn er ist durch sich selbst. Unmöglich deswegen auch mehr als Eins. Denn bei mehrern unendlichen Wesen, die ausser einander und von einander unterschieden wären, wäre keines unendlich. Dies widerspricht der Natur eines durch sich selbst nothwendigen Wesens, und diese Einheit wird durch die Gleichförmigkeit und Harmonie der ganzen Natur bestätigt. –" Pag. 48. 49. 50.
 
 
  Ia-01-1778-0408
"Der Schöpfer der Welt ist ein lebendiges, vernünftiges, freies Wesen; hiervon sind wir so deutlich überzeugt, als wir in der Welt Ordnung und Weisheit wahrnehmen, und als {wir} in uns selbst eine Kraft zu denken und zu wollen haben. Wo aber in einem endlichen Wesen ein endlicher Verstand möglich ist, da ist in dem unendlichen Schöpfer dieser Wesen ein unendlicher Verstand nothwendig, oder der Widerspruch
 
 
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müste in der Unendlichkeit liegen; dies hiesse aber die Zeit für möglich und die Ewigkeit für unmöglich halten. Die volkommenste Vernunft kan eine solche Alwissenheit zwar nicht fassen, aber die schwächste kan sich Gott ohne dieselbe nicht denken. Alle Geschöpfe empfinden und denken nur durch ihn. Von der Schnekke bis zum Engel, der mit einem Blikke ganze Welten übersieht, theilte er das nach Wohlgefallen das Maas der Empfindungen aus. Aber wer hätte seiner Erkentnis ihr Maas bestimmen können? Meine Erkentnis ist kurz, weil x...x meine Dauer kurz ist, und sie ist eingeschränkt, weil meine Gegenwart eingeschränkt ist. Ich erkenne daher nichts als was ich mit meinen stumpfen Sinnen erreiche, alles nur einzeln, alles stükweise, nach und nach wie ich es erkrieche, und so wie ich das eine erreiche, so verschwindet mir das andre schon wieder. Das eine ist mir unendlich zu gros, das andre unendlich zu klein, und von dem wenigen was ich sehe, sehe ich noch nichts als die Schaale, das innere bleibt mir überal verschlossen. Meine Vernunft führet mich zwar etwas weiter, x...x meine Einbildung noch etwas weiter, aber, je weiter ich mich wage, je dunkler und unsichrer wird auch meine Aussicht. Der Weise bauet sich Systemen und schmeichelt sich als einem Schöpfer der auch Welten bauen könne, aber eine einzige neue Erfahrung, ein neuer Wurm zernichtet die ganze Schöpfung. Der Schöpfer der Welt kan nicht so, wie ich, erkennen. Ich würde ihn erniedrigen, wenn ich aus dem Grunde daß ich auch denke, ihn mit mir darin vergleichen wolte. Wie sehr mus meine Seele von dem Lebensgeiste des Wurms schon unterschieden sein! Gott mus nothwendig alles auf einmal mit der deutlichsten Gewisheit sehen. Er ist allen Dingen unmittelbar zugegen; hier ist alles in ihm ein Blik, ein
 
 
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Gedanke; Seine Wohnung ist der {ganze} unendliche Raum, in einem jeden Punkte desselben ist er Gott, er würde also nichts kennen, wenn er nicht alles kennete. Und nicht das wirkliche und gegenwärtige allein; er mus auch das mögliche und x zukünftige mit eben der Gewisheit und Deutlichkeit kennen; denn er ist zugleich als der Schöpfer gegenwärtig, dem nothwendig x...x alles was er erschaffen konte, ewig gegenwärtig sein muste, als der Schöpfer, der allen Dingen die Natur, die Kräfte, das Maas von Kräften und die Verbindung gab, wie sie nach seiner Weisheit ihre Wirksamkeit erhalten solten, und durch dessen almächtigen schöpferischen Willen, alles in seiner bestimten Wirksamkeit von einem Augenblik zum andern nur fortdauert; denn alles ist nur Existenz und Kraft, wie und so lange er wil daß es sein sol. Es müssen also alle mögliche Verbindungen und Folgen der Dinge bis in alle Ewigkeit in seinem unendlichen Verstande gegenwärtig sein. –" Pag. 58. 59. 60. 61.
 
 
  Ia-01-1778-0409
7) Heiligkeit Gottes! –
 
 
  Ia-01-1778-0410
"Die Heiligkeit nach ihrer Anwendung auf die empfindenden Geschöpfe ist Güte, in der Verbindung mit der volkommensten Weisheit ist sie Gerechtigkeit; die eigentliche grosse moralische Volkommenheit des höchsten Wesens. –" Pag. 71.
 
 
  Ia-01-1778-0411
8) Nichts von Ungefähr! –
 
 
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"Alles ist in der Welt untereinander wirklich verbunden; es berührt sich alles, das eine ist in dem andern gegründet, und verrükke ich das eine, so bekömt das übrige alles eine ganz andre Lage. Ein ungefährer Zufal, der in dem vorhergehenden nirgend seinen Grund hätte, ist der gröste Widerspruch in der Natur. Es hat alles seinen Grund und seine Folge; seinen Grund der der bis an die Schöpfung zurük geht, seine Folge
 
 
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die bis an das Ende desselben reicht, und es kan sich so wenig aus der Natur etwas ganz verlieren, so wenig als aus Nichts darin etwas entstehen kan. –" Pag. 91.
 
 
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9) Verbindung! – –
 
 
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"Eine jede einzelne Handlung von mir sezzet tausend andre in Bewegung; ich verliere sie vielleicht in der nechsten Verbindung schon aus dem Gesichte, aber ihr Einflus kan nicht annihiliret werden; der Verstand des ewigen Regenten der Welt übersieht sie bis in die Ewigkeit. Hier ist Muth für den tugendhaften Man, für den Gerechten, für den Wohlthätigen! Muth, um die Wahrheit und die Tugend zu ehren – Muth, seine Begierden zu verleugnen, die Kronen der Könige zu verleugnen, die Welt zu verleugnen – Auch Muth in dem Geringsten getreu zu sein, auch die kleinste gute Handlung nicht gering zu schäzzen! Unsre Augen sehen zwar ihre nächste Wirkung nur; auch diese ist vielleicht so klein, daß sie kaum zu bemerken ist. Ein ernsthaftes Wort, zur Vertheidigung der Wahrheit und der Tugend geredt – ein gutes beherztes Wort zur Vertheidigung der Unschuld gesprochen – ein Trunk x...x kaltes Wassers dem Elenden zur Erquikkung gereicht – eine geringe Hülfe dem Unterdrükten in seiner Noth gewähret – ein verlassenes Kind mit ein Paar Worten zum Guten ermuntert – es mit einer Kleinigkeit zur Geschiklichkeit und Tugend ermuntert – Wir sterben darüber; die That wird auch in keine Jahrbücher aufgezeichnet, ihre nächsten Folgen werden durch unzählige Verbindungen durchflochten, endlich komt ihre grosse Wirkung; vielleicht Jahrhunderte nach uns, in einer ganz andern Gegend, wo kein menschliches Auge auf ihren Grund zurük spüren kan, aber solte der algegenwärtige Schöpfer der Welt sie aus seinem Auge indessen verloren haben? –" Pag. 99. 100.
 
 
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10) Diese Erde ist eine Wohnung der Glükseeligkeit und Zufriedenheit! –
 
 
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"Die abgemessene Stellung der Erde gegen die Sonne, die weise Vermischung ihrer Erdlagen, die mit eben so vieler Weisheit ausgesuchte Abwechselung und Lage ihrer Berge und Thäler, ihr unerschöpflicher Reichthum, die wohlthätige x...x Abwechselung der Jahrzeiten, die liebreiche Fürsorge für alle Jahrszeiten und Gegenden, die unendlich weise Verbindung aller ihrer Theile, die weise Vertheilung der Güter über den ganzen Erdboden – – Denken Sie sich eine Schönheit, die keine Kopie der Natur wäre, denken Sie sich ein Vergnügen, was sie Ihnen nicht darböte; Sie können sie mit aller Ihrer Einbildung nicht übertreffen. Dieser Reichthum, diese Schönheit ist aber offenbar für die empfindenden Geschöpfe nach dem Maasse ihrer Fähigkeiten, und daher besonders für den Menschen. Denn nehmen Sie die Harmonie aller dieser Objekte mit unsern Sinnen, nehmen Sie die besondern Arten der Sinne, wie sie dazu ausgesucht sind, diesen ganzen Reichthum zu erschöpfen; nehmen Sie den abgemessenen Grad ihrer Schärfe, das Maas ihrer Reizbarkeit, die Mässigung dieser Reizbarkeit nach den verschiednen Umständen unsers Lebens, ihren wohlthätigen Wachsthum und Abnahme nach dem Alter, den glüklichen Leichtsin unserer Kindheit, die eben so glükliche Abnahme dieser Lebhaftigkeit mit dem Alter, die wohlthätige Einrichtung unsers Leibes, die alle Lebensgeschäfte mit den angenehmsten Empfindungen belohnet, die weise Einrichtung unserer Glieder die alle diese Geschäfte erleichtert und womit wir den Reichthum der Natur alle Augenblik nach unsern Absichten umschaffen, und ins unendliche vervielfältigen. Nehmen Sie die Einrichtung Ihrer moralischen Natur hinzu; die höhern Vergnügungen der Seele vernünftigen Seele, welche die
 
 
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Erkentnis der Wahrheit und die Übung der Tugend Ihnen darbietet, und deren Reizungen mit dem Alter in dem Maasse so viel lebhafter werden, als die sinlichen Empfindungen abnehmen; nehmen Sie die glükliche Fruchtbarkeit der Einbildung, den wohlthätigen Grundtrieb der Selbstliebe, die wohlthätige Abänderung dieses Triebes in so viel besondere, und die Empfindungen unsers Vergnügens vervielfältigende Leidenschaften, den eben so glüklichen, und fast eben so starken Trieb zur Geselligkeit; die zärtlichen Empfindungen der Freundschaft, die noch sanftern Freuden des Hausstandes, das reizende Vergnügen sich in allen Situationen des Lebens auf so mannigfaltige Art wolthätig machen zu können; nehmen Sie noch hinzu, daß Sie Ihren herlichen Schöpfer in allen diesen Werken denken, daß Sie ihn darin sehen, empfinden und lieben können; so müssen Sie bekennen, daß wir nach den Absichten dieses gütigen Schöpfers, auch in diesem ersten Auftritte unserer Existenz, schon sehr glükliche Geschöpfe haben sein sollen. –" Pag. 126. 127. 128.
 
 
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11) Widerlegung des Einwurfs gegen die götliche Fürsehung, "Der Mensch ist zu seiner Erhaltung nirgend allein hinreichend." -
 
 
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"Wir sind (wirft man ein) zu unserer Erhaltung nirgend allein hinreichend; die Mittel dazu sind mit karger Hand unter alle vertheilet, das dürftigste Leben erfordert zu seiner Erhaltung täglich tausend Hände. Aber da die Fürsehung die Welt so weislich eingerichtet hat, daß diese tausend Hände ohne von uns gedungen zu sein, in allen vier Theilen der Welt täglich für uns beschäftiget sind, was beschweren wir uns? Jezt sind alle
 
 
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Reichthümer der Natur von Grönland bis Peru unser, und der dürftigste geniest sie so reichlich als die Früchte seines eigenen Akkers. Können wir uns auch einen glüklichern Reichthum denken? Was sol ich mit der Stärke und Geschwindigkeit des Pferdes, da Pferde genug für mich da sind, wenn ich ihrer nöthig habe; und wird mir die Geschiklichkeit des Künstlers nicht eben so nüzlich, als wenn ich mir alles selbst zubereiten müste? Der Akkerman säet für den Weisen, und dieser rechnet ihm dagegen zu seiner Anweisung den Kauf des Himmels aus; Condamine und Maupertuis gehen nach Peru und Lapland, um die Figur der Erde zu messen, und der Schiffer braucht ihre Berechnungen so sicher, als wenn er sie selbst gemessen hätte.
 
 
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So findet jede Pflicht ihr eigen Maas Verstand;
Der eingetheilte Wiz, wird ganz zum Nuz verwandt.
Wollen wir alle gleiche Fähigkeiten des Geistes, gleich feine Empfindungen? Ein Fontenelle hinterm Pfluge: – was wäre unglüklicher? Durch die Vertheilung werden alle Kräfte der Natur unser, wollen wir sie alle in uns selbst vereinigt, so sind sie sie uns alle unbrauchbar. Die Art und Grösse des Guts macht die wahre Glükseeligkeit nicht aus; der ist der glüklichste, der die wenigsten unangenehmen Empfindungen hat; hiedurch bleibt die wesentliche Glükseeligkeit, sich bei allem Unterschiede der Güter und Fähigkeiten gleich. Hat der Einfältige, der Niedrige etliche Vorzüge weniger, wie glüklich ist er dafür in seiner Ruhe; hat der eine so viel feinere Empfindungen, so sind des andern seine auch so viel sicherer und wohlfeiler gesättigt; hat er nicht so viel Vermögen, so hat er auch so x...x viele phantastische Bedürfnisse nicht, wobei der Reiche immer arm bleibt; und die Empfindung einer dauer
 
 
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haften Gesundheit, vergütet dem Akkermanne sehr leicht die ungekanten Vergnügen des Weisen, und die langweiligen Üppigkeiten des verzärtelten Reichen. Wir müssen einen jeden nur nach seinen und nicht nach unsern Empfindungen beurtheilen; und wenn wir uns einbilden, daß das Loos der Mühseeligkeit nur allein auf die Niedrigen falle, so ist es ein sicherer Beweis daß wir die Grossen nur nach ihrem äusserlichen Glanze kennen. Die grossen Wohlthaten des Lebens, die reizenden Schönheiten der Natur, die angenehmen Empfindungen der Sinne, das Vergnügen der Freundschaft, die zärtlichen Freuden der häuslichen Verbindungen, geniest der Niedrigste mit dem Reichen und Grossen in gleichem Maasse, und mit seinen unverdorbenen Sinnen und seiner gesunden Seele vielleicht noch voller, wie jener. Ein ruhiges Gesicht und die laute Freude sind der Beweis, wer sie am vollesten geniest. –" Pag. 135. 136. 137.
 
 
  Ia-01-1778-0420
12) Alle Vernunft ist ewig! –
 
 
  Ia-01-1778-0421
"Ein vernünftiges Geschöpf, das seine ganze Existenz auf immer verliert, stirbt alle Zeit, wenn es stirbt, zu früh; es stirbt alle Zeit gegen seine Natur. Eine Maschine erhält durch ihre Zusammensezzung auf einmal ihre ganze Volkommenheit; das Thier erreicht auch mit seinem Alter alle Volkommenheit, deren seine Natur fähig ist. Aber ein vernünftiges moralisches Wesen hat seiner Natur nach keine Gränzen; nirgend eine Gränze in seiner Erkentnis, nirgend eine in seinen Wünschen, nirgend eine in seiner Glükseeligkeit. – Alle Vernunft ist ewig. – " Pag. 243.
 
 
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  Ia-01-1778-0422
Verzeichnis der Bücher in diesem Bande.
 
 
  Ia-01-1778-0423
I. Journual für Prediger. Erster Band. 1770. Pag. 1.
 
 
  Ia-01-1778-0424
II. Journual für Prediger. Zweiter Band. 1771. Pag. 2.
 
 
  Ia-01-1778-0425
III. Journual für Prediger. Dritter Band. 1772. Pag. 10.
 
 
  Ia-01-1778-0426
IV. Predigten von protestantischen Gottesgelehrten. Erste Samlung. 1771. Pag. 13.
 
 
  Ia-01-1778-0427
V. Predigten von protestantischen Gottesgelehrten. Zweite Samlung. 1772. Pag. 23.
 
 
  Ia-01-1778-0428
VI. Algemeine theologische Bibliothek. Erster Band. 1774. Pag. 24.
 
 
  Ia-01-1778-0429
VII. Algemeine theologische Bibliothek. Zweiter Band. 1774. Pag. 43.
 
 
  Ia-01-1778-0430
VIII. Algemeine theologische Bibliothek. Dritter Band. 1775. Pag. 50.
 
 
  Ia-01-1778-0431
IX. Algemeine theologische Bibliothek. Vierter Band. 1775. Pag. 59.
 
 
  Ia-01-1778-0432
X. Algemeine theologische Bibliothek. Fünfter Band. 1775. Pag. 75.
 
 
  Ia-01-1778-0433
XI. Algemeine theologische Bibliothek. Sechster Band. 1776. Pag. 77.
 
 
  Ia-01-1778-0434
XII. Algemeine theologische Bibliothek. Siebender Band. 1777. Pag. 85.
 
 
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  Ia-01-1778-0435
XIII. Algemeine theologische Bibliothek. Achter Band. 1777. Pag. 99.
 
 
  Ia-01-1778-0436
XIV. Algemeine deutsche Bibliothek. Des zwei und dreissigsten Bandes erstes Stük. 1777. Pag. 130.
 
 
  Ia-01-1778-0437
XV. Die christliche Lehre vom Gebet und der Bekehrung, nebst einem Anhange. Von Gottfried Less, D. und Pr. der Theol. 1776. Pag. 131.
 
 
  Ia-01-1778-0438
XVI. Neue Mannigfaltigkeiten. Ersten Jahrganges 1tes und 2tes Quartal. 1774. Pag. 135.
 
 
  Ia-01-1778-0439
XVII. Die Stimme des Hirten. Vertraute Reden eines Pfarhern an seine Pfarkinder. x Auf alle Sontage im Jahr. Vom Hern Reguis, D. Z. Pfarhern des Kirchsprengels zu Gap. Zweite Sontagspredigten. Erster Theil. 1774. Pag. 151.
 
 
  Ia-01-1778-0440
XVIII. Algemeine deutsche Bibliothek. Des drei und dreissigsten Bandes erstes Stük. 1778. Pag. 160.
 
 
  Ia-01-1778-0441
XIX. Algemeine theologische Bibliothek. Neunter Band. 1778. Pag. 169.
 
 
  Ia-01-1778-0442
XX. Algemeine theologische Bibliothek. Zehnter Band. 1778. Pag. 187.
 
 
  Ia-01-1778-0443
XXI. C. F. Gellerts Moralische Vorlesungen. Erster Band. 1771. Pag. 195.
 
 
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  Ia-01-1778-0444
XXII. C. F. Gellerts Moralische Vorlesungen. Zweiter Band. 1771. Pag. 201.
 
 
  Ia-01-1778-0445
XXIII. Von der Sicherheit wider die Donner–Stralen. Von Philipp Peter Guden. 1774. Pag. 205.
 
 
  Ia-01-1778-0446
XXIV. Betrachtungen über die vornehmsten Wahrheiten der Religion an Se. Durchlaucht den Erbprinz von Braunschweig und Lünneburg. (von Jerusalem, 1 Theil) 1768. Pag. 207.
 
 
  Ia-01-1778-0447
Anmerkung. Das fünf und zwanzigste Buch, das in diesem Bande {xxax} enthalten sein solte, (denn in jedem Bande werden alzeit 25 Bücher enthalten sein,) wird in dem folgenden Bande eingebracht werden. Also werden im folgenden Bande 26 Bücher sein. -
 
 
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  Ia-01-1778-0448
Register der in diesem ersten Bande enthaltnen Sachen.
 
 
  Ia-01-1778-0449
Anmerkung. Das Register wird von Seite zu Seite oder wie die Materien folgen, nicht nach dem Alphabet, gemacht werden.
 
 
  Ia-01-1778-0450
1) Von der Ewigkeit der Höllenstrafen Seite 1.
 
 
  Ia-01-1778-0451
2) Von den Wirkungen des Teufels 2. -
 
 
  Ia-01-1778-0452
3) Was die Beredsamkeit sei 2.
 
 
  Ia-01-1778-0453
4) Gesinnungen des Samariters bei dem Anblikke des Elenden 3.
 
 
  Ia-01-1778-0454
5) Verbindung der natürlichen Religion mit der christlichen Offenbahrung 3.
 
 
  Ia-01-1778-0455
6) Der schwerste und leichteste Beweis für die Wahrheit des Christenthums 6.
 
 
  Ia-01-1778-0456
7) Von der Kürze des jugendlichen Lebens 8.
 
 
  Ia-01-1778-0457
8) Eine Bemerkung 10.
 
 
  Ia-01-1778-0458
9) Das Glück des Gottwohlgefälligen 10.
 
 
  Ia-01-1778-0459
10) Schilderung des busfertigen Zölners 11.
 
 
  Ia-01-1778-0460
11) Von der Lehre Jesu Christi 12.
 
 
  Ia-01-1778-0461
12) Vom Namen unsers Erlösers 12.
 
 
  Ia-01-1778-0462
13) Von der Verdammnis 13.
 
 
  Ia-01-1778-0463
14) Von der Liebe gegen die Feinde 13.
 
 
  Ia-01-1778-0464
15) "Sie wissen nicht, was sie thun." 15.
 
 
Manuskriptseite 224.
 
  Ia-01-1778-0465
16) Von der unendlichen Weisheit Gottes Seit. 16.
 
 
  Ia-01-1778-0466
17) Von der Unsterblichkeit der Seele 21.
 
 
  Ia-01-1778-0467
18) Die Lehren Jesu 23.
 
 
  Ia-01-1778-0468
19) Von Akkommodationen und Allegationen 24.
 
 
  Ia-01-1778-0469
20) Von {den} christlichen Tugenden 24.
 
 
  Ia-01-1778-0470
21 Von der Versöhnung 28.
 
 
  Ia-01-1778-0471
22) Vom thätigen Christenthum 30.
 
 
  Ia-01-1778-0472
23) Von der Existenz des Teufels 31.
 
 
  Ia-01-1778-0473
24) Vom Evangelium 33.
 
 
  Ia-01-1778-0474
25) Eine Erklärung 34.
 
 
  Ia-01-1778-0475
26) Von den Begeisterten (Rasenden) 34.
 
 
  Ia-01-1778-0476
27) Von der Bedeutung des hebräischen Worts $$$$ 34.
 
 
  Ia-01-1778-0477
28) Von der Sünde gegen den heil. Geist und des Menschensohn 35.
 
 
  Ia-01-1778-0478
29) Erklärung des Spruchs 1. Kor. 2, 11. 35.
 
 
  Ia-01-1778-0479
30) Beweis, daß die Seeligkeit an kein Volk, an keine Religion gebunden, sondern ein algemeines Gut sei für alle Menschen 37.
 
 
  Ia-01-1778-0480
31) Etwas aus dem Geisterreiche 38.
 
 
  Ia-01-1778-0481
32) Begrif vom Glauben 43.
 
 
  Ia-01-1778-0482
33) Von dem Ebenbilde Gottes 43.
 
 
Manuskriptseite 225.
 
  Ia-01-1778-0483
34) Eine Hypothese! Seit. 48.
 
 
  Ia-01-1778-0484
35) Von der Tugend. 49.
 
 
  Ia-01-1778-0485
36) Eine Erklärung! 50.
 
 
  Ia-01-1778-0486
37) Die Absicht der Erlösung 50.
 
 
  Ia-01-1778-0487
38) Die Mittel, die Heilung unsers Jahrhunderts zu bewerkstelligen 51.
 
 
  Ia-01-1778-0488
39) Von der Ewigkeit der Höllenstrafen. 53.
 
 
  Ia-01-1778-0489
40) Von der Herschaft über die Kreaturen. 57.
 
 
  Ia-01-1778-0490
41) Vom heiligen Geiste 57.
 
 
  Ia-01-1778-0491
42) Von dem Unvermögen des Menschen, sich selbst zu bekehren (Scilicet-) 58.
 
 
  Ia-01-1778-0492
43) Von dem Worte "Ewig". (a??????, $$$$$) 58.
 
 
  Ia-01-1778-0493
44) Von der Dreieinigkeit 59.
 
 
  Ia-01-1778-0494
45) Die Mannigfaltigkeit der Religionen 60.
 
 
  Ia-01-1778-0495
46) Von der Tugend 63.
 
 
  Ia-01-1778-0496
47) Vom Ebenbilde Gottes 65.
 
 
  Ia-01-1778-0497
48) Von der Erbsünde (Scilicet-) 67.
 
 
  Ia-01-1778-0498
49) Von dem Verdienste 68.
 
 
  Ia-01-1778-0499
50) Von Akkomodationen und Allegationen 73.
 
 
Manuskriptseite 226.
 
  Ia-01-1778-0500
51) Von der Moral oder der Tugend Seit. 73.
 
 
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52) Die Schilderung der Morgenröthe 74.
 
 
  Ia-01-1778-0502
53) Anfang der Welt 75.
 
 
  Ia-01-1778-0503
54) Ein kindliches Stük aus der reizenden Unschuldswelt von jenen patriarchalischen Zeiten? – "Das Kind in seiner Unschuld!" 76.
 
 
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55) Von der heil. Schrift 77.
 
 
  Ia-01-1778-0505
56) Die Unendlichkeit Gottes 78.
 
 
  Ia-01-1778-0506
57) Ewigkeit!? – 79.
 
 
  Ia-01-1778-0507
58) Von der Gotheit Christi 79.
 
 
  Ia-01-1778-0508
59) Von dem Ausdruk "Jesus hat die Sünden der Menschen getragen." 81.
 
 
  Ia-01-1778-0509
60) Von Himmeln 85.
 
 
  Ia-01-1778-0510
61) Von dämonischen Leuten 85.
 
 
  Ia-01-1778-0511
62) Von den Mängeln der Jünger Jesu 97.
 
 
  Ia-01-1778-0512
63) Wie man seelig werden kan 98.
 
 
  Ia-01-1778-0513
64) Von der Gottheit Christi 98.
 
 
  Ia-01-1778-0514
65) Von Tugend und Laster (indem Selbstliebe die N nur die Nebenquelle der Tugend, Wohlwollen aber die Hauptquelle ist x und unordentliche Selbstliebe die Hauptquelle des Lasters) 99.
 
 
Manuskriptseite 227.
 
  Ia-01-1778-0515
66) Von der Erlösung {des Menschen} durch Jesum Christum Seit. 99.
 
 
  Ia-01-1778-0516
67) Von dem Leiden Jesu 128.
 
 
  Ia-01-1778-0517
68) Begrif vom Glauben 129.
 
 
  Ia-01-1778-0518
69) Von dem Sohne Gottes 129.
 
 
  Ia-01-1778-0519
70) Über die Änderungen des Barometers 130.
 
 
  Ia-01-1778-0520
71) Ob ein Blinder, der sehend geworden, durch Gesicht erkennen kann, was er durch Gefühl erkant hat? 131.
 
 
  Ia-01-1778-0521
72) Von der Ruhe des Gemüths 131.
 
 
  Ia-01-1778-0522
73) Vom Strafen der Prediger 132.
 
 
  Ia-01-1778-0523
74) Ein Heide vol Menschenliebe! 133.
 
 
  Ia-01-1778-0524
75) Das Gebet giebt Ruhe in der Todesstunde. 134.
 
 
  Ia-01-1778-0525
76) "Lied eines armen Jünglings." 135.
 
 
  Ia-01-1778-0526
77) "Morgenvorfälle." 136.
 
 
  Ia-01-1778-0527
78) "Auf eine Hyacinthenflor im Sch. Garten zu Q." 147.
 
 
  Ia-01-1778-0528
79) "Herausforderungslied eines russischen Grenadirs an seinen Feind." 148.
 
 
  Ia-01-1778-0529
80) "Der Unterschied." 148.
 
 
  Ia-01-1778-0530
81) "Hannibal und Antiochus." 149.
 
 
  Ia-01-1778-0531
82) "Marull."
 
 
Manuskriptseite 228.
 
  Ia-01-1778-0532
83) "Der Bescheid." Seit. 149.
 
 
  Ia-01-1778-0533
84) "Der Schulze in der Schenke." 149.
 
 
  Ia-01-1778-0534
85) "Posthumus." 150.
 
 
  Ia-01-1778-0535
86) "Auf den neugierigen Purzel." 150.
 
 
  Ia-01-1778-0536
87) "Grabschrift des Porkus." 150.
 
 
  Ia-01-1778-0537
88) "An einen Schmetterling." 150.
 
 
  Ia-01-1778-0538
89) Vom Menschen. 151.
 
 
  Ia-01-1778-0539
90) Ein rührendes Gebet! 158.
 
 
  Ia-01-1778-0540
91) Strafen! 160.
 
 
  Ia-01-1778-0541
92) Vom Teufel. 160.
 
 
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93) Eine Erklärung und Erinnerung. 161.
 
 
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94) Von der Genugthuung Jesu. 161.
 
 
  Ia-01-1778-0544
95) Vom Zustande des Judas Ischarioth in der Ewigkeit. 162.
 
 
  Ia-01-1778-0545
96) Abermal vom Teufel. 163.
 
 
  Ia-01-1778-0546
97) Von den Empfindungen. 165.
 
 
  Ia-01-1778-0547
98) Das Grab! 166.
 
 
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99) Von der Nonexistenz des Teufels. 166.
 
 
  Ia-01-1778-0549
100) Die Stimme der Weisheit. 169.
 
 
Manuskriptseite 229.
 
  Ia-01-1778-0550
101) Von den physischen Übeln dieser Welt. Seit. 170.
 
 
  Ia-01-1778-0551
102) Von der Endlichkeit der Höllenstrafen 172.
 
 
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103) Moral und Dogmatik! 173.
 
 
  Ia-01-1778-0553
104) Von der Auferstehung der Todten 173.
 
 
  Ia-01-1778-0554
105) Die Erbsünde. 176.
 
 
  Ia-01-1778-0555
106) Erklärung des Worts, Geistes, im 8ten Kap. an die Römer.
 
 
  Ia-01-1778-0556
107) "Über Wahrheit, Denken und Lehren." 180
 
 
  Ia-01-1778-0557
108) Denken! – Lehren! – 185.
 
 
  Ia-01-1778-0558
109) Von der Verdorbenheit der Menschen 186.
 
 
  Ia-01-1778-0559
110) Von der Inspiration des N. T. 187.
 
 
  Ia-01-1778-0560
111) Toleranz! 187.
 
 
  Ia-01-1778-0561
112) Von Opfern 188.
 
 
  Ia-01-1778-0562
113) Das Schulsystem! 192.
 
 
  Ia-01-1778-0563
114) Von der Heiligkeit Adams und andern Sachen. 192.
 
 
  Ia-01-1778-0564
115) Von den sinlichen Vergnügungen. 193.
 
 
  Ia-01-1778-0565
116) Wir müssen bei unsrer Tugend auf das künftige Leben sehen 194.
 
 
  Ia-01-1778-0566
117) Von den götlichen Gnadenwirkungen 195.
 
 
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  Ia-01-1778-0567
118) Von der Moral, wie sie das Herz bessert. Seit. 196.
 
 
  Ia-01-1778-0568
119) Das Hauptgesez der Moral 197.
 
 
  Ia-01-1778-0569
120) Die höchste Pflicht und das gröste Glük der Seele 197.
 
 
  Ia-01-1778-0570
121) Ein Beweisgrund für die Tugend. 198.
 
 
  Ia-01-1778-0571
122) Die Tugend! 199.
 
 
  Ia-01-1778-0572
123) Die Freude! 199.
 
 
  Ia-01-1778-0573
124) Das Schöne der Welt! 200.
 
 
  Ia-01-1778-0574
125) Von der Erbsünde 200.
 
 
  Ia-01-1778-0575
126) Betrachtung über die Natur. 202.
 
 
  Ia-01-1778-0576
127) Vom Menschen 202.
 
 
  Ia-01-1778-0577
128) Was Verleumdung? 204.
 
 
  Ia-01-1778-0578
129) Es ist ein Gott! 204.
 
 
  Ia-01-1778-0579
130) Von der Atmosphäre der Wolken 205.
 
 
  Ia-01-1778-0580
131) Von der Höhe der Wolken. 206.
 
 
  Ia-01-1778-0581
132) Schnee und Hagel entstehen in dem Augenblikke, wenn sie niederfallen. 206.
 
 
  Ia-01-1778-0582
133) Von der Länge der Gewitter 206.
 
 
Manuskriptseite 231.
 
  Ia-01-1778-0583
134) Wie die Wolken elektrisch werden. Seit. 207
 
 
  Ia-01-1778-0584
135) Was ein Gewitter ist 207.
 
 
  Ia-01-1778-0585
136) Wie das Wetterleuchten entstehet 207.
 
 
  Ia-01-1778-0586
137) Wie Bliz oder Donnerstral entstehen. 207.
 
 
  Ia-01-1778-0587
138) Verschiedenheit der Thiere. 208.
 
 
  Ia-01-1778-0588
139) Alles ist nur Eine Kette, nur Ein volkommenes Ganzes 208.
 
 
  Ia-01-1778-0589
140) Was ist der Mensch wenn kein Gott ist? 209.
 
 
  Ia-01-1778-0590
141) Die Mannigfaltigkeit und Ordnung im Thierreiche 209.
 
 
  Ia-01-1778-0591
142) Ich stehe mit der Welt in einer harmonischen Verbindung 211.
 
 
  Ia-01-1778-0592
143) Unendlich ist Gott! 211.
 
 
  Ia-01-1778-0593
144) Heiligkeit Gottes! 214.
 
 
  Ia-01-1778-0594
145) Nichts von Ungefähr! 214.
 
 
  Ia-01-1778-0595
146) Verbindung! 215.
 
 
  Ia-01-1778-0596
147) Diese Erde ist eine Wohnung der Zufriedenheit und Glükseeligkeit 216
 
 
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  Ia-01-1778-0597
148) Widerlegung des Einwurfs gegen die götliche Vorsehung, "Der Mensch ist zu seiner Erhaltung nirgend allein hinreichend." Seit. 217.
 
 
  Ia-01-1778-0598
149) Alle Vernunft ist ewig! 219.
 
 
  Ia-01-1778-0599
Ende des ersten Bandes.